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Internet, und was danach? 

Ein Interview mit Martha Bennett, Giga Information Group 

Die Verknüpfung von technischer Redaktion und Internet ist nicht mehr zu stoppen. Allenfalls kann die Frage diskutiert werden, welche Branche in Zukunft das Arbeitsheer stellen wird, um die ungeheuren Mengen an Informationen aufzubereiten, zu illustrieren und verständlich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. 

Wenn wir uns die Beteiligten im Entstehungsprozeß einer Web-Seite ansehen, dann schrumpft die Auswahl auf einige wenige zusammen. Zu dem Kreis der Beteiligten gehören Webmaster, Web-Designer, Texter, Werbekaufleute und Redakteure aus Zeitungsredaktionen. Aber wo stehen die Technischen Redakteure? 

Sofern sie es geschafft haben, in Ihrer Firma, die sie angestellt hat, Einfluß auf den Inhalt der firmeneigenen Web-Seite zu nehmen, dann ganz vorne. Sowie aber - und das betrifft eine große Zahl an Fällen - Firmen sich entscheiden, die eigene Homepage bei einer Agentur in Auftrag gegeben, dann ganz hinten. 

An die technischen Redakteure gewandt, heißt das, den eigenen Markt genau zu beobachten und Einfluß zu nehmen. 

Nichts anderes machen die riesigen Konzerne, so auch die Giga Information Group, die einen Vizepräsidenten abstellen, um im Markt von morgen heute schon Fuß zu fassen. 

Internet und E-Commerce-Markt 

Martha Benneth, Vizepräsidentin von Giga Information Group, hat uns anläßlich eines Einzelinterviews im Oktober in Brüssel Einblick in ihre Tätigkeiten gegeben. Ihre vornehmliche Aufgabe besteht in der Beobachtung der Entwicklung des Internet und hier insbesondere des E-Commerce-Marktes. In ihren Untersuchungen arbeitet sie den Vergleich der Entwicklung in den USA zu Europa aus. Grundsätzlich sieht sie Europa zwei Jahre hinter den USA hinterherhinken. Das betrifft aber nicht alle Branchen gleichermaßen. Die große Ausnahme bildet der Handy-Markt. Martha Benneth sieht Deutschland in diesem Marktsegment und damit Europa als den Marktführer an mit den besten technischen Bedingungen. Dagegen liegen die USA weit zurück. So kann ein Angestellter aus New York mit seinem Handy nicht in Kalifornien telefonieren. Der GSM-Standard, der so etwas möglich macht, ist in den USA nicht eingeführt. 

Darauf angesprochen, welche Bedeutung Sie dem Handy gegenüber dem Internet/PC einräumt, nennt Martha Benneth nicht nur die Übermittlung persönlicher Nachrichten auf dem Display, sondern die Übertragung datenbankgestützter Seriendaten, z. B. die täglichen Börsennotierungen. 

Ansätze für E-Commerce (und das gilt für alle anderen möglichen Verkaufsformen über das Internet) in der Darstellung bzw. Darbietung von Web-Seiten sieht die Gesprächspartnerin bei der Werbung, bei Portalen und in den themenbezogenen Übersichten wie wir Sie in Katalogen z. B. bei Yahoo finden. Sehr interessant ist ihre Aussage bezüglich Bannerwerbung. "Werbung ja, Banner nein!" 

Suchmaschinen 

Ihre persönliche Erfahrung mit Suchmaschinen ist negativ geprägt. "Sucht man ein Produkt xy, daß man wirklich kaufen möchte, so lebt man vielleicht in Großbritannien (wie Martha Benneth) und bekommt alle aus den Staaten angeboten. Was soll das?" 

Wir haben das Thema vertieft. Die Bedeutung von Suchmaschinen darf keineswegs unterschätzt werden. 80% aller Anfragen von Surfern werden über Suchmaschinen vermittelt. Giga Information Group beschäftigt sich jedoch mit IT-Lösungen gerade im Business to Business Markt. Das heißt im Klartext, die Verbindung Business to Consumer ist für Giga uninteressant. 

Die Tatsache, daß auf Suchanfragen die vermeintlich falsche Information in den ersten Positionen des Rankings angezeigt wird, ist nicht unbedingt den Suchmaschinen bzw. deren Algorithmen, nach denen die Suchanfragen selektiert werden, anzulasten. Im Regelfall sind die eigentlichen Verursacher die Ersteller der Homepages selbst. Damit sind wir beim Thema. Web-Seiten werden unter den Gesichtspunkten schönes Design und, wenn ein Fachmann daran gearbeitet hat, auch unter dem Gesichtspunkt der Verständlichkeit generiert. Der dritte Aspekt, nämlich überhaupt gefunden zu werden (das ist das Ranking der Suchmaschinen), wird im Regelfall total vernachlässigt. Selbst die großen Web-Agenturen haben von dieser Seite des Internets schlichtweg keine Ahnung. Und so passiert es eben immer wieder, wie Martha Bennett es auch erfahren mußte. Hunderte von Links zu einem Suchbegriff - aber keiner paßt. 

Aus fürs Internet? 

Dieser Tage hat eine bedeutende Computer Fachzeitschrift das Aus für das Internet verbreitet. Martha Bennett: "Ich habe das gelesen. Aber das ist Quatsch! Der Siegeszug des Internet wird erst richtig anfangen. Aber neben das Internet werden sich weitere elektronische Kommunikationsformen gesellen. Das Handy ist eines davon, bereits mit grosser Bedeutung in Europa. Das andere wird das digitale Fernsehen sein. Aber hier muss sich der Markt erst noch entwickeln. Wir werden sehen." 

Und wir danken Martha Bennett für das Interview. 
 
 

Harald Adolph
 Herausgeber dieser Fachzeitschrift
führte das Interview.
 
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 27.05.2003