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    Die Zielgruppe 

    Ein Buch 

    Überblick verschaffen 

    Die Installation 

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Unter der Lupe

Brother Multifunktionsgerät MFC-730
 

Ein wahres Multitalent soll das Brother MFC-730 sein: Fax, Farbdrucker und Farbkopierer in einem. Doch je mehr ein Gerät kann, desto mehr muss letztlich auch seine Bedienungsanleitung können …

Die Zielgruppe 

Faxgeräte haben inzwischen in die privaten Haushalte Einzug gehalten, auch der eigene Drucker ist für den privaten PC-Besitzer normales Zubehör. Einen Kopierer haben dagegen bisher nur wenige zu Hause stehen. Dennoch könnte das Brother MFC-730 (= Multi-Funktions-Center) auch für Privatpersonen interessant sein. Eher wird man es vermutlich im beruflichen Bereich, im Kleinstbüro antreffen. In beiden Fällen ist der Nutzer allerdings, bezogen auf die technischen Geräte Fax, Kopierer und Drucker, eher Laie, als Berufstätiger eventuell mit mehr oder weniger geringfügigen Vorkenntnissen.

Ein Buch 

Das Benutzerhandbuch, das Brother für sein MFC-730 vorlegt, ist wirklich ein veritables Buch, mit knapp 200 Seiten Umfang, das man ins Regal stellen kann. Das Buch liegt im Format 183 mm x 258 mm hoch vor, der Buchrücken ist immerhin 7 mm stark. Mit seinem stabilen, feuchtigkeitsresistenten Umschlag eignet sich das Buch gut für die langfristige Aufbewahrung.

Damit das Handbuch auch nach längerer Zeit im Regal noch gefunden wird, wäre eine knappe Beschriftung des Buchrückens hilfreich (Angabe der Firma, des Geräts und der Gerätebezeichnung), diese fehlt leider. Auch die Titelseite gibt nicht optimal Aufschluss über den Inhalt des Buches. Was hier fehlt, ist eine Angabe, um was für ein Gerät (Multifunktionsgerät: Fax – Kopierer – Drucker) es hier geht.

Einen Überblick verschaffen 

Das Multifunktionsgerät MFC-730 kann eine ganze Menge: Faxe verschicken und empfangen, vierfarbig drucken und kopieren. Die Anleitung ist dementsprechend umfangreich und komplex, ebenso wie das Gerät selbst und sein Bedienfeld.

Der neue Nutzer des Gerätes steht damit erst einmal vor dem Problem, den Wald zwischen den vielen Bäumen zu finden. 

Orientierung verspricht zuerst einmal das Inhaltsverzeichnis. Allerdings ist es mit sieben Seiten  viel zu umfangreich, um dem Leser eine echte Hilfe zu bieten. Zudem ist es nicht deutlich nach den drei Bereichen Faxen, Drucken, Kopieren gegliedert, so dass es auch etwas mühsam ist, herauszufinden, für welche Funktion des Gerätes jedes einzelne Kapitel denn nun zutrifft.

Immerhin stößt man im Inhaltsverzeichnis auf ein Kapitel, das mehr verspricht: „Auffinden von Informationen“. (siehe Bild 1). Offenbar war auch der Redaktion das Problem der Orientierung durchaus bewusst, so dass man ein eigenes Kapitel dem Finden von Informationen widmete. In dem genannten Kapitel stößt man dann allerdings zuerst einmal wieder auf einen Hinweis aufs Inhaltsverzeichnis, das den Leser ja schon abgeschreckt hatte. Eine weitere Möglichkeit soll das ebenfalls recht umfangreiche Stichwortverzeichnis bieten. Wie gut dieses gelungen ist, soll hier nicht beurteilt werden; bei der kleinen Stichprobe „Fax senden“ versagte es allerdings bereits: Dieses Stichwort war nicht zu finden. Zu einem späteren Zeitpunkt mögen die Funktionstabellen in Kapitel 4 hilfreich sein, für den Neueinsteiger sind sie erst einmal noch nicht relevant. Die ebenfalls empfohlene Funktionstastenübersicht schließlich konnte nicht gefunden werden, sie ist weder in Kapitel 4 noch in Kapitel 1 enthalten. (Beides könnte gemeint sein, das Demonstrativpronomen „dieses“ ist hier doppeldeutig.)

Bild 1: Für den verzweifelten Sucher: das Kapitel "Auffinden für Informationen"

Verzeichnisse und Listen bieten also dem Anfänger kaum eine Hilfe, wie sieht es mit den Abbildungen aus? Auf Seite 3 ist das Bedienungsfeld des Gerätes abgebildet (siehe Bild 2), zusammen mit einer recht ausführlichen Legende. Auch die zu Beginn des Kapitels „Installation“ abgedruckte Zusammenstellung „Gelieferte Teile“ (siehe Bild 3) ist von Nutzen. Der Überblick, den beide Abbildungen zusammen verschaffen, ist aber letztlich nicht komplett. So fehlt eine Abbildung, in der die Teile des Gerätes benannt sind, die weder zum Bedienungsfeld gehören noch lose mitgeliefert werden: Welche Anschlüsse sind am Gerät vorhanden, wo sitzen sie und wie heißen sie? Welche Schächte/Fächer sind vorhanden, wie heißen sie? usw.

