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Kontrollierte Sprache

Vollauto

In der technischen Dokumentation ist der Schreibstil neben der Terminologie von entscheidender Bedeutung. Ein Text muss sprachlich konsistent, einfach verständlich sowie preis- und zeitgünstig übersetzbar sein.

Kann dies über über eine sogenannt kontrollierte, vereinfachte Sprache erreicht werden?

In der englischen Sprache wurden im Bereich der Technischen Dokumentation mehrere solche Versuche unternommen, am bekanntesten ist der Ansatz des Simplified English (SE) von der European Association of Aerospace Industries (AECMA) anfangs der 80'er Jahre.

Der gemeinsame Nenner all dieser Methoden ist die radikale Beschränkung des Wortschatzes und der vielfältigen Anordnungs- und Kombinationsmöglichkeiten.

Zur Illustration hier einige der 57 Regeln des SE:

  • Beschränkter Wortschatz (ca. 800 Wörter), dazu ein mehrfaches an abgesegneten zulässigen Spezialbegriffen 
  • Ein Wort = eine Bedeutung (z.B. close (schliessen) ist immer ein Verb, darf also nie in der Bedeutung von near (nahe) benutzt werden) 
  • Pro Satz nur eine Arbeitsanweisung 
  • Ein Absatz darf höchstens 6 Sätze umfassen
  • Dokumentationen welche mit kontrollierter Sprache erstellt werden, haben verschiedene Vorteile:
  • Konsistenter Gebrauch einer korrekten Terminologie 
  • Einheitlicher Schreibstil, daher vereinfachte Teamarbeit 
  • Aktualisierungen der Dokumentation gestalten sich unproblematisch 
  • Einfache Übersetzung 
  • Einfache Verständlichkeit für Leserinnen und Leser mit anderer Muttersprache 
Kontrolliertes Deutsch?

Das SE von AECMA hat für das Englische einen international akzeptierten Standard vor allem für die Luftfahrtindustrie gesetzt. Die Gründe liegen sicher in wirtschaftlichen und haftungsrechtlichen Erwägungen. Im Gegensatz dazu existiert für den deutschen Sprachraum kein derartig verbindliches Modell, obwohl auch hierzulande das Bedürfnis danach wächst.
Es scheint sich aber abzuzeichnen, dass für kürzere Dokumentationen und bei sehr komplexen Produkten ein kontrolliertes, standardisiertes Deutsch in einer derart beschriebenen, sehr restriktiven Form eine Utopie bleibt: Die Einengung der deutschen Sprache auf einige ausgewählte Satzstrukturen und einen Grundwortschatz scheint von verschiedenen Standpunkten der Linguistik problematisch. Nicht zuletzt stellt die Psycholinguistik gar die Lernbarkeit einer solchen Sprache in Frage.

Dennoch lohnt es sich, die beschriebenen Ideen und Konzepte in den eigenen Dokumentationsprozess einzubetten: Erstellen Sie einige wenige, aber verbindliche Regeln für Ihre Technischen Redakteure. Durch solche Regeln lassen sich Erstellungs- und Übersetzungsprozesse optimieren und Dokumentationen von gleich bleibend hoher Qualität produzieren.

Beispiele für Ihre Regeln

  • Nicht mehr als 15 Wörter pro Satz 
  • Nicht mehr als 5 Sätze pro Absatz 
  • Höchstens einen Nebensatz 
  • Ein Wort = eine Bedeutung 
  • Aktive Sprache (z.B. Lösen Sie die Schraube) 
  • Eine Handlungsaufforderung pro Satz 
  • Nach der Handlungsaufforderung folgt ein Handlungsresultat.
Werden solche Regeln durch ein gesamtes Dokumentationsprojekt angewendet, können Sie eine konsistente Dokumentation erstellen, selbst wenn mehrere Autoren daran arbeiten.

Natürlich greifen solche Regeln nur, wenn sie konsequent angewendet werden. Grössere Firmen haben hier Kontrollsysteme implementiert, welche die Redakteure auf ein Fehlverhalten hinweisen. In kleineren Firmen kann hier durch ein sorgfältiges Korrekturlesen Abhilfe geschaffen werden.

Es soll hier aber nicht verschwiegen werden, dass das Arbeiten mit kontrollierter Sprache gewöhnungsbedürftig ist. Der Lernaufwand ist nicht zu unterschätzen. Zudem gibt es oft auch Widerstände der Redakteure zu überwinden, welche sich gegen solch strikte Regeln wehren. Trotzdem sind wir der Überzeugung, dass sich dieser Initialaufwand mittelfristig positiv auf die Qualität und den Preis einer Dokumentation auswirkt. 

Fazit

Schreiben wir in einer kontrollierten, vereinfachten Sprache, werden die Texte für die Leserin und den Leser klar verständlich und informativ. Allerdings müssen die Regeln für ein kontrolliertes Deutsch zuerst (firmenintern) definiert, verinnerlicht und schliesslich konsequent angewendet werden. Ein Aufwand, der sich lohnt.
 

DOKU ATELIER AG, 2004
http://www.dokuatelier.ch
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 23.03.2005