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 Inhalt: 
 
 

  Einführung 

  Grundsätze Normungsarbeit 

  Verfahren Normungsarbeit 

  Rechtliche Verbindlichkeit 

  Die Unterschiede 

  Die wichtigsten Varianten 

  Nutzen für alle 

  Autor 

Was ich schon immer über DIN-Normen wissen wollte! 
 

DIN-Normen sind ein Ordnungsinstrument unserer Wirtschaftswelt. Deshalb sind Grundkenntnisse der Normung nicht nur für Ingenieure sondern auch für Ökonomen und Juristen von Interesse. 

"Nach allen Regeln der Kunst" sagt der Volksmund und meint, daß eine Sache so gut wie möglich gemacht wird. 
"Regeln der Baukunst" haben sich seit dem Mittelalter in den Bauhütten der großen Kirchenbauten entwickelt. 
"Regeln der Technik" wurden vom Reichsgericht 1910 so definiert: "Mit einer Regel der Technik läßt sich eine Vielzahl von Fällen aus dem Bereich der Technik lösen. Wenn eine solche Regel der Technik den Fachleuten des einschlägigen Fachgebietes bekannt ist und diese sie in der Überzeugung anwenden, daß sie richtig ist, dann handelt es sich um eine anerkannte Regel der Technik"
Technische Regeln sind also Wissen, das erprobt und bewährt ist. 

    Wo findet man diese Regeln? 
    Wer legt diese Regeln eigentlich fest? 
    Wie wendet man die Regeln an? 
    Wann darf man von den Regeln abweichen? 
Alle deutschen technischen Regeln sind im DIN-Katalog nachgewiesen. Darunter 24 000 DIN-Normen. Das DIN Deutsches Institut für Normung e. V. ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Berlin. Es vertritt Deutschland in den übernationalen Normungsorganisationen ISO/IEC und CEN/CENELEC. 
Einen Zugang zu den bibliographischen Daten des Normenwerks bietet auch das Internet. 

Grundsätze der Normungsarbeit  

Die Normen werden in Ausschüssen des DIN erarbeitet. Der zuständige DIN-Ausschuss nimmt die deutschen Interessen in den übernationalen Normungsorganisationen ISO/IEC und CEN/CENELEC wahr. Insgesamt sind 4 600 Arbeitsausschüsse in 90 Normenausschüssen des DIN tätig. 

Die fachliche Arbeit wird von Experten geleistet, die von den interessierten Kreisen (z. B. Hersteller, Verbraucher, Handel, Wissenschaft und Prüfinstitute) delegiert werden und für die Arbeit in den Ausschüssen autorisiert und entscheidungsbefugt sind. Jedermann kann Normungsarbeiten beantragen. Die Arbeitsprogramme der Ausschüsse werden unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit und des Standes der Technik entwickelt und international harmonisiert. 

Die vorgesehene Fassung einer Norm wird als Norm-Entwurf zur Stellungnahme veröffentlicht, bevor sie verabschiedet wird. 
DIN-Normen bilden einen Maßstab für einwandfreies technisches Verhalten, einen Maßstab, der auch im Rahmen der Rechtsordnung von Bedeutung ist. 

Das Verfahren der Normungsarbeit  

Die Normungsarbeit beginnt mit einem Normungsantrag, der möglichst schon einen Norm-Vorschlag enthalten sollte. Ist der Normungsantrag vom zuständigen Normenausschuß angenommen, so wird das Vorhaben bekanntgemacht. Der Antragsteller wird zur Behandlung seines Normungsantrages als Gast eingeladen, damit er seinen Antrag begründen kann. 
Wenn der Inhalt soweit bearbeitet ist, daß er der Öffentlichkeit zur Stellungnahme vorgelegt werden kann, publiziert das DIN einen Norm-Entwurf. Jedermann kann dann dazu Stellung nehmen. 

Zur Beratung der Stellungnahmen werden die Einsprecher eingeladen, damit sie ihre Stellungnahme vor dem Arbeitsausschuß vertreten können. Wer nicht selbst an der Beratung teilnehmen kann, wird über das Beratungsergebnis unterrichtet. 

