Home Previous Zeitschrift 2003/01 Next Archiv Index
 
  Inhalt:
 
 
 
Das Äußere
  
Der Umschlag 
  
Worum geht’s? 
  
Was kann Rotowash?
  
Und was kann der Benutzer?
  
Fazit
  
Autor
  

 

Unter der Lupe

Bedienungsanleitung für eine Reinigungsmaschine

Staubsauger sind jedem geläufig, zum Wischen und Schrubben von Böden ist in Privathaushalten jedoch nach wie vor Handarbeit gefragt. Aber wie lange noch? Zumindest in öffentlichen Gebäuden und in gewerblich genutzten Räumen sind Maschinen zur Bodenreinigung auf dem Vormarsch und ihr Siegeszug in den privaten Bereich ist vermutlich auch nur eine Frage der Zeit. Erfahrung mit derartigen Maschinen haben aber die wenigsten Bediener, so dass der Bedienungsanleitung besondere Bedeutung zukommt. 

Unter der Lupe hat diesmal eine Bedienungsanleitung der österreichischen Firma rotowash Reinigungsmaschinen Ges.m.b.H. gelegen. Wird der Neu-Anwender damit zurechtkommen?

Das Äußere

Es handelt sich um eine 16 Seiten starke Druckschrift (incl. zwei Ausklappseiten) im Format Lang-DIN hoch mit Rückendrahtheftung. Das schwere, Wasser abweisende Papier wird dem Gebrauch zusammen mit Wischwasser und Schmutz sicher ohne Weiteres standhalten. Im zweispaltigen Layout sind Text und Bild ergänzend nebeneinander gestellt. Je nach Bedarf wurde mal die eine, mal die andere Spalte verbreitert. Die Grundschrift – eine Grotesk – ist gut zu lesen. Offenbar als Firmenfarbe tritt ein klares Blau als zweite Farbe zum Schwarz hinzu, zum einen zur Hervorhebung von Überschriften, zum anderen – mit verringertem Tonwert – als Hintergrundfarbe in vielen Abbildungen.

Der Umschlag 

Zunächst zur Titelseite: Der Inhalt der Titelseite wurde aufs Äußerste reduziert. Der Name „rotowash“ und die Angabe „Bedienungsanleitung“ müssen dem Leser genügen. Ein Hinweis darauf, um welches Gerät es in der Anleitung geht, wäre wünschenswert – sei es in Form einer Abbildung, sei es durch eine Typenbezeichnung oder eine allgemein verständliche Gerätebezeichnung, z. B. „Reinigungsmaschine“.

Informativer ist da die Rückseite der Anleitung. Eine Tabelle gibt Auskunft über die verschiedenen Anwendungsgebiete der Rotowash-Maschine (siehe unten, „Was kann Rotowash?“) und auch der genaue Name und die Anschrift des Herstellers könnten den Benutzer interessieren.

Worum geht’s? 

Die Titelseite sagt nicht viel über die Maschine aus. Um die Anleitung einem Gerät zuordnen zu können, muss der Leser mehr über die Maschine wissen. Eine Gesamtabbildung ist hier nützlich. Tatsächlich ist die Rotowash an mehreren Stellen der Anleitung in ihrer Gesamtheit abgebildet. So auf einer Seite zusammen mit den technischen Daten (siehe Bild 1):

Bild 1: Welche von den beiden Maschinen ist die Rotowash R 3B?

Erstaunt stellt der Leser fest, dass es offenbar zwei verschiedene Maschinen gibt. Beziehungsweise, nein, beim Blick auf die Tabelle findet er sogar zehn verschiedene Typen! Aber was ist was? So wie Bilder und Tabelle einander zugeordnet sind, liegt die Annahme nahe, dass die Typen R 4 bis R 5B so aussehen wie die oben abgebildete Maschine und die Typen R 2 und R 3 so wie die unten abgebildete Maschine. R 3B ist schon schwieriger zuzuordnen. Aber sieht die unten abgebildete Maschine nicht komplexer aus? Wird sie nicht eine höhere Nummer haben? Ist sie nicht auch breiter als die oben abgebildete Maschine? Das würde dafür sprechen, dass unten die Maschine R 5B zu sehen ist. Um es kurz zu machen: Wenn man Bild und Text nebeneinander anordnet, muss die Zuordnung eindeutig sein. Wie hängen Tabelle und Abbildungen zusammen? Will man die Abbildungen nur einsetzen, um die Seite zu „schmücken“, dann sollte man derartige „scheinbare“ Zuordnungen vermeiden. Sie verwirren mehr, als sie nützen. Dabei wäre es für den Leser durchaus wichtig, zu wissen, welche Maschine welche Typenbezeichnung hat. Leider wird er in der Anleitung nicht fündig.

Den Überblick über beide Maschinen verschafft eine andere Gesamtabbildung incl. Legende, die der Leser auf der hinteren Ausklappseite vorfindet (siehe Bild 2):

Bild 2: Ganz schön komplex, so eine Rotowash!

