| Inhalt: | Anleitungen
im Vergleich
Zwei Hersteller, zwei Flachbildschirme, zwei Bedienungsanleitungen Nachdem Jahr für Jahr die Ansprüche an die Bildschirmdiagonale des PC-Monitors gestiegen sind und neu angeschaffte Monitore immer mehr Platz benötigten, tritt jetzt der Flachbildschirm (LCD-Monitor) seinen Siegeszug an. Noch kein ganz billiges Vergnügen … Der letzte Kauf eines Monitors liegt bei denen, die jetzt einen Flachbildschirm erstehen, schon ein paar Jährchen zurück – wenn sie nicht überhaupt Erstkäufer eines PCs und allen Zubehörs sind. Die Gebrauchsanleitung findet also (wieder) einiges Interesse. Anlass genug zum Vergleich: Was bieten Gebrauchsanleitungen für verschiedene Flachbildschirme? Zur Verfügung standen die Anleitung für den 15"-Flachbildschirm VPD150 von ViewSonic und die Anleitung für den 15"-Flachbildschirm AcerView F51. „Äußerlichkeiten“, mag man abfällig urteilen. Dennoch: So manche Äußerlichkeit hat für die Qualität einer Anleitung ihre Bedeutung. Auf Bild 1 und 2 sind einige der hier aufgeführten äußeren Merkmale der beiden Gebrauchsanleitungen wiederzufinden. |
|
|
Bedienungsanleitung für ViewSonic VPD150 | Bedienungsanleitung für
AcerView F51 |
| Format: | DIN-A5-Hochformat | DIN-A4-Hochformat |
| Farben: | s/w | vorwiegend s/w, teilweise mehrfarbig |
| Papier und Druck: | ordentliche Qualität, fester Umschlag | dürftige Druckqualität (siehe Bild 2); innen stabiles Papier; vorne feste klare Plastikfolie; hinten einseitig lackierter Karton |
| Typografie/Layout: | zwei Schriften gemischt, in etlichen Schnitten, incl. Versalien und Kursive, teilweise zusätzlich unterstrichen. Wo viele verschiedene Schriftschnitte zusammentreffen (siehe Bild 1), ist deren Funktion kaum noch erkennbar. | Grotesk in verschiedenen Schnitten, teilweise elektronisch schräg gestellt, teilweise zusätzlich unterstrichen. Auszeichnungen sind funktional eingesetzt. |
| Bindung: | stabile Klebebindung;Nachteil: Die Anleitung bleibt nicht offen liegen, sondern klappt immer wieder zu. | Plastik-Effekt-Bindung;Die Anleitung ist ohne Probleme aufzuschlagen, aber schlecht zu archivieren. |
| Sprachen: | 12sprachig | nur Deutsch |
| Umfang: | 144 Seiten plus Umschlag, davon deutschsprachiger Teil 12 Seiten | 22 Seiten plus Umschlag |
| Orientierung: | Das Heft hat ein Inhaltsverzeichnis und ist durchpaginiert. In der Fußzeile finden sich neben der am äußeren Rand stehenden Pagina noch die Produktbezeichnung und die jeweilige Kapitelüberschrift – insgesamt eine leserfreundliche Lösung. (siehe Bild 1) | Es gibt ein Inhaltsverzeichnis. Die Anleitung ist kapitelweise durchpaginiert. In der Fußzeile ist jeweils die Seitenzahl zusammen mit der Kapitelüberschrift zu finden. Die Position der Seitenzahl in der Seitenmitte ist akzeptabel. (siehe Bild 2) |
| Insgesamt macht die Acer-Anleitung eher einen amateurhaften Eindruck, während bei der Gestaltung der Anleitung von ViewSonic sicher Profis am Werke waren. Die Acer-Anleitung ist vermutlich für die Herstellerfirma leichter zu handlen, an neue Produkte anzupassen, zu lagern usw. Die ViewSonic-Anleitung ist vom Äußeren her eher an die praktischen Bedürfnisse des Benutzers angepasst. |
|
Bild 1: Eine
Seite aus der Anleitung der Firma ViewSonic
Bild 2: Eine
Seite aus der Anleitung der Firma Acer
|
| ViewSonic VPD150 | AcerView F51 |
