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 Inhalt: 

    Das Umfeld 

    Das Äußere 

    Der Inhalt 

    Die Sicherheit 

    Die Montageanleitung 

    Fazit 

    Autor 
 
 

Unter der Lupe 

Bedienungsanleitung für einen Gartenhäcksler 

Dass die Anleitung für einen Häcksler wichtig ist, dürfte außer jeder Frage stehen. Häcksler bringen ein hohes Gefahrenpotenzial mit sich. Außerdem gehören sie nicht zu den Geräten, die seit Jahren in jedem Haushalt stehen und deren Bedienung jeder Laie „sowieso“ beherrscht – aus langjähriger Erfahrung. Sehen wir also, ob die vorliegende Bedienungsanleitung der Atika-Maschinenfabrik, Ahlen, für ihre BioLine-Gartenhäcksler Diana 1400, Diana 1800 und Diana 2200 für Erstbenutzer geeignet ist. 

Das Umfeld 

Die Bedienungsanleitung ist zusammen mit anderen Schriftstücken (Bestellzettel für Zubehör, Verzeichnis der Atika/Bullcraft-Kundendienststellen, ein DIN-A5-Blatt mit dem Text „Achtung! Jedes Gerät unterliegt einer Qualitätskontrolle. Befinden sich Reste von Häckselgut in Ihrem Häcksler, so ist dieses auf einen Probelauf zurückzuführen.“) und einem Tütchen mit Schrauben und ähnlichem einem Häcksler Diana 1800 lose beigelegt. Auf diese Weise fällt die Anleitung dem Kunden mit allem anderen Papier beim Auspacken des Häckslers sozusagen „vor die Füße“ – eine Situation, in der sie einerseits auffällt, andererseits muss man sie zuerst aus allem vorhandenen Kram hervorsuchen, sie könnte auch leicht verloren gehen. Da man einen Häcksler nicht auf dem Schreibtisch zusammenzubauen pflegt, sondern eher in etwas schmutzigeren Bereichen (Keller, Garten usw.), wären schmutz- und feuchtigkeitsresistente Unterlagen zweckmäßig. Darauf hat man leider verzichtet; einmal nass geworden, würde die Bedienungsanleitung sicher schnell zerweichen. 

Das Äußere 

Bei der vorliegenden Bedienungsanleitung handelt es sich um ein 18 Seiten starkes (incl. Umschlag) DIN-A5-Heft. Der Innenteil ist auf Recyclingpapier von gängigem Gewicht gedruckt, für den Umschlag wurde ein geringfügig stärkeres, farbiges Papier verwendet. Als Bindeverfahren wurde eine stabile Rückendrahtheftung gewählt. Die Druckqualität ist akzeptabel (s/w), die verwendeten Schriften (Grotesk, normal und halbfett, in Größen von 6 bis 31 Punkt) sind durchgängig gut leserlich, Zeichnungselemente sind erkennbar. 

Der Inhalt 

Das Inhaltsverzeichnis führt insgesamt zehn Kapitel auf: 

  • Zusammenbauanleitung
  • Sicherheitshinweise
  • Inbetriebnahme
  • Das Häckseln
  • Wartung und Pflege
  • Wenden der Messer
  • Betriebsstörungen
  • Garantie
  • Technische Daten
  • Ersatzteile
Über die im Inhaltsverzeichnis genannten Kapitel hinaus enthält die Anleitung noch eine EG-Konformitätserklärung entsprechend EG-Richtlinie 89/392/EWG – „Maschinen“ – (allerdings ohne das erforderliche CE-Kennzeichen) sowie eine Seite mit der Überschrift „Bedeutung der Symbole“. 

