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Sammeln von Material
Strukturieren des gesammelten Materials

 

Sammeln und Strukturieren von Material
 

Sammeln von Material

Beim Erarbeiten Ihres Materials ist es wichtig, von Anfang an darauf zu achten, das Gelesene sinnvoll zu dokumentieren und es so für das spätere Schreiben zu erschließen. Wenn Sie noch Lesen, um Ihre Frage oder Ihren Forschungsbereich besser fassen zu können, notieren Sie Sich zunächst Leitgedanken des Textes wie in einer Zusammenfassung oder einem Protokoll.
Wissen Sie schon sicher, wie Sie den Tex verwenden wollen, notieren Sie die für Ihre Fragestellung wichtig erscheinen Passagen in Ihren eigenen Worten und schreiben Sie Stellen, die Ihnen besonders wichtig erscheinen wörtlich ab und markieren Sie diese Abschrift als Zitat.

Notieren Sie sich auch, ob Sie den Text gründlich durchgearbeiten oder nur überflogen haben, an welchen Stellen es vielleicht später noch einmal Sinn machen könnte, weiterzulesen oder wo Ihnen die im Text gefundenen Informationen als nicht ausreichend oder nicht schlüssig erschienen. 

Dokumentieren können Sie Ihre Exzerpte 

  • auf normalen Din A4-Blättern 
  • auf Karteikarten 
  • in einer Textdatei in Ihrem Computer.
Wichtig ist es, beim Exzerpieren (= herausschreiben, herausgreifen) den Titel des bearbeiteten Textes sowie die genaue Seitenzahl des herausgegriffenen Zitates oder Gedankens festzuhalten. Wenn Sie später in Ihrer Arbeit das Gelesene wiedergeben oder zitieren wollen, müssen Sie belegen können, von wem und aus welchem Text die Gedanken stammen. 

Weiterhin sollten Sie ihre Fragen und Gedanken während des Lesens und Exzerpierens festhalten. Formulieren Sie Kritikpunkte, gefundene Parallelen zu anderen Autoren, weiterführende Fragen... All dies kann Ihnen später beim Ordnen und Strukturieren Ihrer Arbeit helfen, Ihnen neue Gesichtspunkte Ihres Themas erschließen oder Anregungen für die Formuierung Ihrer Einleitung oder des Schlusses geben. 
 

Strukturieren des gesammelten Materials

1. Ordnen des Materials

Für diesen Schritt sollten Sie sich Zeit nehmen. Eine gute Ordnung Ihrer Exzerpte, Gedanken und Fragen kann Ihnen beim späteren Schreiben viel Zeit sparen. 

Erstellen Sie zunächst eine Liste aller für Ihr Thema relevanten Elemente. Suchen Sie nun, in einem zweiten Schritt, nach Beziehungen zwischen den einzelnen Punkten ihrer Liste. 

Beispiele für solche Beziehungen sind etwa: 

  • Übereinstimmungen in der Argumentationsweise 
  • Die gleiche empirische Basis 
  • Das Verwenden von gleichen Begriffen.
In einem dritten Schritt sollten sie nun versuchen, die gefundenen Beziehungen zwischen Ihren Argumenten anschaulich zu machen. Eine gute Methode hierzu kann das Erstellen einer Mind-Map sein. 
 

2. Die unterschiedlichen Seiten Ihres Themas

Mit Ihrer Mind-Map haben Sie nun eine Übersicht über die Bestandteile Ihrer Arbeit. An diesem Punkt ist es sinnvoll, die Seiten Ihres Themas zu differenzieren.Wichtige wären an diesem Punkt etwa die Fragen nach: 

  • Den verschiedenen Dimensionen Ihres Themas
  • Spricht Ihre Fragestellung z.B. Religiöse, ökonomische oder emotionale Fragen an ? 
  • Der Relevanz der Aspekte Ihres Themas.
Gibt es Einschränkungen in der Gültigkeit Ihrer Argumente ? Etwa: 
  • zeitlich : gelten Sie nur für einen bestimmten Zeitraum ? 
  • geographisch : ...nur an einem bestimmten Ort ? 
  • sozial : ... nur in bestimmten sozialen Schichten oder Gesellschaftsgruppen ? 
  • moralisch: ...nur unter bestimmten moralischen und kulturellen Vorraussetzungen ?
Diese Auseinandersetzungen helfen Ihnen, Ihr Thema einzugrenzen und Schwerpunkte zu setzten. Es kann auch sein, dass sie nach diesen Überlegungen Ihre Fragestellung modifizieren und eher Ihren Strukturen anpassen müssen. 
 

3. Die Gliederung

Ihre Gesamtgliederung sollte eine zentrale Idee haben, die sich als roter Faden durch die einzelnen Kapitel zieht. Das bedeutet, dass Sie neben einer schlüssigen Gesamtgliederung auch eine sorgfältige Gliederung Ihrer Unterpunkte, in der die einzelnen Kapitel klar voneinander abgregrenzt werden, anstreben sollten. Diese kann je nach Fach und gestelltem Thema ganz unterschiedlich aussehen.

Folgende Gliederungsformen können Sie beispielsweise verwenden:

  • Chronologische Gliederung: nach einer zeitlichen Abfolge der Argumente 
  • Diskursive Gliederung: an der Struktur des Diskurses orientierte Form, kann den Argumenten folgen, diese gegenüberstellen (vgl. Texmuster) 
  • Aufreihung gleichwertiger Gesichtspunkte 
  • Standardgliederungen: beispielsweise bei empirischen Arbeiten 
  • Hierarchische Gliederung: fordert eine Gewichtung der einzelnen Aspekte, dann Steigerung vom unbedeutensten zum gewichtigsten Argument 
  • Anekdotische Gliederung: durch Geschichten und Zitate strukturiert 
  • Didaktische Gliederung: für den Leser am besten nachvollziehbare Anordnung der Aspekte.
Schreiben Sie ruhig mehrere Gliederungen Ihres Textes, um die beste Reihenfolge Ihrer Argumente herauszufinden. 
 

4. Argumente klären und mit dem Thema in Beziehung setzen

Versuchen Sie nun, die Struktur Ihres Themas zu skizzieren. Wichtig hierbei ist, dass Sie die Sachlogik ihrer Argumente in Bezug zu Ihrer Fragestellung setzen. Auch sollten Sie diese auf den Adressaten der Arbeit zuschneiden und mit einer entsprechenden Rhetorik versehen.

Eine gute Übung, um Sinnfragen zu klären, besteht darin, das Thema einem Unbeteiligten zu erklären. Es ist egal, ob dies nun ein guter Freund oder ein fiktiver Gesprächspartner ist. Überlegen Sie ruhig auch, wie Sie Ihr Thema einem Kind erklären oder gegen einen Kritiker verteidigen können. Dies hilft Ihnen, sich der Argumentationsstruktur Ihrer Arbeit bewusst zu werden, Fehler oder verbesserungswürdige Stellen zu erkennen. Auch kann es sinnvoll sein, immer wieder Zusammenfassungen der Arbeit zu schreiben. 
 

Bärbel Welsch
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004