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Unter der Lupe

riki Komfort-Kissen
- Beispiel für eine "Falsch-Darstellung" *)

Abb. 1 zeigt die Produktinformation zu einem Schlafkissen. Diese hat die gleichen Abmaße wie das Kissen selbst, ca. 80 Zentimeter breit und 40 Zentimeter tief. Sie liegt auf dem Kissen; beide Teile sind zusammen in einer transparenten Folie verpackt. 

Abb. 1

Wer das Kissen aus dem Verkaufsregal nimmt und die Produktinformation betrachtet, wird einige Verständnisprobleme haben. In Abb. 2 haben wir vier Bildausschnitte bestimmt, die wir gleich diskutieren möchten (Bild 1a/b - 2a/b, Textblock 1 - 2).


Abb. 2

Regelmäßig fällt der Blick eines Betrachters zuerst auf ein Bild, bevor der dazugehörige Text gelesen wird. Gibt es mehrere Bilder, die in ihrer Erscheinungsweise gleichwertig sind, fixiert das Auge jenes links oben in der Ecke. Es ist das Bild 1a. Dieses Bild (jeweils natürlich im Original in Abb. 1 betrachtet) zeigt die Lage der Wirbelsäule eines Schlafenden, dessen Kopf höher liegt als das untere Bild 1b, dass die Lage der Wirbelsäule eines Schlafenden zeigt, dessen Kopf sich in das Kissen quasi hineinbohrt.


Bild 1a (oben) und Bild 1b (unten)

Zwischen den Bildern 1a und 1b finden wir die Textzeile:

»falsche Lage der Wirbelsäule«.

Der Betrachter muss nun entscheiden, ob diese Textzeile eine Bildunterschrift des oberen Bildes 1a ist oder eine Bildüberschrift des unteren Bildes 1b. Möglicherweise interpretiert er das obere Bild als "richtiges Liegen" und das untere Bild als "schlechtes Liegen", zumal der Pfeil, der auf den Kopf deutet, bei dem unteren Bild in örtlicher Nähe steht von der Textzeile mit den Worten:

»falsche Lage« .

Ist sich der Betrachter aber über die beabsichtigte Aussage der Bilder unsicher, wird er den Textblock 1 darunter lesen.


Textblock 1

Er erfährt dann auch sogleich:

»...Es bettet den Kopf samt Halswirbelsäule angenehm weich und zugleich funktionell günstig...«.

Alles klar, wird sich der Betrachter sagen, zu diesem Text passt das obere Bild. Und das untere sagt aus, wie man seinen Kopf nicht betten sollte - der Pfeil in dem unteren Bild unterstützt diese Aussagen noch.

Um Bestätigung zu finden, wandert das Auge auf die rechten beiden Bilder. In Analogie zu Bild 1a sehen wir in den Bildern 2a und 2b die beiden Teilansichten eines Schlafenden mit dem Text dazwischen:

»richtige Lage der Wirbelsäule«.


Bild 2a (oben) und Bild 2b (unten)

Was jetzt stutzig macht, sind die fehlenden Pfeile in diesen beiden Teileinsichten. So erhebt sich die Frage, welche der beiden Teileinsichten - oben oder unten - die richtige Lage der Wirbelsäule darstellen? Der Betrachter liest also im Text direkt darunter in Textblock 2 weiter:

»... von schmerzhaften Folgen schon vorhandener Schäden der Halswirbelsäule.-«.

 
Textblock 2

Der Betrachter ist weiterhin verwirrt. Sein Auge erfasst das Bild in der Mitte der Produktinformation (siehe Abb. 1), sieht dort das schematisch dargestellte Schlafkissen mit dem stark rot eingefärbten Inlett. Das Auge geht zurück auf die Bilder 2a und 2b und erkennt dort jetzt die beiden ebenfalls stark rot eingefärbten Schlafkissen. Der Betrachter merkt, hier stimmt etwas nicht. Aber was?

Die Lösung findet er in Abb. 1 (über Abb. 2). Der Betrachter revidiert sein Urteil und erkennt nunmehr beide Teilansichten Bilder 1a und 1b als Beispiele für falsches Liegen. Von dieser Überlegung ausgehend, erkennt er jetzt die beiden Teilansichten Bilder 2a und 2b als Beispiele für richtiges Liegen. Und er erkennt zum Schluss, dass die Texte in Textblock 1 und 2 keinen direkten Bezug zu den Darstellungen in den Bildern 1a/b und 2a/b haben (sollen).

Besser wäre es gewesen, die Bilder 2a/b mit den Bildern 1a/b zu vertauschen. Dann findet das Auge die positive Information (= richtiges Liegen) links oben in der Produktinformation; also dort, wo man in der Regel zuerst hinschaut. Durch das Vertauschen passt dann auch der Text von Textblock 2 zu den nunmehr nach rechts verschobenen Bildern 1a/b (dazu gibt es kein Bild).

Allgemein können wir sagen, dass Falsch-Darstellungen in Produktinformationen, so weit es irgend geht, vermieden werden sollen. Falls aber eine Falsch-Darstellung oder auch mehrere nötig sind, müssen wir diese sehr deutlich als solche kennzeichnen. Die Positionierung dieser Falsch-Darstellungen sollte ebenfalls sorgfältig gewählt werden. Wir sollten also nicht die Falsch-Darstellungen augenfälliger positionieren als deren richtiges Pendant.


*) Falsch-Darstellungen zeigen, wie man es nicht machen sollte.

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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 27.05.2003