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Das Äußere
 
„Zu Ihrer Sicherheit“
 
Sicherheit „von Fall zu Fall“
 
Separate Sicherheitshinweise
 
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Unter der Lupe

Bedienungsanleitung und zugehörige Sicherheitshinweise für Multimaster MSxe 636 II 

Von vielen Maschinen für Handwerker gehen erhebliche Gefahren aus, wo feste Materialien bearbeitet werden, ist oft eine nicht geringe Verletzungsgefahr gegeben und auch das Risiko, Sachen zu beschädigen, ist nicht von der Hand zu weisen. Den Sicherheitshinweisen kommt in diesen Fällen besonders große Bedeutung zu. Die Firma Fein hat ihrer Maschine MultiMaster MSxe 636 II eine Bedienungsanleitung und Sicherheitshinweise beigefügt – ein besonders wirksames Vorgehen, um den Anwender zu warnen?

Das Äußere 

Die Bedienungsanleitung für das Werkzeug MSxe 636 II – eine Maschine zum Schleifen, Sägen und Schaben – liegt, ebenso wie die zugehörigen Sicherheitshinweise, als DIN-A5-Heftchen mit Rückenstichheftung vor. Papier- und Druckqualität sind ordentlich. Die Bedienungsanleitung ist in Schwarzweiß gedruckt, bei den Sicherheitshinweisen kommt auf dem Umschlag eine zweite Farbe (offenbar die Hausfarbe der Herstellerfirma) hinzu. Beide Hefte fallen ziemlich umfangreich aus, und zwar bedingt dadurch, dass jeweils Texte in 17 (Anleitung) bzw. 18 (Sicherheitshinweise) Sprachen aufgenommen wurden: Die Anleitung umfasst 78 Seiten, die Sicherheitshinweise sind 44 Seiten stark. Dabei werden für den deutschsprachigen Teil vier bzw. zwei Seiten benötigt – viel Papier also für wenig Inhalt!

„Zu Ihrer Sicherheit“ 

Sicherheitshinweise finden sich in den Unterlagen mehrfach. Erstens: Seite 5 der Anleitung enthält ein Kapitel mit der Überschrift „Zu Ihrer Sicherheit“. Zweitens: Im Zuge der Anleitung werden weitere Warnhinweise gegeben. Drittens: Es gibt, wie erwähnt, ein separates Heft mit Sicherheitshinweisen. Wenden wir uns zunächst dem als Erstes genannten Kapitel zu (siehe Bild 1).


Bild 1: Viele Details zur Sicherheit – leider nur selten konkret

Viele Überschriften in unterschiedlicher Schriftgröße machen das Kapitel etwas unübersichtlich, sein Aufbau ist nicht so recht zu durchschauen. Was soll die Untergliederung des Kapitels „Zu Ihrer Sicherheit“ in drei Unterkapitel, von denen eines dann wieder mit „Sicherheitshinweise“ überschrieben ist? Diese Unübersichtlichkeit ist ärgerlich. Da das Kapitel insgesamt nicht besonders lang ist und somit schnell in Gänze überflogen werden kann, ist sie aber kein allzu gravierender Mangel. Was in diesem Kapitel an den Leser gebracht werden soll, wird den Leser trotz der Unübersichtlichkeit erreichen.

Nach dieser Vorbemerkung zur Gliederung des Kapitels ein näherer Blick auf den Inhalt: Das Kapitel beginnt mit dem Hinweis, der Leser solle lesen, und zwar sowohl die Anleitung als auch die beiliegenden Sicherheitshinweise. Wie wirkungslos ein solcher Hinweis ist, abgesehen davon, dass der Hersteller damit bequem jede Verantwortung auf den Anwender schieben kann, wurde schon des Öfteren an dieser Stelle dargelegt. Dass der Leser ein anderes Schriftstück lesen soll als dasjenige, welches ihm gerade vorliegt, kommt allerdings unter unserer Lupe nicht allzu häufig vor. Die beiliegenden Sicherheitshinweise wird der Leser so lange finden, wie sie eben „beiliegen“. Allerdings ist zu befürchten, dass sie von der Anleitung getrennt werden könnten. Ein weiterer Benutzer wird sie also eventuell nicht mehr vorfinden. Die Angabe der Schriftennummer ist wohl als ein etwas hilfloser Versuch zu werten, die Zusammengehörigkeit der Schriftstücke zu kennzeichnen – hilflos deshalb, weil der Erstbenutzer die Nummer nicht braucht, denn er findet die Sicherheitshinweise ja noch „beiliegend“ vor, und weil weitere Benutzer, sollten die Sicherheitshinweise nicht mehr beiliegen, auch mit der Nummer nur geringe Chancen haben dürften, sie zu finden.

