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Wie
beeinflußt die Internettechnik die Produktion des TR?
Neue technische
Möglichkeiten
verändern ein Berufsfeld
Dieser Beitrag will einen Überblick geben über die Teile der
Internet-Technik, die den Technischen Redakteur (TR) besonders beeinflussen.
Dabei soll es nicht um die typischen Benutzerfragen gehen: Was ist E-Mail
oder wie gehe ich mit einer Suchmaschine um. Viel mehr stelle ich die These
auf, daß es mittlerweile einen anerkannten, gemeinsamen Nenner für
diejenige Technik gibt, die praktisch jeder Nutzer eines leidlich aktuellen
PCs vor sich stehen hat. Dieses Minimum reicht für viele Aufgaben
aus, die der Technische Redakteur zu erfüllen hat.
Hält sich der TR an dieses Minimum, so braucht er nur noch seine
Dokumente auszuliefern. Insbesondere spart er sich Lizenzkosten und Installationsroutinen.
Dafür sind diese Dokumente ohne weitere Maßnahmen plattform-unabhängig,
d.h. auf einem Windows-Rechner ebenso zu nutzen wie auf einem Mac oder
unter Linux.
Ein Abschnitt geht auch kurz darauf ein, worauf der TR jenseits des
Werkzeugeinsatzes zu achten hat. So lassen sich ungenaue Verweise kaum
verwirklichen und die Volltextsuche stellt spezielle Anforderungen
an die Terminologiearbeit.
Dieses Dokument ist die überarbeitete Fassung eines Scripts, das
der Autor für firmeninterne Seminare erarbeitet hat.
Medien für
elektronische Dokumentation
Online und offline
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Internet-Technik
läßt sich
auch lokal nutzen |
Die neuen elektronischen Medien lassen sich auf zwei grundsätzlich
unterschiedliche Arten nutzen:
-
Alle Informationen liegen auf dem Rechner des Nutzers vor. Eine Datenverbindung
(Internet-Anschluß) ist nicht nötig. Dieser Betrieb wird häufig
als „offline“ bezeichnet.
-
Wenigstens ein Teil der Informationen wird zeitnah über eine Datenverbindung
beschafft. So lange die Datenverbindung besteht, ist der Rechner „online“.
Beide Betriebsarten ergänzen sich und lassen sich auch gut kombinieren. |
| Beispiel:
Produktkatalog |
Eine interessante Kombination von Online- und Offline-Komponenten kann
ein Produktkatalog sein, denn Preise oder Lieferbarkeit ändern sich
häufiger als die Produkte selber.
Man kann dem Kunden also einen elektronischen Katalog auf CD-ROM zukommen
lassen, der von sich aus weder Preise noch Angaben zur Lieferbarkeit enthält.
Der Interessent kann sich so „offline“ orientieren und dabei große
Datenmengen verwenden – von Abbildungen des Produkts bis zu Datenblättern,
Applikationsberichten oder animierten Demonstrationen. Erst wenn der Interessent
aktuelle Informationen wie den Preis haben will, baut sein Rechner eine
Datenverbindung auf. Die besteht dann nur für kurze Zeit und überträgt
nur minimale Datenmengen.
Internet-Technik
statt spezieller Multimedia-Programme
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| Abschied
vom Runtime-Modul |
Bei vielen erfahrenen Computerbenutzern haben Multimedia-CDs einen
denkbar schlechten Ruf: Sie bestanden bislang strikt darauf, eigene Programme
auf der Festplatte des Benutzers abzulegen. Der reine Verbrauch von Speicherkapazität
wäre dabei noch zu verkraften. Extrem kritisch ist aber, daß
dabei wenigstens unter Windows recht tief ins Betriebssystem eingegriffen
wird. |
Einen
Webbrowser
hat heute jeder |
Die Internet-Technik bietet hier zunehmend Auswege an: Sobald der Benutzer
einen Grundstock an Internet-Software installiert hat, wird Software auf
der CD zunehmend entbehrlich. Je weiter die Internet-Technik fortschreitet,
um so leistungsfähiger wird diese immer vorhandene Infrastruktur.
