| Unter der Lupe
Sony Mobile Telephone
Immer erreichbar, stets mit aller Welt verbunden – das Handy ist der
„Renner“, die Verbreitung von Handys ist sprunghaft angestiegen. Die Folge
für technische Redakteure: Die meisten Käufer eines Handys sind
Erstbesitzer, haben also kaum Vorwissen, bezogen auf alle Funktionen, die
ein Handy von einem normalen Telefon unterscheiden. Werden sie mit der
Gebrauchsanleitung für das Mobiltelefon CMD-C1 der Firma Sony zurechtkommen,
das diesmal unter der Lupe gelegen hat?
Das Äußere
Bei der vorliegenden Gebrauchsanleitung handelt es sich um eine 56 Seiten
starke, rückstichgeheftete Broschüre im Format 182 mm x 125 mm.
Vorne, mit dem Umschlag verbunden, gibt es mehrere Ausklappseiten, die
mittels eines Wickelfalzes eingeschlagen sind. In der Broschüre enthalten
sind Anleitungen in deutscher und in italienischer Sprache.
Eine
Besonderheit: vier Ausklappseiten
Wer die Anleitung aufschlägt, stößt als Erstes rechts
auf das Inhaltsverzeichnis. Die eingeschlagenen Ausklappseiten werden zunächst
einmal übersehen. Dabei gibt es beim „Auseinanderwickeln“ einiges
zu entdecken.
Beim Aufschlagen des Heftes liegt links vor dem Leser eine Seite, die
mit „Meine Informationen zu CMD-C1“ überschrieben ist: Hier kann der
Besitzer des Handys sich eine Art Identitätskarte für sein Handy
anlegen, mit seiner Mobiltelefonnummer, der Kundendienstnummer des Betreibers,
der SIM-Kartennummer und der CMD-C1 ID-Nummer – eine praktische Sache,
so sind die wichtigsten Angaben schnell wiederzufinden, z. B. im Falle
eines Verlustes oder Diebstahls des Handys.
Beim weiteren Auseinanderwickeln kommt Umschlagseite 2 mit dem Kapitel
„Sicherheitsmaßnahmen“ zum Vorschein. Diese Platzierung von Sicherheitshinweisen
ist völlig unakzeptabel, hier werden sie nur zufällig gefunden.
Dies gilt erst recht für italienischsprachige Leser der Anleitung:
Die italienische Version findet sich am Ende des Heftes, die Sicherheitshinweise
aber sind auch in italienischer Fassung vorne in den Ausklappseiten zu
finden.
Weiter kommt ein Blatt (Vorder- und Rückseite) zu Tage, das man
anscheinend zerschneiden soll. Nach Vorgabe zerschnitten, erhält man
zwei Kärtchen im Scheckkartenformat, die Kurzinformationen zu den
Themen „Kurztasten“, „Jog-Dial“, „Tätigen eines Anrufs“ und „Übersicht
der Menüs“ enthalten (ein Beispiel siehe Bild 3).
Als Letztes wird dann noch eine Seite gefunden, die eine Gesamtabbildung
des Handys enthält, zusammen mit einer ausführlichen Legende.
Ohne diese Übersicht kann die Anleitung kaum verstanden werden, schade,
dass sie so schlecht zu finden ist! Dabei ist die Anordnung eigentlich
ganz praktisch: Ausgeklappt, liegt die Übersichtsabbildung immer direkt
neben dem Text.
Kurz gesagt: Ausklappseiten sind – besonders für Gesamtabbildungen
u. Ä. – eine praktische Sache, es dürfen aber nicht zu viele
werden. Und: Sicherheitshinweise gehören in die Anleitung, an hervorgehobene
Stellen.
Inhalt
und Orientierung
In dem recht umfangreichen Inhaltsverzeichnis werden die einzelnen Kapitel
sechs Grobkapiteln zugeordnet:
-
Ihr Sony CMD-C1
-
Vorbereitungen
-
Grundfunktionen
-
Telefonbuchfunktionen
-
Menüfunktionen
-
Anhang
Diese Kapitelüberschriften sagen zunächst recht wenig aus, da
sie sehr allgemein gehalten sind. Zum Teil wecken sie auch falsche Erwartungen.
So würde man z. B. die Gesamtabbildung des Handys wohl unter der Überschrift
„Ihr Sony CMD-C1“ erwarten, tatsächlich ist sie aber auf einer Ausklappseite
zu finden, die im Inhaltsverzeichnis gar nicht berücksichtigt wurde.
Aufschlussreicher sind die Überschriften der Einzelkapitel: „Lieferumfang
des CMD-C1“, „Einschalten des CMD-C1“, „Tätigen eines Anrufs“, „Erstellen
von Telefonbucheinträgen“, „Wiederwahl“, „Fehlersuche und -behebung“
– um nur einige Beispiele zu nennen.
