Home Previous Zeitschrift 2004/10 Next Index
 
  Inhalt:
 
 
 
Grundregeln für das Mind Mapping
Vorteile des Mind Mappings
Wo können Mind Maps eingesetzt werden?

 

Mind Mapping 

Bewußte Nutzung beider Gehirnhälften

Das menschliche Gehirn besitzt eine linke und eine rechte Hälfte. Neuere Forschungen zeigen, daß beide Gehirnhälften jeweils unterschiedliche Funktionen wahrnehmen. Die linke Gehirnhälfte ist bei den meisten von uns für rationales Denken, Logik, Sprache, Zahlen, Linearität und Analyse zuständig, während der rechte Teil überwiegend Raumwahrnehmung, Phantasie, Farbe, Rhythmus, Gestalt, Musterkennung und Dimensionalität steuert.

Von dieser Erkenntnis ausgehend vermarktet der Engländer Tony Buzan die Mind-Map-Technik, durch welche gezielt beide Gehirnhälften angesprochen werden sollen. Durch die Nutzung beider Gehirnregionen werden Synergieeffekte genutzt, welche die geistige Leistung deutlich verbessern.

Denken ist kein linearer Vorgang, sondern ein äußerst komplexer Prozess, bei welchem im Gehirn ständig neue - durch Schlüsselwörter hervorgerufene - Assoziationen und Strukturen gebildet werden. Es kann stets zwischen verschiedenen Gedankengängen "hin- und hergesprungen" werden. Details können in Gedanken beliebig hinzugefügt, variiert oder "ausgeblendet" werden. Es ist leicht möglich, Verknüpfungen zu anderen - bereits bekannten - Wissensgebieten zu erstellen oder abzurufen, so daß sich im Gehirn ein Netzwerk von miteinander in Verbindung stehenden Informationen bildet.

Um dieser Funktionsweise des Gehirns gerecht zu werden, wird empfohlen, Informationen nicht linear in Listen oder Fließtext (bei welchen oft bis zu 90% der Worte für Erinnnerungszwecke irrelevant sind) darzustellen, sondern in einer Art, die die Aufzeichnungen zu einem einzigartigen, im wahrsten Sinne des Wortes merkwürdigen Bild werden läßt. Auf überflüssige Füllworte wird bewußt verzichtet und stattdessen werden gut zu wählende Schlüsselworte benutzt, die zur späteren Erinnerung des Inhaltes ausreichen und gleichzeitig zu einer inneren Auseinandersetzung mit dem festzuhaltenen Thema führen.


Grundregeln für das Mind Mapping
 

  • Das Papier wird im Querformat genutzt ! In die Mitte der Seite wird ein einprägsames Bild oder eine kleine Skizze gezeichnet, die das zu behandelnde Hauptthema darstellt. Falls eine Zeichnung nicht sinnvoll erscheint, sollte das Schlüsselwort zumindest mit 3D-Effekt in die Blattmitte gesetzt werden. Doch nicht vergessen: Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte!
  • Von dem zentralen Bild ausgehend wird für jeden tiefergehenden Gedanken bzw. Unterpunkt eine Linie gezeichnet.
  • Auf diese Linien werden die einzelnen Schüsselworte zu den Unterpunkten geschrieben. Diese Worte sollten in Druckbuchstaben eingetragen werden, um die Lesbarkeit und Einprägsamkeit der Mind Map zu erhöhen.
  • Von den eingezeichneten Linien können wiederum Linien ausgehen, auf denen die einzelnen Hauptgedanken weiter untergliedert werden. Von diesen weiterführenden Linien können wieder andere ausgehen, usw. usw. Buzan spricht von "ausstrahlen".
  • Benutzen Sie unterschliedliche F a r b e n , um die Übersichtlichkeit zu erhöhen. Gleichzeitig können beispielsweise auch zusammengehörende Gedanken und Ideen leicht durch Verwendung der gleichen Farbe verdeutlicht werden.
  • Symbole wie z.B. Pfeile, geometrische Figuren, kleine Bilder, gemalte Ausruf- oder Fragezeichen und selbst definierte Sinnbilder sind sooft wie möglich zu nutzen; sie erleichtern die Erfassung des Inhalts und können helfen, einzelne Bereiche abzugrenzen oder hervorzuheben.
  • Bei kreativen Überlegungen sollte man sich nicht allzu lange damit beschäftigen, an welcher die Stelle die Mind Map ergänzt wird. Das stört nur den freien Gedankenfluß, schließlich kann man schneller denken als schreiben. Umstellungen können später immer noch in einer Neuzeichnung vorgenommen werden. Dieses Vorgehen hat außerdem zum Vorteil, sich ein weiteres Mal mit der gemappten Thematik zu befassen. So kann der Inhalt besser erinnert und verstanden werden, und es besteht die Chance, den entscheidenden Gedanken gerade bei dieser Neugestaltung zu bekommen. 

