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Die haftungssichere Dokumentation

- gibt es die eigentlich?
 

Lassen wir uns doch einmal gemeinsam auf ein Szenario ein. Es ist Samstag, wir haben ein wenig Muse und bummeln durch die Reihen endloser Bücher einer Fachbuchhandlung in Stuttgart. Eine Buchautorin signiert vor einem kleinen interessierten Auditorium ihr neuestes Werk. Es handelt von der haftungssicheren Dokumentation. Wir nehmen das Buch zur Hand und blättern ... gedankenvoll. Fragen tauchen auf. Wir denken nach.

Offensichtlich heißt das Schlüsselwort »haftungssicher«. Was stellen wir uns darunter vor? 

Versuchen wir es mit einer Analogie: einbruchssicher. Ein Schreiner verkauft uns gerne seine einbruchssichere Türe. Aber bevor er uns die Ware übergibt, erklärt er uns, was er darunter versteht. Vielleicht teilt er uns mit, dass diese Tür nur eine gewisse Zeit einem Einbruchsversuch standhält. Und auch die Werkzeuge, mit der ein Einbrecher auf die Türe los geht, reglementiert der Schreiner. Das ist verständlich - und warum? Weil wir aus unserer allgemeinen Lebenserfahrung her wissen, dass es auch für eine einbruchssichere Türe Grenzen gibt. Spätestens wenn der Einbrecher mit einer Raupe gegen die Türe fährt, verliert diese Türe jene Eigenschaft, weswegen wir sie ursprünglich gekauft haben.

So, nun zurück zu unserem ursprünglichen Schlüsselwort: haftungssicher.

Dieses Schlüsselwort drückt aus, dass irgendjemand vor einer Haftung sicher sein kann, also im Falle eines Falles nicht haften muss. Dieser irgendjemand kann ein Technischer Redakteur sein - angestellt oder selbstständig - oder eine Rechtspersönlichkeit wie dies bei einer GmbH oder AG der Fall ist. In unserem besonderen Falle zielt die Eigenschaft »haftungssicher« auf den Bereich der Dokumentation.

Haftungssicherheit setzt also voraus, dass irgendjemand nicht haften muss. Wann muss denn gehaftet werden? Einfach ausgedrückt: Wenn irgendjemand sich etwas zu Schulden kommen lässt..Wenn also ein Verschulden vorliegt. Ob ein Verschulden vorliegt, regeln Gesetze. Die Juristen nennen das verschuldensabhängige Haftung. Es gibt auch das Gegenteil. Die verschuldensunabhängige Haftung. Sie manifestiert sich z. B. im Produkthaftungsgesetz.

Bleibt die Frage zu beantworten: Können wir uns vor einer Haftung »drücken«? Die Antwort lautet schlicht und einfach: nein. Aber wir können darauf hinarbeiten, möglichst fehlerfrei (im Sinne des Gesetzes) Dokumentationen zu erstellen. Das bedeutet nicht, sich ein bisschen Kenntnis von einem Produkt zu verschaffen und dann los zuschreiben. In einem möglichen Haftungsfall muss derjenige, den es angeht, nachweisen, wie sorgfältig er gearbeitet hat. Im Einzelnen heißt das für ein Produkt, das unter die Maschinenrichtlinie fällt: Zuerst ist eine Produktanalyse durchzuführen, dann muss eine Zielgruppenanalyse erstellt werden. Regelwerke sind zu recherchieren, Gefahrenanalyse und Risikobeurteilung folgen. Eine so genannte interne Dokumentation ist zu erstellen, die Kennzeichnung ist zu ermitteln und dann geht es erst an die Betriebsanleitung.

Wenn wir dies alles tun, dann sind wir auf dem Weg zu einer haftungssicheren Dokumentation. Und so heißt der Titel des Buches von Andrea Rögner: Der Weg zur »haftungssicheren« Dokumentation. Ein Titel, den man nach Kenntnis des Inhalts dieses Werks voll unterschreiben kann. Es führt den Leser durch alle erforderlichen Arbeitsschritte (von der Konzeption bis zur Auslieferung eines Maschinenbauproduktes) und enthält viele der erforderlichen Werkzeuge wie Checklisten und Formulare

Bibliografische Daten
ISDN 3-930055-07-4
Matthias Schulz 
Fachverlag für technische Dokumentation, Abtsgmünd
  

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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 25.05.2005