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 Inhalt: 
 
 

     Das Äußere 

     Der Inhalt 

     Ein Beispiel 

     Kurz und knapp 

     Fazit 

     Autor 
 
 

Unter der Lupe 
 

Gebrauchsanleitung für die Discrette plus (Epilierer mit Rasieraufsatz) 

Diesmal kommt unser Anschauungsobjekt aus dem Kosmetikbereich: ein Epilierer (Haarentferner) – ein Gerät, das nicht jeder – bzw. in diesem Fall jede – tagtäglich und selbstverständlich im Einsatz hat, ein Gerät also, dessen Anwendung erst erlernt werden muss. Die Gebrauchsanleitung ist somit für die Käuferin bzw. Benutzerin unverzichtbar. 

Das Äußere der Anleitung 

Die Unterlagen sind zweiteilig: Es gibt eine Kurzanleitung auf einem Zettelchen im Format 11,2 cm x 16,7 cm (hoch) sowie eine ausführlichere Anleitung. Die ausführliche Fassung ist – in sechs Varianten für sechs Sprachen – auf einem Faltblatt untergebracht, das, auseinandergefaltet, so aussieht (Bild 1): 

 
Bild 1 : Vorder- und Rückseite des entfalteten Faltblatts 

Gefalzt hat es die Maße 9 cm x 16 cm. Oben liegt dann die Titelseite, auf der Rückseite befinden sich Abbildungen. Nach dem ersten Aufklappen hat man die italienischsprachige Anleitungsversion vor sich, nach dem nächsten Aufklappen die englische und die spanische Fassung. Die deutschsprachige Anleitung wird – zusammen mit der französischen und der niederländischen – erst nach einem weiteren Aufschlagen vorgefunden; jetzt ist das Faltblatt vollkommen ausgebreitet. Die Abbildungen, auf die im Text wiederholt verwiesen wird, sind nicht mehr zu sehen, ohne das Blatt zu wenden. 

Die Sprachenteile sind jeweils mit einem Hinweis am Anfang gekennzeichnet, insbesondere bei der niederländischen Version fällt es allerdings nicht so leicht, die zweite „Seite“ zu finden, da sie sich, anders als bei allen anderen Versionen, nicht neben, sondern unter der ersten befindet. 

Auffällig schließlich noch die Tatsache, dass für die deutsche und für die französische Fassung drei „Seiten“ benötigt wurden, für alle anderen nur zwei. Ist der deutsche bzw. französische Text länger? Anscheinend nicht. Vielmehr hat man den Eindruck, dass die Redaktion den Text anders nicht verteilen konnte. Um jeweils ganze „Seiten“, seien es nun zwei oder drei, füllen zu können, wurden für jeden Teil unterschiedliche Schriftgrößen und Laufweiten sowie unterschiedliche Zeilen- und Absatzabstände verwendet. 

Der Inhalt 

Angesichts der Kürze der Anleitung erübrigt sich ein Inhaltsverzeichnis. Auf einen einleitenden Absatz ohne gesonderte Überschrift folgen Absätze zu den Themen: 

  • Vor der Benutzung
  • Vorbereiten des Gerätes
  • Benutzen des Epilierkopfes
  • Haare aus der Kniekehle entfernen
  • Benutzung des Rasierkopfes
  • Nach der Benutzung
  • Reinigung und Wartung
  • Reinigung des Epilierkopfes
  • Reinigung des Rasierkopfes
  • Wichtig!
  • Geräteteile
Die für die einzelnen Absätze gewählten Überschriften sind leider zum Teil nicht besonders aussagekräftig. So ist auf den ersten Blick nicht einleuchtend, wie sich die Kapitel „Vor der Benutzung“ und „Vorbereiten des Gerätes“ unterscheiden sollen. Beim Lesen stellt sich dann heraus, dass es im Kapitel „Vor der Benutzung“ darum geht, wie die Benutzerin sich selbst auf die Behandlung vorbereiten soll. Auch das Kapitel „Nach der Benutzung“ bezieht sich ausschließlich auf die Benutzerin, nicht auf den Epilierer. Nichts sagend ist die Kapitelüberschrift „Wichtig!“ Darunter verbergen sich Sicherheitshinweise sowie ein Entsorgungshinweis. 

Das Kapitel „Geräteteile“ enthält nichts anderes als die zu den Abbildungen gehörende Bildlegende. Diese wäre bei den Abbildungen besser untergebracht; da sich die Abbildungen auf der anderen Seite des Blattes befinden, fehlt so der Bezug. 