Die meisten Überschriften benennen Handlungen. Solche Formulierungen
sind besser als Überschriften, die Gerätefunktionen in den Mittelpunkt
stellen. Derartige Überschriften kommen hier zwar leider auch vor
– „Notizbuchfunktion; Mikrofon“ oder „Dauer, Gebühr“ – aber handlungsbezogene
Überschriften überwiegen. Manche Überschriften sind etwas
umständlich geraten: Wer tätigt schon einen Anruf? „Anrufen“
genügt.
Wer gezielt nach einem bestimmten Thema sucht, dem wird das Inhaltsverzeichnis
relativ wenig helfen, dafür ist es zu umfangreich und unübersichtlich.
Wie schaltet man z. B. das Handy aus? Wie funktioniert die Wahlwiederholung?
Wie kann man eine Message verschicken? Hilfreich könnte für solche
Fragen der Index sein, der sich am Ende der Anleitung befindet. Pech: Die
Begriffe „Ausschalten“, „Wahlwiederholung“ und „Message“ sind im Index
nicht zu finden. Wer die „falschen“ Begriffe im Kopf hat, der bekommt keine
Information.
Die Sicherheitshinweise tauchen übrigens im Inhaltsverzeichnis
nicht auf, obwohl sie, wie schon festgestellt, in der Anleitung durchaus
enthalten sind.
Wie
verschickt man eine Message?
Eine für die meisten Handy-Erstbenutzer neue Funktion ist die Möglichkeit,
eine schriftliche Nachricht zu versenden. Gleichzeitig ist dies eine Funktion,
von der – wohl vor allem für jugendliche Benutzer – eine erhebliche
Faszination ausgeht. Man kann also vermuten, dass für viele Käufer
dies eine der ersten Funktionen ist, die sie ausprobieren wollen und über
die sie sich demnach informieren müssen. Das entsprechende Kapitel
soll deshalb hier genauer betrachtet werden.
Nehmen wir einmal an, die Seite mit dem Kapitel „Erstellen von Nachrichten“
(siehe Bild 1) wurde gefunden. Da weder im Inhaltsverzeichnis noch im Index
Unterpunkte zu dem Kapitel „Nachrichten“ aufgeführt sind, dauert dies
etwas länger. Die erste Information, die man nun erhält, lautet:
„Sie können eine neue Nachricht erstellen, Ihre letzte Nachricht bearbeiten
oder eine der fünf Nachrichtenvorlagen verwenden.“ Wer das erste Mal
eine Nachricht schreibt, hat noch keine letzte Nachricht zum Bearbeiten.
Diese Möglichkeit entfällt somit. Aber wie wäre es mit den
fünf Nachrichtenvorlagen? Leider schweigt sich die Anleitung darüber
aus, was für fünf Vorlagen das sind und wie sie zu finden sind.
Sehen wir weiter ...
Die erste Anweisung hört sich ganz einfach an. Allerdings ist Voraussetzung,
dass man mit dem Jog-Dial umgehen kann und sich in den Menüs zurechtfindet.
Wer nicht, wird schon an dieser einfachen Aufgabe scheitern. (Die Informationen
sind an anderer Stelle verfügbar und vermutlich zu umfangreich, um
an dieser Stelle wiederholt zu werden. Ein kleiner Verweis könnte
aber nicht schaden.)
Anweisung 2 stellt – wie der Einleitungssatz – wieder mehrere Optionen
in Aussicht. Was fehlt, ist auch hier wieder eine Informationen, welche
Optionen denn vorhanden sind, sowie gegebenenfalls, was sich hinter diesen
Optionen verbirgt. Welchen Zweck in diesem Zusammenhang der Displayausschnitt
rechts neben dem Text hat, ist nicht zu erkennen. Um die Optionen, aus
denen auszuwählen ist, kann es sich eigentlich nicht handeln.
Harmlos wirkt auch Anleitungspunkt 3: „Geben Sie die Nachricht ein“!
Wie aufwendig das ist, stellt sich erst heraus, wenn man den Anweisungen
im Kapitel „Telefonbuch“ folgt, auf das hier verwiesen wird. In diesem
Zusammenhang: Gehört die Anleitung, wie man Buchstaben und andere
Zeichen eingibt, wirklich ins Kapitel „Telefonbuch“? Und außerdem:
Warum schickt man den Leser hier auf die langwierige Suche nach dem Kapitel
„Eingeben von Zeichen in das Telefonbuch“, das noch nicht einmal im Inhaltsverzeichnis
erscheint? Wie wäre es mit einer Seitenzahl?
Bild 1: Wie schickt man jemandem
eine Nachricht? (Ausschnitt)
Im Weiteren erfährt man, wie die Nachricht versandt – oder zwecks
späterer Versendung abgespeichert – wird. Es folgen Tipps, wie abgespeicherte
Telefonnummern verwendet werden können und was zu tun ist, wenn man
beim Schreiben der Nachricht unterbrochen wird. Wenn nun alles nach Anleitung
richtig erledigt wurde, kann es trotzdem passieren, dass nichts funktioniert.
Wie das? Die Lösung könnte im Kapitel „Service Center“ (siehe
Bild 2) liegen, das auf das Kapitel „Erstellen von Nachrichten“ folgt.