| Die Titelseite (siehe Bild 3) enthält die Firma und den Produktnamen; in allen 12 verwendeten Sprachen ist der Begriff „Bedienungsanleitung“ aufgeführt. Die Strichzeichnung des Monitors in Schwarzweiß in zentraler Position der Titelseite wirkt vergleichsweise dürftig; insbesondere schreien die drei im Bildschirm erscheinenden Vögel (ViewSonic-Logo) geradezu nach Farbe. Der unter der Abbildung eingefügte Text ist für den Käufer wichtig, aber ist er auch verständlich? Die Modellnummer am unteren Seitenrand wird der Leser vermutlich nicht als solche identifizieren. | Vergleichsweise leer sieht die Titelseite von Acer aus (siehe Bild 4). Auch sie enthält Firma und Produktbezeichnung sowie den Begriff „Benutzerhandbuch“ und eine – nicht besonders überzeugende – grafische Darstellung des Monitors. Die Grafik steht ziemlich verloren auf weiter Flur; etwas größer hätte sie durchaus sein können. |
|
Bild 3: Volle
Titelseite, Grau in Grau
Bild 4: Hier
herrscht gähnende Leere
|
| Wichtige
Angaben
Einige Informationen müssen in einer Gebrauchsanleitung stehen. Bei den beiden vorliegenden Gebrauchsanleitungen hat man es nicht ganz so genau genommen. |
| ViewSonic VPD150 | AcerView F51 |
| CE-Zeichen und Konformitätserklärung (EU-Richtlinie 89/336/EEC; „Elektromagnetische Kompatibilität“ = EMV-Richtlinie) sind abgedruckt. | Es gibt kein CE-Zeichen, keine Konformitätserklärung (obwohl auch dieser Monitor unter die EMV-Richtlinie fallen dürfte). |
| Die Herstelleradresse ist deutlich incl. Telefon- und Faxnummern auf dem Umschlag der Anleitung (U4) angegeben. Allerdings wurde nicht bedacht, dass die Anleitung ins Ausland (z. B. nach Deutschland) geht: In der Adresse fehlt das Land, bei den Telefon- und Faxnummern fehlt die Ländervorwahl. | Hier vermisst man Firma und Adresse des Herstellers. Der Hinweis im letzten Kapitel „Wenn Sie auch nach dem Lesen dieses Handbuchs noch Probleme mit dem Monitor haben, wenden Sie sich bitte an den Ort, an dem Sie das Produkt gekauft haben, oder Sie können uns an die folgende Adresse eine E-Mail-Nachricht schicken …“ reicht wohl kaum aus – zumal der Kunde, dessen Monitor nicht funktioniert, eventuell gerade deshalb gar nicht in der Lage ist, E-Mails zu verschicken! |
| Inhalt
Bei aller Form: Auf den Inhalt kommt es an. Das Inhaltsverzeichnis kann hier einen ersten Überblick geben. |
| ViewSonic VPD150 | AcerView F51 |
Dem Inhaltsverzeichnis sind die Kapitel „Urheberrecht“, „Haftungsausschlußerklärung“ und „Sicherheitsanleitungen“ vorangestellt. |
| ViewSonic VPD150 | AcerView F51 |
| Überschrift: „Wichtige Sicherheitshinweise“
|
Überschrift: „Sicherheitsanleitungen“
Diese Überschrift wirkt etwas unbeholfen, so als ob der Übersetzer des Deutschen nicht ganz mächtig gewesen wäre. |
| Erfahrungsgemäß wirkungslose Sicherheitshinweise wie „Lesen Sie diese Anweisungen sorgfältig durch“ machen das Kapitel unnötig umfangreich und lenken von Wichtigerem ab. | Bei Acer ist das Kapitel wesentlich knapper gehalten. |
| Textbeispiele im direkten Vergleich |
| ViewSonic VPD150 | AcerView F51 |
| „Verwenden Sie dieses Produkt nicht in der Nähe von Wasser. Dieses Produkt darf mit keiner Art von Flüssigkeit in Kontakt kommen.“ und „Es dürfen keine Gegenstände durch die Schlitze auf der Rückseite des Produkts geschoben werden, weil dies ein Feuer oder einen Stromschlag verursachen könnte.“ | „Es dürfen keinerlei Gegenstände in dieses Produkt gestoßen und keine Flüssigkeiten auf das Produkt gegossen werden.“ |
| In beiden Anleitungen sind Standardformulierungen zu finden,
die auf das konkrete Gerät – den Monitor VPD150 bzw. den Monitor AcerView
F51 – kaum Rücksicht nehmen. Stattdessen ist immer wieder von „dem
Produkt“ die Rede. Die Vermutung drängt sich auf, dass die Sicherheitshinweise
in beiden Fällen auch für andere Geräte benutzt werden.
