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Das Äußere
  
Der Inhalt: Was man wissen muss
  
Der Inhalt: Worüber Mayer & Co. informiert
  
Pflege und Wartung in Text und Bild
  
Fazit
  
Autor
  

 

Unter der Lupe

Bedienungs- und Wartungsanleitung für Kunststofffenster

Brauchen Sie eine Bedienungsanleitung, um ein Fenster auf- und zuzumachen? Nein? Dennoch: Wer neue Fenster einbauen lässt, entdeckt oft, dass hinter einem Fenster eben doch etwas mehr steckt als nur ein Griff zum Öffnen und Schließen. Eine Anleitung ist nicht fehl am Platze. 

Unter der Lupe gelegen hat eine Bedienungs- und Wartungsanleitung für Kunststofffenster der MACO-Beschläge GmbH.

Das Äußere

Es handelt sich um ein Faltblatt im Hochformat 145 mm x 210 mm bzw., entfaltet, 285 mm x 210 mm. Praktisch ist die Möglichkeit, das Blatt abzuheften. Zu diesem Zweck wurde in drei unterschiedlich breite „Seiten“ gefalzt und die überstehende Seite gelocht.

Das Layout wirkt etwas unübersichtlich. Dazu tragen wechselnde Spaltenbreiten und der Einsatz vieler Farben bei. Auch die Falzung, so praktisch sie auch ist, bringt natürlich Unruhe ins Layout. Ferner irritiert eine Unmenge von Schriftauszeichnungen (Grundschrift: Grotesk) – Unterstreichungen, unterschiedliche Schriftgrößen und -schnitte, Rahmen, farbige Schrift. Auch die Abbildungen können nicht zufriedenstellen. Manche sind sehr klein, manche kontrastarm, bei mehreren Abbildungen lassen sich Details nur schwer erkennen.

Der Inhalt: Was man wissen muss

Vorab einige Überlegungen zu den Inhalten, die von einer Bedienungs- und Wartungsanleitung für Kunststofffenster zu erwarten sind:

Was man wissen muss, das hängt zunächst einmal davon ab, wer „man“ ist. Eine Bedienungsanleitung ist eine Anleitung, die sich an den Bediener, also den Endkunden wendet. Auch die „Wartung“ (eher: Reinigung und Pflege) eines Fensters obliegt in erster Linie dem Endkunden, nicht dem Fachmann.

Gehen wir also davon aus, dass die Anleitung sich an die Zielgruppe Endkunden wendet. Hinsichtlich der Bedienung wird hier im Wesentlichen darzustellen sein, wie man das Fenster öffnet und schließt, und zwar differenziert nach Dreh- und Kippfenster. Hinzu kommt das Umstellen von Dreh- auf Kippmechanismus und umgekehrt. Ein wichtiger Punkt ist des Weiteren die Pflege des Fensters: Welche Reinigungsmittel sind zulässig? Eventuell muss das Fenster (die Beschläge) auch gewartet werden – auch hierzu ist eine Anleitung notwendig. Schließlich benötigt der Endkunde Informationen, was zu tun ist, wenn die Fenster nicht „funktionieren“: Was soll er tun, wenn das Fenster klemmt?

Auch einige Warnhinweise sind sicher angebracht: Zwar gehen von einem Fenster kaum Gefahren für Personen aus; und wenn, dann unterscheiden sich diese meist nicht von den Gefahren, die von einer Vitrine oder einem Stuhl ausgehen. Warnungen vor spezifischen Risiken, die für das Fenster bestehen, (z. B. durch falsche Pflege) sind aber wohl unumgänglich.

Weitergehende Anleitungen zum Einbau, zur Reparatur oder zur Entsorgung der Fenster sind in einer Bedienungs- und Wartungsanleitung für den Endkunden überflüssig, da Einbau, Reparatur und Entsorgung Aufgaben des Fachhandwerkers sind.

Der Inhalt: Worüber Mayer & Co. informiert

Die Bedienungs- und Wartungsanleitung enthält Kapitel zu folgenden Themen:

  • Hinweise zur Produkthaftung
  • Bedienung des Dreh-Kipp-Beschlages
  • Einstellen der Beschlagsteile
  • Benutzer-Hinweise
  • Allgemeine Tips für Ihr Fenster
  • Pflege- und Wartungsanleitung
Einige der hier aufgeführten Überschriften lassen keinen Schluss auf den Inhalt der Kapitel zu. 
  • „Hinweise zur Produkthaftung“: Hier finden sich unter anderem die Hinweise, dass der Besitzer die Anleitung lesen muss und dass er auch andere Benutzer des Fensters über den Inhalt der Anleitung informieren muss.
  • „Benutzer-Hinweise“: Hinter dieser nichts sagenden Überschrift, die ebenso gut auch auf der Titelseite der Anleitung stehen könnte, verbergen sich Sicherheitshinweise.
  • „Allgemeine Tips für Ihr Fenster“: Dieses Kapitel enthält Angaben zur Reinigung, Pflege und Wartung, die man eher im Kapitel „Pflege- und Wartungsanleitung“ erwarten sollte.
Mit treffenderen Überschriften könnte besser erreicht werden, dass der Leser die Texte liest, die für ihn relevant sind. Nichts sagende Überschriften können dazu führen, dass der Leser die entsprechenden Passagen übergeht.

Das Kapitel „Einstellen der Beschlagsteile“ wendet sich ausschließlich an den Fachmann, wie im Vorspann des Kapitels klargestellt wird: „Die Einstellarbeiten an den Beschlägen sowie das Aus- und Einhängen der Flügel sind nur vom Fachbetrieb durchzuführen.“ Das Kapitel ist somit in der Bedienungs- und Wartungsanleitung fehl am Platze. Damit wird ohne Not das Risiko eingegangen, dass der Laie sich an Arbeiten versucht, die er nicht bewältigen kann.