Hier erfährt der Leser, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen,
damit er überhaupt die Möglichkeit hat, von seinem Handy aus
Nachrichten zu versenden: Die Nummer des Service Centers muss eingegeben
worden sein.
An dieser Stelle ist das Kapitel unsinnig platziert. Spätestens
zu Beginn des Kapitels „Erstellen von Nachrichten“ müssen notwendige
Vorbedingungen für den Versand von Nachrichten genannt sein, mindestens
ist ein Querverweis erforderlich, besser Klartext. Sinnvoll wäre auch
eine Platzierung des Kapitels am Anfang der Anleitung, unter „Vorbereitungen“.
Bild 2: Etwas verspätet
folgen die Vorbereitungen fürs Nachrichtensenden
Kurzanleitung:
ein Blick, alles klar?
Zwei Kärtchen zum Ausschneiden (siehe oben, Ausklappseiten) bieten
Anleitungen in Kürzestform, gut geeignet zum Mitnehmen. Ein Blick
aus der Nähe auf die Kurzanleitung zum Anrufen (siehe Bild 3):
Bild 3: Schnellübersicht
für unterwegs
Die Überschrift wurde bereits im Zusammenhang mit dem Inhaltsverzeichnis
kommentiert. Offenbar gibt es grundsätzlich zwei Ausgangssituationen,
aus denen heraus telefoniert werden kann: a) im Bereitschaftsmodus, b)
aus dem Telefonbuch. Dies legen zumindest die beiden halbfett gedruckten
Zwischenüberschriften nahe. Unter dieser Prämisse ist es verblüffend,
dass es im ersten Satz unter „Aus dem Telefonbuch“ heißt: „Drücken
Sie den Jog-Dial im Bereitschaftsmodus ...“ Die Zwischenüberschriften
stellen sich so als unbrauchbar heraus.
Des Weiteren stellt sich die Frage, was der Bereitschaftsmodus ist.
Um dies abzuklären, muss man in der ausführlichen Anleitung nachschlagen.
Nur: wo? Der Index hilft nicht weiter, das Inhaltsverzeichnis erst recht
nicht. Im Kapitel „Ihr Sony CMD-C1“ ist im Unterkapitel „Grundfunktionen
des CMD-C1“ (nicht zu verwechseln mit dem Kapitel „Grundfunktionen“) der
Satz versteckt: „Im Bereitschaftsmodus (der Name des Netzbetreibers wird
angezeigt) können Sie ...“ Allerdings wird auch hier nicht gesagt,
wie man das Handy in den Bereitschaftsmodus versetzt; da kann man nur hoffen,
dass das Handy beim Einschalten automatisch in den Bereitschaftsmodus geht.
Verwirrung lösen die verschiedenen, fein unterschiedenen Möglichkeiten
aus, mit dem Jog-Dial umzugehen (mit dem „revolutionären“ Jog-Dial,
wie die Einleitung verspricht). Der Jog-Dial scheint ein wahres Wunder
zu sein: Im Bereitschaftsmodus (Punkt 2) kann man damit wählen oder
die angezeigte Nummer (das wird ja wohl die Nummer sein, die man vorher
– Punkt 1 – eingegeben hat) im Telefonbuch speichern. Bei der zweiten Variante
wiederum kann man mit dem Jog-Dial das Telefonbuch öffnen (Punkt 1),
eine Nummer wählen (Punkt 2), sie dann anzeigen (Punkt 3) oder anrufen
(ebenfalls Punkt 3). Kommt denn eigentlich der Anruf nicht schon zustande,
wenn man die Nummer gewählt hat (Punkt 2)? Wird die Nummer, die man
wählt, nicht gleichzeitig angezeigt? Wenn nicht, wie kann man sie
dann wählen? Vermutlich entsteht dieses ganze Durcheinander durch
das Wort „wählen“ – der Verdacht liegt nahe, es ist gar nicht „eine
Telefonnummer wählen“ gemeint, sondern „eine Nummer aus mehreren auswählen
bzw. aussuchen“. Aber auch von diesem kleinen Missverständnis abgesehen,
bleiben die vielfältigen Funktionen des Jog-Dials ein unüberschaubares
Tohuwabohu.
Es lässt sich feststellen, dass die Kurzanleitung nur zu nutzen
ist, wenn vorher die ausführliche Anleitung gelesen und verstanden
wurde. Nur mit der Kurzanleitung ist der Benutzer überfordert.
Fazit
Wer Zeit und Geduld mitbringt, kann sich durch Lesen und Befolgen der
Anleitung Schritt für Schritt die Benutzung seines Handys erarbeiten.
Eine gewisse Unempfindlichkeit gegen Rückschläge dürfte
helfen. Eine besonders benutzerfreundliche Anleitung ist die Bedienungsanleitung
für das Sony CMD-C1 sicherlich nicht.
Vielleicht liegt das Problem ja teilweise auch in der Sache selbst:
immer mehr Funktionen auf immer kleinerem Raum mit möglichst wenig
Tasten – und dann wundern wir uns, dass es schwierig ist, zu erklären,
wie das Ding funktioniert!
Stuttgart
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