Von diesem Mangel abgesehen, sind die hier zitierten Warnhinweise klar verständlich formuliert. Was in zweien dieser drei Hinweise fehlt, das ist die Angabe der zu befürchtenden Konsequenzen. Lediglich ViewSonic weist in einem Fall auf die Gefahr von Feuer und Stromschlag hin. Besonders die Acer-Anleitung enthält einige Sicherheitsanweisungen, die so umständlich bzw. falsch formuliert sind, dass sie kaum mehr zu verstehen sind, so z. B. der Satz „Das Gerät wird durch den AC-Adapter von der AC-Stromzufuhr getrennt.“ Der deutsche Leser wird sich unter „AC“ (englische Abkürzung für Wechselstrom) nichts vorstellen können. Außerdem ist nicht zu verstehen, warum der Adapter das Gerät von der Stromzufuhr trennen soll – ist es nicht eher seine Aufgabe, eine Verbindung herzustellen? Schließlich ist dieser Satz im Kontext des Kapitels „Sicherheitsanleitungen“ unverständlich: Worin liegt denn eigentlich die Gefahr? Was soll der Leser tun oder unterlassen, nachdem er diesen Hinweis gelesen hat? Im Kapitel „Einstellung des Monitors“ (Ausschnitt siehe Bild 2) wird vor allem die höchst unprofessionelle Übersetzung deutlich, entsprechend desolat sieht es mit der Rechtschreibung aus, wie auch in Bild 2 zu sehen. Irritierend muss beispielsweise der Begriff „Zugriffstaste“ auf den Leser wirken, denn anscheinend handelt es sich nicht um eine Taste, sondern um eine Anzeige am Bildschirm, die sich wiederum über Tasten verstellen lässt. Aber trotz des unglücklich gewählten Begriffs und trotz der Rechtschreibschwächen kann der Nutzer die Anleitungssätze im Wesentlichen verstehen und die Abbildungen unterstützen die Anleitungen noch. Die ViewSonic enthält kaum Anleitungen zur Bedienung, die wenigen Hinweise sind leicht verständlich (siehe z. B. Bild 1, unten, Regelung der Lautstärke und der Helligkeit). Die Bedienung wird im Grunde genommen abgewälzt, wie in Bild 1 zu sehen, beispielsweise auf Anweisungen, die der Software PerfectPortrait™ beigefügt sind. Installation und Monitoreinstellung sind in beiden Anleitungen hinreichend
verständlich erklärt. Solange also alles glatt geht, wie man
so sagt, wird der neue Nutzer mit den vorliegenden Gebrauchsanleitungen
wohl zurechtkommen. Das Problem ist nur: Wann geht bei Computern und Zubehör
schon einmal alles glatt? Bei unvorhergesehenen Vorkommnissen kann man
mit beiden Anleitungen seine Überraschungen erleben.
Stuttgart
|