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Das Äußere
  
Die Titelseite
  
Der Inhalt
  
Die Warnhinweise
  
Fazit
  
Autor
  

 

Unter der Lupe

Warnhinweise und Sicherheitsvorschriften für Blei-Säure-Batterien

Die Autobatterie hat es in sich, sie bringt eine ganze Reihe von Risiken mit sich. Und auch Umweltschutzaspekte sind zu beachten. Insofern ist es durchaus gerechtfertigt, einer Autobatterie ein Merkblatt nur mit Warnhinweisen beizufügen. Die Firma, aus deren Hause das Merkblatt stammt, das diesmal unter der Lupe gelegen hat, ist der Verfasserin nicht bekannt – Angaben zum Hersteller fehlen auf dem Schriftstück.

Das Äußere

Die Form des gefalzten Merkblatts sehen Sie in Bild 1. Gefalzt beträgt die Breite 97 bis maximal 105 mm, die Höhe 64 mm. Entfaltet man das Blatt, so hat man einen Bogen mit den Maßen 105 mm mal 368 mm vor sich. Auf einer Seite sind die Hinweise in Englisch, Deutsch und Französisch wiedergegeben, auf der anderen Seite (die auch die „Titelseite“ enthält) findet man sie noch einmal in Portugiesisch und Spanisch.

Bild 1: Die Titelseite des Merkblatts

Gedruckt wurde in Schwarzweiß. Das Layout ist zweispaltig angelegt. Als Grundschrift wurde eine Grotesk in 5 Punkt gewählt, Kapitelüberschriften sind halbfett ausgezeichnet, für die Hauptüberschrift hat man sich für die gleiche Schrift in 6 Punkt halbfett entschieden. 

Die Schriftgröße lässt bereits ein zentrales Problem des Blattes deutlich werden: Die Hinweise sind nur mit Mühe zu entziffern. Neben dem reinen Text enthält die Anleitung eine ganze Reihe von Piktogrammen, die ebenfalls je nach Detaillierungsgrad kaum noch zu erkennen sind (siehe Bild 2). 

Die Größe des Bogens und die Vielzahl der Falzungen sind verantwortlich für ein weiteres Problem: Nachdem das Blatt mehrmals entfaltet, gelesen (wohl mit verdreckten Fingern) und wieder zusammengefaltet worden ist, dürfte es nicht mehr wiederzuerkennen sein. Es wird stark verschmutzt, vermutlich stellenweise zerrissen und deshalb kaum noch wiederzufinden sein, wenn es später noch einmal gebraucht wird. Bis das Thema „Entsorgung“ auf der Tagesordnung steht, ist es sicherlich nicht mehr greifbar.

Bild 2: Selbst gute Augen stoßen bei diesen Piktogrammen an ihre Grenzen

Die Titelseite

Wie in Bild 1 (siehe oben) zu sehen, enthält die Titelseite fünf Elemente, vier davon groß(zügig) abgebildet: die Abbildung einer Mülltonne, durchgestrichen, eine Gruppe von drei Pfeilen (gängiges Symbol für Recycling bzw. Kreislaufwirtschaft), das chemische Zeichen Pb (Blei) – diese drei Elemente stehen zusammen für die Entsorgung über eine Altbatterien-Sammelstelle –, das Symbol „i“ für Information sowie eine achtstellige Nummer, vielleicht die Nummer der Druckschrift, Kenn-Nummer der Druckerei o. Ä.

Was man auf der Titelseite vermisst, ist irgendein Anhaltspunkt, worum es auf dem Faltblatt geht. So wie das Blatt daherkommt, könnten sich darauf ebensogut die Adressen aller Müllsammelstationen von Flensburg bis Berchtesgaden befinden (wenn die auf so wenig Papier unterzubringen wären). Auch um das Blatt später noch mit der Batterie in Verbindung bringen zu können, sollte hier wenigstens ein Hinweis auf die Autobatterie – das Wort „Autobatterie“ und/oder eine Abbildung – zu finden sein. Und auch die Angabe des Herstellers wäre auf der Titelseite (eine „Rückseite“, die in Frage kommen könnte, hat das Faltblatt nicht) angebracht.

Der Inhalt

Die fremdsprachigen Teile der Anleitung werden im Weiteren außer Acht gelassen. Der deutsche Teil beginnt mit der Erläuterung der Piktogramme (siehe Bild 2). Es folgen acht Minikapitel mit den Überschriften

  • Lagerung und Transport
  • Inbetriebsetzung
  • Einbau in das Fahrzeug
  • Laden
  • Wartung
  • Starthilfe
  • Batterie stillegen
  • Gewährleistung
Wie die Überschriften der Kapitel zeigen, trifft die Hauptüberschrift „Warnhinweise und Sicherheitsvorschriften für Blei-Säure-Batterien“ den Inhalt des Faltblatts nicht. Neben Warnhinweisen und Sicherheitsvorschriften im eigentlichen Sinne enthält der Text nämlich auch viele Bestandteile einer Gebrauchsanleitung, die über Sicherheitsaspekte weit hinausgehen.

Andererseits scheint auch etwas zu fehlen: Wie sieht es mit der Entsorgung der Altbatterien aus? Jedoch täuscht dieser erste, aufgrund der vorhandenen Überschriften entstandene Eindruck: Die Entsorgung wird bereits im Zusammenhang mit den Piktogrammen vorab thematisiert.