Die zuletzt genannte Seite ist für den sicheren Betrieb des Häckslers von großer Bedeutung, denn hier werden die Symbole erklärt, die, direkt am Häcksler angebracht, die Einhaltung fundamentaler Sicherheitsbestimmungen gewährleisten sollen. Da es sich um keine von sich aus verständlichen Symbole handelt, ist ihre Erläuterung unabdingbar für das Verstehen und Befolgen. Um so ungünstiger erscheint, dass diese Seite im Inhaltsverzeichnis nicht einmal erwähnt wird. Sie findet sich an keiner Stelle, die quasi automatisch ins Auge fällt, sondern an äußerst unauffälliger Stelle, ganz am Schluss der Anleitung, noch hinter den Technischen Daten und der Ersatzteilübersicht. Diese Positionierung der Seite und das Fehlen jeglicher Hervorhebung erscheint unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit kaum verantwortbar. 

Alle wesentlichen Angaben zum Betrieb des Häckslers sind in der Anleitung enthalten, die Genauigkeit der Angaben differiert allerdings erheblich. So sind beispielsweise die Angaben zur bestimmungsgemäßen Verwendung recht knapp gehalten. Im Kapitel „Das Häckseln“ findet sich zwar eine knappe Übersicht darüber, was gehäckselt werden kann und was nicht (siehe Bild 1). Mit Leichtigkeit dürfte sich aber noch eine ganze Reihe von Materialien bzw. Dingen finden lassen, die in der Übersicht nicht erwähnt sind, z. B. Papier (angeblich kompostierbare Filtertüten u. Ä.), Porzellan, Sand, Pflaumensteine u. dgl. mehr. Auch ein Hinweis auf ausgesprochen sachwidrige Verwendungen fehlt. 

 
Abbildung 1: übersichtlich, aber wohl kaum vollständig 

Die Sicherheit 

Häcksler sind, wie oben erwähnt, Maschinen, von denen ganz erhebliche Gefahren ausgehen können: für den Bediener und andere Personen in seinem Umfeld. Daneben besteht natürlich immer das Risiko, dass die Maschine selbst beschädigt wird. Entsprechend kommt den Sicherheitshinweisen in dieser Anleitung besonderes Gewicht zu. Oben wurde schon moniert, dass die Warnsymbole, die sich direkt an der Maschine befinden, an ungünstiger Stelle erläutert werden. Darauf soll hier nicht weiter eingegangen werden. Sehen wir uns stattdessen das Kapitel „Sicherheitshinweise“ selbst an. Einige Gefahren wurden bereits durch die Konstruktion minimiert, dennoch bleiben Risiken. 

Die in diesem Kapitel gesammelten Sicherheitshinweise (siehe Bild 2) scheinen – soweit sich das ohne eingehende Analyse behaupten lässt – komplett zu sein. Gerade die ersten drei Hinweise dürften sich in der Praxis als wichtig herausstellen. Leider fehlt für die Sicherheitshinweise fast durchgängig eine einsehbare Begründung, die die Hinweise noch einleuchtender machen würde. Lediglich zweimal wird auf die bestehenden Gefahren hingewiesen: „Das Gerät nicht mit Wasser abspritzen (Gefahrenquelle elektrischer Strom)“ und „Um Verletzungsgefahr für die Finger auszuschließen, (…) das Messerwerk (…) festhalten und Schutzhandschuhe tragen.“ 

Die Wirksamkeit von Sicherheitshinweisen hängt auch davon ab, wie einfach/praktikabel es ist, sie zu befolgen. So wird sich der Laiengärtner, der weder eine Schutzbrille noch Arbeitshandschuhe oder Gehörschutz besitzt, kaum erst mit diesen ausstatten, bevor er zu häckseln beginnt. Der Sicherheitshinweis „Ausführung der Anschlussleitung nach DIN 57 282 (H 07 RN-F) mit spritzwassergeschützter Gummisteckvorrichtung. Querschnitt mindestens 3 x 1,5 mm2“ dürfte dagegen mangels Verständlichkeit bzw. Nachprüfbarkeit an etlichen Benutzern vorbeigehen. 