Die Vorteile sind so überzeugend, daß herkömmliche Multimedia-Produkte
wohl immer mehr in den Image- und Werbebereich verdrängt werden:
-
Wenn der Benutzer keine Eingriffe in seine Rechnerinstallation befürchten
muß, wird die Akzeptanz größer.
-
Der Hersteller spart Kosten – von den ersparten Lizenzgebühren für
die Runtime-Module bis zur Nutzung vorhandener Infrastruktur für die
Website-Gestaltung.
-
Online- und Offline-Komponenten lassen sich zwanglos integrieren.
Ein Hinweis ist vielleicht noch angebracht: Speziell die Webbrowser können
nicht nur mit den Internet-Protokollen Informationen aus der Leitung holen,
sondern auch mit den ganz normalen Dateisystemen der Rechner umgehen.
CD als Standard-Datenträger
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| Am
Anfang war die Musik |
Der heute übliche Datenträger für Offline-Medien ist
die CD (Compact Disc). Dieser Datenträger wurde vor rund 15 Jahren
als Ersatz für die herkömmliche Schallplatte eingeführt,
war also von Anfang an als billiges Massenprodukt gedacht. Im Lauf der
Jahre wurde das Normenwerk für die CD immer wieder um „bunte Bücher“
erweitert [1]. Bemerkenswert ist, daß ein wesentlicher Teil dieser
Normen nicht von bestimmten Rechnerplattformen abhängig ist. Das gilt
gerade beim Einsatz von Internet-Technik. |
| CD
ist ein extrem billiger Datenträger |
In großen Mengen gepreßt kostet die Herstellung von CDs
deutlich weniger als 1 DM/Stück. Einzelstücke können Sie
in vielleicht 10 Minuten auf Ihrem eigenen Rechner herstellen. Der Datenträger
kostet dabei vielleicht 2 DM.
CDs sind also leicht herzustellen, relativ unempfindlich, sehr billig
und leicht. Wenn Sie Ihre Kataloge bislang einmal im Jahr versandten, können
Sie Ihre Kunden jetzt bei wesentlich reduzierten Kosten viermal im Jahr
informieren.
Online oder Online?
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Längst
nicht jeder Benutzer
ist ständig online |
In sehr vielen Fällen wird man die Chance nutzen wollen, dem Benutzer
ganz aktuelle Daten zur Verfügung zu stellen. Dafür muß
man sicherstellen, daß der Benutzer auch wirklich einen entsprechenden
Zugang hat. Die dabei denkbare Variationsbreite ist groß:
-
Privatnutzer oder kleine Firmen in Ländern mit hohen Telefonkosten
werden von vielen Online-Angeboten nur sehr zögerlich Gebrauch machen.
-
Viele Firmen betreiben ein lokales Netz und haben eine Standleitung. Hier
fällt der Zugriff auf das Internet bedeutend leichter.
-
Große Firmen betreiben ein eigenes Netzwerk, das mehr oder weniger
intensive Verbindungen zum Internet hat (Intranet). Hier ist es keine Frage,
daß man sich mit aktuellen Informationen direkt aus der Quelle versorgt.
Festzuhalten bleibt aber, daß die aktuelle Internet-Technik mittlerweile
für viele Zwecke der Technischen Dokumentation ausreicht – die Hochglanzprospekte
haben schon immer andere erstellt.
Spezialfall Intranet
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| Ein
Intranet ist eine wesentlich besser beherrschbare Umgebung als das Internet |
Im Internet muß der Webdesigner mit einer Vielzahl von Einschränkungen
leben – entweder er verwendet den gemeinsamen kleinsten Nenner oder er
baut Speziallösungen für unterschiedliche Zwecke. Das beginnt
bei der Optimierung für einen bestimmten Webbrowser und endet sicher
nicht bei der Frage, ob der typische Benutzer eine Standleitung hat.
In einem Firmennetz tut man sich da womöglich leichter: Die Firma
benutzt ausschließlich ganz bestimmte Programme in einer übersichtlichen
Vielzahl von Versionen und die Netzanbindung der einzelnen Rechner entspricht
gewissen Mindestanforderungen.
Je genauer man die Infrastruktur der Benutzer kennt, um so weniger muß
man sich über die im Internet denkbare Variationsbreite Gedanken machen
und um so mehr kann man mit Hilfe der Systembetreuer erledigen. Auch wird
man nur im Intranet solche Techniken einsetzen, die in Internet Viren und
Hackern Tür und Tor öffnen, aber viele interessante Möglichkeiten
bieten – z.B. ActiveX-Erweiterungen.
