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Das Äußere
   
Der Inhalt
   
Der Kasten im Überblick
   
Auseinandernehmen und zusammenbauen
   
Fazit
   
Autor
   

 

Unter der Lupe

Gebrauchsanleitung für einen Blumenkasten mit Bewässerungssystem

Die nächste Urlaubsreise steht bevor, und schon stellen sich wieder die immer gleichen Probleme: Wer übernimmt den Kanarienvogel, wer erntet die Birnen und schließlich und endlich: Wer gießt die Blumen? Damit nach der Rückkehr nicht alles verwelkt ist, hat man sich inzwischen einiges einfallen lassen. So auch einen Blumenkasten mit Bewässerungssystem, das dafür sorgt, dass die Blumen bei Abwesenheit des Besitzers nicht verdursten. Im Unterschied zu einem herkömmlichen Blumenkasten ist der Umgang damit jedoch nicht selbstverständlich. Eine Gebrauchsanleitung ist vonnöten.

Allzu viele Informationen braucht der Besitzer des Kastens zwar nicht, aber wenigstens muss er doch erfahren, wie er es zu Wege bringen soll, dass seine Pflanzen sich selbst versorgen.

Um zum Umgang mit dem Blumenkasten Thermo Geli Plastic Aqua Green anzuleiten, reicht dem Hersteller (über ihn ist leider nichts Weiteres bekannt) ein doppelseitig bedrucktes DIN-A4-Blatt, das diesmal unter der Lupe gelegen hat.

Das Äußere

Das Blatt enthält Informationen in drei Sprachen, die in Text und Bild vermittelt werden. 
Das Blatt zu beschreiben fällt schwer. Ich wähle hier den einfacheren Weg, die Abbildung: 


Bild 1: auf zwei Seiten ein buntes Allerlei an Informationen über einen Blumenkasten   

Ein Mischmasch von Schriftarten und -größen und von Bildern, meist Fotos in dürftiger Qualität, kombiniert in einem beliebigen Layout, verhindert jegliche Übersichtlichkeit.

Der Inhalt

Der Leser kann herausfinden, wie viel Erde er benötigt, um seine Blumenkästen zu füllen. Er erfährt, wie der Blumenkasten aufgebaut ist und wie der Wasservorrat erneuert wird. Des Weiteren bekommt er einige eher werbliche Informationen zu den Vorzügen des Blumenkastens. Außerdem wird er dazu angeleitet, die Bestandteile des Blumenkastens aus dem Kasten herauszunehmen und anders wieder einzusetzen. Schließlich und endlich wird das zur Verfügung stehende Zubehör gezeigt und benannt.

Der Kasten im Überblick

Eine Abbildung des Blumenkastens, versehen mit einer Legende, informiert über die Funktionsweise des Kastens:

Bild 2: So funktioniert’s!

Obwohl die Funktionsweise des Blumenkastens hier nicht wirklich erläutert wird, bekommt der Leser doch einen Eindruck vom Prinzip. Hilfreich ist hier inbesondere die aus der Gesamtabbildung herausgezogene Ausschnittvergrößerung. Pfeile zeigen deutlich, wo Wasser ins Erdreich eingesogen wird und wo überschüssiges Wasser ablaufen kann. Zwei Kleinigkeiten beeinträchtigen den positiven Eindruck: Zum einen ist da die Begrifflichkeit zu nennen. „Einfüllstutzen“, „Zwischenboden“, „Wasservorrat“, „Ansaugkegel“ – dagegen ist nichts zu sagen, im Gegenteil – gerade der Begriff „Ansaugkegel“ beschreibt sehr plastisch, welches Teil des Kastens gemeint ist, wie es aussieht und welche Funktion es hat. Aber was soll der Leser mit dem Begriff „Überlaufdome“ anfangen? Bei dem Wort „Dom“ wird wohl fast jeder deutschsprachige Leser zuerst an eine Kirche denken. Gemeint ist hier allerdings wohl eher eine Kuppel oder ein Gewölbe, aber ist diese Vorstellung passend für einen Blumenkasten? Vielleicht hätte der Begriff „Überlauf“ ja auch schon gereicht. Zum zweiten stört etwas die mangelnde Übereinstimmung zwischen Gesamtabbildung und Vergrößerung. Es erscheint nicht glaubhaft, dass es sich tatsächlich um einen Ausschnitt aus der Gesamtabbildung handelt: Dass einmal Erde/Wasser vorhanden ist, einmal nicht, ist zu entschuldigen. Anders wäre in der Gesamtabbildung nicht zu sehen, dass der Ansaugkegel nach oben hin (zur Aufnahme der Erde) offen ist, und auch der Blick unter den Zwischenboden wäre dort erschwert. Irritierend wirkt sich aber auch aus, dass in der Gesamtabbildung nur der Ansaugkegel zu sehen ist, nicht aber der offenbar doch direkt daneben liegende „Überlaufdome“.

