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Rezensionen einmal anders - unterhaltend und informativ 
 

Ein modernes Nachschlagewerk für die technische Kommunikation 
 

Itl-Lexikon für technische Kommunikation 
Herausgegeben von Christine Wallin-Felkner  
unter Mitwirkung der Autoren: Peter Eiblmayr, Claudia Fottner-Top, Uta Hanisch, Heinz-Otto Hellerer und Eberhard Runzer 
Reutlingen: Dokuline Verlags-GmbH, 1998 
324 Seiten 
ISBN 3-9805770-4-X 
Preis 79,- DEM 

Kann ein Klammeraffe irgendetwas mit technischer Kommunikation zu tun haben? Der Rezensent hätte es nicht gedacht, bevor ihm das „itl-Lexikon für technische Kommunikation“ während der Internationalen Fachtagung für Translationsqualität in Leipzig (28.-29.10.1999) in die Hände gefallen ist. 

Im klassischen Wahrig-Wörterbuch (Bertelsmann-Verlag, Jubiläumsausgabe von 1986) ist nämlich unter „Klammeraffe“ zu lesen: „Angehöriger einer Gattung der zu Breitnasen gehörenden Rollschwanzaffen mit Greifschwanz und langen Armen; scherzhaft – Mädchen auf dem Soziussitz des Motorrades“. „Die neue deutsche Rechtschreibung“ (Bertelsmann-Verlag, 1996) definiert hingegen diesen zoologischen Begriff kurz und bündig: „Affe mit Greifschwanz“. Daran hat der Rezensent mit seinen 65 Jahren eher gedacht, als ihm dieser Begriff ganz zufällig beim Aufschlagen des Buches unter „Übersicht“ auf Seite 19 aufgefallen ist. Nachfolgend konnte er dann die ihm bis dahin unbekannte, aber sehr einleuchtende computertechnische Bedeutung des Begriffes auf Seite 148 finden: 

Klammeraffe Fachjargon für das Computerzeichen @  
Bei  E-Mail-Adressen  steht das @-Zeichen zwischen dem Benutzernamen und der digitalen Anschrift des Rechners, auf dem der Adressat zu erreichen ist.  

Der Klammeraffe ist seit etwa 100 Jahren ein Standardzeichen auf amerikanischen Schreibmaschinen und dient als kaufmännisches Kürzel für at (engl. für zu, bei).“  

Spaß beiseite: Das Itl-Lexikon für technische Kommunikation ist kein gewöhnliches Fachwörterbuch, in dem zahlreiche Begriffe aus diesem jungen, interdisziplinären Fachgebiet zwischen Linguistik und Technik schlichtweg alphabetisch geordnet und danach trocken (und für Nichtfachleute unverständlich) definiert wurden. Es ist vielmehr ein sehr modernes Kompendium, in dem diese Begriffe sehr geistreich, stellenweise witzig von Fachleuten aus der Praxis für die Praxis erläutert und illustriert wurden. Es ist darüber hinaus kein Lexikon im engen Sinne des Wortes, da der lexikalische Hauptteil durch einen sehr nützlichen Serviceteil ergänzt wird. Es ist also ein Nachschlagewerk, das sowohl ein Wörterbuch als auch ein praxisbezogenes Vademekum für technische Redakteure und technische Übersetzer enthält. 

Der erste Teil „Lexikon“ enthält 1400 Begriffe aus folgenden Sachgebieten: 

  • Sprache und Didaktik
  • Visualisierung
  • Typografie und Layout
  • Desktop Publishing
  • Hard- und Software
  • Dokumentenmanagement (ein fürchterlicher Anglizismus, warum nicht ganz einfach auf gut deutsch “Dokumentenverwaltung“?(!)
  • neue Medien, Internet und WWW
  • Normen und Richtlinien
  • Gesetze
  • Übersetzen
Dem Lexikon-Teil ist eine Übersicht aller enthaltenen Stichwörter mit Seitenangabe vorangestellt. Es ist nicht verwunderlich, daß der Rezensent in diesem Verzeichnis, außer dem bereits erwähnten Klammeraffen, gleich danach den Begriff „Hamburger Verständlichkeitsmodell“ beachtenswert fand, weil er seit über zwei Jahren in Hamburg lebt und in seinem Denkgehäuse damit absolut keinen Gedanken assoziieren konnte. Um diese offensichtliche wohnsitzbezogene Bildungslücke 
schleunigst zu schließen, schlug er das Buch auf Seite 128 auf, wo er folgende Auskunft erhielt : 

Hamburger Verständlichkeitsmodell  Ergebnis einer empirischen Untersuchung zur Textverständlichkeit, durchgeführt von den Hamburger Psychologieprofessoren Langer, Schulz von Thun und Tausch  
Das Hamburger Verständlichkeitsmodell legt als Standardregeln für die Textverständlichkeit die folgenden Merkmale fest:  

