Home Previous Zeitschrift 2000/09 Next Index
 
  Inhalt:

   Einleitung

   Märkte

   Konzept

   Systemkomponenten

   A) Designer
   B) Engine
   C) API-Server
   D) Retrieve
   Lizenzierungsmodelle

   Referenzen

   Zusammenfassung

   Autor
 

FrameWare - ein Publikationsworkflow für Informationswerke und Kataloge

Einleitung

FrameWare ist ein Programm- und Designwerkzeug, welches die beiden Welten Datenbank und Publikation verbindet. Ziel dieses Tools ist es, sich so optimal wie möglich zwischen diese beiden Anforderungsfronten einzupassen. Der Weg, bzw. die Traversierung der Daten von der Datenbank zur Publikation wird mit FrameWare soweit automatisiert wie gewünscht und möglich.

Das Tool arbeitet auf der Publikationsseite zur Zeit ausschliesslich mit Adobe® FrameMaker® zusammen. Die Bedienung der Datenbankseite muss aufgrund der möglichen Vielfalt von Projekt zu Projekt neu bestimmt werden.
FrameWare ist mit einem User Interface, dem FrameWare-Designer ausgestattet, mit welchem der Definitionsvorgang für den Workflow vereinfacht dargestellt und mit standardisierten Werkzeugen und Wizards unterstützt wird. Für das Design und die Definition der publikationsseitigen Objekte wird ebanfalls Adobe® FrameMaker® eingesetzt. Die Beschreibung der datenbankseitigen Objekte erfolgt im FrameWare-Designer. Beide Definitionen werden anschliessend im FrameWare-Designer zusammengefasst und miteinander logisch verknüpft.

Märkte

Das Tool richtet sich an zwei unterschiedliche Märkte:

  • VAR-Markt

  • Darunter werden professionelle und semiprofessionelle Betreiber von Publikationsplattformen verstanden. Einerseits sind darunter Hersteller von Gesamtpublikationspaketen zu verstehen, die den Print-lastigen Ausgabeteil mit diesem Tool erweitern möchten und den Kunden alternative Kanäle für den Publikationsworkflow anbieten möchten. Andererseits sind es Firmen wie Druckereien, Verlage, Agenturen und Vorstufenspezialisten, die mit diesem Werkzeug Kundenprojekte ausführen. 
  • Enduser-Markt

  • In diesem Marktsegment werden Kunden verstanden, die eine massgeschneiderte Publikationslösung einkaufen wollen. Typischerweise fallen in diese Kategorie Versandhäuser mit produktorientierten Katalogen, Verlage mit Informationswerken und andere Organisationen mit strukturierten Datenbeständen. Bei solchen Projekten übernehmen wir zusätzlich die projektspezifische Beratung und Unterstützung. Das Tool wird als Inhouse-Publishing-Methode beim Enduser installiert, eingeführt und geschult.
FrameWare-Konzept

Das FrameWare-Konzept entstand aus dem Gedanken, dass sich der Lizenz- und Konfigurationsaufwand vieler heute angebotener Katalogproduktionssysteme nur für grosse Publikationsprojekte rechnen lässt. Unser Produkt richtet sich an kleinere bis mittlere Budgets, es erfüllt daher auch nicht alle Funktionalitäten wie sie von einem grossen System erwartet werden.

Für alle Medien wie Print, CD-Rom und Internet verwenden wir konsequent die Exporteigenschaften von Adobe® FrameMaker® über die Kanäle HTML, XLM und PDF.
FrameWare pflegt eine kleine systemimmanente Datenbank lediglich zur Steuerung des FrameWare-Designers. In der Regel stellen wir direkte Verbindungen zu den Datenbanken her, wo die zu publizierenden Daten liegen, nämlich Publikations- und Mediendatenbanken, Warenwirtschaftssysteme usw. Nur wenn sich eine solche direkte Verbindung nicht sinnvoll realiseren lässt, oder wenn publikationsrelevante Daten beigemischt werden müssen, dann wird die systemimmanente Datenbank dazu eingesetzt.

Konzeptionell war es uns ein Anliegen, den Kunden nicht an die Enwicklerfirma zu binden, in dem mit dem FrameWare-Publikations-Designer Änderungen an Publikationslayout und Publikationsworkflow vom Kunden selbständig und vor Ort erledigt werden können. Wo dies nicht erwünscht ist, bieten wir andererseits auf Vertragsbasis einen langfristigen Support an.

Da die Stärke von Adobe® FrameMaker® im Bereich der stark strukturierten Inhalte liegt, wollen wir uns mit FrameWare auf den Bereich der strukturierten Kataloge fokussieren, hier jedoch dank der API-Technik von Adobe® FrameMaker® die Publikationsperformance je Seite in den Sekundenbereich bringen.