Irritation könnte der Begriff „Inbetriebsetzung“ auslösen: Zum einen ist der Begriff an sich aus Gebrauchsanleitungen ungewohnt. Spricht man nicht üblicherweise von der „Inbetriebnahme“? Zum zweiten scheint das Kapitel hier zudem an der falschen Stelle untergebracht zu sein. Kann man die Batterie in Betrieb nehmen, bevor sie ins Fahrzeug eingebaut ist? Wie sich beim Lesen des Kapitels herausstellt, wird hier nicht beschrieben, wie die Batterie in Betrieb genommen wird, sondern, welche Vorbereitungen dafür zu treffen sind.

Stellt man den Anspruch, das Merkblatt solle eine vollständige Gebrauchsanleitung ersetzen, so ist weiter nach einer eindeutigen Festlegung der bestimmungsgemäßen Verwendung zu fragen. Gerade bei einer Batterie sind eine ganze Reihe von nicht vorgesehenen Verwendungen denkbar. Schließlich handelt es sich bei einer Batterie um einen Energieerzeuger, mit dem man – theoretisch – nicht nur ein Fahrzeug antreiben kann. Welche Verwendungen sind zulässig, welche nicht?

Die Warnhinweise

Trotz des Titels sind Warnhinweise, wie gesehen, durchaus nicht das einzige Thema des Textes. Vielmehr befinden sich Warnungen im Wesentlichen in den verwendeten Piktogrammen und den zugehörigen Texten (siehe Bild 2). Hierzu einige Anmerkungen im Detail:

Die Piktogramme orientieren sich an internationalen Richtlinien und sollten insofern für jeden Leser leicht verständlich sein, da sie weit gehend bereits bekannt sind. Die Zeichen für Erste Hilfe und Achtung sind leicht als solche zu erkennen. Die abgebildeten Warnzeichen (Explosionsgefahr und Verätzungsgefahr) sowie vor allem das Gebotszeichen „Augenschutz tragen“ jedoch sind aufgrund ihrer geringen Größe und der Druckqualität schlicht nicht erkennbar. Wenn man erst den Text lesen muss, um zu verstehen, was das Piktogramm bedeuten soll, kann man sich natürlich fragen, welchen Sinn die Piktogramme an dieser Stelle haben sollen.

Mit dem ersten Piktogramm wird auf ferner zu beachtende Druckschriften verwiesen: „Hinweise auf der Batterie, in der Gebrauchsanweisung und in der Fahrzeugbetriebsanleitung befolgen.“ Der Verweis auf die Anleitung zum Fahrzeug ist an dieser Stelle gerechtfertigt. Schließlich kann sich der Umgang mit der Batterie, abhängig vom Fahrzeug, erheblich unterscheiden. Auf welche Gebrauchsanweisung hier verwiesen wird, ist nicht klar. Gibt es zusätzlich zu dem Faltblatt noch eine weitere Gebrauchsanweisung zur Batterie? Unwahrscheinlich, schließlich enthält das Faltblatt bereits die wesentlichen Bestandteile einer Gebrauchsanleitung. Zumindest lag der Verfasserin keine weitere Gebrauchsanleitung zur Batterie vor. Oder ist die Gebrauchsanleitung zum Fahrzeug gemeint? Aber auf die wird doch sowieso schon verwiesen …

Mehrere der folgenden Hinweise klären nicht über die Folgen von Fehlverhalten auf:

  • „Augenschutz tragen“ – Der Leser erfährt nicht, warum. 
  • „Batterien nicht ungeschützt dem direkten Tageslicht aussetzen.“ – Was passiert, wenn man es trotzdem tut? 
Natürlich kann mancher sich die Risiken und möglichen Folgen auch selbst ausmalen. Abgesehen davon, dass mancher eben nicht jeder ist, würde es den Hinweis aber nachdrücklicher und damit wirksamer machen, wenn man ihn ausformulierte. Schließlich wäre dem Leser damit die Möglichkeit genommen, Risiken, auch wenn er sie im Prinzip kennt, einfach zu verdrängen. 

Ebenfalls unverantwortbar ist es, zwar das Risiko zu benennen, daraus aber keinerlei Konsequenzen zu ziehen, was zu tun und was zu lassen ist. Auch für diesen Fall findet sich ein Beispiel in der Anleitung (siehe Bild 3). Bei der Warnung stellt sich nur noch die Frage, ob man die Batterie besser nie wieder lädt, oder?
  

Bild 3: Was tun? Was nicht?

Da das Blatt unter dem Titel „Warnhinweise und Sicherheitsvorschriften für Blei-Säure-Batterien“ antritt, sollen hier die Kapitel, die anderen Themen gewidmet sind, nicht weiter untersucht werden, obwohl sicherlich auch dort eine Reihe von Anmerkungen zu machen wären.

Fazit

Die gute Absicht – mit einem Piktogramm den Leser auf schnellstem Wege zu warnen – verpufft bei dieser Anleitung leider völlig. Auf Miniaturgröße zusammengeschrumpft, können die Piktogramme keinerlei Wirkung mehr entfalten. Hinzu kommt die mangelnde Leserlichkeit des Textes. Aber auch inhaltliche Mängel, z. B. fehlende Angaben zur bestimmungsgemäßen Verwendung, fallen durchaus ins Gewicht. 
 

Ulrike Grüne
Bochum

 
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004