Die Bedienung des Dreh-Kipp-Beschlages dürfte den meisten Bedienern keine Probleme bereiten – schließlich funktionieren viele Fenster anderer Anbieter genauso. Wer neue Fenster einbauen lässt, hat in seinem Leben bereits Erfahrungen mit verschiedenen Fenstertypen gesammelt (in der eigenen und in fremden Wohnungen, in öffentlichen Gebäuden, in Hotels usw.). Man kann also davon ausgehen, dass er zumindest durch Ausprobieren in der Lage sein wird, herauszufinden, wie das Fenster geöffnet, geschlossen, gekippt wird.

Das für den Endkunden wichtigste Kapitel dürfte die Pflege- und Wartungsanleitung sein. Denn bei Pflege und Wartung gibt es durchaus Unterschiede zwischen verschiedenen Fenstertypen zu beachten und der Rückgriff auf eigene Erfahrungen ist nicht immer möglich. Dieses Kapitel soll deshalb im Folgenden genauer betrachtet werden.

Pflege und Wartung in Text und Bild

Um es vorwegzunehmen: Die wesentliche Schwäche der Pflege- und Wartungsanleitung liegt darin begründet, dass die Zielgruppe nicht definiert wurde. Der Text ist in Teilen für den Laien unverständlich und auch die Abbildungen wenden sich ganz offensichtlich nicht an den Laien, sondern an den Fachmann. Im Text wird aber eine Einschränkung auf den Fachmann nicht formuliert. Und da Pflege und Wartung normalerweise Aufgaben des Besitzers der Fenster sind, muss man wohl davon ausgehen, dass der Besitzer das Kapitel lesen und verstehen muss.
Bild 1 zeigt das Kapitel in seiner Gesamtheit:
  


Bild 1: Kontrollieren, fetten – aber was?

Die Terminologie überfordert den Laien: Was ist eine Winkelbandschere, was sind Verriegelungszapfen, was ist eine Riegelstange? Woher beschafft man Staufferfett? Wie unterscheidet sich technische von handelsüblicher Vaseline? Es mag sein, dass der Fachhandwerker all dies wissen muss, der Besitzer eines neuen Fensters braucht das nicht.

Auch die Inhalte des Textes sind zum Teil nur vom Fachmann zu verstehen: „Beschlagsteile, die sicherheitsrelevanten Charakter haben, sind in regelmäßigen Abständen auf Verschleiß zu kontrollieren.“ Der Laie versteht jedes Wort, aber er kann nicht entscheiden, welche Teile sicherheitsrelevanten Charakter haben. Und ob er in der Lage ist, zu entscheiden, wann der Verschleiß an einem Teil sicherheitsrelevante Ausmaße angenommen hat, sei ebenfalls dahingestellt. Es fehlt hier eine Anleitung, die den Besitzer des Fensters befähigt, zu entscheiden, wann er einen Fachmann hinzuziehen muss.

Sache des Besitzers, und nicht des Fachmanns, ist in jedem Fall die Reinigung der Fenster. Zu diesem Punkt erhält der Besitzer die Information: „Es sind nur solche Reinigungs- und Pflegemittel zu verwenden, die den Korrosionsschutz der Beschlagsteile nicht beeinträchtigen.“ Da stellt sich dem Laien natürlich die Frage, welche Reinigungs- und Pflegemittel denn diese Eigenschaft haben. Entweder braucht er hier eine Liste, in der die in Frage kommenden Produkte namentlich aufgeführt sind, oder eine Liste von Inhaltsstoffen, die für die Reinigung und Pflege zulässig oder nicht zulässig sind.

Auch die Abbildungen in der Pflege- und Wartungsanleitung helfen dem Leser nicht weiter. Das betrifft zum einen die Abbildungen von Beschlagsteilen im unteren Bereich der Seite: Details sind hier kaum zu erkennen. Wer sich mit Fenstern nicht auskennt, wird die einzelnen Teile auch wohl nicht an seinem Fenster lokalisieren können. Insbesondere ist es für den Laien schier unmöglich, die einzeln abgebildeten Teile dem Gesamtrahmen in irgendeiner Weise zuzuordnen. Dies betrifft in besonderem Maße die kleine Abbildung rechts unten (Beschriftung: „Anpreßdruck stärker“/„Anpreßdruck leichter“): Wo die abgebildeten drei Zapfen am Fenster oder im Fensterrahmen zu suchen sind, ist aus der Ansammlung an Abbildungen nicht zu entnehmen. Ebenfalls nicht zu erraten: die Bedeutung der diversen roten und blauen Pfeile, die über die Abbildungen verteilt sind.

Unverständlich für den nicht vorgebildeten Leser sind auch die beiden Abbildungen, die in der rechten oberen Ecke der Pflege- und Wartungsanleitung zu finden sind. Der eine denkt an Satzspiegel, für andere mag ein Schnittmusterbogen als Assoziation näher liegen. Aber was haben die beiden Abbildungen mit Pflege und Wartung von Fenstern zu tun? Offenbar handelt es sich um eine dem Fachhandwerker geläufige Art der Darstellung, mit der der Laie nur leider nichts anfangen kann.

Fazit

Wer soll die Bedienungs- und Wartungsanleitung eigentlich lesen? Mit einer klaren Antwort auf diese Frage hätten viele Schwächen der Anleitung vermieden werden können.
 
 


Ulrike Grüne
Bochum

 
 
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004