Der Inhalt einer Norm wird im Wege gegenseitiger Verständigung mit dem Bemühen festgelegt, eine gemeinsame Auffassung zu erreichen - möglichst unter Vermeiden formeller Abstimmungen. 
Wenn der Arbeitsausschuß sich über den Inhalt geeinigt hat, wird die DIN-Norm beschlossen und zum Druck freigegeben. 
DIN-Normen werden spätestens alle fünf Jahre überprüft. Entspricht eine Norm nicht mehr dem Stand der Technik, so muß der Inhalt überarbeitet werden. Für das Überarbeiten einer Norm gilt der gleiche Geschäftsgang wie für die erste Herausgabe einer Norm. Veraltete DIN Normen werden ohne Ersatz zurückgezogen. 

Rechtliche Verbindlichkeit  

DIN-Normen stehen jedermann zur Anwendung frei. Das heißt, man kann sie anwenden, muß es aber nicht. Es sei denn, DIN-Normen sind, z. B. durch einen Vertrag, verbindlich gemacht worden. Das geschieht täglich in unzähligen Fällen. Da es zweckmäßig ist, die vertraglich zu erbringenden Leistungen so genau wie möglich zu bestimmen, beziehen sich die Parteien gern auf den Inhalt von DIN-Normen. 

Der Vorteil der einzelvertraglich vereinbarten Verbindlichkeit von Normen liegt darin, daß sich Rechtsstreitigkeiten von vornherein vermeiden lassen, weil die Normen eindeutige Festlegungen sind. 
Auch in den Fällen, in denen DIN-Normen von den Vertragsparteien nicht zum Inhalt des Vertrages gemacht worden sind, dienen DIN-Normen im Prozeß als Entscheidungshilfe, wenn es nämlich im Kauf- und Werkvertragsrecht um Sachmängel geht. Hier spricht der Beweis des ersten Anscheins für den Anwender der Norm in dem Sinne, daß er die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beachtet hat. Damit kann er auch dem Vorwurf der Fahrlässigkeit begegnen. 

DIN-Normen sind jedoch keine Lehrbücher. Deshalb muß jemand, der sie anwendet, soviel Sachverstand haben, daß er die Verantwortung für sein Handeln selbst übernehmen kann. 

Was ist der Unterschied zwischen DIN, ISO, IEC und EN ? 

Seit 100 Jahren wird die technische Normung auf nationaler Ebene betrieben. In Deutschland vom DIN, in Frankreich von AFNOR, in der Schweiz vom SNV (Schweizerische Normen-Vereinigung) und in Österreich von ON (Österreichisches Normungsinstitut). 

Mit dem sich ausweitenden Handel zwischen den Industrienationen wurde in den 20er Jahren erkannt, daß eine Angleichung der nationalen technischen Parameter eine Voraussetzung für den Warenaustausch zwischen den Ländern ist - sowohl für die Kompatibilität, die Austauschbarkeit von Komponenten, die Anforderungen an Produkte wie für die Prüfung der Anforderungen durch definierte Prüfverfahren. 1926 wurde die weltweite Normungsorganisation, die heutige ISO, gegründet. ISO ist ein eingetragener Verein nach Schweizer Recht mit 120 Mitgliedsinstitutionen (je Land ein Mitglied). 

Die ISO-Normen werden in Komitees, deren Sekretariate dezentralisiert von den Mitgliedsländern in aller Welt geführt werden, erarbeitet. Eine Übernahmepflicht der ISO-Normen für die einzelnen Mitgliedsländer besteht nicht. Die Welthandelsorganisation der WTO strebt jedoch eine stärkere Verpflichtung zur Übernahme der ISO-Normen an. Besonders Japan und die USA haben hier Nachholbedarf. 

Viele ISO-Normen werden als Europäische Normen übernommen und bekommen auf diesem Weg den Status einer DIN-Norm (DIN EN ISO). Einige ISO-Normen werden auch direkt als DIN-Normen übernommen (DIN ISO). 

Auf dem elektrotechnischen Sektor ist die Internationale Elektrotechnische Kommission (IEC) seit 1908 tätig. Sie arbeitet analog zur ISO. 

