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Über die Relevanz von Normen 
 

Dies ist der Pilotartikel zu einer neuen Serie, die die Redaktion mit "Normen" überschrieben hat. Während sich dieser Pilotartikel ganz allgemein über Normen auslässt, wird sich die neue Reihe "Normen" explizit mit einzelnen - wie DIN, DIN EN, VDI, VDE und anderen - Normen auseinander setzen. 

Was sind Normen? Juristisch gesehen sind Normen die Empfehlungen eines privatrechtlichen Vereins, z. B. dem DIN (deutsches Institut für Normung e.V.) oder dem Verband Deutscher Elektrotechniker e.V. oder anderen. Normen finden ihren (rechtlichen) Platz innerhalb einer Werteskala, die sich über viele Jahre hinweg im deutschen Recht entwickelt hat. Diese Werteskala wurde und wird umschrieben durch die drei Begriffe 

    a) allgemein anerkannte Regeln der Technik 
    b) Stand der Technik 
    c) Stand von Wissenschaft und Technik. 
     
Diese drei Begriffe verknüpfen die "Technik" und das "Recht" für die Bereiche Sicherheit und Haftung. Die Heimat der Sicherheit ist die Technik, statt Heimat können wir auch Sphäre sagen; die Haftung entstammt einer Schöpfung des Rechts. Der Gesetzgeber hat über eine Definition dieser drei unbestimmten Rechtsbegriffe (BVerfG in seiner Entscheidung zum "Schnellen Brüter" in Kalkar) drei Sicherheitsniveaus festgelegt. Je nach der Höhe des Gefährdungspotenzials in einem technischen Bereich behält sich der Gesetzgeber so vor, seinen Sicherheitsanspruch zu differenzieren. 

Die allgemein anerkannten Regeln der Technik stellen einen Mindeststandard dar; der von diesem unbestimmten Rechtsbegriff anvisierte Sicherheitsstandard wird beispielsweise vom Gerätesicherheitsgesetz (in § 1 Abs. 1) gefordert. Es gibt aber auch eine DIN Norm (DIN 820 T 1, 6.1) die ausführt, dass sich gerade DIN-Normen als anerkannte Regeln der Technik einführen sollen. Das gilt unter der Voraussetzung, dass die jeweiligen Vorschriften auf dem neuesten Stand sind. 

Der Stand der Technik hebt auf Erkenntnisse ab, die bereits praktisch erprobt wurden. Diese Erkenntnisse werden in der Fachliteratur beschrieben, sind aber auch in Gutachten von Sachverständigen nachzulesen. 

Die höchste Stufe des Sicherheitsniveaus, der Stand von Wissenschaft und Technik, wird zum Beispiel im Atomgesetz (§ 7 Abs. 2 Nr. 7) verlangt. 

Nachdem Technische Redakteure in der Regel keine Maschinen oder andere Produkte planen, konstruieren bzw. bauen, muss der Frage nachgegangen werden, inwieweit Normen für Technische Redakteure überhaupt relevant sind. 

Die Grundlage für die Erstellung einer Bedienungsanleitung ist erst einmal das Produkt selbst. Der Technische Redakteur studiert die Handlungsschritte eines Bedieners direkt am Produkt. Weitere Fragen, die der Technische Redakteur spontan nicht beantworten kann, wird er mit dem Entwickler oder dem Konstrukteur klären. Wozu dann DIN Normen bemühen? 

Für die Beantwortung dieser Frage gilt es ein wenig auszuholen. Um 5 oder 6 Handlungsschritte zu beschreiben, wird höchstwahrscheinlich keine DIN Norm erforderlich sein. In der Regel ist aber ein Technischer Redakteur der Verfasser einer Anleitung, einer Technischen Dokumentation des kompletten Produkts. Was heißt komplett? 

