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Bilder stapelweise verarbeiten 

Die digitale Bildbearbeitung ermöglichte ein Maß an Kreativität im Umgang mit Bildern, das früher praktisch unmöglich schien. Die gestalterischen Freiheiten, die man heute dank schneller Rechner und Programmen wie Adobe Photoshop mit Fotos hat, sind fast grenzenlos. Trotzdem ist Bildbearbeitung auch heute noch in der täglichen Praxis mehr Transpiration als Inspiration - immer wiederkehrende Aufgaben, die einfach aus technischen Gründen erledigt werden müssen, belegen die meiste Rechnerkapazität bei allen, die professionell mit digitalen Bildern arbeiten müssen.

Dieses Problem haben auch die Entwickler von Photoshop recht früh erkannt und einen "Werkzeugkasten" in ihr Programm integriert, der solche Aufgaben einfacher - und vor allem unbeaufsichtigt - zu erledigen hilft. Dieser Werkzeugkasten enthält mehrere Werkzeuge - das wichtigste ist die Aktionenpalette. Eine "Aktion" ist eine Folge von Photoshop-Befehlen, die vom Anwender aufgezeichnet wurde und dann mit verschiedenen anderen Werkzeugen von Photoshop auf beliebige Bilder angewandt werden kann. Die einfachste Art der Anwendung besteht darin, dass man die Aktion "abspielt", also in der Aktionenpalette unter ihrem Namen aktiviert und die dort aufgezeichnete Befehlsfolge auf die gerade geöffnete und im Vordergrund befindliche Datei anwendet. 

Eine weitere Möglichkeit ist, aus der Aktion ein so genanntes "Droplet" zu erstellen - das ist eine Datei, die die Befehle der Aktion enthält und auf die man (außerhalb von Photoshop) eine zu bearbeitende Bilddatei zieht, um die Befehlsfolge auszulösen. Und die dritte und in vielen Fällen beste Option besteht darin, die Aktion im "Stapelverarbeitungs"-Modus über eine ganze Reihe von Bildern laufen zu lassen. Gerade das letztere kann man bei großen Mengen von zu bearbeitenden Bilddaten auch unbeaufsichtigt ablaufen lassen, zum Beispiel über die Mittagspause, während eines Termins oder auch nachts oder über das Wochenende - dann sollte man die zugrundeliegende Aktion aber wirklich sorgfältig getestet haben, damit man nicht danach sämtliche Ergebnisse wegwerfen und nochmals von vorne beginnen muss (möglicherweise aus Zeitnot während der normalen Betriebszeit). 

Die Aktionenpalette von Photoshop 7. Sie enthält hier das Set "Standardaktionen", das mit Photoshop mitgeliefert wird. An der Unterkante der Palette befinden sich die Steuerungstasten. 

Schauen wir uns aber zunächst einmal an, wie man eine Aktion aufzeichnet. Wir benötigen dazu die Aktionenpalette (falls nicht irgendwo angezeigt: "Fenster > Aktionen [einblenden]"). Wie Ebenen, so lassen sich auch Aktionen in Sets zusammenfassen - beispielsweise aufgaben- oder kundenbezogen. Komplette Sets lassen sich auch einfach speichern und laden (einzelne Aktionen jedoch nicht!), so dass man sie auch leicht an andere Arbeitsplätze übertragen kann. Tut man dieses, sollte man sich jedoch vergewissern, dass die Voreinstellungen von Photoshop ebenfalls möglichst identisch sind - weil manche aufgezeichneten Befehle (zum Beispiel auch Moduskonvertierungen!) sich auf die jeweiligen Präferenzen beziehen, was bei unkritischer Übertragung von Aktionen auf einen anderen Rechner zu anderen (möglicherweise falschen) Ergebnissen führen kann. Auch sollte man bei der Verwendung von Aktionen auf Rechnern mit anderen Sprachversionen von Photoshop aufpassen - manche Befehle laufen nur sauber auf der nationalen Version, auf der die Aktion erstellt wurde! Was ebenfalls zu Schwierigkeiten führen kann, ist die Nutzung von gespeicherten Aktionen auf anderen Versionsnummern von Photoshop. Abwärtskompatibel sind Aktionen sowieso grundsätzlich nicht, aufwärtskompatibel nur begrenzt. 

