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Das Äußere
Der Inhalt
Die Titelseite
Die Einleitung
Die Sicherheitshinweise
Die Anleitung zur Installation
Tabellarische Übersicht über die Funktionen der Tasten
Das Kapitel „Fehlerbehebung“
Fazit
Autor

 

Unter der Lupe

User’s Manual für Ami Mouse 250S Cordless

Zur Bedienung einer Maus ist nicht allzu viel zu sagen; man muss sie installieren, Funktionsstörungen können auftreten. Damit sind die möglichen Themen einer Gebrauchsanleitung schon annähernd erschöpft. Einige Besonderheiten sind bei einer schnurlosen Maus zu beachten, wie der Ami Mouse 250S Cordless. Entsprechend wird der Käufer der Maus sich vermutlich in erster Linie für diese Besonderheiten interessieren.

Das Äußere

Es handelt sich um ein DIN-A6-Heftchen mit 30 Seiten Umfang, incl. einer Ausklappseite mit Abbildungen, das Anleitungen in 6 Sprachen, jeweils separat durchpaginiert, enthält.

Der Inhalt

Die Anleitung umfasst 5 Kapitel:

  1. Einleitung
  2. Sicherheitshinweise
  3. Installieren
     3.1   Batterien einlegen
     3.2   Anschließen
     3.3   Installation der Software
  4. Verwendung
     4.1   Maus
     4.2   Software
  5. Fehlerbehebung
Damit sind die oben genannten Themen der Gebrauchsanleitung im Wesentlichen abgedeckt. Ein eigenes Kapitel zu Unterschieden zwischen einer kabellosen Maus und einer „normalen“ Maus ist nicht nötig; allerdings ist im Hinblick auf die vorliegende Anleitung festzustellen, dass die Besonderheiten der kabellosen Maus nur unzureichend beschrieben werden. Zwar erfährt der Leser, dass eine Infrarotverbindung das Kabel ersetzt, aber für den technischen Laien ist nicht deutlich dargestellt, was dies praktisch bedeutet: Welche Beziehung besteht zwischen Infrarot-Empfänger und Maus? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Verbindung funktioniert? Hinsichtlich dieser Punkte wird der Leser erst im Kapitel „Fehlerbehebung“ fündig, das er aber erst konsultieren wird, wenn er bereits auf Probleme gestoßen ist. 

Die Titelseite


Bild 1: User’s manual in sechs Sprachen

Im Zentrum der Titelseite (siehe Bild 1) steht eine Abbildung der Maus neben einem zweiten Gerät, bei dem es sich vermutlich um den Empfänger handelt (siehe unten, die Anleitung zur Installation). Bevor die Anleitung gelesen worden ist, kann der nicht vorinformierte Betrachter das zweite Gerät wohl kaum identifizieren. 

Darunter ist das Heftchen mit dem Titel „User’s manual“ als Gebrauchsanleitung klassifiziert. (Dass der Titel nur auf Englisch aufgeführt ist, mag man bedauern. Allerdings ist der Anwender von Hard- und Software eine solche Menge an Englisch bereits gewöhnt, dass kaum mit Missverständnissen zu rechnen ist.) 

Am Außenrand sind die verwendeten Sprachen abzulesen, in Form von Abkürzungen, die im Innern der Anleitung als Daumenindex wiederaufgenommen werden. Befremdlich erscheint die Art der Abkürzungen: UK (für Englisch, oder nur für United Kingdom?), DE (offenbar für Deutsch), FR (für Französisch), IT (für Italienisch), ES (anscheinend für Spanisch) sowie NL (für Niederländisch). Hier wurden nicht die international bekannten Autokennzeichen/Postkürzel verwendet (GB, D, F, I, E, NL), sondern die Abkürzungen wurden in Anlehnung an die muttersprachliche Bezeichnung für das jeweilige Land offenbar „frei erfunden“. Der Bezug auf das Daumenregister im Heft erleichtert es, den jeweiligen Sprachenteil wiederzufinden. Eine Hilfestellung, die angesichts des geringen Umfangs der Anleitung zwar nicht zwingend notwendig erscheint, aber dennoch dankend angenommen wird.

Aus dem Kopf der Titelseite sind die Firma (Trust) sowie die genaue Bezeichnung der Maus (Ami Mouse 250S Cordless) zu entnehmen.

