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 Inhalt: 

Abstract  

Integrierter Workflow  

Pre-Editing  

Multilinguale Generierung  

Qualifikationsprofile verlagern  

Idealprozeß vs Alltagspraxis  

Festlegungen  

Fazit für die Ausbildung  

Autor  

Literatur 

Der Technische Redakteur als Global Player:  

Berufspraxis und Anforderungen an die Ausbildung der Zukunft 

Abstract: 

Bei der Erstellung mehrsprachiger Dokumentation ist das Übersetzen heute kein Prozeß mehr, der der Erstellung des Ausgangstextes lediglich folgt, sondern ein Vorgang, der schon vor und bei der Ausgangstextproduktion zu berücksichtigen ist. Dieser Artikel liefert einen Überblick über die verschiedenen aktuellen und zukünftigen Möglichkeiten des Workflows bei der Erstellung mehrsprachiger Dokumentation, den damit verbundenen Wandel im Qualifikationsprofil von Technischen Redakteuren und Übersetzern und die Rückwirkungen, die dieser Wandel auf deren Ausbildung haben sollte. 

1 Integrierter Workflow 

Im Workflow von Unternehmen, die Dokumentation multilingual erstellen, hat man das Ziel der Mehrsprachigkeit im Laufe der Jahre zu einem immer früheren Zeitpunkt ins Auge gefaßt. Wurden Dokumentation und Übersetzungen vor 10 bis 15 Jahren noch in getrennten und sequentiell arbeitenden Abteilungen erstellt, zwischen denen es nur geringe Rückkoppelungseffekte gab, geht man heute zu einer zunehmenden Verzahnung der Abteilungen über. Hartley/Paris (1997: 113) berichten sogar von Firmen, in denen an die Stelle der Erstellung von Dokumentation und ihrer anschließenden Übersetzung die parallele Abfassung der Dokumentation in mehreren Sprachen durch Technische Redakteure unterschiedlicher Muttersprache getreten ist. 

Hierdurch wird die Time-to-Market für Exportprodukte, die eine fremdsprachige Dokumentation benötigen, gering gehalten und außerdem den kulturspezifischen Erwartungen der Adressaten in den verschiedenen Ländern in idealer Weise Rechnung getragen. Diese Vorgehensweise hat jedoch den Nachteil, daß hier konzeptionelle Arbeit mehrfach geleistet wird. 

2 Pre-Editing statt Post-Editing 

Wird bei der Erstellung von Dokumentation, die übersetzt werden muß, noch keine Rücksicht auf den anschließenden Übersetzungsprozeß genommen, so sind später zahlreiche Rückfragen zur Beseitigung von Unklarheiten erforderlich, und der Einsatz von Übersetzungstools wie Translation-Memory-Systemen (TMS) und maschinellen Übersetzungssystemen (MÜ-Systemen) gestaltet sich ineffizient oder erfordert einen erheblichen Post-Editing-Aufwand. Die Tendenz geht heute aber dahin, den Post-Editing-Aufwand durch Pre-Editing auf ein Minimum zu reduzieren oder gar völlig zu umgehen. Erreicht werden kann dies unter anderem durch: 

  • die Zusammenstellung neuer Texte aus bereits existierenden (und übersetzten) Textbausteinen
  • den Einsatz kontrollierter Sprachen
Unter kontrollierten Sprachen sind dabei keine Kunstsprachen zu verstehen, wie etwa das Esperanto, sondern Subsysteme natürlicher Sprachen, deren Wortschatz und zulässige grammatische Konstruktionen eine Teilmenge des Wortschatzes bzw. derjenigen grammatischen Konstruktionen der unkontrollierten natürlichen Sprache darstellen, aus denen sie abgeleitet sind (Näheres hierzu in Göpferich 1998: 288 ff.). Daß ein Text in einer kontrollierten Sprache abgefaßt wurde, bemerkt der Leser in der Regel nicht. Technischen Redakteuren fällt es jedoch – vor allem am Anfang – schwer, das Repertoire der kontrollierten Sprache nicht versehentlich zu verlassen. Hier helfen aber Prüfprogramme (controlled language checkers/conformance checkers), die in einem Text Wörter und Konstruktionen, die die kontrollierte Sprache nicht vorsieht, optisch hervorheben und ggf. Alternativvorschläge machen oder Hinweise zur Beseitigung des ‚Fehlers’ geben. Darüber hinaus kann für den Technischen Redakteur der Einsatz von Werkzeugen zur interaktiven Auflösung von Mehrdeutigkeiten nützlich sein. 

