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Ein Buch und lose Blätter
  
Worum geht es?
  
Der Inhalt
  
Der Drucker – handgreiflich
  
Der Drucker – per Bedienfeld
  
Fazit
  
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Unter der Lupe

Installationsanleitung Minolta Magicolor 2200 DeskLaser

HiFi-Geräte und Computer mitsamt Peripherie sind wohl die Bereiche, in denen kaum jemand um die Lektüre von Anleitungstexten herumkommt. Selbstverständlich ist an der Bedienung wenig, auch wer Vorkenntnisse mitbringt, muss nachschlagen, das bringt schon das Tempo der Innovation in diesen Bereichen mit sich. Entsprechend hoch sind die Ansprüche an die Qualität der Gebrauchsanleitungen.

Ein Buch und lose Blätter

Diesmal liegt eine Installationsanleitung der Firma Minolta für ihren Magicolor 2200 DeskLaser unter der Lupe – ein veritables Taschenbuch, knapp 180 Seiten stark, stabil eingebunden, im handlichen DIN-A5-Format. Der erhebliche Umfang erklärt sich unter anderem dadurch, dass die Anleitung in fünf Sprachen vorliegt, pro Sprache stehen rund 35 Seiten zur Verfügung.

Lose in das Buch eingelegt wurden zusätzlich noch ein einzelnes, einseitig bedrucktes Blatt mit so genannten „Umsetzungsanweisungen“ (auf Englisch: „Transport instructions“, was auch für den deutschsprachigen Leser wohl verständlicher sein dürfte) sowie ein 16 Seiten starkes Heftchen zum Thema „Aktualisierung (Upgrade) der Systemsoftware“. Warum die beiden Beileger benötigt werden, kann man sich fragen. Zumindest aus der Sicht des Lesers spricht wohl kaum etwas dagegen, ihren Inhalt in das Buch mit der Installationsanleitung zu integrieren. Es ist zu befürchten, dass die Beileger bald verloren gehen werden.

(Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass die Print-Anleitung von einer auf CD-ROM vorliegenden Anleitung im PDF-Format ergänzt wird, incl. QuickTime-Video-Clips zu einzelnen Handlungsabläufen. Der Inhalt der CD-ROM wird im Folgenden außer Acht gelassen.)

Worum geht es?

Wie gesagt, um den Magicolor 2200 DeskLaser. Dies ist der Beschriftung des Buchrückens zu entnehmen. Wer die Anleitung im Regal aufbewahrt, wird sie so rasch wiederfinden können.
Der Magicolor 2200 DeskLaser ist ein Produkt der Firma Minolta. Dies ist auf dem Cover des Buches zu erfahren (siehe Bild 1). Daneben informiert die Titelseite darüber, dass das Buch die Installationsanleitung enthält und in welchen Sprachen die Anleitung abgefasst ist. Die Ziffernfolge im Zentrum der Titelseite dürfte für den Leser weniger interessant sein. Schade, dass die genaue Bezeichnung des Geräts hier nicht noch einmal wiederholt wird. Genug Platz wäre schließlich vorhanden gewesen. Und schließlich stellt sich noch die Frage: Was ist denn eigentlich ein Magicolor 2200 DeskLaser? Gut, nachdem Computer-Nutzer ja inzwischen alle perfekt Englisch sprechen (oder was man dafür hält), glaubte man wohl, davon ausgehen zu können, dass jeder einen DeskLaser kennt. Eine Abbildung des Druckers auf dem Cover hätte dennoch nicht geschadet und den Wiedererkennungswert erhöht.

Bild 1: Die Titelseite – übersichtlich, aber informationsarm

Der Inhalt

Zu den 35 Seiten Anleitung gehört ein umfangreiches Inhaltsverzeichnis, das hier im Einzelnen nicht wiedergegeben werden soll. Die Hauptüberschriften mögen genügen:

  • Druckerfunktionen und -bestandteile
  • Handbuch-Set
  • Einrichten des Druckers
  • Netzanschluss/Einschalten des Druckers
  • Das Bedienfeld
  • Die Konfigurationsmenüs im Überblick
  • Die Schnittstellenanschlüsse
  • Installieren von Druckertreibern und Software
  • Fehlerbeseitigung
  • Zubehör und Verbrauchsmaterial
  • Vorschriften/Bestimmungen
  • Bemerkungen zur Gewährleistung
Neben der Installationsanleitung existiert außerdem ein Benutzerhandbuch, auf das in der Installationsanleitung an entsprechenden Stellen verwiesen wird. Die Installationsanleitung kann sich somit inhaltlich beschränken. 

