Home Previous Zeitschrift 2001/06 Next Archiv Index
 
  Inhalt:
 
 
Das Äußere
 
Der Inhalt
 
Auspacken
 
Für PC und Mac
 
Probleme bei älteren Computern
 
Kein Fazit
 
Autor
 

 

Unter der Lupe

Schnellstart-Anleitung für einen Farbtintenstrahldrucker 

Online ist „in“, so scheint es. Doch selbst wenn es um EDV geht, hat Gedrucktes durchaus noch seine Berechtigung. Ein sinnvolles Miteinander von auf Papier vorliegenden und online zugänglichen Informationen ist bisher nicht so einfach herzustellen, wie sich auch am Beispiel der vorliegenden (gedruckten) Anleitung für den Epson Stylus Color 900 zeigt.

Das Äußere

Die Benutzerdokumentation für den Farbtintenstrahldrucker Epson Stylus Color 900 besteht aus einer gedruckten Schnellstart-Anleitung, einer auf CD-ROM mitgelieferten Online-Dokumentation sowie einer Online-Hilfe, die zusammen mit der Druckersoftware installiert wird – eine Dreiteilung, die im Bereich EDV-Hard- und Software inzwischen weit verbreitet ist. Die Schnellstart-Anleitung wird der Nutzer gerade zu Anfang zu Rate ziehen müssen, wenn er auf die Online-Hilfe noch keinen Zugriff hat und eventuell – bei zeitgleicher Anschaffung von Drucker, Rechner, Bildschirm usw. – auch die beigefügte CD-ROM noch nicht lesen kann.

Bei der Schnellstart-Anleitung handelt es sich um ein circa 100 Seiten starkes Buch im DIN-A5-Format mit Rückendrahtheftung. Das Buch umfasst Anleitungen in Deutsch, Englisch, Französisch und Niederländisch, die jeweils einzeln von 1 bis 28/24/26 durchpaginiert sind. Ein aufgedrucktes Register erleichtert es, die gewünschte Anleitung zu finden. Dem schnellen Auffinden der gesuchten Informationen dient ferner ein jedem Teil vorangestelltes Inhaltsverzeichnis.

Gedruckt wurde in Schwarzweiß, lediglich für den Umschlag hat man sich für Vier-Farb-Druck entschieden – nahe liegend, denn immerhin handelt es sich um die Anleitung für einen Farbdrucker und dementsprechend ist auf der Titelseite der Drucker mit einem fertigen Druck abgebildet.

Zum reinen Anleitungstext kommen verschiedene Abbildungen und Symbole. (Die verwendeten Symbole sind zu Beginn der Anleitung erklärt.) Bei den Abbildungen handelt es sich teilweise um einfache Strichzeichnungen, teilweise um Strichzeichnungen mit zusätzlichen grauen Flächen. Die Größe der Abbildungen und damit auch die Erkennbarkeit der Details wechselt, zum Teil ist sie unzureichend.

Der Inhalt

Was die Schnellstart-Anleitung leisten soll, haben die Verfasser zu Beginn selbst definiert: Sie „liefert grundlegende Informationen zum Aufstellen des Druckers, zum Installieren der Druckersoftware und über den Zugriff auf die Online-Dokumentation.“ Außerdem erhält der Leser „Anweisungen für den täglichen Gebrauch des Druckers.“
Dem entspricht das Inhaltsverzeichnis. Der Schwerpunkt liegt auf der Aufstellung und Installation des Druckers:

  • Wo Sie Informationen finden S. 4
  • Sicherheitshinweise S. 4
  • ENERGY STAR-Kompatibilität S. 6
  • Handbuch-Konventionen S. 7
  • Systemvoraussetzungen S. 7
  • Drucker aufstellen (mit sechs Unterkapiteln: Drucker auspacken, Papierstütze installieren, Drucker an die Stromversorgung anschließen, Tintenpatronen installieren, Drucker an den Computer anschließen, Druckersoftware installieren) S. 9
  • Drucken S. 20
  • Druckkopf reinigen S. 23
  • Empfehlungen zu Tintenpatronen S. 24
  • Online-Handbücher verwenden S. 24
  • Kundendienst S. 27
Die Anleitung erhebt in keiner Weise den Anspruch von Vollständigkeit. Für weitere Informationen wird auf die Online-Handbücher verwiesen.

