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Unter
der Lupe
Bedienungsanleitung für einen Standard-Handsender Diesmal liegt eine Anleitung unter der Lupe, die genau dorthin gehört: ein Faltblatt mit drei Sprachversionen einer Anleitung auf 14 Seiten im Format von nur 80 mm x 55 mm! Eine Lupe könnte helfen … „Für welches Gerät ist die Anleitung?“, fragt man sich. Wer das Blättchen zusammen mit dem oben genannten Standard-Handsender in die Hand bekommt, weiß natürlich, zu welchem Gerät es gehört – nämlich zu dem Ding, das er gerade in der Hand hat. Aber wie sieht es aus, wenn einem die Anleitung später einmal in die Hände fällt? Oder – umgekehrt – wenn das Gerät in irgendeiner Weise Anlass dazu gibt, später noch einmal die dazu passende Anleitung zu suchen? Eine winzig kleine Abbildung auf der Vorderseite mag zur Identifizierung dienen. Eine genaue Bezeichnung des Geräts über den lapidaren Vermerk „Standard-Handsender“ hinaus sucht man vergeblich. Auch der Hersteller ist nicht auszumachen, ebensowenig der Händler, der das Gerät verkauft hat. Welchen Zweck der Sender hat, muss der Käufer wissen und sich für die Zukunft merken – in der Anleitung wird der Zweck des Geräts an keiner Stelle auch nur angedeutet. Nach so etwas wie der bestimmungsgemäßen (oder der bestimmungswidrigen) Verwendung zu fragen, kann man sich unter diesen Umständen wohl sowieso sparen. Sehen wir mal über diese „Kleinigkeiten“ hinweg, und wenden wir uns dem zu, was die Anleitung zu bieten hat. Abgesehen von der Vorder- und der Rückseite des Faltblatts wurde auf Abbildungen verzichtet. Die Vorderseite (siehe Bild 1) zeigt den Sender komplett, offenbar von oben. Die Abbildung ist beschriftet, wobei die gewählte 4-Punkt-Schrift wohl kaum für jeden erkennbar sein dürfte. Der Pfeil mit dem Hinweis „Haupt-Senderichtung“ ist – vorausgesetzt, der Text wurde entziffert – vermutlich auf Anhieb verständlich, diese Seite des Senders muss anscheinend in Richtung auf den Empfänger gerichtet werden. Ebenfalls klar dürfte sein, dass und wo sich ein Summer an dem Sender befindet, das Symbol für ein Geräusch (drei konzentrische Kreisabschnitte) unterstützt hier. Die Batterie ist im Vergleich zum Rest schon fast überdeutlich zu erkennen. Was es mit dem „Batterie-Schieber“ auf sich hat (rechts im Bild), wird nicht ganz deutlich; vom Aussehen her kann wohl auf einen Deckel geschlossen werden, mit dem das Batteriefach verschlossen wird. Der Begriff „Batterie-Schieber“ zeigt dagegen eher an, dass damit die Batterie geschoben werden soll, z. B. ins Batteriefach – welchen Sinn das haben soll, bleibt im Dunkeln. Das Abbildungselement links unten ist kaum mehr zu erkennen, wenn auch die Beschriftung deutlich ist. So nützt es wenig. Im vorderen Teil des Senders befinden sich offenbar vier Tasten, die schemenhaft zu erkennen sind; allerdings sind sie nicht beschriftet, so dass über ihre Funktion nichts aus dem Bild hervorgeht. Worauf sich der Begriff „Leuchtdiode“ bezieht, ist mit guten Augen zu erahnen: Vor der linken der vier Tasten ist ganz schwach noch etwas zu sehen. Wenn man mit der Abbildung nur die Vorderseite hätte verschönern wollen, hätte man auf die Beschriftung verzichten können. Dazu, etwas über das Gerät, seine Teile oder gar die Funktion dieser Teile in Erfahrung zu bringen, taugt die Abbildung aber nicht.
Bild 1: Nicht viel zu sehen Der Sinn der Rückseite der Anleitung (siehe Bild 2) erschließt sich nicht so ohne Weiteres. Was ein „1-Befehl Sender“ ist, ist aus der Anleitung nicht zu entnehmen, die Vermutung liegt nahe, dass es sich um einen Sender handelt, wie der, zu dem die Anleitung gehört. Die Überschrift „Tastenbelegung“ weckt Hoffnungen, schließlich geht weder aus der Abbildung auf der Vorderseite noch aus dem Text hervor, wofür die vier Tasten gut sind. Was folgt, sind allerdings leider wieder nur für Uneingeweihte böhmische Dörfer: „T1 = T1“, diese Aussage kann man wohl glauben, aber was will der Autor damit sagen? Was verbirgt sich hinter „A“, was hinter „B“? „ON“ und „OFF“ haben Benutzer aller möglichen Geräte inzwischen als „aus-“ und „eingeschaltet“ begriffen, aber was bedeuten die Begriffe in diesem Zusammenhang? Am meisten Rätsel werfen schließlich die vier Abbildungen auf: Anscheinend handelt es sich um Ausschnitte aus einer Platine, die sich vermutlich in dem Sender befindet. Aber was soll der Nutzer nun tun? Soll er den Sender öffnen? Womit? Und wie? Und wenn er die Platine vor sich hat, soll er dann zum Lötkolben greifen? Was soll er damit tun, und zu welchem Zweck? Oder soll er sich vielleicht die Platine nur ansehen, um aus dem Anblick irgendwelche Informationen (welche?) herzuleiten? Kurz gesagt, die Rückseite ist nutzlos.