Die Angabe der bestimmungsgemäßen Verwendung einer Maschine ist per Richtlinie verbindlich vorgeschrieben; mit der Überschrift „Bestimmungsgemäße Verwendung“ macht der Hersteller hier überdeutlich, dass er die Richtlinie einhält. Leider fehlt in dem entsprechenden Absatz ein Hinweis darauf, wann eine nicht bestimmungsgemäße Verwendung vorliegt: Was darf der Anwender mit der Maschine auf keinen Fall tun?

Die Sicherheitshinweise, die unter dem Punkt „Verletzungsgefahr“ gegeben werden, sind von unterschiedlicher Qualität. So hat der erste Warnhinweis „Keine Schilder und Zeichen auf das Gerät nieten oder schrauben. Die Schutzisolierung kann dadurch unwirksam werden. Empfohlen werden Klebeschilder.“ durchaus ihre Vorteile: Ein denkbares Fehlverhalten, hervorgerufen durch den Wunsch, die Maschine oder Teile davon zu kennzeichnen, wird im ersten Satz aufgegriffen. Die bestehende Gefahr ist im zweiten Satz benannt. Im dritten Satz wird eine Alternative vorgeschlagen, mit der sich das Fehlverhalten umgehen lässt, ohne dass der Benutzer darauf verzichten muss, die Maschine zu kennzeichnen. So weit, so gut. Einwenden ließe sich allerdings, dass der Hinweis „Die Schutzisolierung kann unwirksam werden“ dem Benutzer die für ihn bestehende Gefahr eines Stromschlags nur indirekt und damit tendenziell verharmlosend mitteilt. 

Die Gefahren, die beschädigte Stecker und Kabel mit sich bringen, dürften den meisten Benutzern elektrisch angetriebener Maschinen bekannt sein; unmissverständlich genannt sind sie an dieser Stelle der Anleitung nicht. Der letzte Hinweis, der Anwender solle mit der Maschine keine Materialien bearbeiten, die gesundheitsgefährdende Stoffe enthalten, nennt die Gefahr implizit: „Gesundheitsgefährdende Stoffe“ sind eben Stoffe, die die Gesundheit gefährden. 

Erstaunlich ist, dass unter der Überschrift „Verletzungsgefahr“ wohl auf Gefahren eingegangen wird, die aus der Stromversorgung resultieren, aber mit keinem Wort auf Verletzungsgefahren, die vom mitgelieferten Zubehör (Schleifplatte, Sägeblatt) ausgehen – oder sind diese so offensichtlich, dass sich jeder Hinweis erübrigt?

Die Aussagen unter dem Stichwort „Sachbeschädigung“ sind klar verständlich, aber hier fehlen Angaben dazu, was passieren kann, wenn sie nicht befolgt werden. Wer aber nicht weiß, warum er etwas tun soll, wird – wie bekannt – dazu neigen, Anweisungen nicht zu befolgen. Hier müsste also angegeben werden, welche Risiken zu erwarten sind, wenn falsches Zubehör verwendet wird oder wenn das Gerät an die falsche Netzspannung angeschlossen wird. Die Überschrift „Sachbeschädigung“ lässt nicht einmal klar erkennen, ob vor einer Beschädigung der Maschine oder der zu bearbeitenden Materialien/Sachen gewarnt wird.

