Inhalt:
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Kriterien
für das Anwenderhandbuch
1. Einleitung
Die Notwendigkeit einer speziellen Dokumentation für den Anwender/Benutzer
eines Computerprogrammes ist unbestritten. Die Dokumentation wird unter
vielfältigen Begriffen wie z.B. Bedienungsanleitung, Handbuch/Manual,
Anwenderdokumentation, Online-Hilfe etc. angeboten.
In diesem Beitrag werden die Anforderungskriterien dargestellt, die
ein Handbuch - mit Betonung auf Buch - zu einem sinnvoll zu verwendenden
Dokumentationsmittel für das einzusetzende Anwendungsprogrammsystem
machen. Das Handbuch ist somit ein wichtiges Arbeits- und Hilfsmittel,
das dem Benutzer den Umgang mit dem Programm ermöglicht.
Dokumentationen, die außerhalb des Einfluß- und Einsatzbereiches
des Anwenders liegen wie z.B. die gesamte technische Dokumentation des
Softwaresystems werden hier nicht betrachtet.
2. Sinn und Zweck
des Anwenderhandbuches
Das Handbuch soll den Benutzer in die Lage versetzen:
-
das erworbene Programm auf seinem Computer einzusetzen
-
den Leistungsumfang des Programmes zu erkennen und zu verstehen
-
die Funktionalitäten des Programmes richtig und sinnvoll anzuwenden
-
Ausnahmesituationen möglichst selbständig zu lösen.
Damit das Handbuch diesen Ansprüchen gerecht werden kann, muß
es
-
richtig sein, d.h. es muß das eingesetzte Programm richtig
dokumentieren
-
vollständig sein, d.h. alle Funktionalitäten, die für
den Anwender wesentlich sind, müssen beschrieben sein
-
übersichtlich sein, d.h. brauchbar, handlich und
handhabbar sein
-
verständlich sein, d.h. verständlich für einen Anwender,
der sich meistens auf kein spezielles EDV-Fachwissen stützen kann.
Diese generellen Ansprüche an ein Handbuch gelten immer, unabhängig
davon, ob es sich bei dem eingesetzten Programm um ein (gängiges)
Marktprodukt oder um eine individuell erstellte (extern oder hausintern
entwickelte) Software handelt.
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Das Handbuch schafft
die Voraussetzung für den ‘zufriedenen Kunden’!
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3. Anforderungskriterien
3.1 Richtigkeit
Die Aussage ‘Das Handbuch muß richtig sein’ ist die elementare
Voraussetzung für einen sinnvollen Einsatz eines Handbuches. Die übrigen
Kriterien machen nur Sinn, wenn diese Grundvoraussetzung erfüllt ist.
Richtig ist ein Handbuch, wenn es genau das Programm dokumentiert, das
der Anwender in seinem Computersystem einsetzt. D.h. das Handbuch muß
eindeutig dem eingesetzten Programm zuzuordnen sein und es muß die
Funktionalitäten des eingesetzten Programms richtig dokumentieren.
Haupt-Kriterien für die Richtigkeit eines Handbuches sind also:
-
die eindeutige Zuordnung des Handbuches zum Programm bzw. zur Programmversion
-
die programmkonforme Darstellung der Benutzeroberfläche (Masken, Maskenfolgen,
Funktions- und Feldbezeichnungen, Feldinhalte etc.)
-
die fachlich/sachliche Richtigkeit bei der Beschreibung der Funktionen,
eingesetzten Grundlagen, Methoden, Formeln etc.
-
die sprachliche Richtigkeit (Orthographie, Grammatik, Ausdruck)
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Zum Programm das richtige
Handbuch mit richtigem Inhalt!
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3.2 Vollständigkeit
Das Handbuch ist dann vollständig, wenn es beschreibt, wie der
Anwender das Programm auf seinem Computer installieren und die angebotenen
Funktionen sinnvoll benutzen kann und wie er auf dabei auftretende Fehler
und Ausnahmesituationen reagieren muß bzw. wie er sie beheben oder
vermeiden kann.
Hauptkriterien für die Beurteilung der Vollständigkeit eines
Handbuches sind also:
-
eine ausreichende Installationsanweisung, d.h. System-Voraussetzungen,
technische Beschreibungsmerkmale zum Programm, Vorgehensweise, benutzerspezifische
Anpassung des Programms (Customizing),
-
die komplette Beschreibung des Programm-Aufbaus, aller Programm-Funktionalitäten
und deren Benutzung
-
ausführliche Beschreibung und Erklärung der Fehlermöglichkeiten,
der entsprechenden Fehlermeldungen sowie deren Vermeidung bzw. Behebung
-
Datensicherung, Daten-Reorganisation
-
Verhalten in Ausnahmesituationen
-
Hinweise auf Unterstützung seitens des Programmherstellers/-lieferanten
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Vollständigkeit:
Nicht alles, sondern das, was der Anwender braucht!