Auspacken

Der Schnellstart-Anleitung ist ein loses Hinweisblatt beigefügt. Unter der Überschrift „Achtung! – Caution! – Attention! – Let op!“ soll hier mit drei Abbildungen gezeigt werden, wo/wie Transportsicherungen und Verpackungsmaterial zu entfernen sind (siehe Bild 1). Leider sind die Transportsicherungen und die Pfeile, die für das Entfernen vom Gerät stehen, so klein und blass geraten, dass man nicht davon ausgehen kann, dass der Leser alle Transportsicherungen finden und entfernen wird. Die Gefahr, Sicherungen in den Abbildungen zu übersehen, ist erheblich. Insbesondere in der dritten Abbildung ist einer der beiden Pfeile (rechts oben) kaum zu erkennen. 

Bild 1: Allenfalls vage Andeutungen zum Entfernen der Transportsicherungen

Nähere Informationen mag sich der verunsicherte Leser aus anderer Quelle versprechen, denn am Schluss des Blattes heißt es ja: „Nähere Informationen zum Auspacken des Druckers erhalten Sie im Schnellstart.“ Was der Schnellstart ist, mag fraglich erscheinen; man kann aber wohl mit gutem Grund vermuten, dass die Schnellstart-Anleitung, also genau die Anleitung, die unter unserer Lupe liegt, gemeint ist. Die auf dem Hinweisblatt gemeinte Stelle ist dank Inhaltsverzeichnis im Unterkapitel „Drucker auspacken“ bald gefunden, nur nähere Informationen sucht man dort vergeblich. Stattdessen heißt es auf S. 9: „Bevor Sie den Drucker aufstellen und an das Netz anschließen, müssen Sie die Transportsicherungen und das Verpackungsmaterial vollständig entfernen. Befolgen Sie dabei die Anweisungen auf dem im Drucker befindlichen Hinweisblatt.“ – Hier erübrigt sich wohl jeder Kommentar.

Für PC und Mac

Der Drucker ist für den Anschluss sowohl an einen PC als auch an einen Macintosh geeignet. Entsprechend zieht sich durch einen Großteil der Anleitung eine Zweiteilung. Das Kapitel „Systemvoraussetzungen“ ist in die Unterkapitel „Für PCs” und „Für Macintosh” gegliedert. In diesem Fall gelingt eine deutliche Unterscheidung, so dass der Leser die Kapitel, die ihn nicht betreffen, einfach überspringen kann.

Bei der Aufstellung des Druckers ist die Unterscheidung in PC und Mac zunächst ohne Belang, aber eben nur zunächst. Wenn es darum geht, den Drucker an den Computer anzuschließen sowie die Druckersoftware zu installieren, kommt diese Unterscheidung wieder ins Spiel. Leider ist es hier nun nicht mehr so klar gelungen, zwischen PC und Mac zu differenzieren:

Im Kapitel „An eine parallele Schnittstelle anschließen” ist quasi selbstverständlich nur vom PC die Rede, im Kapitel „An eine serielle Schnittstelle anschließen” nur vom Macintosh (siehe Bild 2). Auch wenn es nahe liegt, dass man den Drucker beim PC an eine parallele und beim Mac an eine serielle Schnittstelle anschließt, würde es doch der Übersichtlichkeit zugute kommen, wenn die Unterscheidung PC versus Macintosh gleich aus der Überschrift ersichtlich wäre.

Bild 2: Serielle Schnittstelle – aha, es geht um einen Mac!