Der Drucker – handgreiflich

Für die Installation des Druckers (und somit auch für die Anleitung) sind zwei Arten von Handlungen typisch: Einige Arbeiten werden sozusagen „von Hand“ ausgeführt, der Drucker und seine Teile müssen tatsächlich mechanisch aufgebaut werden. Andere Arbeiten geschehen menügesteuert, der Bediener richtet den Drucker per Menü ein. Je ein Beispiel soll vorgestellt werden.

Ein Beispiel für die „Handarbeit“ ist das (erstmalige) Einlegen von Papier in die Papierkassette des Druckers. Die Anleitungen zu diesem Punkt umfassen fast zwei Seiten, ein Ausschnitt mag hier genügen. In der folgenden Abbildung ist Handlungsschritt 4 (von insgesamt sechs Schritten) zu sehen. Hier wird der Leser dazu angeleitet, die Papierkassette für das Papierformat, das er verarbeiten will, vorzubereiten.
 

Bild 2: Mit der Lupe in der Hand kommt der Leser weiter

Der Anleitungspunkt besteht aus Text und Bildern, die einander ergänzen/unterstützen sollen. 

Der erste Satz enthält die eigentliche Handlungsanweisung. Der Leser erfährt, was er tun soll. Er weiß aber zunächst nicht, wie er es tun soll. Auch wird nicht erläutert, was mit dem Begriff „Papierführungen“ gemeint ist. Der erste Satz reicht also nicht aus, damit der Bediener den erforderlichen Handlungsschritt richtig ausführt. 

Ergänzend kommen nun zum einen kursiv gedruckte Erläuterungen hinzu, zum anderen zwei Abbildungen. Der erläuternde zweite Satz wird den Bediener auch noch nicht zum Ziel führen. Wieder wird er mit Begriffen konfrontiert, die er nicht kennt: Wo sind die „Halterungen“, wo die „Führungen“? Der Leser erfährt aus dem Text nicht, was er zusammendrücken, schieben, freigeben soll. 

Werden die Abbildungen weiterhelfen? Hier müsste man sehen, was gemeint ist. Tatsächlich ist die Papierkassette mit etwas gutem Willen zu erkennen und man sieht auch, dass in die Abbildungen hinein Pfeile integriert wurden und Elemente der Zeichnung hervorgehoben wurden. Ja, Ausschnitte der Zeichnung wurden sogar noch einmal herausgezoomt. Und dennoch sind die Abbildungen zur Unterstützung des Textes untauglich, denn sie sind viel zu klein geraten, so dass selbst die Zoom-Ausschnitte kaum „gelesen“ werden können. Der Leser kann weder „Halterungen“ noch „Führungen“ als solche in den Abbildungen ausmachen. 

Was wird der Bediener nun tun? Drei Alternativen bleiben: Viele werden sich, unabhängig von Erläuterungstext und Bild, ihren eigenen Reim auf den ersten Satz machen und ausprobieren, wie das Papierformat eingestellt werden kann. (Es wird schon irgendwie gehen.) Und wer dazu zu unsicher ist, wird sich wohl entweder eine Lupe besorgen müssen oder jemanden, der Bescheid weiß.