Etwas mehr Raum hätte den beiden Abbildungen sicher gut getan. Der zur Verfügung stehende Platz reicht kaum aus, um alle Teile der Maschinen zu zeigen und übersichtlich zu beschriften. Teilweise verheddert der Leser sich in der Vielzahl der Verbindungslinien und nur mit Mühe findet er heraus, welche Linie zu welchem Bauteil führt. Der Motorschutzschalter liegt auf der Rückseite der Maschinen und ist somit in der Zeichnung gar nicht zu sehen. Andere Teile sind aufgrund ihrer geringen Größe zwar räumlich einzuordnen, aber es ist nicht zu erkennen, wie sie aussehen (z. B. der Tragbolzen oder der Kugelhahn). Auch die Tatsache, dass die Verbindungslinien teilweise über schwarze Flächen geführt sind, erschwert es, die Zeichnungen zu entschlüsseln. Fraglich ist, ob wirklich alle Teile in der Legende benannt werden müssen, auch wenn nicht alle Begriffe in der Anleitung tatsächlich verwendet werden. Andererseits wundert es, dass bei beiden Maschinen kein Stromkabel zu sehen ist, da sie laut Bedienungsanleitung ja beide durchaus ans Netz angeschlossen werden.

Eine dritte Abbildung sei hier nur kurz erwähnt: Über zwei Seiten ist eine detaillierte Abbildung aller (über 200) Bestandteile der Maschine in Form einer Explosionszeichnung verteilt. Aufgrund ihres Detaillierungsgrades mag sie den Fachmann befähigen, die Maschine nachzubauen. In einer Bedienungsanleitung hat eine derartige Abbildung keinerlei Daseinsberechtigung.

Was kann Rotowash? 

Nachdem die Titelseite mit Informationen knausert, drängt sich diese Frage natürlich auf. Und eine Angabe zur bestimmungsgemäßen Verwendung wird ja sowieso benötigt.

Leider gibt die Anleitung in diesem Punkte nicht allzu viel her. In einem einleitenden Absatz heißt es lediglich: „Ihre ROTOWASH ist eine wertvolle Hilfe bei vielen Reinigungsaufgaben.“ Damit kommt man noch nicht viel weiter. Der Name „Rotowash“ lässt an Rotieren und Waschen denken. Wie eine Waschmaschine (das wäre bei dem Namen doch naheliegend, oder?) sieht die Maschine nicht aus. Eine klare Information, was mit der Maschine gereinigt werden kann, wird in der Anleitung nicht gegeben. Offenbar vertraut der Hersteller darauf, dass man der Maschine ansieht, dass sie aufgrund ihrer Form und ihres Gewichts nur zum Reinigen von Böden geeignet ist. Auf die Idee, die Tapeten mit einer Rotowash in Angriff zu nehmen oder sein Auto damit zu waschen, wird so leicht wohl niemand kommen. Aber welche Böden kann man denn damit reinigen? Anhaltspunkte bietet die bereits erwähnte Tabelle (siehe Bild 3):

Bild 3: Was die Maschine alles kann.

Hier erfährt der Leser unter anderem, dass die Maschine auch zur Teppichpflege geeignet ist. Die Begriffe „Unterhaltsreinigungsmaschine“, „Grundreinigungsmaschine“ und „Poliermaschine“ sagen vermutlich nur dem Profi etwas; der Laie wird sich nach den Bürsten orientieren müssen und überlegen, welche Bürste er seinem Boden in welcher Situation zumuten will, oder er wird nach dem Prinzip „Trial and Error“ verfahren. Leider finden sich auch in der gezeigten Tabelle keine genauen Angaben dazu, welche Böden gereinigt werden dürfen. Wie sieht es mit Parkett aus? Oder mit Korkfußböden? Und: Kann man auch die Terrasse mit der Maschine reinigen? Wenn all das möglich ist, wäre zumindest eine Angabe wie „für alle Untergründe geeignet“ sinnvoll. Wenn nicht, wäre ein einschränkender Hinweis dringend nötig.

Und was kann der Benutzer?

Die Bedienungsanleitung soll den Leser dazu befähigen, die Maschine zu bedienen. Inwieweit sie das tut, sei an einem Beispiel betrachtet (siehe Bild 4): Wie tauscht man die Bürsten der Maschine aus?

Bild 4: Alles klar?

Zunächst zum Text: Die Überschrift „Bürstenwechsel“ sagt deutlich aus, worum es in dem Absatz geht. Insofern gehört sie zu den gelungeneren Überschriften in der vorliegenden Anleitung. Sie enthält bereits einen Hinweis darauf, was der Nutzer tun will („wechseln“), während bei anderen Überschriften (z. B. „Schmutzwasser“ oder „Motorschutzschalter“) ein derartiger Hinweis fehlt. Die Aktivität des Nutzers hätte noch deutlicher formuliert werden können: „Bürsten wechseln“ – aber bei diesem Unterschied handelt es sich schon nur noch um eine feine Nuance.