Das Kapitel „An eine USB-Schnittstelle anschließen“ ist für PC und Mac von Belang. Allerdings sind Unterschiede zu beachten, die auch in diesem Kapitel wieder „nebenbei“ erwähnt werden. Das Kapitel beginnt mit dem Hinweis „Stellen Sie bei Verwendung eines PC sicher, daß im Geräte-Manager der Controller für den universellen seriellen Bus korrekt arbeitet, bevor Sie das USB-Schnittstellenkabel anschließen.“ Und wie sieht es beim Macintosh aus? Relevant wird die Unterscheidung PC – Mac dann noch einmal am Ende des Kapitels. Dort stößt man auf zwei kurze Absätze, die sich einer dem PC, einer dem Mac widmen: „Nach dem Anschluß des Druckers an einen PC erfolgt die Installation der Epson USB-Druckertreiber und der Druckersoftware. Hinweise dazu finden Sie im folgenden Abschnitt.“ und „Nachdem Sie den Drucker an Ihren Macintosh angeschlossen haben, müssen Sie die Druckersoftware installieren und den USB-Schnittstellenanschluß für Ihren Drucker im Fenster Auswahl auswählen.“ Die beiden Abschnitte wurden ohne jede Hervorhebung, Überschrift o. Ä. einfach lapidar hintereinander gesetzt – ein Verfahren, das der Übersichtlichkeit abträglich ist. Der Leser muss Text lesen, der für ihn irrelevant ist, um seine Informationen zu finden.

Probleme bei älteren Computern

Unter „Systemvoraussetzungen“ ist zu lesen, dass der Drucker an 386er-Computer mit dem Betriebssystem Windows 3.1x angeschlossen werden kann, mithin also an schon recht betagte Modelle. Diese verfügen nicht unbedingt über ein CD-ROM-Laufwerk – ein Problem, das den Verfassern der Schnellstart-Anleitung offenbar bewusst war, wie folgender Hinweis im Kapitel „Druckersoftware installieren“, Unterkapitel „Windows 3.1x mit paralleler Schnittstelle“, zeigt: „Verfügt Ihr System nicht über ein CD-ROM-Laufwerk, können Sie zu Installationszwecken eine Diskettenversion der Druckersoftware anfertigen.“ Leider wird in der Folge aber nicht erklärt, wie der Nutzer, der kein CD-ROM-Laufwerk hat, dies zu Wege bringen soll. 

Benötigt wird ein CD-ROM-Laufwerk auch, um die mitgelieferten Online-Handbücher lesen zu können, darunter das Benutzerhandbuch, das angeblich ausführliche Informationen zum Stylus Color 900 enthalten soll. Wer kein CD-ROM-Laufwerk hat, kann diese Informationen nicht nutzen. Den Autoren des Kapitels „Online-Handbücher verwenden“ ist das Problem, wie es scheint, nicht klar gewesen, denn hier findet sich nicht einmal der Versuch, eine Alternative anzubieten.

Jedenfalls hindert die Tatsache, dass nicht jeder Besitzer des Druckers Zugriff auf die Online-Handbücher hat, die Autoren der Schnellstart-Anleitung nicht, explizit auf die Online-Handbücher zu verweisen. So heißt es auf Seite 23 der Anleitung (Kapitel „Druckkopf reinigen“) beispielsweise: „Hinweise zum Austauschen einer alten oder beschädigten Tintenpatrone erhalten Sie im Online-Benutzerhandbuch.“ Wer dort nicht nachschauen kann, der kann sich ja immerhin noch an seinen Händler wenden! Aber auch in vielen anderen Fällen, in denen nicht ausdrücklich auf das Online-Benutzerhandbuch verwiesen wird, bleibt dem Nutzer nichts anderes übrig, als sich dort zu informieren – schließlich ist die Schnellstart-Anleitung alles andere als umfassend. 

Kein Fazit

Die vorliegende Schnellstart-Anleitung ist für sich kaum bewertbar, die Online-Handbücher ebenso wie die Online-Hilfe müssten hinzugezogen werden. 
 
 

Ulrike Grüne
Stuttgart
Zum Seitenanfang
 

© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004