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Äußeres

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Anleitung

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Unter der Lupe

Technische Information für einen Brennwertkessel

"Technische Information" – so nennt die Firma: Schäfer Heiztechnik die Unterlagen incl. Bedienungs- und Installationsanleitung für ihren Gas-Compact-Brennwertkessel Domoplus DPSM 215 C. Nicht gerade eine klassische Consumer-Anleitung, die diesmal unter der Lupe gelegen hat! Dennoch: Den Brennwertkessel bekommt nicht nur der Fachmann unter die Finger, auch der wohnende, also auch heizende Laie muß damit zurechtkommen.

Äußeres

Das Äußere im Überblick: 32 Seiten, DIN A 4, S/W, Rückenstichheftung, gelocht; Seitenlayout: 2 Textspalten plus 1 Marginalienspalte, Grotesk in zwei verschiedenen Größen, normal und halbfett; durchgehende Paginierung, Register ("Daumenregister").

Praktisch ist die vorhandene Lochung zum Ablegen in einem Ordner. Ebenfalls zweckmäßig: das aufgedruckte Register mit den Kapitelnummern; leider fehlt es auf einigen rechten Seiten.

Die Titelseite macht auf den ersten Blick einen luftigen Eindruck – eine DIN-A4-Seite bietet ja auch eine ganze Menge Platz – auf den zweiten Blick ist sie dennoch geradezu überladen mit Informationen. Eine senkrechte Linie teilt die oberen zwei Drittel der Seite in eine breitere, linke und eine schmalere, rechte Spalte. Links im Zentrum der Seite steht eine Abbildung des Geräts (könnte größer sein), im Kopf der Seite links die Bezeichnung des Geräts "Domoplus® DPSM 215 C – Gas-Compact-Brennwertkessel", darunter ergänzend "Leistungsbereich 3 bis 15 kW", rechts offenbar die Bezeichnung der Textsorte "Technische Information", unterhalb des Seitenkopfes in größerer Schrift links noch einmal die Bezeichnung des Geräts (überflüssige Doppelung), rechts die Ziffernfolge 2.2 (der Sinn dieser Ziffern bleibt im dunkeln), rechts neben der Geräteabbildung 2 Symbole mit den beiden Teilen der Information "Bedienungsanleitung für den Anlagenbetreiber" und "Installationsanleitung für den Heizungsfachmann", im Fuß der Seite zunächst von links nach rechts ein "Umweltengel", das CE-Zeichen und das Logo des Herstellers, darunter Adresse, Telefon und Fax des Herstellers (beides auf der Rückseite des Heftes noch einmal nachzulesen). Die Seite bietet also alles, was man von einer Titelseite erwarten kann, aber auch einiges, worauf man zugunsten einer übersichtlicheren Gestaltung hätte verzichten können.

Viele Möglichkeiten bietet der Einsatz einer Marginalienspalte wie im Innern des vorliegenden Heftes. Hier wechselt ihre Funktion mehrfach. Hauptsächlich kennzeichnen in der Marginalienspalte Symbole die Art des nebenstehenden Textes: Ein  markiert Sicherheitshinweise; dieses Symbol ist leicht zu entschlüsseln, a) weil es als Verkehrszeichen geläufig ist, b) weil seine Bedeutung beim ersten Vorkommen auf Seite 3 der Anleitung angegeben wurde. Ein  versteht der Leser als Zeichen für "Information"; dieses Symbol hilft nicht weiter, schließlich soll das ganze Heft nichts als Informationen enthalten! Als ebenso nutzlos erweist sich das Symbol : Was soll es bedeuten? Lesen? Darauf müßte man nicht hinweisen, alle Texte in dem Heft muß man lesen… 

Daneben erscheinen in der Marginalienspalte auch Unterüberschriften (z. B. "Fühlerwiderstände" als Teil des Kapitels "Zulässige Abgas-Leitungslängen Fühlerwiderstände, Gerätesicherungen"), eine Wiederholung der Hauptüberschrift ("Technische Daten Domoplus® DPSM 215 C"), Abbildungstitel ("Bedienfeld Domoplus® DPSM 215 C"), die Legende zu einer Abbildung, selbst eine vollständige kleine Abbildung (Stecker). Diese Ansammlung in der Marginalienspalte wirkt letzten Endes etwas wahllos, der Eindruck entsteht, die Marginalienspalte würde für alles genutzt, was woanders keinen Platz mehr gefunden hat. Weniger wäre hier also mehr gewesen.

Zum Inhalt

Wie aus der Titelseite ersichtlich, zerfällt das Heft grundsätzlich in zwei Teile: 
1. Bedienungsanleitung für den Anlagenbetreiber, 
2. Installationsanleitung für den Heizungsfachmann.
Im Inhaltsverzeichnis und im Innern des Heftes wird jedoch nicht mehr stringent zwischen Anlagenbetreiber und Heizungsfachmann unterschieden. Aus dem Inhaltsverzeichnis ist diese Unterscheidung gar nicht zu entnehmen, in den Überschriften der Kapitel im fortlaufenden Text wird nur an zwei Stellen auf die angesprochene Zielgruppe hingewiesen: "Bedienungsanleitung für den Anlagenbetreiber" (= Kap.2) und "Installationsanleitung für den Heizungsfachmann" (= Kap. 3). Wer mit den übrigen Kapiteln 4-13 (Technische Daten; Produktbeschreibung; Installation des Heizkessels; Betriebsbereitstellung; Regelsystem DomoCommand®; Wartung, Funktionsprüfung; Schaltpläne; Störungen; Inbetriebnahmeprotokoll; Abgasleitung, Fühler, Gerätesicherungen) angesprochen werden soll, ist aus den Überschriften nicht ersichtlich. Die Inhalte der entsprechenden Kapitel lassen zumindest bezweifeln, daß sie für den Laien in gleicher Weise relevant sein sollen wie für den Fachmann.

