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Das Äußere
 
Der Inhalt
 
Die Sicherheitshinweise
 
Text und Bild: das Kapitel “Reinigung”
 
Eine Ergänzung
 
Fazit
 
Autor

 

Unter der Lupe

Gebrauchsanleitung für die Rasierapparate Braun 3020, 3011 und 3008

Rasierapparate gehören sicherlich nicht zu den kompliziertesten Geräten. Dennoch muss sich der Käufer eines neuen Geräts auf ein neues Modell einrichten und braucht dazu eine Gebrauchsanleitung. Insbesondere bei der Reinigung und Wartung von Rasierern sind Unterschiede zu beachten.

Das Äußere

Die Firma Braun hat ihren Rasierern 3020, 3011 und 3008 eine rückenstichgeheftete Gebrauchsanleitung im Postkartenformat DIN A6 mit 38 Seiten Umfang beigelegt. Das Heftchen enthält Anleitungen in insgesamt 14 Sprachen, wobei jede einzelne Version zwei Seiten umfasst. Zwei Ausklappseiten mit einem Verzeichnis der verschiedenen Sprachenteile, Telefonnummern und Abbildungen, mehrere Seiten mit Adressen von Garantiebüros und Kundendienstzentralen sowie schließlich Garantiekarten kommen hinzu.

Beigelegt ist der Anleitung ferner ein Kärtchen, das unter der Überschrift “Wichtig! Important!” noch eine weitere Information ergänzt (siehe unten).

Der Inhalt

Die Anleitung enthält im Wesentlichen vier Kapitel:

  1. Produktbeschreibung
  2. Technische Daten
  3. Rasieren
  4. So halten Sie Ihren Rasierer in Bestform
“Im Wesentlichen” – das mag schon darauf hindeuten, dass die genannten vier Kapitel nicht den gesamten Inhalt der Anleitung bilden. Ihre Überschriften sind aber die einzigen, die durch farbige (grüne) Schrift und durch die Nummerierung besonders hervorgehoben sind, so dass die zugehörigen Textabsätze deutlich als Kapitel erkannt werden. Außerdem gibt es noch mehrere Textbestandteile, die keinem der vier Kapitel zugeordnet werden können: Eine kurze Einleitung enthält gute Wünsche für den Käufer. Drei Sicherheitshinweise unter der Überschrift “Vorsicht” sind ebenfalls den genannten vier Kapiteln vorangestellt. In einem gesondert hervorgehobenen Kastentext werden “Tips für eine optimale Rasur” gegeben. Anschließend an die vier Kapitel wird in zwei Zeilen die CE-Konformität bestätigt. Und schließlich und endlich werden in einem längeren Absatz Garantiebestimmungen abgehandelt.

Dass nicht alle Bestandteile der Anleitung einem der betitelten Kapitel zugeordnet sind, ist an und für sich unproblematisch. Allerdings leidet die Übersichtlichkeit. Und die Sicherheitshinweise hätten durchaus ein eigenes Kapitel verdient. Indem man sie dem ersten Kapitel – zusammen mit für viele Leser uninteressanten guten Wünschen! – vorangestellt hat, wurde das Risiko eingegangen, dass der Leser sie übersieht.

Neben dem Text spielen natürlich die Abbildungen eine wesentliche Rolle. Sie sind auf einer Ausklappseite untergebracht, so dass der Leser der Anleitung sie links neben seinem Text liegen hat.

Die Sicherheitshinweise

Wie bei jedem elektrischen Gerät sind auch bei einem Rasierapparat Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Drei Sicherheitshinweise haben die Verfasser offenbar für nötig gehalten (siehe Bild 1). 

Ein Manko aller aufgeführten Hinweise besteht darin, dass die bestehende Gefahr nicht genannt wird: Was kann passieren, wenn die Hinweise missachtet werden? 

Eine weitere Schwäche: Der erste und der dritte Hinweis sind negativ formuliert, gesagt wird, was man nicht tun soll. Hier fehlt eine positive Aussage: Was soll man stattdessen tun? Deutlich wird das Dilemma beim ersten Hinweis: “Nicht in der Nähe von (…) Waschbecken verwenden.” In vielen Badezimmern ist direkt neben oder über dem Waschbecken eine Steckdose angebracht, die gerade den Zweck hat, dass man dort einen Rasierapparat (oder auch einen Fön) verwenden kann. Ebenso sieht es in vielen Hotelzimmern aus. Viele Nutzer werden den Warnhinweis mangels Alternativen nicht befolgen. Übrigens ist die Nutzung des Geräts in der gefüllten Badewanne sicherlich noch riskanter als daneben!

Bild 1: Vorsicht beim Umgang mit Rasierern!

Text und Bild: das Kapitel “Reinigung”

Sämtliche Abbildungen sind auf einer Ausklappseite untergebracht und können so von Lesern aller Sprachenteile gleichermaßen verwendet werden. Den Bezug zwischen Bildern und Text sollen Ziffern (für die Teile des Rasierapparats) und Buchstaben (für Abbildungen, die Tätigkeiten zeigen) herstellen. Dies glückt nur teilweise, wie am Beispiel des Kapitels “Reinigung” (siehe Bild 2) gezeigt werden soll.

