| Unter
der Lupe
Klein, aber
dafür dick – Wie programmiert man einen Jalousiemotor?
Uhren sind allgegenwärtig, viele kommen inzwischen allerdings inkognito
daher, als programmierbare „Timer“ – vom Wecker bis zur Zeitschaltuhr für
Radios, Heizungen, Aquarienbeleuchtung und … Jalousien. Diesmal also unter
der Lupe: ein Timer, mit dem sich Jalousien programmieren lassen.
Die untersuchte Gebrauchsanleitung gehört zum Timer-Aufsatz JM
des Jalousie Management-Systems der Firma Jung in Schalksmühle. Es
handelt sich um ein ca. 80 Seiten starkes Heftchen im Format 160 mm x 80
mm quer (siehe Bild 1).
Bild 1: Die Titelseite der
Anleitung
Offenbar wurde die Anleitung zudem noch einmal in der Mitte geknickt.
Im Ergebnis hat der Leser ein zwar sehr kleines, aber doch recht dickes
Heftchen in der Hand, das sich kaum aufschlagen läßt, da die
Seiten sich gegen jede Bewegung sperren und dazu tendieren, immer wieder
zuzuklappen.
Die Seiten sind teils zwei-, teils dreispaltig angelegt, je nachdem,
ob die Seiten Abbildungen enthalten oder nicht. In Bild 2 sind zwei aufeinanderfolgende
Seiten mit wechselnder Spaltenanzahl und -breite dargestellt. Vorne und
hinten gibt es jeweils eine Ausklappseite, die eine Abbildung des Timers
mit einer Legende enthält, vorne in Deutsch und Englisch, hinten in
Niederländisch und Französisch, entsprechend den in der Anleitung
verwendeten Sprachen.
Die vier Sprachenteile sind in der Weise auf das Heftchen verteilt,
daß in der ersten Hälfte in der linken Spalte der deutsche Teil,
in der rechten der englische und in der zweiten Hälfte links der niederländische
und rechts der französische Sprachenteil abgedruckt sind. Als Grundschrift
wurde eine gerade noch leserliche Grotesk (6 Punkt) gewählt, die Überschriften
fallen etwas größer aus, im Rahmen von Abbildungen meinte man
dagegen offenbar, die 6 Punkt noch unterschreiten zu müssen (siehe
ebenfalls Bild 2). Da kann man dem Anwender nur sehr gute Augen wünschen!
Bild 2: Mal zwei, mal drei
Spalten
Ein
Blick aufs Detail
Als Beispiel seien einige Abschnitte aus dem Kapitel „Programmieren“
herangezogen (siehe Bild 2 und 3).
Inhaltlich zweckmäßig ist der vorweg gegebene „Hinweis“
(siehe Bild 2).
Er könnte jedoch verständlicher formuliert werden. Insbesondere
der auffällige Nominalstil („Erfolgt … Bedienung“, „Programmierung“)
und das Passiv im zweiten Satz („kann … abgebrochen werden“) behindern
unnötig den Lesefluß.
Die erste Handlungsanweisung in Kapitel 4.1 ist einfach und leicht verständlich:
„Taste SET gedrückt halten, bis im Display die Anzeige prog erscheint
(Bild -1-).“ Die Taste SET wird in der Abbildung zwar vom Zeigefinger verdeckt
– eine ganz typische Schwäche vieler Abbildungen in Gebrauchsanleitungen
–, dennoch ist klar ersichtlich, welche Taste gemeint ist. Wer Zweifel
hat, kann zudem die auf der vorderen Ausklappseite abgedruckte Gesamtansicht
zu Rate ziehen. Der Verweis auf Bild -1- irritiert, schließlich gibt
es auf dieser Seite der Anleitung kein Bild -2-.
Die folgenden Zeilen (siehe Bild 2: „Mit den Tasten … Sonnen-/Dämmerungswert
einstellen“) zusammen mit dem nebenstehenden Diagramm sind wohl an dieser
Stelle fehl am Platze. Der Leser will/soll die aktuellen Daten einstellen,
weiteres interessiert im Moment nicht. Der Leser weiß eventuell gar
nicht, was es mit den drei Speichern auf sich hat, was mit „Fahrzeit lernen“
gemeint ist oder warum er sich um „Astrozeiten“ und „Dämmerungswerte“
kümmern soll. Nötig ist hier ausschließlich eine Anweisung,
wie erreicht wird, daß im Display „Uhrzeit“ erscheint.
Auf den folgenden zwei Seiten (siehe Ausschnitte in Bild 3) wird der
Leser angeleitet, Sommer-/Winterzeit, Monat, Tag, Wochentag, Stunde und
Minute einzustellen. Die Anleitung ist jeweils gleich aufgebaut. Diese
fehlende Variation in der Formulierung mag langweilig, eintönig erscheinen
– für den Bediener ist sie von Vorteil: Hat er das Verfahren einmal
verstanden, kann er es immer wieder anwenden; abweichende Formulierungen
würden ihn womöglich verunsichern. Die Handlungsschritte sind
simpel, und so sind sie auch beschrieben. Der jeweils erste Satz „Mit den
Tasten "DREIECK OBEN" oder "DREIECK UNTEN" … einstellen.“
ist ohne weiteres verständlich.
Probleme könnte evtl. der zweite Satz „Bestätigen durch kurzes
Tasten von SET.“ verursachen:
Zum einen mag es dem einen oder anderen Bediener nicht einleuchten,
was hier zu bestätigen ist. (In der Tat ist das Bestätigen ja
nicht deshalb nötig, weil wichtige, nicht korrigierbare Einstellungen
sicherheitshalber noch einmal kontrolliert werden sollten. Vielmehr geht
es offenbar nur darum, die Eingabe abzuschließen, um zum nächsten
Schritt übergehen zu können.)
Zum zweiten ist die Formulierung umständlich: Die Verben „bestätigen“
und „tasten“ beschreiben beide den gleichen Handlungsschritt – wozu also
diese Dopplung? Das Verb „tasten“ tritt zudem in der schlecht verständlichen
Nominalform auf (das Tasten).
Klare Abbildungen des Displays unterstützen die Handlungsanweisungen.
Sicherlich positiv zu bewerten ist auch der abschließende Satz „Das
Jalousie Management hat die aktuellen Daten
übernommen“. Der Leser vergewissert sich so, was er bisher erreicht
hat, er kann zur nächsten „Aktion“ übergehen.
Bild 3: Auszüge aus
dem Kapitel „Aktuelle Daten einstellen“
Fazit
Die äußere Form der Anleitung überzeugt weniger als
ihr Inhalt.
Stuttgart
|