Vorteile des Mind Mappings
 

  • Das Hauptthema / die Grundidee wird zentral angeordnet und kann somit schnell erfaßt werden. Die graphische Repräsentation unterstützt beim Denken und Regularitäten können schnell erkannt werden (s.a. Komplexität reduzieren). Ein kurzer Blick auf die Mind Map genügt, um zu wissen, worum es geht. 
  • Durch die Verästelungen kann die relative Bedeutung eines Gedankens oder einer Idee gut dargestellt werden. Es wird eine Hierarchisierung und Strukturierung vorgenommen.Eine Mind Map offenbart Lücken. Aufgrund der graphischen Darstellung ist sehr leicht zu erkennen, welche Gedanken bereits gut und welche bisher wenig entwickelt sind (so wie eine "Leere Zelle" in einer Tabelle direkt auffällt). 
  • Durch die Verwendung von Schlüsselwörtern kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren; gleichzeitig werden Zeit (zum Erstellen u. Lesen) und Raum (auf dem Papier) gespart. 
  • Die Mind Map eignet sich hervorragend zur Wiederholung des Stoffes; die Grundgedanken sind bereits verstanden, zur Rekonstruktion und Erinnerung reichen Assoziationen hervorrufende Schlüsselwörter aus. 
  • Für eine Mind Map reicht meistens eine Seite Papier (DIN A4, besser: DIN A3) aus; Information wird somit lokal zusammengefaßt, wodurch der Inhalt leichter und schneller aufgenommen werden kann. 
  • Die Mind Map kann organisch wachsen; durch weitere Verästelungen ist die Mind Map stets für Erweiterungen offen. 
  • Jede Mind Map sieht anders aus; dadurch wird man sich an ihre Form und an ihrem Inhalt leichter erinnern können.
  • Zusammengehörige Ideen/Ansätze/Grundgedanken können durch Umrahmung oder farbliche Kennzeichnung gekapselt werden. 


Wo können Mind Maps eingesetzt werden?

  • Ein Aufsatz oder ein Vortrag kann mittels Mind Mapping vorbereitet werden. Durch entsprechende Anordnung oder farbliche Markierung lassen sich einzelne gut voneinander Absätze/Themenbereiche abgegrenzen. Die Mind Map ersetzt hier den klassischen Stichwortzettel. Die Leser bzw. Hörer können den Inhalt wiederum mindmappen und schon haben sie das Wesentliche in schriftlicher Form vorliegen.
  • Bei Gruppenmeetings können die Hauptideen/-punkte in einer großen Mind Map festgehalten werden. Auf diese Weise hat jeder Teilnehmer stets einen Überblick über den gesamten bisherigen Sitzungsverlauf. Da nur Schlüsselwörter aufgezeichnet werden, ist jeder Teilnehmer gezwungen, seine Aussagen auf den Punkt zu bringen. Unsachliche Beiträge und langatmige Umschweifungen werden nicht berücksichtigt und sind für den "Einbringer" daher nutzlos. Alle relevanten Punkte werden auf der Mind Map festgehalten werden, so daß am Ende des Meetings stets ein vollständiges Protokoll in Form einer Mind Map vorliegt. 
  • Mind Maps eignen sich auch hervorragend für persönliche Notizen, z.B. in einer Vorlesung, beim Lesen von Artikeln/Büchern, der Erstellung von To-do-Listen und am Telefon. Je nach Wichtigkeit des Inhalts sollte später jedoch eine Neuzeichnung der Mind Map vorgenommen werden, um den Inhalt in geeigneter Weise anzuordnen. Gleichzeitig dient die Neuzeichnung einer Wiederholung des Stoffes, so wird der Inhalt später besser erinnert und offene Fragen können erkannt werden.
  • Beim Lernen kann Mind Mapping auch eine gute Methode sein, um den Lehrstoff systematisch zu wiederholen. Dazu sollte jedoch zuvor festgelegt werden, wann man was wielange wiederholen möchte. Man beginnt mit einem leeren Blatt und zeichnet alles, an was man sich erinnert, in eine Mind Map. Diese Wiederholungs-Map vergleicht man dann mit der Mind Map, die man für das zu lernende Thema ursprünglich als Ziel entwickelt hat. Fehlende Zweige werden anschließend in der Wiederholungs-Map in anderer Farbe eingezeichnet. Nach einigen Übungen kann die Ziel-Map problemlos aus dem Gedächtnis abgerufen werden, was für schriftliche Prüfungen sehr nützlich sein kann. 
Markus Zmija


 

Zum Seitenanfang
 

© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 07.11.2004