Die Steuerung erfolgt über die Tasten an der Unterkante der Palette. Verfügbar sind hier zunächst ein Papierkorbsymbol, mit dem man Befehle, Aktionen oder Sets löschen kann, sowie je eine Taste zur Erstellung einer neuen Aktion bzw. eines neuen Sets. (Alle Tastenbefehle sind natürlich auch in "Klartext" im Menü der Aktionenpalette ausführbar.) Auf der linken Seite befinden sich nun drei Tasten, deren Symbole denen auf den Tasten eines Tonbands ähneln - von rechts: "Abspielen (Play)", "Aufnahme (Record)" und "Stop" (siehe Abbildung oben). Genauso funktionieren sie auch. Will man eine neue Aktion aufzeichnen, klickt man auf die Taste "Neue Aktion"  - es erscheint ein Dialogfeld, in dem man der Aktion einen Namen geben, sie einem bereits existierenden Set zuweisen und eine der Funktionstasten des PCs (F1 bis F15) damit belegen kann - eventuell kombiniert mit einer Zusatztaste. Nach Klicken auf OK ist die Record-Funktion aktiv und man kann sofort beginnen, die Befehlsfolge aufzuzeichnen. Dazu sollte möglichst bereits eine Bilddatei geöffnet sein, an der man die Befehle sowieso ausführen muss. Öffnet man diese jetzt erst, so wird auch das Öffnen dieser Datei als Befehl in die Aktion aufgenommen - was wenig Sinn macht, denn dann ist die Ausführung dieser Aktion grundsätzlich auf diese eine Datei begrenzt (sie wird jedesmal am Beginn geöffnet). Man kann die Aufzeichnung aber jederzeit stoppen, indem man auf die Taste  klickt. Will man mit der Aufzeichnung fortfahren, benutzt man die Taste 

Nun bearbeitet man das Bild in der gewünschten Weise. Photoshop protokolliert jeden Befehl in der Aktionenpalette - bei Dialogfeldern mit allen Parametern, die man eingegeben hat. Soll die geänderte Version auch gleich per Aktion gesichert werden, zeichnet man auch dieses mit auf. Aber Vorsicht: Wird dabei die Ursprungsversion überschrieben, warnt Photoshop beim späteren Abspielen der Aktion hiervor nicht mehr! Ist die Aktion für eine Stapelverarbeitung vorgesehen, kann man das Speichern der Endversion (allerdings nicht das eventueller Zwischenstände!) auch in der Aktion selbst weglassen und dies über das Dialogfeld "Stapelverarbeitung" steuern. 

Das Dialogfeld "Neue Aktion"

Stellt man nach der Fertigstellung einer Aktion fest, dass in einem Dialogfeld falsche Parameter eingegeben wurden, kann man diese jederzeit nachträglich ändern, indem man auf den entsprechenden Befehlseintrag in der Aktionenpalette klickt und dann im Menü dieser Palette "Erneut aufzeichnen..." wählt. Das Dialogfeld wird erneut angezeigt und man kann die Werte entsprechend ändern. Alle Befehle einer Aktion lassen sich so fast beliebig editieren. Natürlich kann man sie auch löschen oder durch einfaches Verschieben ihre Reihenfolge ändern. Vorübergehend deaktivieren kann man einzelne Befehle, indem man auf das Häkchen vor ihrem Eintrag in der Aktionenpalette klickt. Rechts daneben befindet sich eine zweite Schaltfläche, mit der man für jeden Befehl (sofern dieser es vorsieht) beim Abspielen dessen Dialogfeld aufrufen lassen kann. Damit ist es möglich, innerhalb einer ablaufenden Aktion mit individuellen Werten arbeiten zu können. Für eine unbeaufsichtigte Stapelverarbeitung ist dies natürlich ungeeignet. Hier ein Beispiel für eine einfache Aktion, bei der von der Möglichkeit des Dialogmodus und dem temporären Abschalten eines Befehls Gebrauch gemacht wurde: 

Eine einfache Aktion in Photoshop 7 zur Behandlung von Screenshots. Beim ersten und vorletzten Befehl wurde der Dialog aktiviert, der zweite wurde temporär abgeschaltet.

