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Design von Texten

Dinge für den Benutzer sichtbar machen
 

"Informationsdesign" und "Informationsarchitektur" sind relativ neue Bezeichnungen für Aspekte der äußeren und inhaltlichen Gestaltung von Informationssystemen. Wir wollen hier Informationsdesign auf Texte anwenden, im Sinne der Forderung "Dinge für den Benutzer sichtbar machen" (Norman 1988). Wir gehen davon aus, dass Autoren es den Lesern leicht machen wollen, ihre Texte zu verstehen, und dazu die Texte benutzungsfreundlich gestalten. 

Aus der Psychologie sind die Gestaltgesetze bekannt (vgl. Schulz 1998, 100ff.), darunter die Gesetze der Gleichheit, Symmetrie, Nähe, der guten Fortsetzung, der geschlossenen Form, des gemeinsamen Schicksals (vgl. Uni Bremen: die Gestaltgesetze ). 

Es gibt einleuchtende Beispiele für ihre Anwendung auf Texte: 

Nähe: was nahe beieinander steht, gehört zusammen. So sollte der Abstand einer Überschrift zum vorangehenden Text größer sein als zum folgenden. Eine Bildunterschrift sollte so nahe beim Bild stehen, dass man sie sofort als zum Bild gehörig erkennt. Anführungsstriche sollen den angeführten Text eng umschließen, d.h. der Abstand zum umgebenden Text soll größer sein als der zum umschlossenen Text (siehe obiges Beispiel).

Gleichheit: was gleich aussieht, gehört zusammen bzw. in eine gemeinsame Klasse oder hat dieselbe Funktion. Die Elemente einer Aufzählung werden z.B. durch ein gemeinsames Symbol (Spiegelstriche) gekennzeichnet. Mittel der Textauszeichnung wie Fettdruck oder Unterstreichung sollten insofern konsistent eingesetzt werden, als damit immer das Gleiche ausgedrückt werden soll, z.B. die Markierung wichtiger Wörter oder die Hervorhebung von Zitaten.
Gute Fortsetzung bzw. gemeinsames Schicksal: Dass die hier vorliegenden vier Absätze gemeinsam und auf gleiche Höhe eingerückt sind sowie durch einen fett gedruckten Begriff eingeleitet werden, deutet ihre gemeinsame Funktion als Teile einer Aufzählung, als gleich gewichtete Elemente einer Menge an.

Geschlossene Form: Zusammengehörigkeit oder Abgeschlossenheit kann auch durch graphische Elemente (Linien, Umrandungen) ausgedrückt werden, z.B. bei aus dem laufenden Text ausgegliederten ergänzenden Informationen.

Eine gute Strukturierung macht einen Text lesbarer und besser verstehbar. Durch Absätze, Einrückungen, Aufzählungen, (Zwischen-)Überschriften etc. kann der Autor die inhaltliche Struktur seines Textes, seine Argumentation, zusammen Gehöriges und voneinander Getrenntes deutlich machen. 

(Vor allem längere) Aufzählungen sollte man nicht in den laufenden Text einfließen lassen, sondern von diesem abheben. Eine gute Strukturierung ermöglicht es dem Leser, schneller den (groben) Inhalt zu erfassen als im Falle eines unstrukturierten Textes. Es gibt allerdings Schulen des Schreibens, die für vollkommen unstrukturierte Texte plädieren, vielleicht auch deswegen, um den Leser zu einer intensiveren, sequentiellen Beschäftigung mit dem gesamten Text und seiner Argumentation zu zwingen. 

Ein gutes, wenn auch mit Vorsicht einzusetzendes Darstellungsmittel ist die Textauszeichnung: fett, kursiv, unterstrichen. Wichtig ist hier, dass man diese Mittel sparsam und konsistent einsetzt: sparsam, um den Lesefluss nicht zu stark zu hemmen, und konsistent, um den Leser nicht zu verwirren. Eine Textauszeichnung sollte in einem Text immer dasselbe bedeuten: die Hervorhebung eines wichtigen oder neu eingeführten Begriffs, Namen von Personen, Literaturangaben u. dergl.

Möchten Sie mehr zu diesem Thema lesen, dann klicken sie bitte hier. Nachfolgend das gesamte Themengebiet:

· Die Bedeutung von Sprache für Informationssysteme 
· Zum Design von Text(en) 
· Die Interpunktion: Komma, Gedankenstrich / Bindestrich 
· Die Notwendigkeit der syntaktischen Analyse 
· Über Komposita 
· Zur Groß-/Klein-Schreibung 
· Das das/dass-Problem 
· Die Apposition
 

Heinz-Dirk Luckhardt

 
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 23.03.2005