Internet-Technik
für die TD
Ein paar Datenformate
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| Die
Grundausrüstung des Webbrowsers |
Die Zahl der landläufigen Datenformate in der Internet-Technik
ist recht übersichtlich: Eines für das Grundgerüst, zwei
für Grafiken und eines für Faximile-Dokumente – das ist bereits
die Grundausrüstung. Ein paar Grundeigenschaften:
-
HTML ist das Datenformat, das das Internet zusammenhält: Fast
immer lädt der Benutzer zuerst eine HTML-Datei, die dann Verweise
auf andere Dateien enthalten kann. HTML-Dateien enthalten nur Text und
grundlegende Layoutinformation. Alles andere wird per Referenz eingefügt.
-
JPG ist ein weit verbreitetes Datenformat für Grafiken im Internet.
Es eignet sich besonders gut für Fotos und ähnliche HalbtonVorlagen.
JPG enthält ein „verlustbehaftetes Kompressionsverfahren“, d.h. beim
Erzeugen der Grafikdatei werden bewußt Teile der vorhandenen Information
ausgelassen.
-
GIF ist das optimale Datenformat für synthetische Bilder, die
sehr scharfe Kanten und sehr gleichmäßige Farbflächen enthalten.
GIF unterdrückt keine Informationen und kann gleichmäßige
Farbflächen sehr gut komprimieren. Außerdem unterstützt
das GIF-Format eine einfache Form von Animation – praktisch alle Werbebanner
im Internet werden als GIF-Dateien übertragen.
-
PDF ermöglicht, „Papier elektronisch auszuliefern“. Im Gegensatz
zu HTML behält der Autor problemlos die genaue Kontrolle über
das Aussehen seines Dokuments. Praktisch jeder Benutzer eines aktuellen
Rechners kann PDF-Dateien darstellen.
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| Webbrowser
können „lernen“, mit weitgehend beliebigen Dateiformaten umzugehen |
Neben diesen Standardformaten lassen sich grundsätzlich beliebige
andere Datenformate einsetzen: Man muß dem Webbrowser nur beibringen,
was er damit anfangen soll. Für viele Datenformate gibt es „Plug-Ins“,
also in den Webbrowser integrierbare Darstellungsprogramme. Für andere
Datenformate wird man entsprechende Programme aufrufen.
Es gibt nur wenige Gründe, auf eines dieser vier Grundformate zu
verzichten – etwa wenn zu Ihrer Zielgruppe Sehbehinderte oder Blinde gehören.
Trotzdem werden Sie in vielen Fällen dafür sorgen wollen, daß
alle wesentliche Information in HTML vorliegt: Suchmaschinen haben wenig
Möglichkeiten, anderes auszuwerten.
Ein Problem bei der Offline-Nutzung der Internet-Technik sind die vielen
Dateien. Beim Offline-Betrieb ist das durchaus hinderlich, wenn der Rechner
zum Aufbau einer einzigen Seite 20 oder 50 Dateien öffnen muß.
Das ist einer der wesentlichen Gründe, warum Microsoft eine „kompilierte“
HTML-Version erfunden hat: Wie bei Winhelp enthält dieses Dateiformat
eine eigene, interne Dateienverwaltung.
Client-Server
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| Beim
Online-Betrieb sind mindestens zwei Rechner miteinander verbunden |
Der Online-Betrieb bedeutet, daß Sie grundsätzlich eine
„Client-Server-Architektur“ benutzen, d.h. ein Rechner stellt Daten und
ggf. Rechenleistung bereit, während der andere vor allem mit der Benutzerschnittstelle
beauftragt ist. Die Zeit der „dummen Terminals“ ist allerdings vorbei,
so daß man manche Aufgaben wahlweise zentral (am Server) oder beim
Benutzer (am Clientrechner) erledigen kann. [11]
Bleiben wir bei obigem Katalogbeispiel: Ein Preis könnte vom Server
geholt und in eine lokal vorhandene Seite eingebunden werden. Auch können
Eingaben des Benutzers lokal überprüft werden.