Der Fuß der Seite enthält einen Werbeslogan der Firma (Life is more! Trust us.) sowie einen Hinweis auf die Trust-Homepage.

Die Einleitung

Anstelle von Glückwünschen zur Kaufentscheidung oder der dringenden Bitte, die Gebrauchsanleitung auch ja gründlich zu lesen, (beides in vielen Anleitungen zu finden und dennoch ziemlich nutzlos) enthält die Einleitung in diesem Fall Informationen: „Diese Anleitung wendet sich an die Benutzer der TRUST AMI MOUSE 250S CORDLESS.“ Zwar ist diese Information auch schon der Titelseite zu entnehmen; dennoch bestätigt sie am Anfang der Anleitung durchaus sinnvollerweise noch einmal, dass der Leser die richtige Anleitung aufgeschlagen hat. „Mit dieser Maus kann man mittels einer Infrarotverbindung kabellos arbeiten.“ Auch diese Information ist am Anfang der Anleitung am Platze: Mit einem Satz erfährt der Leser die wesentliche Eigenschaft der Maus. Die Auswahl der weiteren hier gegebenen Informationen erscheint dagegen bereits willkürlich: „Der Empfänger der Maus wird an den PS/2-Port des Computers angeschlossen. Die Maus verfügt über drei Tasten.“ Die Informationen sind nicht so grundlegend, dass der Leser sie unbedingt am Anfang der Anleitung haben müsste. Und dass die Maus drei Tasten hat, sieht man. Dennoch: Insgesamt hebt diese Einleitung sich aufgrund ihres Informationsgehalts positiv von vielen anderen Einleitungen ab, die bereits unter dieser Lupe gelegen haben. 

Die Sicherheitshinweise

Die Gefahren, die von einer Maus ausgehen, sind vernachlässigbar. Eher schon bestehen Gefahren für die Maus selbst. Somit sind Sicherheitshinweise auch in der Anleitung für eine Maus gerechtfertigt, wenn sie auch nicht so umfangreich auszufallen brauchen wie in anderen Anleitungen. Die Sicherheitshinweise sollen hier nicht weiter untersucht werden, nur ein Punkt fiel beim Lesen auf: Offenbar wurde das Kapitel „Sicherheitshinweise“ nicht speziell für die Maus verfasst, sondern aus irgendeiner anderen Anleitung übernommen. In diesem Kapitel ist an keiner Stelle von der „Maus“ die Rede, sondern immer nur von dem „Gerät“ – eine Bezeichnung, die für eine Maus eher unpassend erscheint. Die aufgeführten Sicherheitshinweise lassen sich z.T. nur mit Mühe zu einer Maus in Beziehung setzen. Ein Beispiel mag genügen: „Stellen Sie das Gerät so auf, dass die Kabel nicht beschädigt werden können.“ Kann die Maus stehen? Oder liegt sie? Wie kann man das Kabel einer kabellosen Maus beschädigen? Sicherheitshinweise solcher Art sind verzichtbar. Wenn Risiken bestehen, müssen sie konkret angesprochen werden, auf das Gerät bezogen, um das es geht. Die „Geräte“ sind nun mal nicht alle gleich.

Die Anleitung zur Installation

Das Kapitel „Installation“ beinhaltet drei Unterkapitel, von denen das Kapitel „3.2 Anschließen“ hier als Beispiel für ein Kapitel mit Handlungsanweisungen dienen mag. (Siehe Bild 2)


Bild 2: Handlungsanweisungen im Kapitel „Anschließen“

Das Kapitel beginnt mit einem kursiv hervorgehobenen Hinweis: „Ehe Sie die TRUST AMI MOUSE 250S CORDLESS an den PS/2-Port anschließen, muss die alte Maussoftware entfernt sein.“ Hier wird gesagt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, bevor der Leser mit der Installation der Maus beginnen kann. Diese Information in einen Hinweis – und nicht etwa in eine Handlungsanweisung – zu verpacken, ist insofern gerechtfertigt, als die De-Installation der alten Maussoftware kein Handlungsschritt ist, der direkt zum Installieren der neuen Maussoftware gehört. 