3 Multilinguale Textgenerierung statt Übersetzung 

Die allerneuesten Bestrebungen gehen sogar dahin, den Aspekt der Mehrsprachigkeit noch weit vor der Ausgangstextproduktion zu berücksichtigen. Die Idee liegt hier in der automatischen multilingualen Textgenerierung auf der Grundlage einer noch sprachunabhängigen Wissensbasis (s. hierzu z. B. Hartley/Paris 1997). 

Einer der wesentlichen Vorteile der automatischen mehrsprachigen Textgenerierung besteht in der Möglichkeit, das in der Wissensbasis gespeicherte Wissen mehrfach zu nutzen. Hierdurch wird dem Umstand Rechnung getragen, daß viele Firmen zu einem Produkt Texte verschiedener Textsorten (z. B. Manuals und Tutorials) herausgeben, die zu einem großen Teil dasselbe Wissen – jedoch in unterschiedlicher Versprachlichung – vermitteln, so daß TMS bei der Übersetzung nicht optimal greifen. Ein multilinguales Generierungssystem, das mit den entsprechenden textsortenspezifischen Vertextungsregeln ausgestattet ist, kann diese verschiedenen Textsorten zum selben Produkt jeweils aus einer einzigen Wissensbasis heraus generieren. Nachträgliche Änderungen brauchen nicht mehr in jedem Dokument vorgenommen zu werden. Es reicht eine einmalige Änderung in der Wissensbasis, aus der dann die geänderten Dokumente neu generiert werden können (Hartley/Paris 1997: 116 ff.). 

4 Verlagerung der Qualifikationsprofile und Aufgabenspektren 

Mit der Verlagerung der Steuerung der Übersetzungsqualität vom Post-Editing auf das Pre-Editing und schließlich auf die Erstellung der Wissensbasis und die Definition der Vertextungsstrategien, auf die automatische multilinguale Textgenerierungssysteme zurückgreifen, geht zugleich eine Verlagerung der Qualifikationen einher, die für die mehrsprachige Textproduktion erforderlich sind. Ein für die maschinelle Übersetzung grundsätzlich geeigneter und durch Pre-Editing an die Anforderungen eines MÜ-Systems angepaßter Ausgangstext macht fremdsprachliche und translatorische Kompetenz für den eigentlichen Prozeß der Übersetzung entsprechender Texte in weiten Bereichen überflüssig. Die entsprechende Leistung erbringt das MÜ-System. Das heißt aber nicht, daß Übersetzer und damit die Übersetzungsausbildung überflüssig werden! Die fremdsprachliche und translatorische Kompetenz des Übersetzers ist weiterhin gefragt, und zwar unter anderem: 

  • bei der Übersetzung von Texten (z. B. Marketing-Unterlagen), die nicht für die MÜ geeignet sind; 
  • bei der für die MÜ zu leistenden terminologischen und textographischen Vorarbeit (Auf- und Ausbau von Terminologiedatenbanken und Übersetzungsspeichern);
  • bei der Entwicklung und Weiterentwicklung von übersetzungsunterstützenden Werkzeugen (wie TMS und MÜ-Systemen);
  • bei der Entwicklung und Weiterentwicklung von kontrollierten Sprachen für die maschinelle Übersetzung und von Tools, die Autoren bei der Abfassung kontrolliertsprachiger Texte unterstützen, sowie 
  • für anspruchsvolle Lokalisierungsaufgaben. 
Computerlinguistische Kenntnisse sind hier unabdingbar. 
Bei der automatischen multilingualen Textgenerierung wird selbst die Textproduktionskompetenz eines Technischen Redakteurs für die eigentliche Textproduktion in einigen Bereichen überflüssig werden. Für entsprechende Systeme wird vor allem die Sachgebietskompetenz der Produktentwickler benötigt, die die sprachunabhängige Produktrepräsentation für die Wissensbasis erstellen, aus der das System dann automatisch die Dokumentationstexte in den gewünschten Sprachen generiert. Die Texproduktionskompetenz des Technischen Redakteurs (und auch des Übersetzers) wird hier gefragt sein bei der Definition der textsortenspezifischen Vertextungsstrategien, die das automatische Textgenerierungstool auf den Bestand der Wissensbasis anwendet. Auch hier findet also eine Verlagerung der Arbeitsschwerpunkte an den Anfang des Produktionsprozesses – in Richtung Produktentwicklung – statt. Hartley/Paris (1997: 113) beschreiben diese Entwicklung wie folgt: 
    A new class of tools is emerging, that shift the attention from translating to authoring and avoid a duplication of competence across system and human user. These are implementations of the idea of MT for monolinguals proposed by Kay (1973) and Johnson and Whitelock (1987). In this scenario, the human user brings to the task source-language knowledge and domain expertise, while the system possesses the contrastive linguistic and target-language knowledge. Thus, there is complementarity rather than operlap of expertise.
5 Idealprozeß vs. Alltagspraxis 