Bild 2: Wir löten? Eine Abbildung der Unter- bzw. Rückseite des Senders ist in der Anleitung nicht enthalten. Diese könnte jedoch von Nutzen sein, denn auf der Senderrückseite soll laut Anleitungstext die Frequenz des Senders zu finden sein. Der Anleitungstext ist zum Glück von der Schrift her etwas größer ausgefallen als die Beschriftung der Abbildung auf der Vorderseite: immerhin 6 Punkt. Dass das für unangestrengtes Lesen immer noch zu wenig ist, versteht sich von selbst. Um es vorweg zu sagen: Die bisher genannten Mängel der Anleitung werden nicht durch einen gelungenen, verständlichen Text aufgewogen. Der bis hierhin eher unbefriedigende Eindruck verfestigt sich beim Lesen des Anleitungstextes. Einige Beispiele: Beispiel 1: die Einleitung
Den ersten Einleitungssatz (Glückwunsch zum Kauf incl. Eigenlob) ist der Leser schon gewohnt, auch der zweite Satz (Bitte lesen!) ist sattsam bekannt und unnütz. Aber gerade weil beide Bemerkungen so abgenutzt sind, erübrigt sich ihre Kritik – sie werden sowieso nur überlesen. Mit dem dritten Satz geht es jedoch „zur Sache“. Und prompt werden mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet: Wenn man bedenkt, dass nirgendwo darüber informiert wird, welchen Zweck der Sender eigentlich hat, so ist der Verweis auf einen Empfänger nicht zu verstehen. Um was für einen Empfänger geht es hier? Die Information, dass der Empfänger das Sendersignal vierfach auf richtige Codierung prüft, mag für den einen oder anderen ganz interessant sein; hier steht sie aber unvermittelt sozusagen im luftleeren Raum, sie hat keinen Nutzen. Was folgt aus dieser Information für den Benutzer des Senders? Und schließlich: Warum und wann soll der Benutzer die Sendertaste 1–2 Sekunden lang betätigen? Und überhaupt: Welche ist die Sendertaste? Beispiel 2: das zweite Kapitel
Das zweite Kapitel ist im Wesentlichen verständlich formuliert. Zwei Probleme treten hier auf:
Zweitens: Die Aufforderung, die Anleitung „wiederfindbar“ aufzubewahren, mag gut gemeint sein. Angesichts des Formats der Anleitung ist die Erwartung, irgendjemand könne die Anleitung in ein paar Jahren noch wiederfinden, reichlich unrealistisch. Sie wird verschwinden wie Kassenzettel oder Abholzettel aus der Reinigung. Beispiel 3: zum Schluss noch ein Blick auf die Warnhinweise
Besonders wichtig sind die beiden ersten Absätze des Kapitels, hier geht es immerhin um die Vermeidung ganz erheblicher Gefahren auch für Personen. Gerade diese wichtigen Hinweise sind allerdings so pauschal gehalten, dass sie vermutlich nicht besonders wirksam sein werden. „Geräte und Anlagen, bei denen eine Funktionsstörung im Sender oder Empfänger keine Gefahr für Personen oder Sachen ergibt“ – was sind das für Geräte und Anlagen? Ohne konkrete Beispiele kann man sich nichts darunter vorstellen. Auch im zweiten Absatz reicht ein Beispiel nicht aus. Hinzu kommt die ausgesprochen umständliche Formulierung im ersten Absatz (Nominalstil, Verneinung). Der Hinweis, den Sender nicht in die Sonne zu legen, wird gleich doppelt gegeben. Auch Feuchtigkeit scheint sehr gefährlich zu sein, wird sie doch gleich dreimal angesprochen: Nässe, Dampf, hohe Luftfeuchtigkeit. Leider erfährt der Leser aber nicht, was denn passiert, wenn der Sender in der Sonne liegt, nass wird, verstaubt o. Ä. Und was ähnlich ist, muss er sich auch selbst ausmalen. Vielleicht findet sich ja jemand, z. B. im privaten Bekanntenkreis, der dem Nutzer die Bedienung erklären kann …
Stuttgart
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