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    beiläufiges Lernen 

    Pilotprojekt 

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Wissen so ganz nebenbei erwerben
 

Lernen müssen wir alle. Wissen ist zur wichtigsten Ressource im Arbeitsprozess geworden. Und selten ist unser Wissen so schnell wieder hinfällig geworden. Wir müssen uns zum Beispiel begrifflich dem ständigen Wandel unserer Arbeitsumgebung anpassen. Und das oft in mindestens einer weiteren Sprache zusätzlich zu unserer Muttersprache. "Lebenslang lernen" ist nicht nur ein Schlagwort, mit dem Fortbildungskurse verkauft werden sollen.

Im Allgemeinen erfordert Lernen unsere ganze und ungeteilte Aufmerksamkeit. Wir konzentrieren uns auf den Lehrstoff, den wir verinnerlichen sollen. Meistens bedeutet dies schlicht und einfach Pauken. Das läßt die sowieso oft nur extrinsische Lernmotivation (vgl. Heckhausen 1988) und mit ihr den Lernerfolg sinken. So kann auch Aufmerksamkeit und kostbare Zeit verschwendet werden. Dabei ist Aufmerksamkeit ein Gut, von dem die meisten von uns zu wenig haben und das sich leider nicht vermehren lässt. Nachhaltigkeit, verstanden als schonender Umgang mit knappen Ressourcen, täte also gerade beim Lernen Not.

Lernsoftware für "beiläufiges" Lernen

Wir wenden in der von uns erstellten Lernsoftware deshalb das Prinzip des "beiläufigen" oder unbewussten Lernens an (vgl. hierzu Bock/Kirberg/Windgasse 1992). Man spricht hier auch von einem gewissen "Mitnahmeeffekt" (Kuhlen 1991). 
Reize, die das zu verinnerlichende Wissen transportieren, werden in den Zeiträumen präsentiert, in denen die Konzentration auf eine Sache unterbrochen wird und der Aufmerksamkeitsfokus für einige Zeit nicht fixiert ist. Wir verwenden das klassische Medium Bildschirmschoner als Lehrmedium. Der Bildschirmschoner schaltet sich dann ein, wenn der Rechner und vermutlich auch der momentane Benutzer dieses Rechners in einer Ruhephase sind. In diesen Phasen können Wissenselemente präsentiert werden, die nebenbei aufgenommen und, ständig wiederholt, allmählich in das Langzeitgedächtnis übernommen werden. Ständiges Wiederholen einer begrenzten Zahl von einfachen Reizen ist das Erfolgsrezept dieser Lehrmethode. Sie ist deshalb besonders gut geeignet für das Einpauken von Wortschätzen: Englisch für Geschäftsverhandlungen, Italienisch für die einfache Telefonkonversation, spezifische Terminologien, die am Arbeitsplatz benötigt werden sind ideale Anwendungsgebiete für diese Methode. Das Unternehmensziel ist hierbei die Unterstützung von Firmen und Verlagen. So ist es uns beispielsweise möglich, ihre spezifische Terminologie für unser System aufzubereiten und Ihnen das Lernprogramm für Ihre Zwecke zu überlassen, sei es als ergänzende Schulung für neue Mitarbeiter oder zum Einarbeiten neuer Lieferanten in das zweisprachige Produktprogramm Ihrer Firma.

Pilotprojekt Bildschirmschoner

Als Pilotprojekt haben wir einen Bildschirmschoner konzipiert, der die wichtigsten Regeln und die häufigsten Wörter der neuen Rechtschreibung präsentiert. Die Auswertung des begleitenden Fragebogens bei Testanwendern der Methode zeigte eine deutliche Verbesserung in der Beherrschung der neuen Rechtschreibung und eine sehr positive Einstellung zur Lernmethode. Der objektive Lernerfolg wurde durch ein Diktat am Anfang und am Ende der Testperiode kontrolliert. 

Der dazu gehörende Rechtschreibtrainer bietet zur Vertiefung des Wissens einen aktiven Lernmodus in Form eines klassischen "drill & practice" Vokabeltrainers, das Herzstück jedoch ist das passive, beispielbasierte Lernen. 

Der Bildschirmschoner, heute ein technisch überflüssiges Programm, das sich zu einer Spielwiese entwickelt hat, bietet nicht nur Vorteile als Träger einer anderen Lernstrategie. Durch ansprechende grafische Gestaltung kann diese Software auch zur Formung der Corporate Identity beitragen, dies insbesondere an Arbeitsplätzen mit Kundenkontakt bei langen Ruhezeiten des Rechners. 

Der hier beschriebene Bildschirmschoner "neue Rechtschreibung" als Vollversion zum Testen sowie weitere Informationen zu dem Thema sind über die URL "www.lingware.de/" erhältlich.
 
 

Dr. Lothar Lemnitzer
Firstwaldstr. 15 / 1
72 116 Mössingen
E-Mail: lothar@lemnitzer.de

Literatur:

  • Bock, M. / Kirberg A. / Windgasse, T.: Absichtsvolles versus beiläufiges Lernen beim Fernsehen. In: Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie 24(1992)2, S. 144-155
  • Heckhausen, Heinz: Dynamische Theorie der Persönlichkeit. Bern / Stuttgart 1988
  • Kuhlen, Rainer: Hypertext. Ein nicht-lineares Medium zwischen Buch und Datenbank. Berlin et al. 1991
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004