In der Praxis spielt die automatische mehrsprachige Textgenerierung heute jedoch noch kaum eine Rolle. Sie wird auch in Zukunft die bisherigen Methoden zur Erstellung technischer Dokumentation in mehreren Sprachen – auch langfristig gesehen – nicht ablösen, sondern ihnen ergänzend zur Seite treten. Dabei muß das Ziel verfolgt werden, Redundanzen in der Datenhaltung und -verarbeitung zu vermeiden. Zu diesem Zweck werden entsprechende Dokumentenmangementsysteme entwickelt (s. beispielsweise http://www.iai.uni-sb.de/multidoc/md-summary.html). 

Vielfach eingesetzt wird heute schon die Textproduktion in einer kontrollierten Sprache mit Unterstützung eines Prüfprogrammes, die anschließende Übersetzung der Texte mit Hilfe eines TMS, wobei die ausgangssprachlichen Daten in das TMS importiert werden, das TMS einen Vergleich mit den Inhalten seines Übersetzungsspeichers vornimmt und die gefundenen Übersetzungen in den zielsprachlichen Text einfügt. Die Textabschnitte des zielsprachlichen Dokuments, die noch unübersetzt vorliegen, werden dann zusammen mit der Projektterminologie an ein MÜ-System geschickt. Dessen Übersetzungsergebnisse werden nicht automatisch in die zielsprachliche Version integriert, sondern unterstützen den Übersetzer interaktiv bei seiner Übersetzungstätigkeit. Entsprechende Schnittstellen vom TMS zu einem oder mehreren MÜ-Systemen (u. a. Logos und Systran) werden heute bereits von verschiedenen TMS-Herstellern angeboten (Hoppe 1999: 8.7.5.1-3). 

Graphisch können die verschiedenen Möglichkeiten des Workflows bei der Erstellung mehrsprachiger Dokumentation heute wie in Abb. 1 dargestellt werden: 

 
 
Abb. 1: Workflow bei der multilingualen Dokumentationserstellung 

Betrachten wir die einzelnen Arbeitsschritte zur Vorbereitung multilingualer Dokumentationsprojekte etwas näher. 

5.1 Terminologische Festlegungen  

Zur Sicherstellung terminologischer Konsistenz (und damit hoher Trefferquoten beim Einsatz von TMS und MÜ-Systemen) sind vor der Erstellung einer Dokumentation (und nach Möglichkeit auch noch vor der Beschriftung des Produkts und der Gestaltung seiner Benutzungsoberfläche) sowie vor der Anfertigung der Übersetzungen terminologische Festlegungen zu treffen. Hier ist beispielsweise zu klären, wie die einzelnen Teile, Funktionen, Tätigkeiten usw. in den verschiedenen Sprachen benannt werden. Dabei ist auch zu vereinbaren, ob beispielsweise ein Kompositum mit oder ohne Bindestrich geschrieben wird (also Terminologiedatenbank oder Terminologie-Datenbank). Unterstützung bieten hier Terminologieextraktionsprogramme und Terminologieverwaltungsprogramme, wobei beim anschließenden Einsatz eines MÜ-Systems auf eine Schnittstelle des Terminologieverwaltungsprogramms zur Terminologiedatenbasis des MÜ-Systems geachtet werden sollte. 

5.2 Festlegung von Dokumentvorlagen und Formatierungsrichtlinien 

Das konsequente Arbeiten aller an einem Projekt beteiligten Technischen Redakteure mit einheitlichen Dokumentvorlagen stellt Konsistenz in der Formatierung sicher, erhöht die Effektivität und Ergonomie des Einsatzes von TMS und MÜ-Systemen und erleichtert nachträgliche Formatierungsänderungen. Zum maschinellen Übersetzungssystem LOGOS gibt es eine Dokumentvorlage in Form eines Add-Ins (LOGOS.DOT), mit der die LOGOS-gerechte Erstellung von Texten erleichtert wird. 