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3.3 Übersichtlichkeit
Die Übersichtlichkeit trägt wesentlich zur Akzeptanz des Handbuchs
und damit letztlich auch zur Akzeptanz des Programms bei. Ein richtiges
und vollständiges Handbuch nützt dem Anwender nicht viel, wenn
er die benötigten Informationen nur mühsam und umständlich
mit erheblichem Zeitaufwand finden kann.
Die Übersichtlichkeit des Handbuches wird im Wesentlichen festgelegt
durch:
-
den Aufbau und die Gliederung, die beide der Struktur des Programmes und
der durch den Anwender zu bewältigenden Aufgabe gerecht werden sollen
-
Orientierungshilfen zum schnellen Auffinden von Programm-Elementen auf
allen Ebenen (Struktur, Funktion, Teilfunktion, Einzelaufgabe, Feld, Feldinhalt)
sowie zur Beantwortung von Fragen und Problemen mit Hinweisen auf Musterfälle
usw.
-
Format, Form und äußere Gestaltung, wobei hier vorrangig die
optische Gestaltung, die Handhabbarkeit und damit auch die Handlichkeit
gemeint sind.
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Übersichtlichkeit
ist, wenn man leicht und schnell das findet, was man sucht!
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3.4 Verständlichkeit
Verständlichkeit ist dann gegeben, wenn der Benutzer die richtig
und vollständig und auch in übersichtlicher Form dargestellten
Informationen des Handbuches auch verstehen kann.
Da der individuelle subjektive Vorgang des Verstehens von vielen Faktoren
abhängt, werden hier nur solche Kriterien aufgeführt, die zu
einem leichteren Verständnis beitragen können. Das sind im Wesentlichen:
-
die fachliche Aufgabenstellung des Programms und der entsprechende Sachverstand
des Handbuchverfassers
-
Sprache und Sprachstil des Handbuchverfassers
-
sinnvolle Verwendung von grafischen Darstellungen in Verbindung mit den
textlichen Darstellungen (eine Grafik sagt mehr als tausend Worte!) z.B.
für Folgen von Arbeitschritten und Masken, Funktionen und Teilfunktionen,
Pull-Down-Menues etc.
-
Bezug zu den verfügbaren Bildschirmmasken (Imago-Darstellung)
-
aufgabenbezogene Darstellung
-
Anwendungsbeispiele
-
Form und Gestaltung (siehe auch Kap. Übersichtlichkeit)
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Objektive Verständlichkeit
ist leider nicht immer und für jeden machbar!
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Detaillierter
Kriterienkatalog
1. Richtigkeit
1.1 Zuordnung zum Programm
(= Handbuch-Identifizierung):
-
Programmbezeichnung
-
Programm-Identififaktions-Nr.
-
Programm-Versions-Nr.
-
Programm-Freigabe-Datum
-
ggfs. Lizenz-Nr., Vertrags-Nr. etc.
-
Handbuch-Versions-Nr.
-
Handbuch-Erstell-Datum
-
Handbuch-Letztes-Änderungsdatum
-
Handbuch-Versions-Protokoll (Change Log)
1.2 Programmkonforme Darstellung
-
des Programmaufbaus
-
der Programmfunktionen
-
der Maskenfolge
-
der Einzelmasken
-
der Maskenfunktionen, -teilfunktionen
-
der Feldbezeichnungen
-
der möglichen Feldinhalte
-
der benutzbaren Parameter
-
der Listen, Reports, Statistiken etc.
1.3 fachliche/sachliche Richtigkeit
-
der Funktionen
-
der verwendeten Grundlagen
-
der eingesetzten Methoden
-
von Formeln etc.
1.4 sprachliche Richtigkeit
-
Rechtschreibung
-
Grammatik
-
Ausdruck
2.
