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Licht aus - Spot an!  

Wer steht nicht gern im Rampenlicht? Dunkel die Umgebung, nur ein Scheinwerfer auf die Bühne gerichtet, der die Hauptperson in gleißendes Licht taucht ... Genau dies kann man natürlich auch mit Bildern machen. Zum Beispiel in einer Galerie. Sie hängen an der Wand und werden von Spotlicht effektvoll angestrahlt, damit sie besser zur Wirkung kommen. Das Spotlight ist das Symbol für die Konzentration auf den Kern eines Motivs - es hebt das Wichtige hervor und lässt alles Nebensächliche im Dunkel versinken. 

Solch einen Effekt kann man natürlich auch mit Adobe Photoshop, dem Marktführer der Bildbearbeitungsprogramme, erzeugen. Es gibt hierfür einen eigenen Filter, mit dem man die Lichtführung über einem Bild steuern kann. Er versteckt sich unter "Filter > Rendering-Filter > Beleuchtungseffekte..." und besitzt eines der größten Dialogfelder in Photoshop überhaupt. In der aktuellen Erweiterungsausgabe von Photoshop Aktuell, dem Praxishandbuch des MEV-Verlags für diese Software, beschäftigt sich ein eigener, umfassender Beitrag in allen Einzelheiten mit diesem Filter. In dem hier vorliegenden Artikel wollen wir Ihnen einige Effekte, die damit erzielbar sind, in einer kürzeren Fassung vorstellen. 

Voraussetzung ist immer, dass das zu bearbeitende Bild im Modus RGB vorliegt. Der Filter akzeptiert keinen anderen Farbraum. Gegebenenfalls muss das Foto vorher in diesen Modus konvertiert werden. Dies ist auch für die Bilder der Fond Collection der Fall - zumindest solange man mit den HiRes-Dateien arbeiten möchte. Eine weitere Sache ist wichtig für das Verständnis der Funktionsweise des Filters: Man kann mit ihm keine neuen Lichtquellen zum Motiv selbst hinzufügen oder dieses neu oder anders beleuchten. Der Filter arbeitet grundsätzlich so, dass er das zu bearbeitende Bild als flaches, zweidimensionales Objekt betrachtet, das wie ein Foto an der Wand oder auf einem Tisch mit einer oder mehreren Lichtquellen angestrahlt wird. Das Licht des Filters kann also der Räumlichkeit des Motivs nicht folgen und deshalb auch keinen realistischen Schattenwurf innerhalb des Motivs erzeugen. 
 

Einfach gigantisch: Das Dialogfeld des Renderungfilters "Beleuchtungseffekte"

Nach dem Anwählen des Filters erscheint ein äußerst umfangreiches Dialogfeld - lassen Sie sich davon aber nicht abschrecken. Auf der linken Seite befindet sich das Vorschau-Fenster, in dem die aktuelle Datei verkleinert angezeigt wird. In diesem Fenster befindet sich auch immer mindestens eine symbolische Lichtquelle - zu erkennen an einem kleinen, schwarz umrandeten Kreis in der Farbe des Lichtes, das sie abstrahlt. Weitere Lichtquellen (maximal 16) kann man hinzufügen, indem man diese entweder mit der Maus aus dem Glühlampen-Symbol unterhalb des Vorschau-Fensters in dieses zieht, oder mit gedrückter Alt-Taste eine vorhandene Lichtquelle durch Ziehen mit der Maus dupliziert. Zum Entfernen einer Lichtquelle zieht man diese auf das Papierkorb-Symbol, ebenfalls unterhalb des Vorschau-Fensters. 

Es können auch mehrere (bis zu 16) Lichtquellen im Vorschaufenster gesetzt werden, die jeweils individuell konfigurierbar sind - auch bezüglich der Farbe. Die Lichtquellen dürfen auch außerhalb des Bildes sitzen, aber nicht außerhalb der Vorschau. Es ist immer nur eine markiert (hier die grüne), die dann eingestellt werden kann. 
 

Auch pauschale Einfärbungen sind möglich, wenn man diffuses Licht einer Farbe setzt
 

Hat man mehrere Lichtquellen angelegt, kann immer nur eine hiervon markiert sein. Dies nimmt man vor, indem man auf das Lichtquellen-Symbol klickt - es erscheinen weitere Einstellelemente und die Definitionsmöglichkeiten auf der rechten Seite des Dialogfelds beziehen sich nun auf diese Lichtquelle. Es gibt drei Arten von Lichtquellen, die man über das Popup-Menü bei "Lichtart" anwählen kann: "Diffuses Licht", "Strahler" und "Spot". Sie unterscheiden sich hauptsächlich bezüglich ihrer Konfigurationsmöglichkeiten. "Diffuses Licht" besteht aus parallelen Lichtstrahlen, die das gesamte Bild gleichmäßig ausleuchten. Eine Lichtquelle dieses Typs besitzt im Vorschau-Fenster nur eine Linie als Einstellelement. Die Länge dieser Linie bestimmt die Neigung, mit der das Licht auf dem Bild auftrifft: Eine lange Linie bedeutet flach auftreffende Lichtstrahlen (also wenig "Lichtmenge"), eine kurze steil auftreffende, also eine stärkere Beleuchtung. "Strahler" entspricht einer Glühbirne, die einen Schein auf das Bild wirft. Der Lichtkegel ist immer kreisförmig - das Einstellelement ist demnach auch ein Kreis, dessen Durchmesser man verändern kann. Die komplexesten Möglichkeiten bietet der "Spot" - ein Kegel gerichteten Lichts, der nicht nur senkrecht, sondern auch schräg auf das Bild auftreffen kann und als Kegelschnitt eine Ellipse bildet. Diese kann in zwei Dimensionen verzerrt werden - der Lichtschein lässt sich so recht umfassend steuern. 