Der erste der im Folgenden aufgeführten Handlungsschritte überrascht vor diesem Hintergrund allerdings. Dort heißt es: „1. Der Computer muss ausgeschaltet sein und eventuelle alte Maussoftware muss aus dem System entfernt sein.“ Die zweifache Erwähnung, dass die alte Maussoftware entfernt sein muss, ist überflüssig. Des Weiteren taugt dieser Punkt 1. kaum, um zur Bedienung anzuleiten: Es werden Voraussetzungen genannt, aber nicht gesagt, was der Leser tun soll. Hinzu kommt, dass die Reihenfolge nicht stimmt: Es führt zu nichts, wenn der Leser zuerst den Computer ausschaltet und dann erfährt, dass er die alte Maussoftware hätte entfernen sollen. Jetzt muss er den Computer wieder einschalten, damit er die alte Software entfernen kann.

Anleitungspunkt 2 kann ebenfalls zu Problemen führen: „Schließen Sie den IR-Empfänger an den PS/2-Port des Computers an.“ Welcher Anschluss ist der PS/2-Port? Nun, diese Frage sollte sich mit Hilfe der Gebrauchsanleitung des Computers klären lassen. Ein Hinweis darauf könnte an dieser Stelle nicht schaden. Und das zweite Problem: Was ist ein IR-Empfänger? Sollte es sich etwa um das „Dings“ handeln, das auf der Titelseite der Anleitung neben der Maus zu sehen ist? Die Vermutung liegt nahe, aber warum lässt man den Leser so im Dunkeln tappen? Der Begriff „IR-Empfänger“ wird benutzt, ohne dass er erklärt worden wäre. Dabei hätte doch beispielsweise die Möglichkeit bestanden, den Empfänger auf der ausklappbaren Seite mit Abbildungen unterzubringen. Der Platz wäre jedenfalls dort vorhanden. An dieser Stelle wäre es auch zweckmäßig, anzugeben, wo denn der Empfänger aufgestellt werden soll (in welcher Entfernung/räumlichen Beziehung zur Maus).

Anleitungspunkt 3 ist leicht zu befolgen: „Schalten Sie den Computer ein.“ Die zusätzliche Anmerkung „In allen Betriebssystemen wird die Maus automatisch gefunden und installiert.“ mag der Beruhigung dienen, Konsequenzen für das Verhalten des Benutzers ergeben sich daraus jedenfalls nicht.

Punkt 4 enthält keine eigentliche Handlungsanweisung, sondern dient der Erfolgskontrolle: „Die grüne Leuchtanzeige fängt an zu brennen, sobald die Maus bewegt wird.“ Solche Kontrollangaben sind sinnvoll, damit der Leser sich vergewissern kann, dass er bis zu diesem Punkt alles richtig gemacht hat. Zur Orientierung wäre es gut, an dieser Stelle zu erfahren, wo sich die grüne Leuchtanzeige befindet, an der Maus oder am Empfänger. Und noch eine Anmerkung zur Wortwahl: Leuchtanzeigen brennen nicht – das wäre ein Fall für die Feuerwehr –, sie leuchten.

Tabellarische Übersicht über die Funktionen der Tasten

Im Kapitel „Verwendung“ enthält das Unterkapitel „Maus“ eine Tabelle (siehe Bild 3), die, zusammen mit einer Abbildung auf der Ausklappseite (siehe Bild 4), erklären soll, welche Funktionen die Tasten der Maus haben.


Bild 3: Die Taste A ist die Taste 1


Bild 4: Rinks oder lechts?

Wie bereits erwähnt, lässt sich zur Funktion einer Maus nicht viel bemerken. Wer einen Computer hat, kennt im Prinzip eine Maus, weiß, dass sie Tasten hat (wenn auch deren Anzahl differiert), und hat eine prinzipielle Vorstellung davon, wofür diese Tasten gut sind oder sein könnten. Wer zum ersten Mal einen Computer und damit zusammen eine Maus kauft, den wird wohl wirklich interessieren, welche Funktion die (in diesem Fall drei) Tasten haben, das heißt, er will wissen, was passiert, wenn er auf die eine oder die andere oder die dritte Taste drückt. Gerade dies erfährt er aber aus der hier gezeigten Tabelle nicht. 