Auseinandernehmen und zusammenbauen

In Bild 1 wurde bereits die zweite Seite des Anleitungsblatts gezeigt, auf der in vier Abbildungen zu sehen ist, wie der Zwischenboden aus dem Kasten genommen und wieder eingesetzt wird und wie die Verstärkungsspange vom Zwischenboden entfernt und oben auf dem Blumenkasten angebracht wird. Die Zusammenstellung lässt stutzen: 

Welchen Zweck haben die dargestellten Handlungsschritte? So wie der Blumenkasten auf der Vorderseite des Blattes abgebildet ist (siehe ebenfalls Bild 1), besteht überhaupt keine Notwendigkeit, ihn auseinander zu nehmen. Oder sollte er halb zusammengesetzt verkauft werden? Dann wäre die Gesamtabbildung des fertigen Kastens eher am Ende der Anleitung am Platze.

Ein zweiter Grund zum Zögern: In welcher Reihenfolge sind die Bilder zu „lesen“? Zuerst von links nach rechts und dann von oben nach unten? Oder zuerst von oben nach unten und dann von links nach rechts? Oder ist die Reihenfolge ganz beliebig, da man jeden Schritt nach Bedarf einzeln oder mit anderen Schritten kombiniert ausführen kann? Eine Benummerung der Abbildungen könnte weiterhelfen.

Schließlich: Im Text wird an zwei Stellen der Umgang mit der Verstärkungsspange erklärt. Auf der Vorderseite der Anleitung ist eine „Verstärkungsstrebe an den Blumenkasten 80 cm und 100 cm“ erwähnt. Handelt es sich um das gleiche Element? Wenn ja, welche Funktion hat es – die einer Strebe (abstützen) oder die einer Spange (zusammenhalten)? Wer einen Blumenkasten 60 cm hat, den werden die Abbildungen auf der Rückseite auch insofern verwirren, als hier etwas dargestellt ist, das sein Blumenkasten gar nicht zu bieten hat. Er wird eventuell die Verstärkungsspange an der Unterseite des Zwischenbodens suchen und – mehr oder weniger verärgert oder einfach nur irritiert – feststellen, dass sie fehlt. Für den Vermerk „Nur Blumenkästen 80 cm und 100 cm“ o. Ä. wäre sicherlich noch Platz gewesen.

Fazit

Die vorhandenen Informationen gehen im chaotischen Layout der beiden Seiten unter. Mit einer gelungeneren Anleitung käme der Leser vermutlich schneller zum Ziel. Dennoch erfüllt die Anleitung für den Blumenkasten Thermo geli Plastic Aqua-Green ihren Zweck. Schließlich gibt es bei dem Blumenkasten nicht viel zu erklären und größere Risiken geht der Käufer des Kastens auch nicht ein.
 
 


Ulrike Grüne
Bochum


 
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004