Durch die Definition und Anwendung konsequenter Strukturen von der Datenbank bis hin zum Layout lassen sich Katalogpublikationen bis zu 100% automatisieren. Mit solchen Fähigkeiten soll FrameWare dazu beitragen, die Produktionskosten je Medium zu senken und in den Griff zu bekommen.

FrameWare eignet sich typischerweise als Publikationskanal an bestehende Content-Management-Systeme.

Zusammenfassung der wesentlichen Ziele und Features:

  • Database-Publishing-Tool für das Mittelfeld der Projekte und Budgets.
  • Nutzung der PDF-, HTML- und XML-Exports von Adobe® FrameMaker® für die neuen Medien.
  • Designer als enduserfähiges Systemwartungwerkzeug.
  • Hohe Publikationsperformanz und maximale Automatisierung.
FrameWare Systemkomponenten
 
Grafik 1: Die Grafik zeigt das modulare Konzept von FrameWare. Mittels verschiedenen Lizenzierungsmodellen lassen sich für alle Einsatzgebiete (VAR, Enduser) und Budgets FrameWare-Konfigurationen zusammen stellen. Aus der Graphik geht im weiteren hervor, dass als Datenquellen sowohl externe Datenbanken wie auch die systemimmanente Access®-Datenbank eingesetzt werden können. 

A) Designer

Der Designer ist als ein Modelleditor mit einer Modell-Datenbank und einer Prototypensammlung von Layoutkonstrukten zu verstehen. Mit diesem Tool werden Layout und technischer Ablauf der Publikation theoretisch umschrieben und festgelegt. Eine solche Definition umfasst im wesentlichen die 4 Kategorien Felder (Datenmodell), Gruppen (Zwischenmodell), FrameMaker®-Objekte (Layoutprototypenmodell) und Publikationsobjekte (Layoutmodell). Alle zum Publikationsvorgang notwendigen Informationen werden in Form von Inhalten, Zuteilungen und Eigenschaften in den obigen 4 Kategorien definiert. Im weiteren können auf allen Stufen Methoden appliziert werden, mit welchen benutzerspezifische Eigenheiten und Ausnahmeregelungen abgehandelt werden können.

Der Modelleditor speist sich im weiteren aus dem FrameMaker®-Master-Dokument. Dieses Projekt-Basis-Dokument ist eine Prototypensammlung aller benötigen FrameMaker®-Layout-Konstrukte (Prototypen) zu einem bestimmten Projekt (Katalog-Typ). Das bedeutet, dass das Design der FrameMaker®-Objekte mittels FrameMaker® WYSIWYG und ohne Hintergrundwissen eines kryptischen Formalismus erfolgen kann. Typische FrameMaker®-Objekte sind Paragraphen, Tabellen und Frames. 
Der Modelleditor wird auch mit vielen anderen Grundeigenschaften des Masterdokuments gespeist wie Paragraphenkatalog, Zeichenformat-Katalog, Farben-Katalog usw.
 

Grafik 2: Die Layoutbestandteile werden als Prototypen im Masterdokument verwaltet. Durch Platzhalter werden die Stellen markiert, wo im Publikationsverlauf die entsprechenden Daten eingepasst werden. Der abgebildete Prototyp besteht aus einer Tabelle mit 3 Zeilen und 3 Spalten und wird zur Darstellung der Produktinformationen verwendet.

B) Engine 

Die Engine ist eine eigenständige Programm-Komponente und eigentliche Schaltzentrale bei einer Publikation. Die zu publizierenden Daten werden mittels einer im FrameWare-Designer ausgewählten Zugriffsmethode von der Datenbank abgeholt. Im weiteren konfiguriert sich dieses Modul aus den vom Modell-Editor eingespeisten Modellen und kommuniziert mit dem FrameWare-API-Server. Durch verschiedene Joboptionen lassen sich die Eingaben, Verarbeitungen und Ausgaben sehr variabel steuern.

Die Datenschnittstelle zur Engine wurde standardisiert und offen gelegt. Im Engine-Ablauf werden die aus der Datenbank abgeholten Daten nach der unter A) beschriebenen Modelldefinition stufenweise angereichert, verfeinert und kategorisiert. Zu einem selektierten Dateninhalt werden die passenden Layoutkonstrukte ausgewählt und die dort befindlichen Platzhalter werden durch die selektierten und angereicherten Datengruppen ersetzt.