5.3 Festlegung von Standardformulierungen 

Vor der Formulierung der Ausgangsversion einer Dokumentation sollten Standardformulierungen für immer wiederkehrende Inhalte festgelegt und als Autotexte bzw. Textbausteine abgelegt werden. Diese sollten genau wie die Terminologie vorab in alle benötigten Sprachen übersetzt werden (am besten mit einem TMS). Die für sie relevanten Texte sollten dann allen beteiligten Autoren und Übersetzern (beim Einsatz von TMS in Form von Referenzmaterial) zum verbindlichen Gebrauch zur Verfügung gestellt werden. Entsprechendes gilt auch für Texte der Benutzungsoberfläche von Software. Auf diese Weise kann die Formulierungskonsistenz der Dokumentation (und der Texte der Benutzungsoberfläche) verbessert und dadurch die Effektivität der Arbeit mit TMS und MÜ-Systemen noch weiter erhöht werden. 

5.4 Festlegung von Formulierungsrichtlinien (Style Guide, kontrollierte Sprache) 

Neben der konsequenten Verwendung von Autotexten und Textbausteinen führt die Aufstellung und Einhaltung von Formulierungsrichtlinien zu einer weiteren Standardisierung von Texten und diese wiederum zu höheren ‚Trefferquoten’ bei der Arbeit mit TMS und MÜ-Systemen. Die Kriterien für die Festlegung der Formulierungsrichtlinien sollten dabei sein: Konsistenz, Verständlichkeit, Eindeutigkeit und Prägnanz  sowie bei der anschließenden maschinellen Übersetzung auch Analysierbarkeit durch das verwendete MÜ-System. Sie führen insgesamt zu leichter Rezipierbarkeit, einer Eigenschaft, die jeder Gebrauchstext (im Gegensatz zu literarischen Texten) erfüllen sollte. Der Übergang von der Einhaltung eines bloßen Style Guides zur Textproduktion in einer kontrollierten Sprache ist dabei fließend. 

5.5 Pflege von Referenzmaterial für die TMS-gestützte und maschinelle Übersetzung 

TMS arbeiten nach dem GIGO-Prinzip (garbage in – garbage out). Es ist daher wichtig, sicherzustellen, daß nur einwandfreie ausgangssprachige Texte und ihre einwandfreien Übersetzungen als Referenzmaterial für zukünftige Übersetzungen genutzt werden. 
Das beim Einsatz von TMS anfallende Referenzmaterial (in Form von Datensätzen in einer Datenbank bzw. korrespondierenden ausgangs- und zielsprachigen Dateien) sollte nicht ausschließlich beim externen Übersetzungsdienstleister verbleiben, sondern nach Möglichkeit auch in einer firmeneigenen Datenbank verwaltet werden. Nur so wird die Unabhängigkeit vom Übersetzungsdienstleister gewahrt. Zur Lösung des Problems der Austauschbarkeit von Translation-Memory-Beständen arbeitet eine Gruppe der LISA (Localisation Industry Standards Association) an der Entwicklung eines Austauschformat-Standards. Die erste Version des auf diesem Standard basierenden Austauschformats liegt seit Juli 1998 mit TMX (Translation Memory eXchange) vor (s. http://www.lisa.org). 

Wenn die Daten nicht firmenintern gepflegt werden können (aus Personalgründen und/oder weil die entsprechenden Programme intern nicht vorhanden sind), sollte der Dienstleister zum Aufbau, der Pflege und ggf. auch der Herausgabe des auftraggeberspezifischen Referenzmaterials verpflichtet werden. Außerdem kann es sinnvoll sein, ihn dazu zu verpflichten, firmenspezifisches Referenzmaterial nur für Aufträge des entsprechenden Auftraggebers zu nutzen. 

Werden nach dem Export der Texte aus dem TMS noch Änderungen am Ausgangs- oder Zieltext vorgenommen, muß sichergestellt werden, daß diese Änderungen auch in das Referenzmaterial eingepflegt werden. Hier ist klar zu definieren, wer Änderungen vornehmen darf und wer über solche Änderungen binnen welcher Fristen zu informieren ist. 

