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Schlanke
Gebrauchsanweisungen und deren Qualitätssicherung
von Werner Zieten WEKA MEDIEN, Kissing 2001
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| In den letzen Jahren sind etliche Bücher zur Gestaltung von Technischer
Dokumentation erschienen, die meist ein Patchwork aus Berufserfahrungen
und aus angelesenen wissenschaftlichen Erkenntnissen darstellen.
Etwas im Verborgenen und über den Buchhandel nicht zu beziehen liegt
eine Broschüre vor, auf die ich ausdrücklich aufmerksam machen
möchte, da ihr eine breitere Leserschaft zu wünschen ist. Die
Broschüre besteht aus zwei Teilen: Arbeitsanweisungen für technische
Redakteure und Kommentare zu den Anweisungen.
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Arbeitsanweisungen
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Kernstück sind die Arbeitsanweisungen für die Gestaltung
der Gebrauchsanweisungen in der Abteilung “Technische Dokumentation” der
Firma Dräger. Es sind die Werksnormen, die in allen Einzelheiten bei
der Erstellung von Anweisungen befolgt werden müssen. Man muss es
der Firma hoch anrechnen, dass sie dieses interne Papier zur Veröffentlichung
freigegeben hat, um dadurch zur Diskussion um die Gestaltung technischer
Dokumentation beizutragen.
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Kommentare
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Um die Arbeitsanweisungen herum hat der Autor Kommentare zu ihrer historischen
Entwicklung und zur Begründung und Verteidigung der dort niedergelegten
Richtlinien zusammengetragen. Diese flankierenden Texte sind leider nicht
systematisch aufgearbeitet. Dass dabei Wiederholungen in Text und Bild
vorkommen ist weniger problematisch als die inhaltliche Verzettelung, die
offensichtlich durch das Collagieren verschiedener Papiere und Aufsätze
zustande kommt. Die Prinzipien des Ansatzes muss man so an verschiedenen
Stellen zusammenlesen.
Was macht den Ansatz aus, der ausdrücklich den “Handhabungsteil”
der technischen Dokumentation betrifft, d.h. Produkt aufbauen, in Betrieb
nehmen, sicher handhaben, warten und Störungen beseitigen? Werner
Zieten spricht von “schlanken” Anweisungen, die drei Prinzipien erfüllen,
die immer wieder genannt werden: Wirtschaftlichkeit, Einfachheit, Zweckmäßigkeit.
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Text
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Für den Text bedeutet das: Der Benutzer bekommt keine Beschreibungen
von Funktionen, sondern nur nackte Anleitungen, sogenannte Kerninformationen,
die aus Aufgabe und Lösung bestehen: Motor anlassen: Kopf A drücken.
Sprachlich dominiert der imperativischer Infinitiv ohne höfliche Gefälligkeiten.
Die Sätze sind einfach gehalten ohne stilistische Ansprüche.
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Bild
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Für das Bild bedeutet das schematisierte Strichzeichnungen ohne
Perspektive, also orthogonale Aufsichten. Die wichtigen Details sind dabei
hervorgehoben, der Rest oft nur konturiert. Die Zeichnungen erinnern an
abstrakte Piktogramme mit klarer Absage an fotorealistische Bilder. Dieser
nüchterne Stil bedeutet Verzicht auf Ästhetisierung zugunsten
der Funktionalität.
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| Informationseinheit | Auch die Informationseinheit von Text und Bild wird nach den Prinzipien
gestaltet. Klare Zuordnung der Text- und Bildspalten durch Bezugsziffern
sorgen dafür, dass kein Blicksprung danebengeht oder gar unnötig
ist. Denn Suchen “ist der Anfang aller Widerwärtigkeiten” in Gebrauchsanleitungen
(S.111).
An vielen Beispielen demonstriert der Autor, wie radikal der Verzicht auf unnötige Informationen ausfallen kann. Werner Zieten bezeichnet das Ergebnis selbst als “Lapidarstil” (S. 76). Wenn man das Lateinische bemüht: kurz und bündig wie in Stein gehauen. Der Benutzer soll durch kein unnötiges Wort und keinen überflüssigen Strich davon abgehalten werden, sein erworbenes Gerät in Betrieb zu nehmen. Kein kognitiver Prozess soll vom Umsetzen aus der Anleitung in die Handlung ablenken. Ziel der Radikalkur ist die Standardisierung als eine Voraussetzung
der Qualitätssicherung. Damit reiht sich der Ansatz in andere Bemühungen
ein, die aus verschiedenen Perspektiven an einer Standardisierung der TD
arbeiten: Funktionsdesign, Information Mapping, Document Type Definition,
kontrollierte Sprache, um nur einige Stichworte zu nennen. Nur den letzten
Ansatz spricht der Autor kurz an. So wird an einigen Stellen auf wissenschaftlichen
Untersuchungen verwiesen, aber der Bezug zur Wissenschaft bleibt eher marginal
und zufällig. Werner Zieten ist Praktiker, seine Richtlinien hat er
in Gesprächen und Beobachtungen mit Fachleuten und Kunden entwickelt,
Umso bemerkenswerter ist, dass viele seiner Richtlinien tatsächlich
durch empirische Untersuchungen gestützt werden. Auch im Instruktionsdesign
gewinnt ein didaktischer Minimalismus an Boden, die didaktische Reduktion
ist ja ein ehrwürdiges Prinzip. Aber so konsequent wie in den schlanken
Gebrauchsanweisungen wurde es bisher selten umgesetzt.
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| Fazit | Auch wer nicht mit jeder sprachlichen, typografischen oder zeichnerischen
Lösung von Werner Zieten einverstanden ist, muss zugeben, dass hier
ein Gestaltungswille am Werk ist, der einen einheitlichen und verständlichen
Stil kreiert hat.
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| Autor |
Steffen-Peter
Ballstaedt
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