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Vorab-Überlegungen
 
Der Inhalt
 
Vier Sprachen, parallel
 
Text und Bild
 
Und das Flügelhorn?
 
Autor
 

 

Unter der Lupe

Gebrauchsanweisung für Blechblasinstrumente

Wer die Gebrauchsanweisung für sein Musikinstrument verstanden hat und in jeder Hinsicht gewissenhaft befolgt, ist deshalb noch lange kein begnadeter Musiker. Unterricht und Talent haben da sicher mehr beizutragen. Dennoch ist die Gebrauchsanleitung für ein Musikinstrument nicht überflüssig, kann sie doch manches vermitteln, damit der Musiker sein Instrument optimal und möglichst lange nutzen kann.

Vorab-Überlegungen

Was ist von der Anleitung für ein Musikinstrument, egal welches, überhaupt zu erwarten? Sehen wir das Musikinstrument wie ein x-beliebiges Gerät an, so sollte der Besitzer erfahren, wie er es zum Spielen vorbereitet, also z. B. zusammensetzt oder stimmt, wie er es beim Spielen behandelt, damit es optimal klingt und damit dies auf Dauer so bleibt, wie er das Instrument pflegt, damit es keinen Schaden nimmt, ob und wie er Schäden gegebenenfalls reparieren kann, wie er eventuell vorhandene Verschleißteile, beispielsweise Saiten, ersetzen kann und was zu tun ist, wenn das Instrument wirklich einmal nicht mehr in Ordnung zu bringen ist. 
Dagegen sind in einer Gebrauchsanleitung für ein Musikinstrument keine Anleitungen zum Spielen, Etüden, Erläuterungen zu speziellen Spieltechniken oder, einfacher, zum Erzeugen bestimmter Töne, zu erwarten. Das wäre Gegenstand eines Lehrgangs, nicht einer Gebrauchsanleitung für ein Instrument.

So viel an grundsätzlichen Überlegungen vorab, denn diesmal hat eine Gebrauchsanweisung der Firma Yamaha für – so die Titelseite – Trumpet, Cornet und Fluegelhorn unter der Lupe gelegen.

Der Inhalt

Die Anleitung umfasst neun Kapitel:

  • Hauptbezeichnungen
  • Stimmen
  • Pflege derVentile und Ventilgehäuse
  • Pflege der Züge
  • Pflege der Oberfläche
  • Pflege der Innenseite
  • Mundstück
  • Zubehör
  • Fingersatztabelle
Im Zentrum der Anleitung steht ganz offensichtlich die Pflege des Instruments, ein Punkt, der auch oben in den Vorab-Überlegungen angesprochen wurde. Auch das Stimmen hat seinen berechtigten Platz in der Anleitung gefunden. Aus einigen Kapitelüberschriften ist nicht ohne Weiteres erkennbar, was die Kapitel eigentlich behandeln. Bei näherem Hinsehen stellt sich heraus, dass man im Kapitel „Hauptbezeichnungen“ im Wesentlichen Gesamtabbildungen der drei Instrumente mit Legende findet und im Kapitel „Mundstück“ einen Überblick über verfügbare Mundstückmodelle. Ähnlich das Kapitel „Zubehör“, das Reinigungstücher, Politur, Bürsten u. Ä. präsentiert. Die Fingersatztabelle schließlich ist nützlich, um sich einen Überblick zu verschaffen, wie welcher Ton erzeugt wird. Dennoch kann sie den Musikunterricht wohl kaum ersetzen. In der Gebrauchsanleitung ist sie verzichtbar, wenn auch als „freundliche Geste“ nicht unwillkommen.

Vier Sprachen, parallel

Yamaha hat ein recht stabiles, rückstichgeheftetes Anleitungsheft im Format 10 cm x 23 cm (hoch) produziert. Es umfasst incl. Umschlag 32 Seiten, die Anleitungen in insgesamt vier Sprachen beinhalten (Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch). Die vier Sprachenteile werden weitgehend parallel geführt, was durch folgendes Layout gelöst wird (siehe Bild 1):

Bild 1: Vier Sprachen, vier Schriften, ein Satz Bilder für alle

Auf der linken Seite finden sich jeweils der englische und der deutsche Text, auf der rechten Seite der französische und der spanische. Entsprechend sind auch die Überschriften angeordnet. Die Sprachversionen sind zusätzlich noch dadurch voneinander abgehoben, dass die Farbe der Schrift wechselt (Englisch: schwarz, Deutsch: grün, Französisch: schwarz, Spanisch: grün). Außerdem wechseln zusätzlich Schriftfamilie und -schnitt (Englisch: Antiqua, normal; Deutsch: Antiqua, kursiv; Französisch: Grotesk, normal; Spanisch: Grotesk, kursiv). So ist sichergestellt, dass der Leser keine Probleme damit hat, „aus seiner Spalte zu fallen“. Konsequent wäre es gewesen, auch die Überschriften entsprechend zu unterscheiden, dies ist hier unterblieben.
Die Abbildungen sind, für alle vier Sprachenteile gleich, im unteren Teil der beiden Seiten untergebracht. Den Bezug zum Text stellt jeweils die Nummerierung der Bilder her. 

Ein bedauerliches Manko weisen die Kapitel 7 und 8 auf. Abgesehen von der Überschrift („Mundstück“/„Zubehör“) wurde hier nicht übersetzt, die Kapitel liegen nur in Englisch vor. Dabei sind die enthaltenen Informationen für den anderssprachigen Leser nicht etwa uninteressant, erfährt er hier doch beispielsweise, welches Mundstück für welchen Einsatzzweck geeignet ist oder welche Reinigungsmittel er benötigt. Hinzu kommt, dass normales Schulenglisch nicht ganz ausreicht, um die fachsprachlichen Texte zu verstehen. Der Leser muss sich also ziemlich quälen.