5.6 Vorsehung von Feedback-Schleifen 

Wann immer Technische Autoren, Terminologen und Übersetzer auf der Basis eines Regelwerkes arbeiten, kommt es zu Situationen, in denen an den Regeln Änderungs-, Korrektur- oder Erweiterungsbedarf festgestellt wird. Hier sind Prozeduren vorzusehen, die die Diskussion solcher Änderungswünsche in regelmäßigen Abständen (und in dringenden Fällen auch sofort) ermöglichen und die Aufnahme und Distribution von Neuerungen regeln. Die verwendeten Terminologiedatenbanken, Prüfprogramme für kontrollierte Sprachen etc. sollten für solche Änderungen offen sein. Außerdem sind entsprechende Schulungen für alle betroffenen Mitarbeiter vorzusehen. 

6 Fazit für die Ausbildung von Technischen Redakteuren und Übersetzern 

Die zunehmende Verschmelzung der Aufgabenbereiche von Technischen Redakteuren und Übersetzern in der Praxis muß sich auch in deren Ausbildung widerspiegeln. Die heute noch separaten Studiengänge, die für jedes der beiden Berufsprofile getrennt qualifizieren, sind stärker zu verzahnen, als dies bisher geschehen ist. Lockwood et al. (1995: 63) stellen hierzu fest: 

    There is a growing convergence between authoring and translation in sophisticated ‚global-ready’ companies. Where globalisation is well-understood and practised, it is recognised that there is a strong mutual dependency between the document management system and its translation methodology. Indeed, many companies are finding that documentation and translation are two aspects of the same requirement for efficient information flow.
Hartley/Paris (1997: 114) merken hierzu mit Recht an: 
    With this blurring, the stance that “technical writing is a complex communicative skill quite distinct from translation skills” (Budin 1994: 250) is no longer tenable. Translators moving into localisation will be obliged to consolidate their writing skills, and multilingual documentation will increasingly be produced by ‘technical communicators’ or ‘documentation experts’, who require yet other skills […].
Die Maßnahmen, die bereits vor und bei der Ausgangstextproduktion zu ergreifen sind, um übersetzungsgerechte Texte zu erhalten, dürften deutlich gemacht haben, daß der Technische Redakteur über den Übersetzungsprozeß, der sich an seine Dokumentationserstellung anschließt, die dabei eingesetzten Programme mit ihren Möglichkeiten und Grenzen, die auftretenden Probleme sowie die Möglichkeiten ihrer Vermeidung aufgeklärt sein muß. 

6.1 Übersetzungsmanagement für Technische Redakteure 

Konkret heißt dies, daß unter anderem die folgenden Inhalte in die Ausbildung Technischer Redakteure integriert werden müssen: 

  • Übersetzungsmanagement (inklusive Kenntnis der Funktionsweise, der Einsatzmöglichkeiten und -grenzen von übersetzungsunterstützenden Tools wie TMS und MÜ-Systemen zur Erleichterung der Schnittstellenkommunikation mit Übersetzern)
  • übersetzungsgerechtes Schreiben (gemäß Stilrichtlinien, in einer kontrollierten Sprache)
  • Computerlinguistik (zur Entwicklung und Weiterentwicklung von Tools, die Technische Redakteure bei der Textproduktion unterstützen) 
6.2 Technische Redaktion für Übersetzer 

Umgekehrt kann auch der Übersetzer die Augen nicht verschließen vor den Rahmenbedingungen, vor allem den softwaretechnischen, unter denen Technische Redakteure ihre Texte erstellen, und er muß auch selbst in der Lage sein, Gebrauchstexte zu verfassen. Um angehende Übersetzer auf ihre sich wandelnden Aufgaben auf dem internationalen Arbeitsmarkt vorzubereiten, sollten die folgenden Inhalte in die Übersetzungsausbildung integriert werden: 

  • standardisierte, funktions- und adressaten- sowie übersetzungsgerechte Textproduktion (inklusive der Theorie und Praxis kontrollierter Sprachen und des Einsatzes entsprechender Autorenumgebungen)
  • computergestützte Terminographie
  • praktischer Einsatz von TMS und MÜ-Systemen
  • Computerlinguistik (zur Entwicklung und Weiterentwicklung von übersetzungs- und textproduktionsunterstützenden Tools)
Eine sinnvolle Reaktion auf die zunehmende Verzahnung der Aufgaben von Technischen Redakteuren und Übersetzern im Zuge der Globalisierung sehe ich auch in der Einrichtung von internationalisierten Studiengängen, deren Curricula auf einer Synthese von Redaktionsinhalten und Inhalten aus der Übersetzungsausbildung beruhen und zum Abschluß „Interkultureller Technischer Redakteur/Intercultural Technical Communicator“ führen. 