Hat man eine Aktion fertiggestellt, sollte sie, bevor man sie für Stapelverarbeitung oder als Droplet verwendet, sorgfältig getestet werden. Dazu öffnet man ein Musterbild, wendet die Aktion darauf an und sieht sich Ablauf und Ergebnis genau an. Kommt es zu Problemen (beispielsweise nicht mitgespeicherte Bildschirmdarstellungen, fehlende Datei-Icons u. ä.), dann empfiehlt es sich, im Palettenmenü den Befehl "Ausführen-Optionen..." anzuwählen und im darauffolgenden Dialogfeld die "Leistung" auf "Schrittweise" zu begrenzen. 

Will man die Aktion nun als Stapelverarbeitung ablaufen lassen, wählt man "Datei > Automatisieren > Stapelverarbeitung...". Man erhält ein sehr umfangreiches Dialogfeld (Abb. unten), in dem man zunächst die gewünschte Aktion auswählt. Dann bestimmt man die Quelle der zu bearbeitenden Bilder. Normalerweise wird man hier "Ordner" anwählen, auf "Wählen..." klicken und einen solchen festlegen. Alternativ kann man auch alle derzeit geöffneten Bilddateien abarbeiten lassen, eine Importfunktion von Photoshop oder (seit Version 7) den Dateibrowser als Quelle definieren. Hat man sich für die Option "Ordner" entschieden, kann man wahlweise auch in diesem vorhandene Unterverzeichnisse mit berücksichtigen lassen. "Farbprofil-Warnungen unterdrücken" sollte man nur aktivieren, wenn man "Bearbeiten > Farbeinstellungen..." vorher sorgfältig geprüft hat und sich sicher ist, dass alle zu bearbeitenden Bilder damit hundertprozentig kompatibel sind. 

 

Das Dialogfeld "Stapelverarbeitung" von Photoshop 7 

In den meisten Fällen ist es sehr  zu empfehlen, in "Ausführen-Optionen" die "Leistung" auf "Schrittweise" herunterzuschrauben. Die Aktion läuft dadurch zwar etwas langsamer, man beugt jedoch versteckten Fehlern, wie vergessene Bildschirmdarstellungen, vor.

Auch für das "Ziel" der Stapelverarbeitung stehen mehrere Optionen zur Auswahl. Die Standardeinstellung wird hier wohl "Ohne" sein - dies setzt allerdings voraus, dass die korrekte Speicherung der Ergebnisse und das Schließen der Dateien in der Aktion definiert sind. Ist dies nicht der Fall, wählt man einfach "Speichern und schließen" - aber Vorsicht: Hier wird ohne Vorwarnung die ursprüngliche Version überschrieben! Universeller ist da die Option "Ordner". Hier kann man einen solchen als Ziel bestimmen - und zusätzlich die Namensgebung der Dateien sehr weitgehend individuell anpassen. Dabei lässt sich der ursprüngliche Dateiname ebenso beliebig verwenden wie eine Versionsnummer, ein Folgebuchstabe oder das Datum in diversen Schreibweisen. 

Wichtig ist auch die Art der Fehlerbehandlung. Für eine unbeaufsichtigte Stapelverarbeitung empfiehlt sich nur die Option "Fehler in Protokolldatei" - weil sonst jede kleine Unstimmigkeit (die völlig unbedeutend sein kann) zu einer Unterbrechung führen würde. Man darf allerdings auf keinen Fall vergessen, die Protokolldatei auch wirklich anzuschauen (mit einem einfachen Texteditor) um auf aufgetretene Fehler entsprechend reagieren zu können! 

Das Erstellen einer Droplet-Datei (über "Datei > Automatisieren > Droplet erstellen...") gestaltet sich fast genauso wie das Einrichten einer Stapelverarbeitung. Das Ergebnis ist hier jedoch eine Datei, auf die man Bilddateien zur Abarbeitung ziehen kann. Da dies beliebig viele sein können (man kann auch einfach einen Ordner darauf ziehen), eignen sich Droplets auch sehr gut für eine Stapelverarbeitung.
 
 

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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004