Der Europäische Binnenmarkt verlangt nach technischen Normen, die in allen Mitgliedsländern identisch sind, um "technische Handelshemmnisse" zu beseitigen. Einheitliche Europäische Normen werden in der Gemeinsamen Europäischen Normungsorganisation CEN/CENELEC (eingetragene Vereine nach Belgischen Recht) erarbeitet. Sie müssen von allen 19 Mitgliedsländern unverändert als nationale Normen übernommen werden. Deshalb ist es wichtig, dass die deutschen Interessen rechtzeitig in der Beratungsphase qualifiziert vertreten werden. 

Das Verfahren der Erarbeitung ist ähnlich wie das bereits beschriebene nationale Verfahren. Es wird ebenfalls ein Entwurf veröffentlicht, bevor die Norm verabschiedet wird. In der Schlußabstimmung entscheidet dann jedoch, anders als beim deutschen Konsensverfahren, die Mehrheit der abgegebenen nationalen Stimmen, die nach der ökonomischen Bedeutung der 19 beteiligten Länder gewichtet wird. Außerdem muß ein Quorum erreicht werden (71 %). An der Europäischen Normung wirken außer den Mitgliedsländern der EU weitere europäische Länder mit. 

Es folgen die wichtigsten Varianten, in denen DIN-Normen auftreten können: 

DIN plus Zählnummer (z. B. DIN 4701)  

Eine DIN-Norm, die ausschließlich oder überwiegend nationale Bedeutung hat oder als Vorstufe zu einem internationalen Dokument veröffentlicht wird (Entwürfe zu DIN-Normen werden zusätzlich mit E gekennzeichnet, Vornormen mit V). Die Zählnummer hat keine klassifizierende Bedeutung. An die Zählnummer können weitere Zusätze angehängt sein (z. B. DIN 4701-1). 

DIN EN plus Zählnummer (z. B. DIN EN 71)  

Hier handelt es sich um die deutsche Ausgabe einer Europäischen Norm, die unverändert von allen Mitgliedern der Gemeinsamen Europäischen Normungsorganisation CEN/CENELEC übernommen wurde. Normen des Europäischen Instituts für Telekommunikationsnormung sind mit DIN ETS gekennzeichnet. 

DIN EN ISO plus Zählnummer (z. B. DIN EN ISO 306)  

Dieser Code spiegelt alle drei Wirkungsebenen wieder, die eine Norm haben kann: national, europäisch, weltweit. Der Werdegang ist folgender: auf der Grundlage einer Norm der internationalen Normungsorganisationen ISO oder IEC wurde eine Europäische Norm erarbeitet, die als DIN-Norm übernommen wurde. 

DIN ISO plus Zählnummer (z. B. DIN ISO 720)  

Hierbei handelt es sich um die unveränderte Übernahme einer Norm der ISO. (Entsprechendes gilt für DIN IEC bei unveränderter Übernahme von Normen der IEC Internationalen Elektrotechnischen Kommission.) 

Normung - Nutzen für alle  

Die Anzahl neuer Normen wird auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt. Dabei orientiert sich das DIN an der Wirtschaftlichkeit, der Fortentwicklung von Wissenschaft und Technik, an den Erfordernissen des Gemeinwohls sowie an der internationalen und europäischen Harmonisierung. Die Normen werden regelmäßig daraufhin überprüft, ob sie noch dem Stand der Technik entsprechen. 

Die Normungsarbeit des DIN ist eine technisch-wissenschaftliche Dienstleistung für alle Bürger unseres Landes. Normung nutzt der Volkswirtschaft insgesamt. 

Das DIN orientiert seine Arbeit an folgenden Grundgedanken: 

  • Freiwilligkeit 
  • Öffentlichkeit 
  • Beteiligung aller interessierten Kreise 
  • Einheitlichkeit und Widerspruchsfreiheit 
  • Sachbezogenheit 
  • Ausrichtung am Stand der Technik 
  • Ausrichtung an wirtschaftlichen Gegebenheiten 
  • Ausrichtung am allgemeinen Nutzen 
  • Internationalität
Das Normungsverfahren ist auf Konsens aufgebaut. Der Inhalt einer Norm wird im Wege gegenseitiger Verständigung mit dem Bemühen festgelegt, eine gemeinsame Auffassung zu erreichen und formelle Abstimmungen zu vermeiden. 
 
 
Wiedergabe mit Erlaubnis des
DIN Deutsches Institut für Normung e.V.
Burggrafenstrasse 6
10787 Berlin
Internet: http://www.din.de
 
Originaldokument
  
 
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004