Home Previous Zeitschrift 2002/03 Next Index
 
  Inhalt:
 
 
 
Die vier Grundtypen
    
Fazit
   
Autor
   

 

Layouttypen - Ordnung im "Chaos"

Ordnung in die immense Vielfalt prinzipiell möglicher und "real existierender" Layouts zu bringen fällt nicht leicht. Selbst wenn man sich auf den Sektor der technischen Dokumentation beschränkt, entdeckt man - bedingt durch die individuellen Präferenzen (und Richtlinien z.B. in Hinsicht Corporate Identity) - eine stattliche Anzahl von Konzepten, von denen manche jedoch gewisse Ähnlichkeiten aufweisen. Was liegt deshalb näher, als nach einer Ordnungssystematik zu suchen, eine Typologie zu erstellen, um "Licht ins Dunkel zu bringen". Der Typus besitzt somit bestimmte Merkmale und ist genau so oder in zumindest ähnlicher Form dann tatsächlich vorzufinden.

Bei der von uns erstellten Typologie haben wir vier Typen unterschieden, die wir beim Vorliegen bestimmter Voraussetzungen verwenden. Jeder dieser Typen - Sandwich, Lift, Zwilling, Top - besitzt charakteristische Merkmale, die wiederum Vor- und Nachteile beinhalten. Deshalb ist aufgrund der von unseren Kunden und uns gesammelten Erfahrungen z.B. nicht jeder dieser Typen für eine Bedienungsanleitung, nicht jeder für eine Wartungsanweisung  geeignet. Dies bedeutet jedoch nicht, daß wir starr auf diesen Positionen verharren und nicht nach neuen, innovativen Möglichkeiten  suchen. Außerdem haben Sie selbst natürlich schon längst erkannt, daß sich z.B. nur bei der Änderung der Formatlage (vom Hoch- zum Querformat) neue Varianten und Möglichkeiten ergeben. Dies ist  selbstverständlich auch bei einer Formatänderung (von DIN A5 auf DIN A4 oder ein Sonderformat) der Fall. Deshalb wollen wir uns hier auf das DIN A4-Hochformat beschränken.

Bei der auf der folgenden Übersicht wurde davon ausgegangen, daß der Ersteller zum einen vor allem das erforderliche Know-how und zum anderen selbstverständlich auch die adäquate Infrastruktur - Hard- wie Software in Form eines DTP- bzw. EP-Systems - besitzt.

Bei der Entscheidung für oder gegen einen Layouttyp sollte dabei nicht nur ein Faktor (z.B. die Schwierigkeit der Erstellung) berücksichtigt werden, sondern muß ein ganzes Faktorenbündel im Hinterkopf präsent sein. Im Hinblick auf den Zusammenhang von Layout und Lesen sind dies für den Dokumentationsbenutzer v. a. die Arten und  damit verbundenen Möglichkeiten der Informationsaufnahme. Hier gibt es fördernde (z.B. adäquate Spaltenbreite) und hemmende Faktoren (z.B. rechtsbündig gesetzter Text). Bei den Layouts, die wir einem Typ zugeordnet haben, werden Sie dies sofort sehen. Unser Vorschlag: Bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil. Benutzen Sie dazu die nachfolgend aufgeführten Kriterien (Merkmale, Vorteile, Nachteile), modifizieren oder ergänzen Sie diese oder erstellen Sie sich ganz einfach Ihren eigenen Kriterienkatalog.

Die Zuordnung wird Ihnen nicht immer leichtfallen, aber wenn Sie sich hier Zeit nehmen, die in der Praxis oft routinemäßig oder unbewußt getroffenen Entscheidungen zu überprüfen, so werden Sie vielleicht zu einer der folgenden Feststellungen gelangen: 
"Das habe ich bisher nicht berücksichtigt." "Wäre eine Überlegung wert." "Könnte ich mir bei der Definition unseres Corporate Design gut vorstellen." 