Der Umfang einer Technischen Dokumentation hängt einmal von der Forderung ab, was eigentlich beschrieben werden soll (Transport, Installation, Erstinbetriebnahme,...) und dann von der Zielgruppe, die diese Technische Dokumentation nutzen wird. Je nach dem, welchen Bildungsgrad die Zielgruppe in Bezug auf das zu beschreibende Produkt hat, vermindert oder erhöht sich die Beschreibungstiefe. Das heißt, der Technische Redakteur darf die Technische Dokumentation nicht losgelöst vom Nutzer sehen, sondern wird seine Beschreibung auch auf den Nutzer einstellen. Und was für den Nutzer gilt, das gilt auch gleichermaßen für die verwendeten Materialien. Auch hier muss sich der Technische Redakteur überlegen, ob es in Bezug auf die verwendeten Materialien einen besonderen Beschreibungsbedarf gibt. Das ist immer der Fall, wenn von den verwendeten Materialien eine wie auch immer geartete Gefahr ausgeht. Und so setzt sich die Kette der neben der Maschine bzw. dem Produkt zu beschreibenden Einflussfaktoren in der Interaktion Mensch-Maschine fort. 

Gerade an diesen Schnittstellen zwischen Produkt und Bedienung, zwischen Produkt und Sicherheit, zwischen Produkt und verwendeten Materialien etc. können Normen hilfreich sein. Sie regeln, schreiben vor, empfehlen, was im Einzelfall als allgemein anerkannte Regel in der Technik zu beachten ist. Sie dienen aber auch dem Technischen Redakteur als Checkliste für jene Fälle, wo dieser ein breites Feld an Möglichkeiten abprüfen muss und nichts auslassen darf. 

Passiert durch eine falsche Bedienungsanleitung doch einmal etwas, steht jener Technische Redakteur, der die Anleitung verfasst hat, rechtlich deutlich besser dar, der als Grundlage für seine Recherchen zum Beispiel DIN Normen verwendet hat. 

Derjenige, der sich bei der Erfassung eines Sachverhalts auf sich selbst oder andere verlässt, wird sich zumindest dem Vorwurf einer nicht systematischen Vorgehensweise ausgesetzt sehen. Davon ausgehend, wird ein Gutachter das fachkundige Vorgehen des Technischen Redakteurs in Zweifel ziehen. Und so nimmt dann die Geschichte ihren Lauf... 

Die neue Reihe "Normen" wird sich in den ersten Besprechungen der Normen annehmen, die Aussagen über die Sicherheit von Maschinen machen. 

Anregungen und Wünsche seitens der Leser nimmt die Redaktion dabei gerne entgegen. 
 
 

Harald B. Adolph
 Herausgeber dieser Fachzeitschrift
 
292, Teil 1 DIN EN  1991 Sicherheit von Maschinen  
Grundbegriffe, allgemeine Gestaltungsleitsätze 
Teil 1: grundsätzliche Terminologie, Methodik
292, Teil 2 DIN EN 1991 Sicherheit von Maschinen 
Grundbegriffe, allgemeine Gestaltungsleitsätze 
Teil 2: technische Leitsätze und Spezifikationen
294 DIN EN 1992 Sicherheit von Maschinen 
Sicherheitsabstände gegen das Erreichen von Gefahrstellen mit den oberen Gliedmaßen
349 DIN EN 1993 Sicherheit von Maschinen
414 DIN EN 1992 Sicherheit von Maschinen 
Regeln für die Abfassung und Gestaltung von Sicherheitsnormen
418 DIN EN 1993 Sicherheit von Maschinen 
NOT-AUS-Einrichtung, funktionelle Aspekte, Gestaltungsleitsätze
457 DIN EN 1992 Sicherheit von Maschinen 
Akustische Gefahrenssignale 
Allgemeine Anforderungen, Gestaltung und Prüfung
547, Teil 1 DIN EN 1991 Sicherheit von Maschinen 
Körpermaße des Menschen 
Teil 1: Grundlagen zur Bestimmung von Abmessungen für ganz Körper-Zugänge an Maschinenarbeitsplätzen
547, Teil 2 DIN EN 1991 Sicherheit von Maschinen 
Körpermaße des Menschen 
Teil 2: Grundlagen für die Bemessung von Zugangsöffnungen
983 DIN EN 1996 Sicherheit von Maschinen 
Sicherheitstechnische Anforderungen an fluidtechnische Anlagen und deren Bauteile 
Pneumatik
1050 DIN 1997 Sicherheit von Maschinen 
Leitsätze zur Risikobeurteilung
60204-1  DIN EN 1998 Sicherheit von Maschinen 
Elektrische Ausrüstung von Maschinen 
Teil 1: Allgemeine Anforderungen
Tabelle: Normen zur Sicherheit von Maschinen
 

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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 27.05.2003