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Bei Suchabfragen im Internet kann immer nur einer der Erste sein 

Stellen Sie sich vor: Ihre Firma hat eine Agentur beauftragt, das Design der neuen Homepage zu entwerfen. Ihnen als Leiter der Abteilung Technische Dokumentation wurde aufgetragen, den Text-Inhalt beizusteuern. Das tun Sie denn auch. Knapp, gut verständlich, hier eine Tabelle, da ein Diagramm entwerfen Sie zum vorgegebenen Thema den Inhalt der Web-Site. Das ganze lassen Sie - aus Gründen der Vorsicht und man will sich ja nicht blamieren - von einem Kollegen gegenlesen. Nach dem jeder, auch die Firmenleitung, seinen Segen dazu erteilt hat, übermittelt man der Agentur den Inhalt der zukünftigen Site. 

Das Ergebnis ist das Prachtstück einer Web-Seite. In weniger als 3 Sekunden zu laden, eine übersichtliche Navigation die auch der letzte Mohikaner noch versteht - die Geschäftsleitung ist glücklich, stolz und zufrieden. 

Und da man professionell gearbeitet hat (irgend jemand hat tatsächlich die Meta-Daten wie keywords, descriptions, robots usw. im Quelltext eingearbeitet), sogar der oft vergessene title im Quelltext wurde eingetragen, wurde die neue Homepage bei den wichtigsten Suchmaschinen wie Altavista, Fireball, Eule, Infoseek, Intersearch, Kolibri, Yahoo (ein Katalog, keine Suchmaschine) und noch weiteren angemeldet. 

Es vergeht die erste Woche. Gespannt wartet die gesamte Firma auf das erste Ranking, also jener Versuch, durch Eingabe eines Suchbegriffs bei einer Suchmaschine zumindest erst einmal unter den ersten 100 bis 200 Positionen gelistet zu werden. 

Der erste Monat ist vergangen. Der zweite auch bereits - nichts regt sich. Enttäuschung macht sich breit. Lange Gesichter bei den Mitarbeitern, der Firmenchef beschwert sich bei der Agentur. Diese weist den Firmenchef darauf hin, daß zu dem benutzten Suchbegriff - sagen wir einmal der heißt "Steuergeräte" - immerhin 22.000 weitere Web-Seiten in der Suchmaschine warten, auch einmal auf die ersten Plätze zu gelangen. Top-10 Ranking nennen das die Eingeweihten der Branche. 

Das war die Fiktion... 

... jetzt zur Sache: geht das mit dem Ranking nun oder geht es nicht? Ist es möglich, eine Web-Seite so zu konstruieren, um damit bei einigen Suchmaschinen ein Top-Ranking zu erzielen? Gar auf dem ersten Platz zu landen? 

Ranking - zuerst die Forschung 

Klare Antwort: Ja! Das geht, aber es gibt nur eine Handvoll Spezialisten, die das in Deutschland können. Abgesehen von den Programmieren der Suchmaschinen, die natürlich wissen, wie die Algorithmen arbeiten, um ein Top-Ranking zu erzielen. Diese Informationen standen uns allerdings nicht zur Verfügung. Wir haben das Ergebnis ähnlich erarbeiten müssen, wie seinerzeit die Forscher das Penicillin fanden. Versuche durchführen, eine Theorie aufbauen, durch Versuche absichern oder verwerfen. 

Unsere Ergebnisse 

Das Ergebnis unserer monatelangen Forschungsarbeit brachte u.a. zutage, daß die verschiedenen Suchmaschinen leider auch verschiedenen Algorithmen unterliegen. Was bei der einen Suchmaschine zu einem Ranking auf Platz 1 führte, ließ einen bei der anderen Suchmaschine nur Platz 50 erreichen. 

Ein weiteres, interessantes Ergebnis unserer Arbeit war die Erkenntnis, daß Suchbegriffe eine unterschiedliche Qualität besitzen. Einmal in Bezug auf die gerade benutzte Suchmaschine, zum Anderen in Bezug auf jene Seiten, die aktuell zu einem Top-Ranking führen. 

Die letzte große Erkenntnis war, daß manche Web-Seiten-Besitzer, die ein Ranking auf Platz 1 erzielen, pfuschen. Und manche Suchmaschinen, beziehungsweise deren Besitzer, bei einigen Suchbegriffen die vorderen Plätze schlicht und einfach meistbietend verkaufen. Die Pfuscher auf Platz 1 kriegen wir heute weg - gegen die verkauften Plätze bei manchen Suchmaschinen sind wir selbstverständlich machtlos. 

Unser Wissen wird weitergegeben 

Unser Grundlagenwissen geben wir weiter - seit September  in Seminaren mit dem Titel: "Ranking - die Logik der Suchmaschinen". Nach dem ersten Seminar sagte uns ein Teilnehmer, ein Programmierer bei einer Agentur für Web-Design: "Ich habe eigentlich erst jetzt verstanden, welche Bedeutung das Seminar für meine tägliche Arbeit hat." Eine Bewertung, über die wir uns gefreut haben, denn der Teilnehmer hatte diese Bemerkung in der Abschlußbesprechung nach dem Seminar vor allen anderen Teilnehmern geäußert. 

Das sind dann jene Momente im Arbeitsleben, wo man sich sekundenlang innerlich zurücklehnen kann und weiß, warum man sich monatelang bemüht hat, um in einer Marktnische ganz vorne zu sein. 
 
 
 

Harald B. Adolph
Herausgeber dieser Fachzeitschrift
 
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004