Zum Warnhinweis: Offenbar ist es nicht ungefährlich, Papier in die Papierkassette einzulegen. Zumindest suggeriert dies die Gestaltung des „Achtung!“-Hinweises, der auf Anleitungspunkt 4 folgt. Die Überschrift „Achtung“, das Warndreieck, halbfette Auszeichnung, Linien oben und unten – deutlicher geht es kaum noch. Gefahr für Leib und Leben besteht zwar nicht, aber immerhin sollen Beschädigungen des Druckers verhindert werden. Wer die Seite aufschlägt, wird den Hinweis wohl nicht übersehen. Auch für die Wirksamkeit des Hinweises wurde Sorge getragen: Klar werden die Folgen genannt, die eintreten können, wenn jemand den Hinweis nicht beachtet: schlechte Druckqualität, Papierstau, Beschädigung des Druckers. Weniger gelungen ist allerdings der Hinweis selbst: „Der Papierstapel muss kantenglatt zwischen den Führungen liegen.“ Was bedeutet „kantenglatt“? Davon hat vermutlich jeder irgendeine vage Vorstellung, mehr aber auch nicht. So macht der Warnhinweis zwar großen Eindruck auf den Leser, nur zum gewünschten Verhalten führt er nicht unbedingt.

Der Drucker – per Bedienfeld

Das Kapitel „Die Konfigurationsmenüs im Überblick“ enthält Informationen zum Inhalt der verschiedenen Menüs, die über das am Drucker befindliche Bedienfeld und Display ausgewählt werden können. In tabellarischer Form sind zu den einzelnen Menüpositionen ihr Zweck, die zur Verfügung stehenden Optionen und ihre Standardeinstellung angegeben. Als Beispiel mögen die Angaben zum Menüpunkt „Wiederanlauf Pag“ aus dem Menü „Maschine“ dienen. (Bild 3)
 

Bild 3: Wiederanlauf Pag aktiviert die Funktion Wiederanlauf Pag!

Der Titel des Menüpunktes „Wiederanlauf Pag“ ist nicht selbsterklärend. Wer auf diese Menüposition stößt, benötigt also eine Erklärung, was mit „Wiederanlauf Pag“ gemeint ist bzw. was die zur Verfügung stehenden Optionen bewirken. Diese Erklärung sucht man wohl am ehesten in der Tabelle unter dem Punkt „Zweck“. Dort sollte stehen, was die Funktion bewirkt. Leider erfährt der Leser hier nichts Brauchbares. Die Information, dass „Wiederanlauf Pag“ die Funktion Wiederanlauf Pag aktiviert oder deaktiviert, kann man wohl nur als Nonsens bezeichnen.

Fündig wird der Leser dagegen sowohl im einleitenden Satz („Wenn diese Funktion aktiv ist, werden automatisch alle Seiten, die bei einem Papierstau oder einem anderen Fehler unvollständig gedruckt wurden, neu ausgedruckt.“) als auch unter dem Punkt „Optionen“, wo es heißt „Ein Druckjob wird ab der Seite, bei der ein Papierstau oder Fehler aufgetreten ist, neu gedruckt.“ Beide Informationen sind eindeutig und klar verständlich. Die Doppelung ist allerdings überflüssig.

Das Kapitel „Die Konfigurationsmenüs im Überblick“ unterscheidet sich durch seine Herangehensweise grundsätzlich von anderen Anleitungskapiteln. Hier steht nicht im Vordergrund, was der Bediener erreichen will und wie er es erreicht, sondern das Kapitel geht von den Funktionen des Druckers aus und verliert den Bediener dabei völlig aus dem Blick. Der Bediener erhält ein Angebot und muss selbst entscheiden, was daraus er für seine Zwecke benötigt und verwenden will. Handlungsorientiert ist die Anleitung in diesem Kapitel somit sicherlich nicht. Dennoch hat das Kapitel insofern seine Berechtigung, als es dazu dient, sich einen schnellen Überblick über die zur Verfügung stehenden Menüpositionen und Optionen zu verschaffen. Ein Manko der Anleitung besteht allerdings darin, dass man offenbar meinte, sich auf dieses Überblickskapitel beschränken zu können, und auf die handlungsorientierte Anleitung verzichtet hat. Der Bediener wird nicht dazu angeleitet, einzustellen, was im Falle eines Papierstaus geschehen soll.

Fazit

Trotz mancher Textschwächen liegt das Hauptproblem der Anleitung wohl im Bereich der Abbildungen. Sie sind viel zu klein geraten, Wichtiges ist kaum zu erkennen. Selbst wo Details mit Müh' und Not noch erkannt werden können, bleiben die Abbildungen doch eine Zumutung für die Augen des Lesers.
 
 

Ulrike Grüne
Stuttgart
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004