Er erfährt, dass die Taste A die rechte Maustaste sein soll. Dazu gibt es in der Tabelle noch die Bemerkung „Taste 1“. Nun hat er drei Bezeichnungen für eine Maustaste, aber über ihre Funktion weiß er nach wie vor überhaupt nichts. Um die Verwirrung komplett zu machen, tut sich außerdem noch ein Widerspruch zwischen der Tabelle und der ausdrücklich darauf bezogenen Abbildung auf: Die rechte Maustaste ist laut Abbildung die linke! (Oder sollte man kabellose Mäuse anders in der Hand halten als „normale“? Aus der Anleitung geht das jedenfalls nicht hervor.) Bei Taste B treten die gleichen Probleme auf – seitenverkehrt.
Etwas informativer ist die Tabelle hinsichtlich Taste C: Man erfährt, dass sie als Scrollrad und dritte Maustaste fungiert. Unter Scrollrad können sich vermutlich die meisten Nutzer eines Computers etwas vorstellen, der Begriff „scrollen“ ist gängig. Die Information, dass die Taste C die dritte Maustaste ist, kann man, nachdem die rechte und die linke Maustaste bereits vorgestellt wurden, nur als Banalität bezeichnen. Nützlich ist die Anweisung „Drücken Sie das Rad ein, um die dritte Maustaste zu benutzen.“ Damit wird klargestellt, dass das Rad nicht nur gedreht werden kann.

Schließlich und endlich noch eine Anmerkung zur Unterschrift der Tabelle „Erläuterung der Tasten und Knöpfe“. Mit der Unterschrift wird der Leser in die Irre geführt. Denn weder in der Tabelle noch an der Maus wird er irgendwo einen Knopf finden. 

Das Kapitel „Fehlerbehebung“

Dieses Kapitel mit einer Tabelle zur Fehlerbehebung (siehe Bild 5), incl. Problem, möglicher Ursache und möglicher Lösung, erweist sich als Fundgrube für Informationen, die in den vorangegangenen Kapiteln der Anleitung vermisst wurden. So erfährt man hier nebenbei, dass sich die grün leuchtende LED am Empfänger befindet und nicht an der Maus (die Frage trat im Zusammenhang mit dem Kapitel „3.2 Anschließen“ auf). Ferner ist dem Kapitel zu entnehmen, dass der Abstand zwischen Empfänger und Maus nicht mehr als 1m betragen darf und dass zwischen Maus und Empfänger keine Hindernisse liegen dürfen – beides Informationen, die an zentraler Stelle der Anleitung hätten gegeben werden müssen.


Bild 5: Zwei Probleme zum Selbstlösen, alles andere löst das Web 

Für Fehler, die im Kapitel „Fehlerbehebung“ nicht genannt sind, wird auf die FAQ auf der Trust-Website verwiesen. Darüber hinaus ist es möglich, sich an Kundenbetreuungsstellen zu wenden, die auf der Rückseite der Anleitung mit Telefon- und Faxnummer angegeben sind. Beide Möglichkeiten zusammen sollten ausreichen, denn dass in einer Gebrauchsanleitung nicht alle irgend denkbaren Fehler aufgegriffen werden können, die bei einer Maus auftreten können, scheint verständlich. Ungünstig ist es allerdings, dass zwar die Website in der Spalte „Mögliche Lösung“ der Tabelle aufgeführt wird, dass aber auf die Kundenbetreuungsstellen erst weiter unten, sozusagen im „Kleingedruckten“, verwiesen wird. Diese Alternative kann somit leicht übersehen werden.

Eine Schwäche der Tabelle liegt in der Formulierung des ersten Problems. Der Nutzer wird vermutlich nicht daran Anstoß nehmen, dass die grüne LED nicht leuchtet. Er sieht das Problem von einer anderen Seite: Auf seinem Bildschirm ist kein Mauszeiger zu sehen oder der Mauszeiger lässt sich nicht dirigieren. Für dieses Problem werden weder Ursachen noch Möglichkeiten der Behebung genannt. Ein Fall für den Kundendienst? Oder nur ein Fall von Praxisferne?

Fazit

Als Anleitung für den Anfänger in Sachen Computer eignet sich die vorliegende Anleitung in mehrfacher Hinsicht weniger. Der Fortgeschrittene wird vermutlich eine klare Darstellung der Unterschiede zwischen der kabellosen und der „Kabel“-Maus vermissen.
 
 
 

Ulrike Grüne
Stuttgart
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004