Die Bedienungsanleitung für den Anlagenbetreiber

"Bitte lesen Sie diese Bedienungsanleitung vor der Inbetriebnahme aufmerksam durch." – mit diesem Wunsch beginnt das Kapitel "Bedienungsanleitung für den Anlagenbetreiber". Daß solche Sätze wenig helfen, ist bekannt. Wer Anleitungen sowieso nicht liest, stolpert gar nicht erst über diesen Satz. Wer ihn gelesen hat, muß davon nicht unbedingt beeindruckt werden. Ob er weiterliest, hängt von anderen Dingen ab, z. B. davon, ob er die Informationen bekommt bzw. findet, die er benötigt. Zudem produziert der genannte Satz im vorliegenden Heft eine Unsicherheit: Was ist mit "Bedienungsanleitung" gemeint: nur das Kap. 2 "Bedienungsanleitung für den Anlagenbetreiber" oder das ganze Heft oder das ganze Heft mit Ausnahme von Kap. 3 "Installationsanleitung für den Heizungsfachmann"?

Gehen wir einmal davon aus, daß nur Kap. 2 sich an den Benutzer und damit an Laien wendet. Wie kommt der Laie mit dem für ihn geschriebenen Text zurecht?

Um es vorwegzunehmen: Vieles ist für den Laien klar verständlich, manchmal wird ihm das Verstehen schwerer gemacht als nötig, einige Unsicherheiten werden nach der Lektüre bleiben – ein Zustand, der gerade beim Umgang mit Gas nur schlecht erträglich ist.

Klarheiten: Weitgehend klar ist beispielsweise die Anleitung zur Inbetriebnahme des Brennwertkessels (siehe Bild 1). Die nebenstehende Zeichnung ist allerdings für das Verständnis unabdingbar.

Bild 1: Inbetriebnahme – für Anlagenbetreiber erklärt

Ebenso verständlich ist der folgende Hinweis zum Korrosionsschutz: "Verwenden und lagern Sie keine Lösungsmittel, chlorhaltige Reinigungsmittel, Farben, Klebstoffe usw. im Aufstellraum des Gerätes. Verdunstungen dieser Stoffe können zu Korrosion an Kessel und Abgasanlage führen.". Die Anweisung ist unmißverständlich formuliert, auch auf mögliche negative Folgen wird hingewiesen. Kleines Manko: Formulierungen wie "usw." hinterlassen immer einen Rest von Unsicherheit.

Behinderungen: Das Verständnis wird teilweise durch sprachliche Mängel und Mängel im Layout erschwert. Ein Beispiel für eine umständliche Formulierung: "Es ist eine jährliche Wartung des Brennwertkessels durchzuführen. Diese darf nur durch einen Fachmann erfolgen." In diesen beiden Sätzen verbinden sich Nominalisierung ("Wartung durchführen" statt "warten"), sein + Infinitiv mit "zu" ("ist ... durchzuführen"), Modalverb ("darf") und Agensangabe wie in Passivstrukturen ("durch einen Fachmann") zu einem schwer verständlichen Text.

Das Layout behindert die Verständlichkeit dort, wo nahezu gleichzeitig benötigte Informationen zu weit voneinander entfernt angeordnet sind. So liest man auf S. 4 ungefähr in der Mitte den Hinweis: "Der aktuelle Betriebszustand wird im Display 1a angezeigt." Was mit Display 1a gemeint ist, geht aus einer Abbildung hervor, die sich nicht etwa neben diesem Satz, sondern am unteren Seitenrand dieser Seite befindet. Was die verschiedenen in diesem Display auftretenden Anzeigen bedeuten, ist einer Übersicht zu entnehmen, die sich auf Seite 5 an einer Stelle befindet, an der sie überhaupt nicht gebraucht wird. Der Leser muß sich in diesem Fall also seine Informationen erst mühevoll zusammensuchen.

Unsicherheiten: Beispielsweise enthalten die Sicherheitshinweise unterschiedliche Anweisungen zum Verhalten a) bei Gasgeruch und b) bei Abgasgeruch. Gasgeruch werden die meisten Bediener wohl erkennen. Was fehlt, ist aber eine Erklärung, wie Abgasgeruch zu erkennen ist. Zweites Beispiel: Im Abschnitt "Inbetriebnahme" lautet ein Handlungsschritt "Heizungs-Notschalter einschalten." Aber einen Hinweis darauf, wo dieser Schalter zu finden ist oder wie er aussieht, gibt es nicht.

Die gegebene Anleitung ist offensichtlich nicht "laiensicher". So wundert es nicht, daß das Kapitel "Bedienungsanleitung für den Anlagenbetreiber" geradezu durchsetzt ist von Verweisen auf den Fachmann: 

"Lassen Sie sich von Ihrem Heizungsfachmann die Funktion erklären, und in die Bedienung einweisen." 
"Wie Sie Ihre Heizungsanlage richtig auffüllen zeigt Ihnen gerne Ihr Heizungsfachmann."
"Befragen Sie hierzu Ihren autorisierten Heizungs-Fachbetrieb."
Bleibt zu hoffen, daß eben dieser (der Heizungs-Fachbetrieb/der Heizungsfachmann) besser informiert ist als der Laie.
 

Ulrike Grüne
Stuttgart
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004