Jede dieser Methoden hat ihre Vor- und Nachteile:
-
Die lokale Verarbeitung entspricht dem, was der heutige PC-Benutzer gewohnt
ist: Er tut etwas und der Rechner reagiert umgehend.
-
Die lokale Verarbeitung erfordert, daß lokal Programme vorhanden
sind. Java, Javascript und andere Programmiersprachen sind dafür zwar
grundsätzlich, aber nicht wirklich plattformübergreifend verfügbar.
-
Abhängig von der Aufgabe kann die Verarbeitung auf der Client- oder
auf der Serverseite das Übertragungsvolumen reduzieren: Je mehr der
Client tut, um so geringer ist das zu übertragende Datenvolumen. Aber
häufig muß für jede Benutzung die Client-Software erst
einmal vom Server zum Client geschickt werden.
Quell- und Ausgabeformate
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| Der
Autor muß nicht unbedingt in HTML arbeiten |
Ein wichtiger, oft vernachlässigter Aspekt ist, daß der
Benutzer zwar in erster Linie HTML-Dateien erhält, dies aber nicht
unbedingt das Quellformat des Erstellers ist.
Entsprechend setzen sich zunehmend Autorensysteme durch, die intern
mit irgendwelchen eigenen (Winword) oder öffentlichen (XML) Datenformaten
arbeiten, dann aber z.B. HTML liefern können. Dabei gibt es Entwicklungen,
sich zunehmend vom WYSIWYG aus DTP-Zeiten zu lösen und dem Rechner
mehr Informationen über den Inhalt des Dokuments zugänglich zu
machen. In diese Richtung zielt z.B. die XML.
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| Programme
können mit HTML ihre Benutzerschnittstelle erzeugen |
Ein anderes Extrem des Auseinanderfallens von Quell- und Ausgabeformat
ist, mit Hilfe der Internet-Technik ganze Programmoberflächen aufzubauen.
Ein typisches Beispiel dafür sind Suchmaschinen: Der Server baut die
Seiten anhand der Ausgaben seiner Datenbank „online“ zusammen.
Besser als Papier?
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| Online-Medien
funktionieren anders als das Papier |
Neue Methoden müssen Vorteile gegenüber den alten haben,
damit sie sich durchsetzen. Es ist selten sinnvoll, das neue Medium genau
wie das alte zu benutzen – sonst würde man den Nachteilen des alten
Mediums nur noch die Nachteile des neuen hinzufügen. Es gilt also,
neue Wege zu finden, die über die Vorteile des neuen Mediums führen
und seine Nachteile umgehen.
Führen wir an dieser Stelle erst einmal die Punkte auf, die sich
gegenüber herkömmlichen, papiergebundenen Medien am deutlichsten
verändern:
-
Die Vervielfältigungs- und Verteilkosten sind viel geringer als bei
Papier.
-
Vervielfältigung und Verteilung gehen viel schneller etwa wenn wenn
man sein fertiges Werk auf einen Webserver hochlädt.
-
Viele Platzbeschränkungen spielen plötzlich keine Rolle mehr.
-
Die neue Technik bietet viele neue Möglichkeiten, z.B. Animationen
oder Tondokumente.
-
Zumindest bei Online-Medien ist der Änderungs- und Verfolgungsaufwand
der Dokumente gleich null.
-
Der Bildschirm ist klein und deutlich schlechter zu lesen als Papier.
-
Ohne passende Infrastruktur sind elektronische Medien nicht zugänglich.
-
Elektronische Medien sind z.B. keine Urkunden und auch sonst oft aus juristischer
Sicht problematisch.
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Die Archivierung elektronischer Dokumente kann problematisch sein – wegen
der benutzen Datenformate und Datenträger und auch aus juristischen
Gründen.
Der Technische Redakteur muß einiges an neuen Erfahrungen und Kenntnissen
erwerben, um mit den neuen Möglichkeiten ein Optimum für seinen
Anwendungsfall zu erarbeiten. Einige Aspekte davon beschreibt das folgende
Kapitel. Andere wird man am besten mit einem einschlägig erfahrenen
Berater erarbeiten: Anfangs unscheinbare Randbedingungen können sich
massiv auf die Lösung auswirken. |
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