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  Inhalt:

 
Einführung

 
Alle Regeln scheinen neu

 
Die Grundregeln gelten
    
unverändert

 
Das wichtigste Arbeitsmittel

 
Zusammenfassung

 
Downloads

 
Der Autor

Online Publishing I

Einführung

Mehr und mehr kommt der Technische Redakteur freiwillig oder gezwungenermaßen in die Situation neben oder anstelle der klassischen Papierdokumentation, auch elektronische Dokumente zu erstellen. Der Umstand, daß das Internet seinen Siegeszug um die Welt und insbesondere in die Industrie angetreten hat, erhöht Notwendigkeit aber auch gleichzeitig den Nutzen des Einsatzes elektronischer Medien.

Die Einsatzmöglichkeiten elektronischer Dokumente sind unerschöpflich: von Hilfefunktionen, über Kataloge, Verkaufssysteme bis hin zu klassischen Bedienanleitungen gibt es fast nichts, was sich nicht auch, gelegentlich sogar besser, elektronisch publizieren läßt. Allen Publikationen ist aber eines gemeinsam: Konzeption und Umsetzung unterscheiden sich grundlegend von Publikationen auf Papier.

Alle Regeln scheinen neu

Wer das erste Mal z.B. eine Internet-Seite erstellt geht meist mit irgendeinem Werkzeug ans Werk, hat eine vage Vorstellung davon, daß man Dokumente untereinander kreuz und quer verknüpfen kann, baut sein erstes Dokument und ist in der Regel vom Ergebnis selbst entsetzt: Zeilenlängen werden unberechenbar, der größte Teil der Information verschwindet unten aus dem Bildschirm, Bilder haben ein gigantisches Datenvolumen und überhaupt sieht alles ganz anders aus, als man es sich vorgestellt hat. Wenn man dann auch noch auf einen anderen Computer wechselt ist die Verzweiflung groß. Der Autor lernt zum ersten Mal sehr schmerzhaft, daß das Medium zwar grenzenlose Möglichkeiten hat, aber ganz offensichtlich anderen Regeln folgt und scheinbar vollkommen unberechenbar ist.

Die Grundregeln gelten unverändert

Dabei verhält es sich mit dem elektronischen Publizieren wie mit dem berühmten Ei des Kolumbus: wenn man erfährt wie es geht, ist es eigentlich ganz einfach!

Es gibt eine einzige "unantastbare Wahrheit" und einige einfache Regeln, die berücksichtigt werden müssen. Die erwähnte "Wahrheit" ist der Umstand, daß lediglich die linke obere Ecke des Dokumentes festliegt, der Rest aber weder hinsichtlich Position oder Aussehen exakt vorhersehbar ist...

Das wiederum führt zur der grundlegendsten aller Regeln: spezifiziere die Zielgruppe. Im Gegensatz zu früher muß man sich aber zusätzlich zu den didaktisch orientierten Fragen nun auch schwerpunktmäßig Fragen zu der technischen Ausstattung der Zielgruppe stellen. Auflösung des Bildschirmes, Internet-Anbindung, CD-ROM, Soundkarte, Qualität derselben etc. sind nun Faktoren, die nicht hundertprozentig vorhersehbar sind aber bei Bedarf als Nutzungsvoraussetzungen definiert werden müssen.

Das wichtigste Arbeitsmittel

In der Praxis hat sich dabei ein für die Gestaltungsplanung von Bildschirmseiten unersetzliches Hilfsmittel herauskristallisiert: ein Blatt Papier! Natürlich nicht ein leeres Blatt und ebenso selbstverständlich nicht ein einziges. Das Blatt liegt wie in der Abbildung gezeigt quer und repräsentiert bei der Annahme einer Zielgruppe in Deutschland mit der durchschnittlichen technischen Ausstattung einen Bildschirm mit der Auflösung 800 x 600 Punkte.

  Gestaltungshilfe

Abbildung 1

Das Wichtige an diesem Konzeptpapier ist die spartanische aber grundlegende Maßeinteilung.

  • Markierung (1) zeigt die senkrechte Mitte bei 400 Pixeln horizontal. Eine vergleichbare horizontale Markierung ist nicht vorhanden, da bedeutungslos.
  • Die Markierungen (2) sind die 100 Pixel-Markierungen in der Senkrechten und in der Horizontalen. Sie sind wichtig für die Planung von Steuerelementen.
  • Die Markierungen (3) bei 600 Pixeln horizontal und 400 Pixeln senkrecht haben eigentlich nur den Zweck, daran zu erinnern wie groß ungefähr das Bildschirmfenster bei 640 x 480 Pixel-Schirmen ist. Die symetrisch bei 200 Pixeln horizontal angeordnete Markierung ist eigentlich bedeutungslos, hilft aber gelegentlich bei symetrischen Konstruktionen.
  • Als wichtigste Markierungen haben sich in der Praxis die Markierungen (4) bei 100 und 700 Pixeln horizontal erwiesen. Nicht nur weil gerade im Bereich der Online-Medien (Zeitungen, Zeitschriften etc.) hier durch Zentrieren der Seite sowohl die ganz niedrigen Bildschirmauflösungen, als auch bei hohen Auflösungen alle Bildschirme mit einheitlichem Aussehen präsentiert werden können. Viel wichtiger ist, und das dürfte dem erfahrenen Technischen Redakteur sehr vertraut vorkommen, daß hierbei selbst die maximale Zeilenlänge in aller Regel noch gut lesbar ist. Wenn man dann noch bedenkt, daß in der Regel ein Teil der Seitenbreite durch Steuerelemente oder andere Informationen belegt wird, ergibt sich eine ideale Zeilenlänge.

Zusammenfassung

Unabhängig von den technischen Möglichkeiten wie z.B. animierte Grafiken, Hyperlinks etc. beginnt der Aufbau einer elektronischen Publikation mit der Konzeption eines universell einsetzbaren und für die Zielgruppe optimierten Layout. Die starre Papiervorlage hilft, nicht den Fähigkeiten des vor Augen des Autors befindlichen Bildschirmarbeitsplatzes zu erliegen. Im Ergebnis gelingen so in der Regel bereits im ersten Schritt ergonomisch geeignete Bildschirmoberflächen.

Downloads

Hier können Sie sich als PDF-Datei zum Ausdrucken holen:

Robert H. Hucho
Seit 1985 Geschäftsführer der HUCHO communication GmbH (Berlin, Mühlenbeck, Reutlingen), eines bundesweit arbeitenden Dienstleisters für Technische Dokumentation, der seit 1991 mit einem Schwerpunkt auch elektronische Medien erstellt.
Internet
http://www.hucho.net

 


Als Fachbeirat für elektronische Medien der Online-Zeitschrift "Technische Dokumentation" freut sich der Autor über die Zusendung weiterer Beiträge zu diesem Themenkomplex per eMail unter rhh@hucho.net.

Wir suchen insbesondere einen oder mehrere Autoren,

  • die regelmäßig elektronische Medien (Lernprogramme, Websites etc.) analysieren und beispielhaft besprechen
  • die über geeignete Software für das elektronische Publizieren berichten.

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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004