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Unter
der Lupe
Wie kommt die Partitur aufs Papier:
Diesmal hat ein ausgewachsenes Buch unter der Lupe gelegen: Das Benutzerhandbuch zur Musiksoftware „capella 2000“, Version 3.0 für Windows, verfasst von Hartmut Ring, herausgegeben von der whc Musiksoftware GmbH in Söhrewald, ISBN 3-933741-77-7. Schon durch seine äußere Form weckt es größere Erwartungen als ein billiges Faltblatt. Ob es sie erfüllen kann? Der Einstieg in jede Anleitung ist die Titelseite. Sie muss klarstellen: Worum geht es in der Anleitung? Das heißt: Zu welchem Produkt genau (hier: zu welcher Software) von welchem Hersteller gehört die Anleitung? Wozu (Bedienung, Montage, Reparatur usw.) leitet die Anleitung an? Der – übrigens sehr ansprechend gestalteten – Titelseite der Anleitung (siehe Bild 1) ist in diesem Fall der Name der Software zu entnehmen (capella 2000), die Version (3.0 für Windows) und der Hersteller (whc Musiksoftware). Weiter ist der Verfasser angeführt. Die allgemeine Bezeichnung „Benutzerhandbuch“ lässt auf eine alle Bereiche der Bedienung umfassende Anleitung für den Benutzer schließen, ohne Einschränkungen. Schließlich enthält die Titelseite noch den Zusatz „Notensatz auf dem PC“, mit dem der Einsatzbereich der Software umrissen ist. Auf dem Umschlag (U4) ist des Weiteren die ISBN zu finden. Der Buchrücken enthält die Angaben „capella 2000“ und „Benutzerhandbuch“, die ausreichen dürften, um die Anleitung jederzeit im Regal wiederzufinden.
Bild 1: Die Titelseite informiert und motiviert Das umfangreiche Inhaltsverzeichnis (drei Seiten) führt sieben Teile des Handbuchs auf:
Die Mühe, die Einführung zu lesen, lohnt sich tatsächlich, auch wenn es etwas Zeit kostet. Das Kapitel „Vom Notenstich zum Computer-Notensatz“ ist interessant geschrieben, außerdem wird deutlich, welche Funktion die Software haben könnte. Positiv ist auch, dass ein Kapitel über „Wichtige Begriffe“ vorhanden ist, die dort definiert werden. Beim weiteren Lesen stellt man dann allerdings fest, dass dieses Kapitel noch viel umfangreicher hätte sein können (und sollen). Ebenfalls nützlich ist das Kapitel „Überblick über dieses Handbuch“ in der Einführung. Hier findet sich der für viele Leser sicherlich wichtige Hinweis „Wenn Sie Handbücher verabscheuen, überfliegen Sie das Kapitel 3 („Noteneingabe“), fangen dann einfach an und ziehen bei Bedarf den alphabetischen Nachschlageteil zu Rate.“ Mit „Nachschlageteil“ ist offenbar Teil 6 „Notensatz von A bis Z“ gemeint (das hätte man auch schreiben können …). Von dieser Kleinigkeit abgesehen, muss man Handbücher nicht geradezu verabscheuen, um froh zu sein, auf eine Kurzanleitung und einen Nachschlageteil zu stoßen. Vorausgesetzt, mit diesen beiden Informationsquellen kommt man tatsächlich zu akzeptablen Ergebnissen. Für die Benutzung des Nachschlageteils wäre es hilfreich gewesen, wenn er optisch deutlicher von den übrigen Teilen des Buches abgesetzt worden wäre. Da sich der Nachschlageteil kaum von den anderen Teilen unterscheidet, ist das Nachschlagen mit unnötig langem Blättern verbunden. Leider fehlen Rückverweise aus dem Nachschlageteil auf andere Kapitel des Buches. So wird z. B. unter dem Stichwort „Schlangenlinien“ darauf hingewiesen, man solle Arpeggio-Schlangen in die „Galerie“ aufnehmen; es fehlt aber eine Erklärung, was unter „Galerie“ zu verstehen ist, und ein Querverweis auf das Kapitel „Verwendung der Galerie“, das man zwischen den vielen Einträgen im Inhaltsverzeichnis lange suchen muss. Sehr knapp wird im Kapitel „Überblick über