| Unter
der Lupe
Anwendungsfiebel zum Dampf reinigen
und Bügeln
Herkömmliche Reinigungsverfahren entfernen Schmutz nur oberflächlich.
Verwenden wir statt Wasser nun Heißdampf, der auf 145° Celsius
erhitzt wurde, so dringt der Wasserdampf in die Poren zwischen Schmutz
und Oberfläche. Für den Bediener heißt das, zusätzlich
zur Bedienungsanleitung auch etwas über das doch andere Reinigungsverfahren
zu lernen.
Bild 1: Beispiel für
einen Dampfreiniger
Dem hat die Firma Kärcher aus Winnenden bei Stuttgart mit einer
eigenen Anwendungsfiebel Rechnung getragen. Steigen wir also gleich ein
und hoffen, dass wir uns nicht die Finger verbrennen.
Grundsätzlich, so lesen wir in der Fiebel, sind Dampfreiniger überall
einsetzbar. Acht Praxisfälle sollen dies veranschaulichen.
Greifen wir uns einen solchen Praxisfall exemplarisch heraus und sehen
wir, wie die Information dem Anwender übermittelt wird.
"Fettablagerungen", und wie man damit umgeht. Das sehen wir auf Seite
10 der Fiebel. Dort wird in vier Schritten, jeweils begleitet von einem
Foto, aufgezeigt, wie Fette von Edelstahl zu entfernen sind.
Schritt 1:
"Edelstahl ist gerade im Trend - doch er sieht nur gut aus, wenn kein
Fettfilm auf ihm liegt. Die glatten Flächen reinigen Sie mit der Handdüse
und einem Frotteeüberzug."
Kommentar:
Im Gegensatz zu den Texten einer Anleitung dürfen die Texte in
solch einer Anwendungsfiebel durchaus etwas ausgeschmückt werden.
"Edelstahl ist gerade im Trend...". Der Anwender wird gerne weiterlesen.
Jetzt wird das Problem erklärt. Auf dem Edelstahl befindet sich
ein Fettfilm oder die berühmten Fingerabdrücke unserer Kinder
- auch das ist Fett beziehungsweise Talg. "... wenn kein Fettfilm auf ihm
liegt".
Zum Schluss kommt die Arbeitsanweisung. "Die glatten Flächen reinigen
Sie mit der Handdüse und einem Frotteeüberzug".
Damit ist Schritt 1 beendet. Werfen wir nun einen Blick auf das nächste
Bild, den nächsten Schritt.
Schritt 2:
"Wenn der Fettfilm schon älter ist, kommen Sie um stetiges Reiben
und Andrücken nicht herum. Dabei immer Dampf zugeben."
Kommentar:
Dieser Text weist auf mögliche zu erwartende Schwierigkeiten hin.
Mit anderen Worten: Es liegt nicht am Produkt, wenn der alte Dreck nicht
sofort abgeht. Also, ein bisschen "Reiben und Andrücken". Und noch
eine Arbeitsanweisung: "Dabei immer Dampf zugeben". Das ist plastisch ausgedrückt
und auf dem Bild dampft es auch mächtig.
Schritt 3:
"Nach und nach reichert sich das Fett im Tuch an. Deshalb sollten Sie
zwischendurch mit einem frischen Tuch nachreiben."
Kommentar:
Das Bild zeigt eine stärker verschmutzte Esse. Ein Teil des Edelstahls
ist bereits blank. Jemand poliert mit einem frischen Tuch nach. Bild und
Text sind identisch in der Aussage. Durch das Bild wird aber klar, dass
das Wort "Tuch" im ersten Satz sich auf jenes bezieht, durch das der Dampf
strömt. Denn dieses Tuch sowie der Dampfreiniger sind im Bild nicht
zu sehen; nur das frische Tuch, mit dem nachgerieben wird. Vielleicht wäre
es eindeutiger, im ersten Satz vom "Frotteetuch" zu sprechen. Dieser Terminus
wurde im Schritt 1 auch verwendet.
Trotzdem, die perfekte Hausfrau versteht das schon. Und der Hausmann
sicher auch.
Schritt 4:
"Stück für Stück wird dann abwechselnd über die
Fläche gearbeitet: In der einen Hand die Düse, in der anderen
Hand das frische Tuch."
Kommentar:
Der Informationsgehalt ist eher redundant. Natürlich muss der
Anwender weiterarbeiten, bis die gesamte Fläche geputzt ist. Andererseits
wird dem etwas weniger geschickt arbeitenden Anwender mitgeteilt, dass
er am besten in der linken Hand das Tuch zum Nachreiben hält, und
in der rechten Hand die Düse des Dampfreinigers mit dem Frotteetuch.
Genau das zeigt auch das Bild.
Fazit
Die Texte sind sehr gefällig formuliert, deshalb leicht zu lesen,
leicht zu verstehen und leicht umzusetzen - und auch für den nächsten
Einsatz im Gedächtnis zu behalten. Wie schon gesagt: "Dabei immer
Dampf zugeben".
Harald
B. Adolph
Herausgeber
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