Vollständigkeit
2.1 Installationsbeschreibung
-
Auflistung der gelieferten Unterlagen
-
Systemvoraussetzungen (Hardware/Software)
-
technische Beschreibungsmerkmale des Programms
-
Installationsprozedur
-
Standard und Sonderformen
-
Erklärung der Installations-Parameter, deren Zusammenhänge
-
typische Systemverhaltenskennzahlen
-
Optimierungsvorschläge
-
benutzerspezifische Anpassungen
-
Registrations- und Garantieunterlagen
2.2 Beschreibung der Programm-Funktionalitäten
-
Sinn, Zweck, Aufgabenstellung und Einsatzgebiet des Programms
-
Programmaufbau
-
Hauptfunktionen des Programms
-
Menue-Struktur (Funktionsablauf)
-
logischer Programmablauf zur jeweiligen (Einzel-)Aufgabe
-
Beschreibung der Einzelfunktionen
-
zugrundeliegende Vorschriften
-
sonstige Grundlagen
-
theoretische Grundlagen
-
Berechnungsmethoden
-
Formeln
-
funktionale Parameter und deren Wirkungsweise
-
verwendete Normen und Normierungen (z.B. Ergonomie, Tastenbelegung (Short
Keys), GUI = Graphical User Interface = Standard-Masken-Layout)
-
Befehls-Kurz-Übersicht (Reference Card)
-
Musteranwendungen
-
Tips und Tricks (Expert-Modus)
2.3 Beschreibung der Fehlerbehandlung
-
Listen der Fehlermeldungen
-
Erläuterung jeder einzelnen Fehlermeldung
-
Hinweise auf zu ergreifende Maßnahmen
-
Hinweise auf die Vermeidung von Fehlern
2.4 Datensicherung, -reorganisation
-
Hinweise: wann, wie oft, in welchem Umfang, mit welcher Methode, mit welchen
Funktionen bzw. (speziellen) Programmen etc.
2.5 Verhalten in Ausnahmesituationen
-
Systemabbruch
-
Neustart (Kalt-, Warmstart)
-
Abweichungen zwischen erwartetem und tatsächlichem Ergebnis
2.6 Unterstützung durch
den Programmlieferanten/-hersteller
-
Kontaktadresse für den Benutzer
-
Hotline
-
Helpdesk
-
Schulung, Training, Benutzerforum, Internet etc.
-
Garantie etc.
3.
Übersichtlichkeit
3.1 Aufbau und Gliederung
(zum
Gesamtumfang siehe auch Kapitel Vollständigkeit)
-
Einführung
-
Kurzbeschreibung des Programms
- Aufgabe
- Aufbau, Module, Funktionen
- Zusammenhang der Module
- Kurzbeschreibung der Module
-
Beschreibung je Modul
- Funktionen und deren Zusammenhang
- Arbeitsweise je Funktion /Teilfunktion
-
Bearbeitungshinweise
- je Funktion, Teilfunktion, Maske, Feld
-
Bearbeitungsleitfaden je Aufgabe (Screen-Navigation)
-
Verweise auf Muster- und Beispielfälle
-
Sonderfälle und Ausnahmen
-
Auflistung von nicht-machbaren Aufgaben
-
Anhang (technische Informationen, verwendete Konventionen, Normen etc.)
3.2 Orientierungshilfen
-
Inhaltsverzeichnis (einheitlich und übergreifend)
-
Stichwortverzeichnis:
- alphabetisch
- funktional geordnet
- Hervorhebung von Basisfundstellen
- Verweis auf Musterfälle/-beispiele
-
Glossar (Verzeichnis der Abkürzungen und Fachausdrücke)
-
Querverweise im Text
-
Hinweise im Text auf Nachbarthemen
-
separate Schnell-Information = Befehls-Kurz-Übersicht (Reference Card)
3.3 Format, Form und Gestaltung
-
Normales Buchformat (ca. 23 x 16 cm)
-
kein Folianten- oder Lexikonformat
-
durchgehende Seitennumerierung
-
Registereinteilung (Griff- und/oder Farbregister)
-
handbuch-einheitliche Seitenaufteilung
- Kapitel-/Abschnittshinweis im Seitenkopf
- geregelte Schrift-Font-Verwendung
- Randbemerkungen
- Fußzeilen
- deutlich erkennbare Querverweise
-
Einsatz von Farbe als Organisationshilfe
4.
Verständlichkeit
4.1 Fachlicher Inhalt
des Programms
-
Qualifikation des Handbuchautors
- Sachkenntnis
- Erfahrung
- Darstellungsfähigkeit
4.2 Sprache und Sprachstil
-
Deutschsprachig (EG: jeweilig gültige Nationalsprache)
-
Satzaufbau, Wortwahl etc.
-
einheitlich durchgängige Begrifflichkeit
-
Vermeidung von Fremdwörtern bzw. sofortige Erklärung oder Hinweis
auf Glossar
-
Vermeidung von nichtgängigen Abkürzungen
4.3 Aufbereitung des fachlichen
Inhaltes
-
Kombination von Text und Grafik
-
grafische Darstellung für zeitliche und/oder sachliche Arbeitssequenzen
-
Maskendarstellungen in der Form, wie der Benutzer sie tatsächlich
auch sieht, auch farbig (Imago-Darstellung)
-
Masken, Funktionen und Teilfunktion als grafische Einzelschrittdarstellung
-
Aufgabenbezogene Darstellung
-
Anwendungsbeispiele
- Beschreibung des Beispiel-Scenarios
- Ausdruck der Masken je Einzelschritt
4.4 Formale Gestaltungsmerkmale
(siehe
auch Kap. Übersichtlichkeit)
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