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  Inhalt:

Einführung

Was spricht gegen Frames

Was spricht für Frames

Typische Fehler

Zusammenfassung

Der Autor

Frames oder Nicht-Frames...
...das ist hier die Frage

Einführung
 

Es gibt kaum ein Thema in der HTML-Seitengestaltung, das heftiger umstritten ist als diese Frage. Auffallend ist dabei, daß die Zahl der verbalen Gegner bei weitem überwiegt, diese aber mit nur zwei Argumenten auskommen müssen.
 

Was spricht gegen Frames?

Das älteste, inzwischen wohl veraltete, aber immer noch angeführte Argument, ist der Hinweis darauf, daß nicht alle Browser Frames anzeigen können. Eine grundsätzlich sicher noch zutreffende Aussage, die aber allenfalls noch auf 1% der Hits zutrifft. Mit Hinblick auf die aufkommenden in Handys integrierten Browser macht der Einsatz von Frames oder der Verzicht auf diese keinen Unterschied: in beiden Fällen müssen die Seiten komplett anders aufgebaut werden.
Das zweite, als Hauptargument einzustufende, ist die Vermutung, daß mit Hilfe von Frames aufgebaute Sites in den Suchmaschinen schwieriger zu finden sind. Dieses Argument trifft wenigstens zum Teil zu: es gibt immer noch Robots, die einer Frame-Struktur nicht folgen können. Hierdurch können die Inhalte dieser Seiten nicht indiziert werden. Den Negativeffekt solcher automatischen Verschlagwortung kann man aber einfach in eben diesen Suchmaschinen sehen. Die Seiten eines einzigen Anbieters füllen seitenweise die Liste der Suchergebnisse aus. Der Suchende wird verärgert und wechselt erfahrungsgemäß früher oder später den Suchdienst.
Gute Suchmaschinen, oder in diesen Fällen besser Kataloge genannte Anbieter, bearbeiten aber ohnehin die Einträge redaktionell. Darauf aber spielt das Vorhandensein von Frames keinerlei Rolle.
In jedem Fall ist die Annahme, daß mit Frames aufgebaute Seiten überhaupt nicht in Suchmaschinen zu finden seien grundsätzlich falsch.
 

Was spricht für Frames

Sicher kann man nicht sagen, daß eine Site grundsätzlich Frames enthalten muß. Frames sind aber unter mehreren Aspekten beim Aufbau einer Website sehr nützlich. Abweichend von häufig vertretenen Thesen anderer Autoren, sieht dieser Autor die wesentliche Funktion der Frame-Technologie in der Aufteilung einer Website in statische und dynamische Teile. Dies kann, wie unten gezeigt, sehr hilfreich sowohl für die grafische Gestaltung der Site, als auch für den Aufbau einer Menüsteuerung eingesetzt werden. 
Das traditionelle Argument für Frames, nämlich daß dadurch das Datenübertragungsvolumen reduziert werden kann, ist inzwischen weitgehend gegenstandslos. Sämtliche gängigen Browser stellen heute eine entsprechende Cache-Funktion zur Verfügung, die selbst bei vollständigem Neuaufbau der Seite vermeiden, daß das gesamte Datenvolumen neu übertragen werden muß.

Wie setzt man typischerweise Frames ein?
Der Terminus „Frames“ mag für einige irreführend sein. In Wirklichkeit geht es bei diesem HTML-Element nicht um Rahmen, sondern um Flächen, die in nahezu beliebiger Verschachtelung nebeneinander und umeinander so angeordnet werden können, daß sich jeweils wieder ein Rechteck ergibt.
Wie bereits erwähnt ist der Hauptzweck der Frame-Technologie die Aufteilung einer Website in statische und dynamische Teile.
Dabei ist dies gleichermaßen geeignet, um damit überwiegend grafische Zwecke zu verfolgen (der graphische Rahmen bleibt selbst beim Scrollen endloser Texte unverändert angezeigt)...


Bild 1: Beispiel eines grafischen Rahmens http://www.hucho.net

...oder eine Menüführung zu ermöglichen.

Bild 2: Beispiel einer Menüführung http://www.trade-line.com/Hucho/sw-design/index.htm

In beiden Fällen ist ein dynamischer Zentralbereich oben, links und unten von kleinen Frames umgeben. Die Besonderheit im Beispiel 1 ist, daß es durch eine geschickte Gestaltung der Framehintergründe gelungen ist, nicht nur das Datenvolumen der Grafiken erheblich zu reduzieren, sondern auch diese Rahmen ohne unerwünschte "Kacheleffekte" ins Unendliche fortzuführen. So ist diese Gestaltung für jede Bildschirmauflösung gleichermaßen geeignet.