Der letzte Absatz im Kapitel „Zu Ihrer Sicherheit“ ist überschrieben mit „Persönliche Schutzausrüstung“. An Schutzausrüstung werden genannt: Schutzbrille, Gehörschutz, Atemmaske. Aber auch hier fehlt wieder eine Begründung: Warum soll die Schutzausrüstung getragen werden? Welchen Gefahren kann der Anwender damit begegnen? Ein weiteres Problem wirft der Einschub „…, entsprechend der Arbeitsaufgabe, …“ auf. Mit diesem Einschub relativiert der Verfasser seine Anweisung, Schutzausrüstung zu tragen. Die Entscheidung, welche Ausrüstung nötig ist, wird damit völlig dem Anwender überlassen, er bekommt keinerlei konkrete Entscheidungskriterien an die Hand. Was zu tun ist, bleibt offen.

Sicherheit „von Fall zu Fall“ 

Im Verlauf der Anleitung sind an mehreren Stellen weitere Sicherheitshinweise eingefügt, meist hervorgehoben und mit einem „Achtung!“-Zeichen versehen. Ein Beispiel (siehe Bild 2):
Der Multimaster MSxe 636 II ist eine Mehrzweckmaschine, die mit verschiedenem Werkzeug – Schleifplatte, Sägeblatt oder Spachtel – verwendet werden kann. Das Wechseln des Werkzeugs ist mit erheblichen Verletzungsgefahren verbunden. Dem entsprechend ist es zu begrüßen, dass in der vorliegenden Anleitung gleich zu Beginn des Kapitels „Werkzeug wechseln“ auf gegebene Gefahren hingewiesen wird. Allerdings fördert der gewählte Telegrammstil nicht gerade die Verständlichkeit. Die Spiegelstriche machen es nötig, dass der Leser Bezüge herstellt: „- durch unbeabsichtigtes Einschalten“ – Was passiert durch unbeabsichtigtes Einschalten? Aha – durch unbeabsichtigtes Einschalten gibt es eine Verletzungsgefahr. Aber auch wenn der Bezug hergestellt ist, muss der Leser sich den Nominalstil noch übersetzen, z. B. so: „Vorsicht, ich könnte mich verletzen, falls ich die Maschine einschalte, ohne es zu wollen!“ Der Leser wird es schon verstehen, aber warum soll man es ihm schwer machen? 

Übrigens: Nicht nur bei Sicherheitshinweisen erschwert ein solcher Stil das Verstehen. Man vergleiche dazu nur den Rest des Kapitels (Bild 2).


Bild 2: Warnhinweise sind in einzelne Kapitel integriert

Separate Sicherheitshinweise 

Nehmen wir einmal an, der Benutzer des Multimaster MSxe 636 II hat auf Seite 5 der Anleitung den Querverweis auf die beiliegenden Sicherheitshinweise gesehen, er hat die Sicherheitshinweise tatsächlich vorliegen und will sich nun danach richten.

Die separaten Sicherheitshinweise werden offenbar verschiedenen Elektrowerkzeugen beigelegt. Der Vorteil ist offensichtlich: Hier lassen sich Hinweise zusammenfassen, die für jedes Elektrowerkzeug gleich sind, unabhängig vom Einsatzbereich. Allerdings liegt hier auch der Nachteil solcher geräteunabhängigen Sicherheitshinweise: In dem Bemühen, sich so auszudrücken, dass die Hinweise für möglichst viele verschiedene Geräte gültig sind, entsteht ein Text, der an keiner Stelle konkret und anschaulich werden kann. Und es ist kaum zu vermeiden, dass Textpassagen vorkommen, die zu der gekauften Maschine kaum noch in Bezug gesetzt werden können. 

Die Sicherheitshinweise entsprechen im Wesentlichen dem, was auch andere Firmen ihren Elektrowerkzeugen beilegen. Es scheint sich hier ein gewisser Standard durchgesetzt zu haben. Auf eine detaillierte Besprechung wird deshalb hier verzichtet.

Ebenfalls verzichtet wurde diesmal darauf die übrigen Bestandteile der Bedienungsanleitung zu untersuchen, so dass es sich von selbst verbietet, hier ein Fazit zu ziehen. Wie zum Bedienen der Multimaster MSxe 636 II angeleitet wird, wurde schließlich noch gar nicht unter die Lupe genommen. Obwohl dies auch ein lohnendes Thema wäre …
 
 

Ulrike Grüne
Stuttgart
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004