Layout Typ und Merkmal Vorteile Nachteile
Sandwich 
  • Einspaltiger Text
  • Zentriertes, freigestelltes Bild 
  • Text besitzt Rahmenfunktion
  • leichte Änderbarkeit 
  • Bild als eye-catcher 
  • Bilder in jeder Größe problemlos einsetzbar
  • schnell realisierbar 
  • gute Eignung für  Sequenzen mit Bild über gesamten Satzspiegel 
  • gute Eignung für Tabellen 
  • unmittelbare Text-Bild-
    Zuordnung nicht gegeben (Bild-Text-Sprünge) 
  • Bild lenkt vom Haupttext ab  ganzspaltiger Text schlechter lesbar (höherer Ermüdungsgrad) 
  • selektives Lesen erschwert 
Lift 
  • Zweispaltiger Text
  • In Spalte integrierte Bilder 
  • Text gut lesbar (geringe Spaltenbreite)
  • für beschreibenden, längeren Text gut geeignet 
  • Variable Positionierung der Bilder innerhalb einer Spalte 
  • bei mehreren Bildern unruhiger Gesamteindruck 
  • erschwerte Änderbarkeit 
  • hohe Informationsdichte 
  • erschwerte Text-Bild-Zuordnung
  • Spaltenabhängigkeit der Bilder 
Zwilling 
  • Einspaltiger Text 
  • Einspaltige (vertikale) Bildleiste
  • Bild-Text- Zuordnung leicht realisierbar 
  • (Parallelität) -eindeutiger Bildplatzhalter 
  • lockerer Gesamteindruck
  • Text schnell erfaßbar
  • für anleitende Texte gut geeignet 
  • weniger für beschreibende Texte geeignet 
  • weniger für großes Textvolumen mit geringer Bildanzahl geeignet 
  • erhöhter Platzbedarf
Top 
  • Asymmetrische Spaltenführung 
  • Stichwörter (Überschriften) in linker Spalte 
  • Haupttext in rechter Spalte 
  • modulares Konzept 
  • universell einsetzbar 
  • selektiv lesbar (Quereinstieg) 
  • gezielte Informationssuche (Stichpunkte)  
  • für beschreibende Texte gut geeignet 
  • Strukturiertheit 
  • relativ aufwendig vom Layout 
  • relativ aufwendig in der Änderung 
Fazit

Nachdem wir Ihnen unsere auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierenden Erfahrungen offengelegt, einzelne Layouttypen herauskristallisiert und diese für bestimmte Dokumentationsarten empfohlen oder nicht empfohlen haben, ein wiederholter Hinweis: Wir behaupten, daß bei technischen Dokumentationen die gewünschte Information "schnell gefunden, sofort erkannt, gut lesbar sowie übersichtlich angeordnet sein" muß. Nur wenn dies gewährleistet ist, kann der Sinn und Zweck einer technischen Dokumentation voll erfüllt sein. Nur dann können der Autor, der Leser (Benutzer) und der Produzent gänzlich zufrieden sein.

Ein informativer Text in einem Layout, das sich mit einem strukturierten logischen Eindruck empfiehlt, motiviert geradezu zur häufigen Konsultation. Schnell und gezielt kann die gewünschte Information gefunden werden, es erfolgt eine Verdeutlichung/Veranschaulichung durch Bilder/Übersichten/Grafiken mit all den daraus resultierenden und in der Übersicht dargestellten Vor- und Nachteilen. Es ist klar, daß diese Art des Layouts (und des gesamten Dokumentationskonzepts) eine genaue, stringenten Abklärung des Dokumentationszieles und der Umsetzung und Prüfung des Layouts verlangt. Eine praktikable Möglichkeit, hier eine Überprüfung vorzunehmen, sind individuell zusammengestellte Checklisten für die unterschiedlichen Bereiche. Das Rad braucht nicht jedesmal neu erfunden zu werden. Zu berücksichtigende Punkte liegen vor, können überprüft werden, und man ist durch "sanften Druck" dazu gezwungen, kritisch zu überlegen, ob die Punkte auch berücksichtigt wurden bzw. Erfüllt sind. Dazu gehört die Fähigkeit, trotz Hektik und Termindruck, die geforderten Antworten ernst zu nehmen und hier nicht nach dem "Paßt-schon-Prinzip" und der möglichen Alibi Funktion vorzugehen. Nur so wird eine Checkliste ihre Funktion voll erfüllen können, nur so werden mit der Bearbeitung analoger oder ziemlich ähnlicher Aufgabenstellungen Checklisten für bestimmte Dokumentationsarten unter Berücksichtigung firmenspezifischer Gegebenheiten entstehen und wachsen, die keine lästigen Pflichtübung, sondern eine echte Hilfe, z.B. in Layoutfragen darstellen.

Betrachten Sie nun den Layouthimmel bei Nacht und suchen nach seiner Bedeutung für die technische Dokumentation, so werden vielleicht auch Sie eine Sternschnuppe entdecken, die Ihnen etwas die Richtung weist. Und vielleicht werden auch Sie eines Tages den kleinen Prinzen treffen, der Ihnen nochmals beteuert "layout follows function". 

Tanner AG

 
 

Zum Seitenanfang
 


© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004