6.3 Bachelor/Master zum Interkulturellen Technischen Redakteur 

Das derzeitige Bestreben deutscher Hochschulen, Bachelor- und Master-Abschlüsse einzuführen und damit die Ausbildung zu internationalisieren, dürfte der Einrichtung solcher Studiengänge zum Interkulturellen Technischen Redakteur förderlich sein. Konkret könnte ich mir die Ausbildung zum Interkulturellen Technischen Redakteur wie folgt vorstellen. 

 
Abb. 2: Bachelor- und Master-Studiengänge im Bereich Übersetzen/Technische Redaktion 

In einem sechssemestrigen Bachelor-Studiengang wird das Basiswissen der Technischen Redaktion vermittelt (Textproduktionskompetenz in der Muttersprache, Standardisierung von Dokumentation, praktischer Einsatz der wichtigsten dokumentationsrelevanten Tools für Print- und Online-Dokumentation) sowie sprachliche und übersetzerische Kompetenz in einer Fremdsprache. Hinzu kommt ein Sachfach (Technik oder Informatik inklusive Computerlinguistik). 

Die drei ersten Semester sind an der Heimathochschule zu absolvieren, die drei letzten an einer kooperierenden Hochschule in einem Land, in dem die erste Fremdsprache gesprochen wird. Eines der drei Semester im Ausland sollte dabei als Praxissemester in einem Unternehmen absolviert werden. 

In verschiedenen auf dem Bachelor-Studiengang aufbauenden dreisemestrigen Masterstudiengängen könnte das Wissen aus dem Bachelor-Studiengang dann wahlweise in einem der folgenden Bereiche vertieft werden: 

  • zweite Fremdsprache
  • Computerlinguistik (Anwendungsprogrammierung)
  • Informations- und Medientechnik (Multimedia-Programmierung)
  • Sprach- und Kultursoziologie
Diese Master-Studiengänge könnten sowohl von der Heimathochschule als auch von der Partnerhochschule im Ausland angeboten werden. 

Stellen wir uns der Aufgabe! 
 
 

Susanne Göpferich, Dr. phil., Dipl.-Übers.
Professorin für Technische Dokumentation
in den Studiengängen zur Technischen Redaktion
an der Hochschule für Technik Karlsruhe (FH)
E-Mail: susanne.goepferich@fh-karlsruhe.de


Literatur: 
  • Budin, Gerhard (1994): “New Challenges in Specialized Translation and Technical Communication.” Translation Studies: An Interdiscipline. Hrsg. M. Snell Hornby. Amsterdam: John Benjamins. 247–254. 
  • Göpferich, S. (1998): Interkulturelles Technical Writing: Fachliches adressatengerecht vermitteln. Ein Lehr- und Arbeitsbuch. Tübingen: Narr. 
  • Hartley, A./Paris, C. (1997): „Multilingual Document Production: From Support for Translating to Support for Authoring.” Machine Translation 12 (1997): 1–2, 109–128.
  • Hoppe, B. (1999): „Translation-Memory-Systeme (TMS).” WEKA Praxishandbuch Plus Technische Dokumentation. Augsburg: WEKA. Abschnitt 8.7.5.
  • Johnson, R. L./Whitelock, P. (1987): “Machine Translation as an Expert Task.” Machine Translation: Theoretical and Methodological Issues. Hrsg. S. Nirenburg. Cambridge: Cambridge Univ. Press. 136–144.
  • Kay, M. (1973): The MIND system.“ Natural Language Processing. Hrsg. R. Rustin. New York: Algorithmics Press. 136–188.
  • Lockwood, R./Leston, J./Lachal, L. (1995): Globalisation: Creating New Markets with Translation Technology. Ovum Reports. London.
  • Maylath, Bruce (1997): „Writing Globally: Teaching the Technical Writing Student to Prepare Documents for Translation.” Journal of Business and Technical Communication 11.3 (1997): 339–352. 
 
 

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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 19.12.2003