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Produktinformation per Funk übertragen

Handel und Industrie sind fündig geworden auf der Suche nach neuen Wegen, die Effizienz bei Produktion, Transport, Lagerung und Wartung ihrer Produkte zu erhöhen: Sie setzen auf Funketiketten.
 

Die Anbieter von Logistik- und Unternehmenssoftware reagieren auf die neuen Anforderungen und statten ihre Programme vermehrt mit einer Anbindung an die RFID-Technik (Radio Frequency Identification) aus. Durch RFID kann Produktinformation über kurze Strecken per Funk übertragen und automatisch erfasst werden. Die Ware wird dazu mit einem Funketikett versehen, das aus einem Folienchip und einer Antenne besteht. Der Chip speichert beispielsweise Informationen über das Mindesthaltbarkeitsdatum der Produkte oder zu welcher Charge sie gehören. Zudem enthält er unverwechselbare Identifikationsdaten. Die Antenne überträgt diese Daten an ein Lesegerät, das sich etwa an einem Firmentor befindet. So werden die Produkte blitzschnell erfasst und identifiziert. Es lässt sich jederzeit feststellen, wo sie sich gerade befinden und welchen Status in der Lieferkette sie haben. 

Ware immer vorrätig! "Der eigentliche Nutzen der RFID-Technologie entsteht dadurch, dass die Softwaresysteme für die Steuerung von Unternehmensprozessen automatisch mit den ausgelesenen Daten versorgt werden", sagte Christoph Leßmöllmann, Direktor bei SAP und zuständig für Business Development. Ein Beispiel: Wenn bei einem Handelsunternehmen Ware aus dem Lager in den Verkaufsraum kommt, wird die Information über die Funketiketten an das System für das Lieferkettenmanagement und von dort an den Lieferanten weitergegeben. Dieser kann dann frühzeitig veranlassen, dass Ware an das Lager nachgeliefert wird und immer vorrätig ist, wenn Kunden danach fragen. 

Hersteller können EU-Richtlinie problemlos erfüllen. Dank des neuen Systems mit RFID-Technik können Unternehmen beispielsweise ohne Probleme die Anforderungen der EU zur Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln erfüllen. Von 2005 an müssen Lebensmittelhersteller und Handel jederzeit Auskunft darüber geben können, wo sich bestimmte Lebensmittel gerade befinden und wo sie hergekommen sind. Das soll Rückrufaktionen erleichtern. 

Sinnvoll ist der Einsatz von Funketiketten aber auch bei hochwertigen Konsum- und Investitionsgütern. So können auf den Chips Montage- oder Wartungsinformationen hinterlegt werden. "Auf diese Weise kann man Geräte in die Lage versetzen, einen Alarm zu senden, wenn eine anstehende Wartung nicht erfolgt ist", sagt SAP-Mann Leßmöllmann. Dafür müssen sie allerdings mit aktiven Etiketten gekennzeichnet sein, die über eine eigene Batterie verfügen und ständig funken. Passive Etiketten, die ihre Energie aus dem Lesegerät beziehen, sind jedoch erheblich billiger. Trotzdem ist auch ihr Preis noch zu hoch, um einzelne Produkte damit zu versehen. Daher zielen die Projekte der Handelsunternehmen darauf ab, die Waren palettenweise zu erfassen und zu verfolgen. Ein RFID-Aufkleber kostet heute rund 20 Cent. Der Konsumgüterkonzern Unilever hält die Etikettierung einzelner Produktverpackung erst ab einem Preis von weniger als 5 Cent pro Chip für wirtschaftlich sinnvoll. Experten zufolge werden daher noch fünf bis sieben Jahre vergehen, bis jeder einzelne Joghurtbecher mit einem Funketikett beklebt ist.
 
 

Silke Thole

 
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004