Bild 2: Jede Taste hat ihre Aufgabe

Bild 3: Alles da?


Beispiel: Die Installation 

Wenn es an die Installation des Gerätes geht, treten Schwierigkeiten auf, die zum Teil mit dem gerade beschriebenen, mangelnden Überblick zusammenhängen. Weitere Schwächen der Darstellung kommen hinzu. Sehen wir uns einige Details aus dem Kapitel „Installation“ an:

Die Probleme beginnen bereits mit dem Anschließen an das Telefonnetz und ans Stromnetz. Die Anweisungssätze zu diesem Thema auf Seite 7 der Anleitung lesen sich einfach (siehe Bild 4). Allerdings geht aus dem Text noch nicht klar hervor, wo denn angeschlossen werden soll, wo am Gerät also genau der entsprechende Anschluss sitzt. Deshalb wurde auf Seite 8 eine Abbildung beigefügt, die Aufschluss geben soll (siehe Bild 5). Die genannten Seitenzahlen verraten es: Die Abbildung befindet sich auf der Rückseite der Anleitungssätze – eine höchst unsinnige Text-Bild-Zuordnung! Aber auch das Bild selbst stellt die Geduld des Betrachters auf eine harte Probe. Eine viel zu große Menge an Informationen wurde in einem Bild zusammengepackt. Das Labyrinth, das die drei Kabel bilden, ist zur Not noch zu entwirren; um festzustellen, welche Lupe zu welchem Teil des Bildes gehört, braucht der Betrachter dann allerdings noch einmal einiges an Konzentration. Und dann muss noch erkannt werden, was die Lupen denn eigentlich darstellen. Im Falle der beiden Anschlussbuchsen für das Telefonanschlusskabel und das Hörerkabel am Gerät fallen die Lupen klar und eindeutig aus. Aber was zeigt die dritte Lupe von links? Warum sind Teile der Zeichnung gestrichelt gezeichnet? Wo soll das Kabel entlanggeführt werden, wo soll es befestigt werden? Ziemlich nutzlos dürfte auch die Lupe rechts unten im Bild sein, ist doch die Anschlussbuchse, die genutzt werden soll, dort überhaupt nicht zu sehen.

Bild 4: Das Anschließen kann eigentlich nicht so schwierig sein …
 

Bild 5: … oder doch?

Hohe Anforderungen an den Benutzer des Gerätes stellt das Einsetzen der Tintenpatronen, das ebenfalls im Rahmen der Installation erstmals ausgeführt werden muss. Gut vier Seiten benötigt die Anleitung, um den Vorgang zu erläutern. Hier rächt sich, dass der Benutzer nicht mittels einer entsprechenden Gesamtabbildung über das Gerät informiert ist. Wie soll er jetzt folgende Anweisung verstehen: „Öffnen Sie den Gehäusedeckel. Fassen Sie dazu die Grifflasche oberhalb des Dokumenteneinzuges und klappen Sie den Deckel auf. Der Druckkopf bewegt sich nach einigen Sekunden nach links zur Position für den Patronenwechsel.“? Es ist nicht bekannt, was der Gehäusedeckel ist, wo der Dokumenteneinzug sitzt und wie der Druckkopf aussieht. Für den nicht vorinformierten Benutzer wird die Bedienung hier zum Trial-and-Error-Verfahren.

Dies ist umso gravierender, als das Einsetzen der Tintenpatronen für den Bediener Risiken mit sich bringt, wie die Warnhinweise nahezu am Ende dieses Kapitels verdeutlichen: „Falls Tinte in Ihre Augen gelangt, sollten Sie sie sofort mit Wasser auswaschen und im Zweifelsfall einen Arzt aufsuchen.“, „Sie sollten die Patronen nicht schütteln, weil sonst beim Entfernen des Klebebandes Tinte auf Ihre Kleidung und Hände spritzen kann. Falls Tinte auf Kleidung oder Hände gelangt, sollten Sie diese sofort mit Seife oder Waschmittel abwaschen.“ An diesen Stellen wäre dringend eine Information nötig, was die Tinte in den Augen, auf der Haut oder auch auf der Kleidung anrichtet bzw. anrichten kann. Davon abgesehen, sind die Warnungen am Ende des Kapitels auch noch falsch platziert. Sie müssten bei den Handlungsschritten eingefügt werden, bei denen die Gefahr des Bespritzens mit Tinte besteht, also spätestens beim Öffnen der Tintenpatronen.

Auch die eingefügten Abbildungen (ein Beispiel zeigt Bild 6) sind wenig geeignet, die nötigen Handgriffe zu veranschaulichen. In der hier wiedergegebenen Abbildung ist beispielsweise kaum zu erkennen, was die Finger der Hand eigentlich greifen. Laut Anleitungstext soll der abgebildete Schalter nicht heruntergedrückt werden, wie dies aber vermieden werden kann, ist nicht ersichtlich. Auch die Bedeutung der gestrichelten Linie in der Lupe bleibt ungeklärt.

Bild 6: Kleiner Schalter unter dicken Fingern
 
 

Ulrike Grüne
Stuttgart

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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004