  •  Einfachheit, 
  •  Gliederung/Ordnung, 
  •  Kürze/Prägnanz, 
  •  anregende Zusätze, 
  •  PentaQuest-Methode, 
  •  Qualitätssicherung, 
  •  Verständlichkeit.“ 
Schon an der Typografie ist sichtbar, daß dieses Lexikon drucktechnisch sehr prägnant gestaltet ist, womit es sich von den üblichen Werken dieser Art durch Benutzerfreundlichkeit unterscheidet, denn: 
  • Die Stichwörter sind jeweils fett gedruckt. 
  • Zu jedem Stichwort gehört eine Kurzdefinition, die kursiv gedruckt ist. Daran schließt sich eine Langdefinition mit weiterführenden Erläuterungen (in normaler Schrift) an. 
  • Verweise auf weiterführende oder an anderer Stelle erklärte Begriffe sind kursiv gedruckt und mit einem Pfeil versehen. 
Aus Platzgründen soll hier auf weitere positive Beispiele zum Thema Verständlichkeit dieses Lexikons verzichtet werden. (Der Rezensent hat seine leidvolle Erfahrung mit der Redaktion eines anderen Velages, die ihn zur Kürzung einer anderen, liebevoll ausgearbeiteten Buchbesprechung genötigt hatte.) Dem Leser möge somit die aufrichtige Bemerkung des Rezensenten genügen, daß er den Eindruck gewinnen konnte, die Autoren des Lexikons hätten den Begriff „Verständlichkeit“ wahrhaftig als (ungeschriebenes) Motto ihrem Werk vorangesetzt. 

Den ersten Teil „Lexikon“ ergänzt in vorzüglicher Weise der zweite Teil  „Service“. Dieser enthält nützliche Informationen und Hinweise, die für jeden technischen Redakteur und/oder Übersetzer sehr hilfreich sind, weil sie nicht lehrbuchmäßig von Kommunikationswissenschaftlern und Translationstheoretikern, sondern dienstleistungsorientiert von erfahrenen Praktikern beider Fachgebiete bearbeitet beziehungsweise zusammengestellt wurden. Die einzelnen Kapitel des Service-Teiles haben folgende Überschriften: 

  • Checkliste zur Beurteilung technischer Dokumentationen
  • Verbände und Organisationen
  • Aus- und Weiterbildung
  • Normen
  • Tips zum Weiterlesen
Für den technischen Redakteur oder Übersetzer hat die Checkliste zur Beurteilung technischer Dokumentationen in dieser Zusammenstellung den größten Wert. Sie wurde nämlich vom Institut für technische Literatur (itl) für den internen Gebrauch zusammengestellt und wohl erstmalig in diesem Lexikon veröffentlicht. 

Diese Checkliste wurde nach der  PentaQuest-Methode  (näheres darüber im Lexikon) entwickelt. Die Prüfkriterien umfassen: 

  • Verständlichkeit, d. h. 

  • Strukturierung, Satzbau, Wortwahl, Einsatz von Bildern, Sicherheits- und Gefahrenhinweise 
  • Benutzerfreundlichkeit, d. h. 

  • Material und drucktechnische Aufbereitung, formaler Aufbau, Layout, Typografie und ähnliches 
Es versteht sich von selbst, daß das Lexikon als gelungenes Beispiel der Anwendung dieser Checkliste dienen kann. 

Der Rezensent ist Übersetzer und zugleich Diplom-Ingenieur. Er könnte aus seiner langjährigen Erfahrung zahlreiche Beispiele verpfuschter technischer Dokumentationen nennen, die er qualvoll zu übersetzen hatte, welche den Prüfkriterien dieser Checkliste keinesfalls hätten standhalten können. Er würde es sich sehr wünschen, daß sich alle technischen Redakteure diese Checkliste zu Herzen nehmen. 

Auch den technisch versierten Übersetzern ist jedoch das Itl-Lexikon für technische Kommunikation wärmstens zu empfehlen. Die darin enthaltene „Checkliste“ ist nämlich für Übersetzer eine vorzügliche Argumentationshilfe, um potentiellen Auftraggebern den Sinn der DIN 2345 Übersetzungsaufträge zum Stichwort „Qualitätssicherung“ nahe zu bringen. Das Lexikon selbst enthält leider über die DIN 2345 noch kein Wort, obwohl Hinweise auf andere zahlreiche Normen im Service-Teil nicht fehlen. Das Buch ist im Jahr 1998 erschienen, offensichtlich noch bevor diese Norm (im April 1998) veröffentlicht wurde. Etwas schade. 
 
 

Dipl. Ing. Peter Bartetzky
(Jahrgang 1934)
Bergbauingenieur,
staatlich geprüfter Übersetzer,
allgemein beeidigter Dolmetscher für die Landgerichtsbezirke Hannover und Lüneburg,
Mitglied des BDÜ - LV Bremen und Niedersachsen
Anschrift: Salomon-Heine-Weg 40
20251 Hamburg
 
 
 

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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 27.05.2003