Bild 2: Die Pflege der Züge

Text und Bild

Als Beispiel mag wieder der kleine Textabschnitt aus Bild 2, zusammen mit den zugehörigen Abbildungen (siehe Bild 1), dienen. 

Der einleitende Text ist klar formuliert und verständlich. Positiv fällt auf, dass nicht nur gesagt wird, was zu tun ist, sondern auch, welchen Zweck es hat. Sinnvoll wäre eine Angabe, wann bzw. wie oft die Züge so behandelt werden sollen (vor dem Spielen oder danach oder in festen Zeitabständen, unabhängig von der Nutzung des Instruments?). Für den Neuling wäre ferner an dieser Stelle ein Hinweis auf das Kapitel „Zubehör“ sinnvoll, um zu erfahren, was für Zugfett es gibt.

Es folgen die Handlungsschritte 1 bis 4, jeweils bezogen auf die Abbildungen 4-1 bis 4-4. 

Die erste Anweisung „Auf das entsprechende Ventil drücken und Zug entfernen“ erscheint zunächst etwas ungenau: Welches ist jeweils das entsprechende Ventil? Wie entfernt man den Zug? Allerdings kann man wohl davon ausgehen, dass jemand, der Trompete/Kornett/Flügelhorn spielt, weiß, welches Ventil zu welchem Zug gehört. Zudem ist diese Information auch der Gesamtabbildung in Kapitel 1 zu entnehmen, wenn auch unter Schwierigkeiten (Auf die Gesamtabbildung wird hier nicht verwiesen, außerdem kommt der Begriff „Zug“ in der Legende zur Gesamtabbildung nicht vor.) Die zugehörige Abbildung 4-1 illustriert das Verfahren. Deutlich ist zu sehen, wie auf das Ventil gedrückt wird. Wie der Zug entfernt wird, ist der Abbildung dagegen kaum zu entnehmen. Falls es nicht reichen sollte, einfach daran zu ziehen, wäre der Spieler hilflos. Denn mehr Information gibt die Abbildung nicht her. (Wie hier leicht zu merken ist, spielt d. Verf. kein Blechblasinstrument. Vielleicht reicht es ja auch völlig, an dem Zug zu ziehen?)

Der zweite Handlungsschritt ist nicht ganz leicht nachzuvollziehen. Das beginnt mit dem Reinigungsstab, der auf der zugehörigen Abbildung nur zu erahnen ist (im Kapitel „Zubehör“ ist er zu finden). Das geht weiter damit, dass man den Reinigungsstab mit einem Putzlappen umwickeln soll: einfach irgendwie? Im Kapitel „Pflege der Ventile und Ventilgehäuse“ wurde sehr akribisch dazu angeleitet, wie der Putzlappen um den Reinigungsstab zu wickeln ist, also offenbar nicht einfach irgendwie. An dieser Stelle wäre also zumindest ein Rückverweis fällig. Irritierend (zumindest für den Laien) ist, dass hier plötzlich von einem inneren und einem äußeren Zug die Rede ist. In Schritt eins wurde der Zug, d. h. doch wohl: der ganze Zug, entfernt. Jetzt scheint es eher so, als habe man nur den inneren Zug entfernt. 

Zu diesem, zweiten Handlungsschritt gehört eine Abbildung, die aus zwei Teilen besteht. Im linken Bild ist zu sehen, wie mit dem Reinigungsstab ein Zug gereinigt wird. Was auf dem rechten Bild zu sehen sein soll, ist fraglich. Deutlich zu sehen sind zwei Hände, halbwegs deutlich zu sehen ist auch noch der Zug. Aber was macht der ausgestreckte Finger der einen Hand? Was steht – ganz blass – noch im Bild? Es ist zu befürchten, dass der Leser von dieser Abbildung kaum profitieren wird.

Zu Schritt drei: Womit die Oberfläche des inneren Zuges gereinigt wird, bleibt leider unklar – vermutlich aber einfach mit einem Lappen. Ansonsten dürften in diesem Punkt kaum Unklarheiten auftreten.

Schritt vier erscheint im Wesentlichen verständlich, sofern man Text und Abbildung zusammen beachtet. „Zug wieder einfügen und dabei darauf achten, dass das Fett gleichmäßig verteilt wird.“ Diese Anweisung wäre für sich genommen nicht hinreichend. Wie fügt man den Zug ein? Wie kann man gewährleisten, dass das Fett gleichmäßig verteilt wird? Die Abbildung hilft weiter, denn hier ist zu sehen, dass wieder, wie in Schritt eins, das Ventil gedrückt wird (das hätte man aber auch noch einmal schreiben können!) und dass der Zug zum Verteilen hin- und herbewegt wird. Warum das Fettdöschen auf diesem Bild mit abgebildet ist, leuchtet allerdings nicht ein. Es stört aber weiter nicht.

Und das Flügelhorn?

Die Anleitung weist, wie an diesem Beispiel zu sehen war, Schwächen auf, dürfte aber trotzdem im Wesentlichen verstanden werden. Bisher wurde allerdings überhaupt nicht berücksichtigt, dass keine Anleitung für eine Trompete, sondern eine Anleitung für Trompete, Kornett, Flügelhorn unter der Lupe liegt. Abgebildet ist aber, außer im Kapitel „Hauptbezeichnungen“, immer nur die Trompete. Das Problem, die Abbildungen auf sein jeweiliges Instrument zu übertragen, muss der Kornett-/Flügelhornspieler selbst bewältigen. Das dürfte nicht immer ganz einfach sein.
 
 

Ulrike Grüne
Stuttgart
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004