 
Abbildung 2: Richtige und wichtige Hinweise, leider ohne Begründungen 

Die Montageanleitung 

Der Häcksler wird zerlegt, in einem Karton verpackt, verkauft. Der Käufer steht also, bevor er den Häcksler in Betrieb nehmen kann, erst einmal vor dem Problem, ihn zusammenbauen zu müssen. Aus diesem Grund enthält die Anleitung ein Kapitel „Zusammenbauanleitung“, in dem die Montage im Wesentlichen in Bildern (Strichzeichnungen) dargestellt wird. Die Abbildungen A bis D mögen reichen, um einige typische Schwächen der Montageanleitung zu zeigen (siehe Bild 3). 

 
Abbildung 3:  Oben, unten, vorne, hinten – wer kennt sich da aus? 

Die Perspektive erschwert es dem Leser, einen Bezug zwischen den Abbildungen und den vor ihm stehenden und liegenden Einzelteilen herzustellen. Schon im ersten Bild ist kaum zu erkennen, wie Einzelteile dem Bild entsprechend positioniert werden sollen. Das im Bild nach oben zeigende, in Natura aber auf dem Boden stehende Motorgehäuse dürfte beispielsweise wohl kaum als solches erkannt werden. Weiter tragen Abweichungen zwischen den Abbildungen A, B, C und D zur Verwirrung bei: Der Blickwinkel in Abbildung C ist völlig anders als in den übrigen Bildern, die Perspektive in Bild D weicht ebenfalls, wenn auch nur geringfügig, von A und B ab. Zwischen A und B wechselt zwar die Perspektive nur wenig, dafür aber wird das Motorgehäuse jetzt anders dargestellt. Besonders problematisch ist die in Bild C gewählte Ansicht: Hier soll eine gebogene „Verstrebung“ eingesetzt werden, aus dem Bild wird aber nicht deutlich, in welche Richtung sie gebogen ist, zum Betrachter hin oder vom Betrachter weg. 

Die Orientierung in den Abbildungen wäre sicherlich einfacher, wenn es erstens irgendwo im Anleitungsheft eine Gesamtabbildung des fertig zusammengesetzten Häckslers gäbe, wenn zweitens bereits montierte Teile, die zur Orientierung beitragen könnten, (in C beispielweise das bereits in B montierte dritte Bein des Häckslers) jeweils in den Abbildungen zu sehen wären und wenn drittens eine einmal gewählte Perspektive nur aus zwingenden Gründen von einem Bild zum anderen gewechselt würde. 

Wie sich beim Versuch, den Häcksler zusammenzubauen, herausstellte, ist Bild C zudem nicht vollständig. So passt die „Verstrebung“ aufgrund ihrer Länge normalerweise nicht an den vorgesehenen Platz. Die Beine des Häckslers müssen mit nicht unerheblicher Kraft zur Seite gedrückt werden, um die „Verstrebung“ einpassen zu können. Dies geht aus der Abbildung nicht hervor, obwohl es ein Leichtes wäre, den Druck in eine bestimmte Richtung durch Pfeile darzustellen. 

Geradezu in die Irre führt schließlich die Darstellung der zu verwendenden Schrauben in den vier Bildern. Die Abbildung kann leicht für die einer Schraube mit dazugehöriger Unterlegscheibe oder gar Schraubenmutter gehalten werden. Tatsächlich waren dem Häcksler aber weder Unterlegscheiben noch Muttern beigelegt, so dass nur der Schluss möglich erscheint, dass hier jeweils eine Schraube in zwei Ansichten dargestellt ist. 

Fazit 

„Wo bleibt das Positive?“, wird mancher Leser dieses Beitrags sich gefragt haben. Hier ist es: Der Häcksler ist inzwischen zusammengebaut und funktioniert bisher ohne Einschränkungen, bisher ist auch niemand durch das Gerät zu Schaden gekommen – und all das trotz der hier beschriebenen Gebrauchsanleitung! 

   
 
 

Ulrike Grüne
Stuttgart
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004