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Das Äußere
  
Der Inhalt
  
Für die Sicherheit
  
Fazit
  
Autor
  

 

Unter der Lupe

Gebrauchsanleitung für eine Heckenschere 

Kleingärtner leben gefährlich – viele der im Garten benötigten Geräte und Maschinen bergen Verletzungsgefahren, sei es aufgrund ihres Gewichts oder weil sie scharfe Kanten oder Klingen haben oder weil sie elektrisch betrieben werden. Die elektrische Heckenschere ist geradezu ein Musterbeispiel eines Gartengeräts mit hohem Gefährdungspotenzial. Dabei sind die meisten Kleingärtner Laien. Vorkenntnisse im Umgang mit Maschinen und Geräten sind nicht vorauszusetzen. Entsprechend hohe Anforderungen sind an die Gebrauchsanleitung zu stellen.

Das Äußere

Diesmal liegt eine Anleitung der Firma Black & Decker für die Heckenschere GT300 Serie vor  – im DIN-A5-Format mit Rückenstichheftung. Sie hat einen Umfang von insgesamt 56 Seiten incl. vier Seiten zum Ausklappen. Gedruckt wurde durchgehend in Schwarzweiß. Die Druckqualität ist ordentlich, als Bedruckstoff könnte man sich ein etwas festeres, schmutzabweisenderes Papier wünschen. Das Seitenlayout ist zweispaltig angelegt. Die gewählte Groteskschrift ist in allen verwendeten Größen und Schnitten gut zu lesen.

Der Inhalt

Die Broschüre umfasst Texte in zwölf verschiedenen Sprachen. Auf etwas über drei Seiten (plus drei Seiten mit Abbildungen) wird auf Deutsch zur Bedienung der Heckenschere angeleitet. Die Anleitung gliedert sich in folgende Kapitel:

  • Einführung
  • Gerätebeschreibung
  • Sicherheitshinweise
  • Doppelisolierung
  • Technische Daten
  • Montage des Gerätes
  • Arbeiten mit dem Gerät
  • Nützliche Tips zum Heckenschneiden
  • Störungen beim Arbeiten
  • Pflege und Wartung
  • Was müssen Sie tun, wenn Ihre Heckenschere einer Reparatur bedarf
  • Produkte und Umwelt
  • Garantie
  • Black & Decker Kundendienst
  • Andere Produkte von Black & Decker
  • EG-Konformitätserklärung
Die Anleitung spannt in diesen Kapiteln den Bogen von der Montage/Inbetriebnahme der Heckenschere bis hin zur Pflege/Wartung/Reparatur und selbst zur Entsorgung. Wie das oben aus den einzelnen Überschriften zusammengestellte Inhaltsverzeichnis zeigt, taugen die gewählten Überschriften nur begrenzt dazu, den Inhalt der Kapitel zu umreißen. Zu unterschiedlich ist ihre Qualität. Was mag zum Beispiel das Kapitel „Störungen beim Arbeiten“ enthalten? Vorstellbar wären etwa Anweisungen für den Fall, dass Fremde (Passanten, Kinder, Haustiere) in Reichweite der Heckenschere geraten. Tatsächlich handelt es sich um ein (inhaltlich eher dürftiges) Kapitel zur Fehlersuche. Und welchen Zweck hat ein eigenes Kapitel zum Thema „Doppelisolierung“ zwischen „Sicherheitshinweisen“ und „Technischen Daten“? Die Frage muss leider unbeantwortet bleiben.

Für die Sicherheit

Von Heckenscheren gehen erhebliche Gefahren aus. Deshalb soll diesmal das Thema „Sicherheit“ wieder einmal im Vordergrund dieser Reihe stehen.

Die Anleitung enthält ein relativ umfangreiches, separates Kapitel mit Sicherheitshinweisen, das sich über fast drei Spalten ausdehnt. Solche separaten Kapitel sind legitim, alle sicherheitsrelevanten Aspekte lassen sich hier zentral zusammenfassen. Allerdings sollte das Vorhandensein eines separaten Kapitels mit Sicherheitshinweisen nicht darüber hinwegtäuschen, dass nur wenige Nutzer bereit sein werden, dieses lange Kapitel komplett zu lesen und dann auch noch zu beachten – schließlich bringt es den Nutzer seinem Hauptziel keinen Schritt näher: Er will die Hecke schneiden, am liebsten sofort!

Auch wenn man davon ausgeht, dass nur wenige das Kapitel lesen werden, muss natürlich dennoch gewährleistet sein, dass die Sicherheitshinweise von jedem Leser problemlos und richtig verstanden werden. Dies ist bei den meisten aufgeführten Hinweisen der Fall. Einige der Hinweise stellen den Leser jedoch vor unnötige Schwierigkeiten: So sind vielfach mehrere Informationen in einem Hinweis zusammengebracht worden. Ein Beispiel zeigt Bild 1.

Bild 1: Netzstecker ziehen!