Wichtig in der rechten Hälfte des Dialogfelds sind nun zunächst die beiden unscheinbaren Farbfelder ganz rechts. Ein Klick auf eines hiervon bringt den Photoshop- Farbwähler zum Vorschein, mit dem man die Farbe dieses Feldes verändern kann. Das obere Farbfeld legt die Farbe für die aktuelle, im Vorschau-Fenster markierte Lichtquelle fest. Auf diese Art kann man farbiges Licht zur Beleuchtung einsetzen, bei mehreren Lichtquellen sogar jeweils individuell, so dass die Möglichkeiten dieses Filters bis zu bunter Disco-Beleuchtung reichen. Das untere Farbfeld definiert die Farbe des Umgebungslichts - also des Lichts, mit dem die Teile des Bildes beleuchtet werden, die kein Licht von irgend einer Lichtquelle des Filters erhalten. Die Regler des oberen Einstellbereichs "Lichtart" beziehen sich dementsprechend auch jeweils nur auf die aktuelle Lichtquelle, die des mittleren mit der Bezeichnung "Eigenschaften" auf das gesamte Bild. 

Gerät man mit dem Regler "Intensität" in den negativen Wertebereich (also unter Null), dann wird die Farbe des Lichtes dieser Quelle umgekehrt - aus Weiß wird Schwarz, aus Rot Cyan, aus Blau Gelb, usw. Mit den Reglern "Glanz" und "Material" stellt man Helligkeits- und Kontrastverhältnisse ein, mit denen Bild- und Lichtfarben miteinander gemischt werden sollen. Diese ergeben in ihrer Anmutung die Effekte, die an den Reglern beschrieben werden - also "matt" oder "glänzend" bzw. die Reflexionseigenschaften von "Plastik" oder "Metall". Der Regler "Belichtung" bezieht sich auf das gesamte Bild. In Mittelstellung wird dieses von ihm nicht verändert; nach links wird alles abgedunkelt (bis zu reinem Schwarz in der Extremposition), nach rechts pauschal aufgehellt. Mit der Option "Umgebung" schließlich beeinflusst man ausschließlich das Licht, das Bildteile erhalten, die nicht im Schein einer Lichtquelle liegen. Auch hier gilt wie bei "Intensität": Negative Werte (links vom Mittelpunkt des Reglers) bewirken eine Umkehrung der Farbe des Umgebungslichts, das man mit dem korrespondierenden Farbfeld definieren kann. Unverändert bleiben diese Bildteile, wenn der Regler auf 50 steht und die Umgebungsfarbe mit reinem Weiß definiert ist. 

An der Unterkante des Dialogfelds gibt es schließlich noch die Möglichkeit, einen im Bild vorhandenen Farbkanal als so genannten Reliefkanal festzulegen. Die Grauwertinformation dieses Kanals wird ähnlich dem Filter "Filter > Stilisierungsfilter > Relief..." über das Bild gelegt, wobei die Licht- und Schattenkanten, die diese Option erzeugt, durch die Lichtquellen bestimmt werden, die man gesetzt hat - auch wenn dies mehrere sind. Auf diese Art kann man beispielsweise reliefartige Texte über das Bild mappen oder glatte Flächen mit Holz- oder Textilstrukturen überziehen. Gerade diese Möglichkeit bildet ein weites Feld für zusätzliche Experimente. 

Eine besonders praktische Eigenschaft des Dialogfelds ist es, aus einer Vielfalt an fertig vordefinierten Sets an Beleuchtungseffekten per Popup-Menü am Kopf auswählen zu können. Hier finden sich auch so interessante Farblichteffekte wie "RGB-Lichter" oder "Blauer Strahler". Hat man selbst ein Parameterset zusammengestellt, das man auch auf andere Bilder anwenden möchte, klickt man einfach auf "Speichern..." gibt dem Set einen sinnvollen Namen und bestätigt mit "OK". Von nun an steht dieses Set im Menü unter seinem Namen direkt anwählbar zur Verfügung - bis man es durch Klicken auf die Taste "Löschen" wieder aus diesem entfernt. 

Eine sehr interessante Anwendung des Filters "Beleuchtungseffekte" ist die Verwendung eines Bild- oder Alphakanals als Reliefkanal. Hier wurde eine Textzeile gesetzt, verzerrt, als Alphakanal gespeichert und als Reliefkanal aktiviert.
  
  
 
 
 

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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004