C) API-Server

Dieses Modul ist ein in Adobe® FrameMaker® registrierter API-Client. Dieser Client ist für die Grundversorgung von Adobe® FrameMaker® zuständig. Er erledigt die Basis- und Detailarbeit auf der FrameMaker®-Stufe und ist somit aus der Sicht von FrameWare ein FrameMaker®-API-Server. Alle in dieser Komponente aktuell realisierten Funktionalitäten können auf die Objektgruppen Paragraphen, Tabellen, Frames, Marken, Querverweise, Buchkomponenten usw. zusammengefasst werden. Der API-Server unterstützt über die reinen FrameMaker®-Funktionen hinaus dynamische Rahmenanpassungen, spezielle Bildgrössen-Regelungen und die Verwaltung einer beliebigen Anzahl von Textflüssen.

D) Retrieve

Mittels dieses Teils, welcher in der Regel als Procedure Box innerhalb der Host-Datenbank angesiedelt ist, wird die Host-Schnittstelle zur FrameWare-Engine realisiert. Da sich die Engine durch absolute Universalität auszeichnet, muss auch deren Host-Schnittstelle einem Standard gehorchen. Diese Prozeduren werden in die beiden Teile Hostzugriffe und Engine-Versorgung aufgeteilt. Die Host-Zugriffe müssen von Projekt zu Projekt angepasst werden, da sie datenmodellabhängig sind. Die Engine-Versorgung hingegen ist modellunabhängig und ist der Standardteil innerhalb von FrameWare-Retrieve. Beide Teile erfüllen die folgenden Aufgaben:

  • Anbieten aller für die Publikation notwendigen Datenfelder.
  • Anbieten der richtigen Reihenfolgen und Zusammenstellung von Gruppierungen.
  • Generierung und Zurverfügungstellung der Dateninhalte für Tabellen mit repetierenden Zeilen.
  • Generierung und Weitergabe von Objekteigenschaften auf Tabellen, Zeilen, Zellen und Paragraphen.
Lizenzierungsmodelle

Durch den modularen Aufbau sind verschiedene Lizenzierungsmodelle möglich. OEM-Partner können den FrameWare-API-Server (C) für sich alleine beanspruchen. Die Eingabeschnittstelle zum Server ist offengelegt und kann als Input-Stream von jedem vorgelagerten Medienverwaltungssystem generiert werden. Im Endkunden- und Full-Service-Geschäft empfehlen wir das Lizenzierungsmodell B+C als Produktionsplattform oder das Modell A+B+C als Design- und Produktionsplattform. 

Referenzen

Bisher sind 3 Projekte über FrameWare abgewickelt worden, weitere Projekte sind in Arbeit.

Als Referenzmodell konnten wir die Katalogproduktion eines namhaften Grossverteilers für Werkzeuge, Garten-, Haushalt- und Landwirtschaftsartikel in der Schweiz ausführen. 
Mengengerüst: 6 bis 8 Kataloge pro Jahr, bzw. 15000 bis 20000 A4-Seiten inkl. interner Korrekturläufe.

Beschreibung: Der Kunde unterhält eine Product Mangagement System eines namhaften deutschen Herstellers. Diese Medien-Datenbank wird mit der Warenwirtschaft laufend konsolidiert. FrameWare ist hier im produktiven Einsatz und erstellt interne Korrekturexemplare sowie die finalen Generierungen für die Print-Vorstufe.

Technik: Datenzugriff via ADO-Methodik auf Sybase® Adaptive Server 11.5. Projekt-spezifische Methoden für die Generierung von EAN-13-Strichcodes.
 

Grafik 3:  Beispiel einer mit FrameWare aus der Datenbank vollautomatisch 
generierten Seite

Zusammenfassung

FrameWare ist ein Publikationsworkflow für kleinere bis mittlere Anwendungen. Der Schwerpunkt liegt auf dem reinen Publikationsalgorythmus und weniger auf der Seite des Product Managements. Da davon ausgegangen wird, dass die Publikationsdaten bereits in Verwaltungssystemen wie Mediendatenbanken, Publikationsdatenbanken, Warenwirtschaftssystemen usw. zur Verfügung stehen, eignet sich FrameWare insbesondere als OEM-Komponente innerhalb von Content Management Systemen. FrameWare unterstützt aktuell die Ausgabe über Adobe® FrameMaker® und zeichnet sich durch hohe Publikationsperformanz und hohen Automatisierungsgrad aus und ist somit für Anforderungen geeignet wo in kurzen Zeitabständen umfangreiche Seitenmengen ausgestossen werden müssen.
 
 
 

Christof Kehl
Projektleiter FrameWare und Entwickler
der Firma BMG ComServ AG, CH-8005 Zürich

Der Kompetenzbereich "Product Info Bases"
der BMG ComServ AG ist spezialisiert 
auf die Entwicklung und die Implementation von  Katalog-Produktions-Systemen

c.kehl@baz.ch
www.bmgcomserv.ch 


 
Zum Seitenanfang
 

© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 27.05.2003