Ein Beispiel 

Text und Bild zusammen sollen die Benutzung des Epilierers erklären. Wie weit das hier funktioniert, soll an einem Beispiel, dem Kapitel „Benutzen des Epilierkopfes“ (siehe Bild 2) und den zugehörigen Abbildungen (siehe Bild 3) gezeigt werden: 

 
Bild 2 

 
Bild 3 

Eine wesentliche Schwachstelle der Anleitung liegt, wie gesagt, in der Gestaltung: Abbildungen und Text befinden sich, je nach Sprache, mehr oder weniger weit voneinander entfernt. Deutschsprachige Benutzerinnen müssen das Blatt hin- und herwenden – das ist nicht akzeptabel. 

Der Anleitungstext ist auf den ersten Blick klar formuliert. Dennoch wird die Anleitung nicht auf Anhieb sicher verstanden – wobei „nicht sicher“ meint: Die Anleitung wird verstanden, aber es bleiben Zweifel, ob sie richtig oder womöglich unvollständig oder gar missverstanden wurde. 

Die ersten beiden Punkte des Kapitels (Haut spannen, Gerät senkrecht aufsetzen) sind unmissverständlich, ebenso die letzten beiden Punkte (Kreisbewegungen, kein Druck). Die beschriebene Restunsicherheit betrifft das Einschalten. Die Ursache für diese Verständniszweifel dürften in den Abbildungen zu finden sein. Der Anleitungstext scheint klar verständlich: „Drücken Sie die rosafarbene Sicherheitstaste in der Mitte des Schalters, und schalten Sie das Gerät mit der gewünschten Geschwindigkeit ein (Abb. 3).“ In Abbildung („Fig.“) 3 ist kaum etwas Relevantes zu erkennen: Der Schalter wird von einem Daumen verdeckt. Dass sich innerhalb des Schalters noch eine Taste befinden soll, ist anhand der Abbildung kaum vorstellbar. Auch wie die Geschwindigkeit eingestellt werden soll, lässt die Abbildung nicht erkennen. Der Pfeil nach oben mag die Schaltbewegung symbolisieren. 

Ein wenig weiter hilft die Abbildung des Geräts im unteren Teil der Abbildungsseite. E und F sind – laut Legende – Ein- und Ausschalttaste und Sicherheitstaste. Aber auch hier ist nicht zu ersehen, wie die Geschwindigkeit geregelt werden soll. Ungünstig wirkt sich auch die inkonsequente Verwendung der Begriffe aus: Im Kapitel „Benutzen des Epilierkopfes“ ist von einem „Schalter“ die Rede, im Kapitel „Geräteteile“ von einer „Ein- und Ausschalttaste“; unter einem Schalter stellt man sich etwas anderes vor als unter einer Taste. 

Vermutlich lassen sich die hier genannten Verständnisschwierigkeiten mit dem Gerät in Händen umgehen; dennoch würden klare Abbildungen, die das Gerät adäquat wiedergeben und zueinander wie auch zum Text passen, das Verstehen sicherlich fördern. 

Kurz und knapp 

Für die eilige Leserin bietet die auf einem kleinen Zettel beigefügte Kurzanleitung (siehe Bild 4) „das Wichtigste auf einen Blick“ – oder sie soll das wenigstens tun. 

 
 
 
Bild 4: Bedienung in drei Sätzen 

Die Niederländerinnen bekommen diesen Zettel anscheinend nicht, oder man geht davon aus, dass sie Fremdsprachen können. Alle anderen müssen wenigstens Englisch können, sonst verstehen sie die Überschrift nicht – vielleicht kein Verlust, so inhaltsschwer ist sie ja nun auch wieder nicht. Die ausgewählten Anleitungspunkte sind dann sinnvoll, wenn man davon ausgeht, dass die Benutzerin den Zettel neben sich liegen hat, während sie den Epilierer benutzt. Zur Vorbereitung und auch zur Nachbereitung, also zum Reinigen des Geräts, muss sie dann wieder auf die ausführliche Anleitung zurückgreifen. 
Bedenklich ist allerdings, dass die Kurzanleitung keinerlei Sicherheitsaspekte berücksichtigt. Immerhin besteht die Gefahr von Verletzungen, wenn Sicherheitshinweise (z. B. nicht benutzen bei offenen Wunden oder Blasen, nicht in der Badewanne benutzen, vom Kopfhaar entfernt halten) nicht beachtet werden. Es sollte geprüft werden, ob es unter diesem Aspekt nicht besser wäre, auf die Kurzanleitung zu verzichten, zumal sie sowieso keine Informationen enthält, die die Benutzerin nicht nach einigen Anwendungen auch im Kopf haben könnte. 

Fazit 

Obwohl der Anleitungstext selbst durchaus verständlich formuliert ist, wird der Benutzerin der Discrette plus einiges zugemutet. Dauerndes Hin- und Herwenden des Blattes ist ein Ärgernis, und auch die Abbildungen sind dem Zweck der Anleitung nicht immer förderlich. 
 

Ulrike Grüne
Stuttgart
 

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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004