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Sorry, sprechen sie Denglisch? 
 

Mit ein bisschen Sprachgefühl spürt man es allerorts: Englisch hat momentan einen großen Einfluß in die deutsche Sprache. 

In der Werbung ist sogenanntes „Denglisch“ ganz normal. Das liegt natürlich daran, dass dieser gesamte Wirtschaftszweig aus einem englischsprachigen Kulturgebiet stammt. Aber nicht nur dieser Zweig, sondern die gesamte Wirtschaft wird sprachlich von der Supermacht beeinflußt. Im Internet spitzt es sich dann zu.

Die Wirtschaft trifft auf ein Medium, dass im englischsprachigen Sprachraum erfunden worden ist. „Im Web kann man schnell per Maillink seine Skills als Young Professional an den Mann bringen“ – an und für sich doch ein ganz gewöhnlicher Satz ;-) . 

Bekannt geworden ist die Aussage von Jil Sander in den 90er Jahren:

„Mein Leben ist eine giving-story. Für meinen Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, dass man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Die audience hat das supported“. 

Dieser Satz wurde vom VDS (Verein Deutsche Sprache) mit dem Sprachpanscher des Jahres ausgezeichnet. - Übrigens: die „Moonshine“- und „Sunshine“-tarife der Telekom haben den begehrten Preis auch erhalten ;-) - . Man kann erkennen, dass es eben manchen doch am Sprachgefühl fehlt. Es stellt sich die Frage, ob wir dieses Sprachgefühl nicht stärken müssen und mehr Wert auf eine gepflegte Sprache legen sollten. In Frankreich werden seit 1994 unnötige Fremdwörter in der Werbung und in öffentlichen Schriften bestraft. 

Es wird immer wichtiger darauf zu achten, wo man sich wie formuliert. Der Wortwahl kommt eine immer größere Bedeutung zu. In der Bäckerei sollte man nicht vom „backshop“ und im Deutschunterricht nicht von „cool“ reden. Aber auch in der sonst englischlastigen IT-Szene wird in Deutschland vom „Rechner“ und nicht vom „Computer“ geredet. Eine größere Sensibilität beim Umgang der Sprachen Deutsch und Englisch ist gefordert.  
 
 

JANOS BURGHARDT 

 
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004