Hier werden eine Vielzahl von Situationen genannt, in denen der Netzstecker gezogen werden muss. Die Menge der Situationen macht den Satz unübersichtlich. Darüber hinaus werden aber auch die Zusammenhänge unklar: Der Nebensatz „wenn das Anschlußkabel beschädigt oder verheddert ist“ kann, wie aus der Zeichensetzung hervorgeht, nur auf die zuvor genannten Tätigkeiten bezogen werden. Das heißt z. B.: Man soll den Netzstecker ziehen, bevor man ein Teil auswechselt – aber nur, wenn das Anschlußkabel beschädigt oder verheddert ist. Oder: Man soll den Netzstecker ziehen, bevor man eine Störung beseitigt – aber nur, wenn das Anschlußkabel beschädigt oder verheddert ist. Ist das gemeint? Lässt man das schließende Komma nach „wenn das Anschlußkabel beschädigt oder verheddert ist“ weg, so ergibt sich eine andere Interpretation: Jetzt ist dieser Nebensatz Teil einer Aufzählung, das heißt, man soll den Netzstecker ziehen, wenn das Anschlußkabel beschädigt oder verheddert ist. „So viel Theater um ein Komma!“, wird sich jetzt mancher sagen. Nur: Das Problem ist weniger das Komma als vielmehr die Tatsache, dass der Satz – Komma hin, Komma her – unterschiedlich interpretiert und somit eben auch missverstanden werden kann. Hätte man weniger Informationen in den Hinweis gepackt (optimal: eine), wäre das Problem vermutlich gar nicht erst aufgetreten.

Nur geringe Wirksamkeit haben Sicherheitshinweise, die an den Benutzer besonders umständliche Anforderungen stellen. Zu dieser Art von Hinweisen ist auch der folgende aus der vorliegenden Anleitung zu zählen: „Tragen Sie beim Arbeiten mit der Heckenschere eine Schutzbrille, Handschuhe und Gehörschutz.“ Wer keine Schutzbrille besitzt, wenn er die Heckenschere in Betrieb nehmen will, wird, bis die nötige Schutzbrille beschafft ist, nicht darauf verzichten, das neu erworbene Gerät auszuprobieren. Will man erreichen, dass wirklich jeder Nutzer diese Anweisung befolgt, reicht der Sicherheitshinweis in dieser Form wohl nicht aus.

Ein generelles Manko der Sicherheitshinweise in dieser Anleitung (z. B. auch des vorgenannten) besteht darin, dass die bestehenden Gefahren nicht benannt werden und somit die Anweisungen nicht begründet sind: Warum soll der Benutzer eine Schutzbrille tragen? Was kann passieren, wenn der Benutzer vergisst, eine Schutzbrille aufzusetzen? Der Benutzer wäre geneigter, die gegebenen Hinweise zu befolgen, wenn er wüsste, warum er sie befolgen soll. 

Als problematisch sind einige der Zeichnungen und Symbole einzustufen, die in den Sicherheitshinweisen der Anleitung verwendet wurden. Viele Symbole kann der Leser allenfalls mit der Lupe erkennen (siehe Bild 1 und 2). Manche lassen den Betrachter ratlos zurück (siehe insbesondere Bild 2): Ihre Bedeutung erschließt sich auch nicht auf den zweiten Blick. Abbildungen und auch Symbole können viel zum schnellen Verstehen einer Anleitung beitragen. Wo sie aber, wie in dieser Anleitung geschehen, mehr oder minder wahllos über den Text verstreut werden, haben sie keinerlei Berechtigung.

Bild 2: Was will der Illustrator dem Leser damit sagen?

Eine zweite Möglichkeit, den Benutzer vor Gefahren zu warnen, besteht darin, Warnhinweise an den Stellen in den Anleitungstext einzufügen, an denen sie inhaltlich relevant sind. Diese Möglichkeit dürfte sich im Vergleich zu einem separaten Kapitel mit Sicherheitshinweisen in vielen Fällen als die effektivere erweisen. Leider wird sie in der vorliegenden Anleitung für eine Heckenschere nur wenig genutzt. 

Im Kapitel „Nützliche Tips zum Heckenschneiden“ findet man einleitend den Hinweis „Lesen Sie vor dem Arbeiten die Sicherheitshinweise!“ Ob dieser Hinweis einen großen Nutzen hat, sei einmal dahingestellt. Jedenfalls ist er hier viel zu spät in die Anleitung eingefügt. Bevor der Leser zu diesem Kapitel kommt, das laut Überschrift allenfalls Zusatzinformationen (eben: Tips) enthalten kann, die nicht zwingend benötigt werden, hat er bereits die Kapitel „Montage des Gerätes“ und „Arbeiten mit dem Gerät“ gelesen und die Anweisungen darin befolgt. Um dies gefahrlos zu tun, wäre die Kenntnis der Sicherheitshinweise aber dringend nötig gewesen!

Ein zweiter Warnhinweis findet sich im Kapitel „Montage des Gerätes“: „Zum Schutz vor Verletzungen sollten Sie die Heckenschere während der Montage in der Schutzhülle belassen.“ Positiv fällt an diesem Hinweis auf, dass mögliche Verletzungen angesprochen werden. Die bestehende Gefahr ist somit wenigstens angedeutet. Dennoch verpufft die Wirksamkeit des Hinweises, wenn man das Bild mitberücksichtigt, auf das das gesamte Kapitel bezogen ist (siehe Bild 3 und 4). Die im Text ausgesprochene Warnung wird im Bild nicht befolgt, weit und breit ist keine Schutzhülle zu sehen. Es ist zu befürchten, dass das schlechte Vor-Bild seine Wirkung tun wird.

Bild 3 und 4: Zum Schutz vor Verletzungen sollte man die Heckenschere in der Schutzhülle belassen. Oder doch nicht?

Fazit

Wie eingangs bemerkt: Kleingärtner leben gefährlich!
 
 

Ulrike Grüne
Stuttgart
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004