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Das Grammatik-Modell
 
X-bar-Theorie
 
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Sprachlabor

Syntax

Das Grammatik-Modell

Um die strukturellen Gemeinsamkeiten zwischen allen (deutschen) Sätzen zu erfassen, haben wir angenommen, daß alle Sätze auf eine ihnen zugrundeliegende Struktur (= D-Struktur) bezogen sind, aus denen die tatsächlich vorkommenden Sätze abgeleitet werden.
So lässt sich etwa sehen, dass die folgenden Sätze wesentliche Eigenschaften gemeinsam haben. 
 

  dass  die Katze  gern auf dem Sofa  gelegen  hat
  Hat  die Katze  gern auf dem Sofa  gelegen  
Die Katze hat  gern auf dem Sofa gelegen  
Gern hat  die Katze    auf dem Sofa gelegen  
Auf dem Sofa hat  die Katze  gern   gelegen  
Gelegen  hat  die Katze  gern auf dem Sofa    

Unterschiedlich scheint hingegen die Wortstellung zu sein, und es stellt sich die Frage, auf welche Art und Weise der Übergang von der D-Struktur zur S-Struktur zu konzipieren ist.

Die D-Struktur ist durch die Prinzipien der X-bar-Theorie und der Theta-Theorie definiert.
Da nicht alle tatsächlich möglichen grammatischen Sätze mit der Konstituenten-Abfolge der D-Struktur identisch sind, benötigt man eine zweite Ebene auf der auch diese Konstituenten-Abfolgen repräsentiert werden können: S-Struktur.

Beide Strukturebenen werden durch das Konzept der Bewegung aufeinander bezogen, d.h.: Die S-Struktur unterscheidet sich von der D-Struktur nur dadurch, daß Konstituenten (in bestimmter Weise) verschoben wurden. Einen Bewegungsprozeß bezeichnen wir als move alpha, d.h. bewege irgendeine Konstituente. 
 

 
Welche Satzstruktur setzt man sinnvollerweise nun als D-Struktur für das Deutsche an: V/1-Satz, V2/Satz oder V/E-Satz? Mit anderen Worten: Wo steht das finite Verb im Deutschen eigentlich? 

Dazu können wir die folgenden Beobachtungen machen: 
- Infinite Verben stehen immer rechts: 

  • weil Otto das Haus baut 
  • weil Otto Peter das Haus zu bauen hilft 
  • weil Otto Peter das Haus zu bauen helfen will 
  • weil Otto Peter das Haus zu bauen helfen wollen wird 
  • weil Otto Peter das Haus zu bauen helfen wollen werden wird 
- Trennbare Präfixverben stehen im Nebensatz in Endposition, im Hauptsatz steht der finite Teil an zweiter Position, während das Päfix in der Endposition verbleibt:
  • ..., daß Karl das Glas in einem Zug austrinkt
  • Karl trinkt das Glas in einem Zug aus
  • *Karl austrinkt das Glas in einem Zug. 
Fazit: Verben stehen im Deutschen generell rechts. Wenn Sie finit sind, und der Satz nicht von einer Konjunktion eingeleitet wird, steht das Verb an der Position, an der die Konjunktion stehen würde, wenn sie vorhanden wäre. 

Wenn nun auf der D-Struktur alle Konstituenten dort stehen sollen, wo sie gemäß ihrer intrinsischen Eigenschaften hingehören, so müssen wir annehmen, daß die zugrundeliegende Struktur deutscher Sätze SOV-Stellung aufweist, denn Verben stehen rechts. (Das Englische hat SVO-Stellung!) Die D-Struktur deutscher Sätze ist also mit dem V/E-Satz identisch. 

X-bar-Theorie

Welche Bewegungen sind notwendig, um die Hauptsätze abzuleiten?: 

Kopfbewegung: Das finite Verb wird von V0 nach I0 und von dort aus nach C0 bewegt (head movement). 
Bei dieser Bewegung wird ein Kopf aus einer Kopfpostion in eine weitere Kopfposition und von dort aus wieder in eine Kopfposition bewegt. 

non-A-Bewegung: Bewegt eine Konstituente (keinen Kopf!) aus dem Mittelfeld in die Position SpC (Vorfeld!). 
Da dieser Position niemals eine Theta-Rolle zugewiesen werden kann, ist diese Position keine Argument-Position (A-Position), sondern eine Nicht-Argument-Position (non-A-Position). Gelegentlich wird diese Bewegung auch wh-Bewegung genannt, weil Fragepronomina (w-Pronomina, engl.: wh-pronouns) in einfachen Ergänzungsfragen obligatorisch in die SpC-Position bewegt werden müssen. 
 


Zwei weitere Arten der Bewegung 

A-Bewegung: siehe weiter unten. 
Extraposition (Ausklammerung ins Nachfeld): Bewegung einer (Satz-) Konstituente ins Nachfeld. X-bar-theoretisch gesehen muß dabei eine Rechts-Adjunktion an IP vorgenommen werden. 
Anwendung des X-bar Schemas ergibt die folgende Struktur, in der wir nun ebenfalls die topologischen Felder identifizieren können. Bemerkenswert ist dabei, daß die jeweiligen Positionen, die wir im Modell der topologischen Felder unterschieden haben, durch die davon völlig unabhängigen Prinzipien der X-bar-Theorie abgeleitet worden sind. 


 

Horst Lohnstein
 


Wird fortgesetzt. (Die Redaktion)
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004