Der HTML-Code
Der HTML-Code für einen solchen Frame-Aufbau ist eigentlich sehr einfach. Für den Anfänger besteht die Hauptschwierigkeit darin, zu bedenken, daß alle Flächen zusammengefügt wieder ein Rechteck ergeben müssen und jede Teilfläche wiederum auch ein Rechteck sein muß. Auch hier hilft eine Zeichnung, die am besten auf der im letzten Beitrag dargestellten Arbeitshilfe aufgezeichnet wird. Der Frame-Set für das zweite Beispiel sieht dann so aus:

Bild 3: Der HTML-Code des Frame-Aufbaus

Dabei bedeutet in den einzelnen Zeilen:
 

  • "FRAMESET"

  • jede Kombination von Flächen zu einem neuen Rechteck wird so eingeklammert
  • "NORESIZE"

  • der Benutzer hat keine Chance die Größe der Flächen mit der Maus zu verändern
  • "MARGINWIDTH"

  • der Abstand der Rahmeninhalte zur Begrenzung der Fläche
  • "FRAMESPACING"

  • der Abstand der Flächen zueinander
  • "FRAMEBORDER" und "BORDER"

  • bestimmen Größe und aussehen von Flächenbegrenzungen
  • "onLoad"

  • hier ist ein JAVA-Script eingebunden; dies gehört nicht standardmäßig zur Frame-Definition
  • "COLS" und "ROWS"

  • die Maße der Flächen in Pixeln oder im Verhältnis zueinander
  • "SCROLLING"

  • hier entscheidet sich, ob der Inhalt einer Fläche bei Bedarf (z.B. zu langer Seiteninhalt) gescrollt werden darf
  • "NAME"

  • Name der jeweiligen Fläche; wichtig für die Festlegung, welche HTML-Datei in welchem Frame erscheinen soll
Wichtig ist zu wissen, daß in der Datei, in welcher die Frame-Definition steht keinerlei Informationen, die auf der Seite angezeigt werden sollen, stehen können. Die einzige Ausnahme betrifft den Fall, daß ein Browser keine Frames darstellen kann. In diesem Fall wird der Text, der nach der Definition gefolgt von dem Tag "<NOFRAMES>" steht, angezeigt.
 

Typische Fehler

Leider sieht man aber auf vielen, vielen Seiten, die mit Frames aufgebaut sind vermeidbare Fehler. Verhältnismäßig selten kommt es glücklicherweise vor, daß ein Designer seine Site mit Frame-Aufteilungen überfrachtet. Dennoch: Jeder Frame sollte einen tatsächlichen Zweck haben. Bei der Konzeption sollte man sich überlegen, ob man nicht auch ohne diesen speziellen Frame auskäme.
Der verbreitetste Fehler ist, daß in der Frame-Definition ein "SCROLLING" auf "OFF" geschaltet wird, obwohl der Text zu lang für den Bildschirmbereich ist. Der Leser hat keine Chance an den verdeckten Teil des Textes zu kommen. Häufigste Ursache dafür ist, daß versäumt wurde eine Site mit unterschiedlichen Bildschirm - Auflösungen zu testen.
Sehr unschön ist es, wenn die "TARGET"-Definition beim "linken" von Frame-Inhalten nicht stimmt. In aller Regel achtet zwar der Autor darauf, daß die HTML-Datei an der richtigen Stelle erscheint. Allzu häufig wird aber beim Aufruf einer weiteren Frame-Konstruktion automatisch ein neues Browserfenster gestartet, anstelle der Darstellung in dem ursprünglichen Fenster. Versuchen Sie es doch einmal mit "TARGET='_top' "!
Übrigens: beachten Sie bitte auch, daß Besucher Ihrer Website auf besonders interessante Seiten gerne einen Bookmark setzen wollen. Bei mit Frames aufgebauten Sites liegt dieser Bookmark immer auf der ersten Seite. Dies kann, wenn Sie Ihre Website nicht entsprechend organisieren, zu einer eingeschränkten Akzeptanz Ihrer Site führen. Für wichtige Teilbereiche sollten Sie also, wie in dem obigen Beispiel geschehen, separate Framesets verwenden.
 

Zusammenfassung

Frames sind ein gestalterisches Hilfsmittel, das, mit Überlegung und sorgfältig geplant eingesetzt, ganz erheblich die Übersichtlichkeit und Benutzerfreundlichkeit einer Website erhöhen kann. Obwohl der Autor zur "Low-Tech-Fraktion" der Internet-Gemeinde gehört, ist dieses technische Hilfsmittel aus seiner Sicht ein probates Mittel, um Grundregeln, die jedem technischen Redakteur vertraut sind, (wie z.B. maximale Schrittzahl der Informationsvermittlung = Maus-Clicks zum Ziel!) im Internet in die Praxis umzusetzen. Die in der Regel vorgebrachten Gegenargumente sind heute veraltet oder von nachrangigem Gewicht.

     
Robert H. Hucho
Seit 1985 Geschäftsführer der HUCHO communication GmbH (Berlin, Mühlenbeck, Reutlingen), eines bundesweit arbeitenden Dienstleisters für Technische Dokumentation, der seit 1991 mit einem Schwerpunkt auch elektronische Medien erstellt.
Internet http://www.hucho.net

Als Fachbeirat für elektronische Medien der Online-Zeitschrift "Technische Dokumentation" freut sich der Autor über die Zusendung weiterer Beiträge zu diesem Themenkomplex per eMail unter rhh@hucho.net.

Wir suchen insbesondere einen oder mehrere Autoren, 

  • die regelmäßig elektronische Medien (Lernprogramme, Websites etc.) analysieren und beispielhaft besprechen
  • die über geeignete Software für das elektronische Publizieren berichten.

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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004