dieses Handbuch“ der Tabellenteil abgehandelt – schade, denn die Tabellen wird man bei der praktischen Verwendung der Software mindestens ebenso oft brauchen können wie den Nachschlageteil. Die Zielgruppe, an die sich das Handbuch wendet, bringt sicherlich ein gewisses Vorwissen mit. Wer Noten setzen will, sie also in ordentlicher, „professionellerer“ Form für sich selbst oder andere festhalten will, der hat mindestens ein rudimentäres Verständnis für Musik und – banal, aber wahr – der kennt Noten. Die Frage ist aber: Wie weit geht das Verständnis für Musik und wie viel weiß der Benutzer über Noten? Welches Vorwissen ist also vorauszusetzen? Für den Umgang mit capella 2000 ist außerdem Vorwissen im Bereich der EDV nötig: Der Anwender muss seinen PC halbwegs kennen und Windows-Grundfunktionen beherrschen. Letztere Vorstellung wird im Handbuch selbst so formuliert: „Dieses Handbuch setzt voraus, daß Sie mit der grundsätzlichen Bedienung von Windows vertraut sind. Deshalb finden Sie hier nur Hinweise, die nicht für alle Windows-Programme gelten.“ Das vorausgesetzte Vorwissen auf musikalischem Gebiet wird allerdings m. W. in diesem Handbuch nicht definiert (es ist nicht auszuschließen, dass ich den entsprechenden Hinweis übersehen habe). Es stellt sich aber heraus, dass ein Vorwissen vorausgesetzt wird – so z. B., wenn von der „kleinen“ und der „großen Oktave“ die Rede ist oder von „Alterationen“ (Erklärung im Nachschlageteil: „Die Noten werden der Tonart entsprechend alteriert.“ – alles klar?). Vielfach könnte die Verständlichkeit gerade für den Anfänger durch Abbildungen verbessert werden. Aber auch der „Fortgeschrittene“ würde in vielen Fällen von Abbildungen profitieren, denn sie können wortreiche Erklärungen anschaulicher machen und so den „Aha-Effekt“ herbeiführen bzw. beschleunigen. Ein Beispiel aus Kapitel 3: |
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| Dieses Kapitel wäre sicherlich wesentlich leichter
verständlich, wenn das „Mausklavier“ mitsamt zugehöriger Symbolleiste
abgebildet wäre. Nebeneffekt: Auch der Text könnte dank der Abbildung
sicherlich gekürzt werden. Wenn man aber schon auf die Abbildung des
Mausklaviers verzichtet, dann hätte man doch wenigstens die aufgeführten
Symbole aus der Symbolleiste zeigen sollen: ein Symbol zum Eingeben von
Pausen – wie sieht es aus? ein Klaviertastensymbol – wie sieht es aus?
usw.
Dagegen ist die Angabe von Menüs und Optionen in Kapitälchen („ANSICHT – MAUSKLAVIER“, siehe oben, erster Satz des Kapitels „Noteneingabe mit dem Mausklavier“) bei einer am PC nicht völlig unerfahrenen Zielgruppe durchaus akzeptabel; die Abbildung des Menüs würde nicht viel weiterhelfen. Dies gilt umso mehr, als im Kapitel „Grundlagen der Bedienung“ diese Schreibweise von Menübefehlen ausdrücklich eingeführt wird. Für den musikalisch weniger sicheren Anwender wären vor allem
im Nachschlageteil Illustrationen hilfreich. Hierzu folgendes Beispiel:
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| Mit einer Abbildung einer kurzen Vorschlagnote im Zusammenhang
wäre schnell und einfach klargestellt, worum es geht. Die Definition
„Ein kurzer Vorschlag ist eine kleine, schräg durchgestrichene Achtelnote
ohne Wert“ wäre damit zwar nicht überflüssig, aber zumal
für Anfänger wäre schon beim Durchblättern erkennbar,
ob der „kurze Vorschlag“ wirklich das Zeichen ist, über das sie sich
informieren wollen.
… eine Anleitung, die wohl nicht für die gesamte in Betracht zu
ziehende Zielgruppe geeignet ist.
Stuttgart
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