Bild 2: Hinweise zur Reinigung des Rasierapparats

Den ersten Handlungsschritt, der zur Reinigung erforderlich ist, kann der Leser anhand der Abbildungen (siehe Bild 3) nachvollziehen. Allerdings geht es etwas umständlich dabei zu: Zunächst muss der Scherkopf gefunden werden. Wer einen Rasierapparat 3020 oder 3011 besitzt, kann in der Gesamtabbildung nachschauen.Wer einen Rasierapparat 3008 (unten links im Bild) besitzt, wird dort nicht fündig, dieses Modell scheint keine Teile zu haben (oder?). In Abbildung d ist dann deutlich zu sehen, wie der Scherkopf abgenommen wird – offenbar ein Vorgang, der sich von Modell zu Modell nicht unterscheidet. 

Bild 3: Die Abbildungen sind kaum mit dem Text verbunden.

Der nächste Reinigungsschritt besteht laut Anleitungstext darin, den Klingenblock zu reinigen. Hier wird im Text kein Bezug zu den Abbildungen hergestellt, obwohl die Abbildungen weiterhelfen könnten. So ist der Klingenblock in der Gesamtübersicht durchaus dargestellt. Wer den Umweg über die Abbildungslegende geht, findet heraus, dass das mit der Nummer 5 versehene Teil des Rasierers der Klingenblock ist. Diese Nummer hätte man im Anleitungstext angeben können. 

Wie sieht es aber mit der Bürste aus? Dass man den bestimmten Artikel verwendet hat (“die Bürste”), lässt darauf schließen, dass die Bürste ein bekanntes Utensil ist, dass sie also entweder bereits vorher im Text erwähnt wurde (was nicht der Fall ist) oder dass sie dem Rasierapparat beiliegt. (Ob dem Apparat tatsächlich eine Bürste zum Reinigen beigelegt wurde, ist der Verfasserin nicht bekannt.) Käme irgendeine x-beliebige Bürste in Frage, müsste der unbestimmte Artikel verwendet werden. Aber dies nur nebenbei. Kommen wir auf den Bezug zwischen Text und Bild zurück: Im Text wird auf keine Abbildung verwiesen, die die Reinigung des Klingenblocks mit einer Bürste zeigt. Das ist bedauerlich, eine Abbildung könnte sicherlich eine Vorstellung davon vermitteln, wie bei der Reinigung vorzugehen ist. Bei Betrachtung der Abbildungen kommt man allerdings zu der Vermutung, der Vorgang könnte in Abbildung h gezeigt sein. Gestützt wird diese Vermutung dadurch, dass der Buchstabe h im ganzen Anleitungstext auch an keiner sonstigen Stelle auftaucht.
Auch im dritten Hinweis zur Reinigung fehlt jeder Querverweis zu den Abbildungen. Dabei wird hier das Schermagazin genannt, das der Leser wieder nur mittels Rückgriff auf die Bildlegende als Teil 2 identifizieren kann.

Am Beispiel des Kapitels “Reinigung” ist, so lässt sich das Fazit ziehen, nur ein schwacher Text-Bild-Bezug zu erkennen. Abbildungen sind vorhanden, werden aber zur Unterstützung des Textes nicht hinreichend genutzt. In anderen Kapiteln sind entsprechende Mängel zu beobachten, ein Beispiel mag aber genügen.

Eine Ergänzung

Wie eingangs erwähnt, liegt der Anleitung noch ein Kärtchen mit einem weiteren Hinweis bei (siehe Bild 4). Die Überschrift “Wichtig! Important!” wird zwar nicht von allen Lesern der Karte verstanden (Auf der Rückseite ist z.B. auch ein Text in Russisch abgedruckt, eine Sprache, in der “wichtig” weder “important” noch auch nur so ähnlich heißt), aber die gelbe Schrift auf blauem Grund und die beiden Ausrufezeichen rufen Aufmerksamkeit hervor.

Außer dem Text enthält das Kärtchen einen Aufkleber, den der Kunde beschriften, abnehmen und am Rasierapparat anbringen soll – eine praktische Lösung, um sich zu merken, wann Scherfolie und Klingenblock ausgetauscht werden sollen.

Der Aufkleber bietet auch eine Rechtfertigung für die Verwendung einer losen Karte (anstatt der Integration des Hinweises in die Anleitung): Zunächst einmal ist als Grundlage für den Aufkleber ein Material notwendig, von dem der Aufkleber sich abziehen lässt. Hinzu kommt, dass jeweils nach dem Austausch von Scherfolie und Klingenblock ja wieder ein neuer Aufkleber benötigt wird. Wären die Aufkleber Bestandteil der Anleitung, müsste man in der Anleitung eine ganze Sammlung von Aufklebern unterbringen.

Nachteil des Kärtchens ist natürlich, dass es leicht verloren gehen kann. Es ist aber die Frage, ob die Aufbewahrung noch unbedingt nötig ist, nachdem der Aufkleber benutzt wurde. 

Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass der Text nicht ohne Weiteres auf die Gebrauchsanleitung bezogen wird: So ist z.B. aus der Anleitung ersichtlich, um welches Teil des Apparats es sich bei dem Klingenblock handelt. Aber wird der Leser der Karte in der Gebrauchsanleitung nachschauen?

Bild 4: Wichtig?

Fazit

Zwei Seiten Text und eine Seite Abbildungen bieten eine Fülle von Ansatzpunkten, an denen die Anleitung optimiert werden könnte. Dies betrifft insbesondere, wie gezeigt wurde, den Bezug zwischen Bild und Text sowie punktuell auch die Qualität des Textes (letzteres konnte hier nicht vertieft werden). 
 
 

Ulrike Grüne
Stuttgart

 
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 27.05.2003