Mit dem ersten Satz spricht der Autor den Nutzer der Maschine ganz ausdrücklich nicht an. Der Benutzer erhält keine Anweisung, was er tun soll, sondern eine Beschreibung davon, was mit den Bürsten passiert. Es geht um die Bürsten, nicht um den Leser. Die Passivkonstruktion lässt im Dunkeln, wer oder was hier wirkt. Die Formulierung des Satzes widerspricht der (vermuteten) Intention seines Verfassers. Dieser wollte doch wohl den Nutzer der Maschine ansprechen und ihm sagen, was er tun soll! Der Nutzer soll die Bürsten freigeben (oder: lösen). Und zwar, indem er (= der Nutzer) die Steckachsen herauszieht. Der Passivsatz – und dann auch noch kombiniert mit der Substantivierung „durch Herausziehen“ – erweckt den Anschein, in der Maschine passiere etwas ohne das Dazutun irgendeiner Person. 

Direkter wird der Nutzer im zweiten Satz angesprochen: „Nehmen Sie den Verbindungsbolzen zu Hilfe.“ Jetzt weiß der Nutzer, dass er an der Reihe ist, etwas zu tun. Fragt sich nur, was? Hier bleiben Unsicherheiten. Erstens, weil er den Verbindungsbolzen in der Gesamtabbildung der Maschinen nicht finden kann (und den Begriff verstehen muss ein Laie nicht), zweitens, weil er nicht erfährt, was er mit dem Verbindungsbolzen tun soll (festhalten? ziehen? drücken? …). 

Auch mit dem dritten Satz wird dem Nutzer wieder klar, dass er agieren muss: „Das Einschieben der Achsen nehmen Sie von der Seite vor, wo das Elektrokabel einmündet.“ Aber warum so umständlich formuliert? Anstatt „das Einschieben vornehmen“ gibt es doch das Verb „schieben“. Zu ergänzen wäre dann noch, was der Nutzer schieben soll und von wo aus er es wohin schieben soll. 

Im Ergebnis hat der Nutzer, wenn er die Anweisungen verstanden hat und befolgt, jetzt die Maschine mit eingeschobenen Steckachsen, aber ohne Bürsten vor sich stehen. Ein Bürstenwechsel ist nicht erfolgt. Offenbar wurde vergessen, dazu anzuleiten, eine neue Bürste einzusetzen.

Als letzter Satz folgt die Warnung: „Achtung: Netzstecker ziehen!“ Ob das noch etwas nützt, nachdem die Maschine wieder zusammengesetzt ist? Warnungen gehören vor den Handlungsschritt, bei dem eine Gefahr besteht!

Text und Bild sollten einander bei der Vermittlung von Information unterstützen. Dies wird im hier gezeigten Beispiel insofern erreicht, als zu sehen ist, wo die Bürste sitzt und wo die Steckachse. Auch ist die Stelle zu erkennen, an der das Elektrokabel einmündet. Mit den beiden Pfeilen soll wohl die Reihenfolge geklärt werden: 1. Steckachse herausziehen, 2. Bürste entnehmen. Diese Information geht über den Text hinaus, in dem die Reihenfolge nicht so explizit formuliert wurde. Allerdings sind die Pfeile nicht geschickt gestaltet und platziert. So können auf den ersten Blick durchaus Zweifel entstehen, worauf die beiden Pfeile eigentlich zu beziehen sind - auf die Maschine, die Hände, die Steckachse, die Bürste?

Ebenso wie der Text leitet auch das Bild nicht zum Einsetzen einer neuen Bürste an. Die Überschrift „Bürstenwechsel“ verspricht mehr, als das Kapitel halten kann.

Übrigens ist in der Abbildung ganz eindeutig nur eine der beiden in der Gesamtabbildung (siehe oben, Bild 2) zu sehenden Maschinen dargestellt. Das wirft die Frage auf: Funktioniert der Bürstenwechsel bei der anderen Maschine genauso? Vermutlich ist dies der Fall, dennoch wird hier ein Dilemma dieser und ähnlicher Anleitungen deutlich: Wenn in einer Anleitung verschiedene Varianten einer Maschine beschrieben werden, die sich äußerlich unterscheiden, dann wird es problematisch, mit Abbildungen Informationen zu transportieren. Abbildungen können nicht immer Typen-neutral gehalten werden. Die Lösung des Problems kann nicht darin liegen, auf Abbildungen zu verzichten. Schließlich können gerade Abbildungen in einer Bedienungsanleitung sehr hilfreich sein. Vielmehr wäre in solchen Fällen zu prüfen, ob es nicht (trotz der zwangsläufig entstehenden Kosten) günstiger ist, für unterschiedliche Typen einer Maschine auch unterschiedliche Anleitungen zu produzieren. 

Fazit

Trotz des ansprechenden Äußeren: Für den Neu-Nutzer, erst recht für den Laien in Sachen Reinigungsmaschinen, reicht die Anleitung nicht aus. Und auch dem Reinigungsfachmann wird die Anleitung nicht gerecht, überfordert sie ihn doch mit einer stellenweise unnötig umständlichen Sprache ebenso wie mit Informationen, die er nicht braucht (z. B. eine Explosionszeichnung).
 
 

Ulrike Grüne
Bochum

 
Zum Seitenanfang
 

© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004