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  Inhalt:
 
 
 
Muttersprachler?
 
Ausbildungen und Berufsbezeichnungen
 
Beherrschung der Sprachen
 
Technische Vorbildung
 
Verantwortungs- bewusstsein
 
Checkliste Qualifikation der Übersetzer
 
Autor
 

 

Wer soll Technik übersetzen?

Grundsätzliches

Ein guter Übersetzer für Technik muss in zwei ganz und gar unterschiedlichen Sphären heimisch sein: der sprachlich musischen und der logisch orientierten technischen. Das ist in sich widersprüchlich und daher selten. Entsprechend schwierig ist es, geeignetes Personal zu finden.

Mit Maximalforderungen kommt man nicht weiter. Vielmehr ist eine genaue Kenntnis der entscheidenden Kriterien erforderlich. Bei der Auswahl neuer Übersetzer sollte man deshalb entweder einen erfahrenen Übersetzer oder eine Person mit vergleichbarer Erfahrung zu Rate ziehen.

Muttersprachler? 

Müssen Übersetzer Muttersprachler sein? Viele beantworten diese Frage eindeutig mit ja. Relativierend muss man jedoch feststellen, dass es allenfalls wünschenswert ist, Übersetzer in ihre Muttersprache übersetzen zu lassen. Denn niemand beherrscht eine Sprache so gut, wie der, der mit ihr aufgewachsen ist. Und je größer die Differenz zwischen den Sprachen ist, desto wichtiger wird diese Forderung. Das merkt man deutlich am „Nippon-Deutsch“ in einigen Anleitungen für japanische Elektronikgeräte. 

Wichtig ist jedoch: Nicht jeder Muttersprachler ist automatisch ein guter Übersetzer. Die anderen, nachfolgend besprochenen Faktoren sind mindestens ebenso wichtig. Man sollte sich also nicht an dieser Forderung festkrallen, und zwar vor allem deshalb nicht, weil nur wenige der verfügbaren und ausreichend qualifizierten Übersetzer gleichzeitig Muttersprachler sind. 

Eine Tatsache wird häufig von denen vernachlässigt, die die Muttersprachlichkeit von Übersetzern zur absoluten Regel erheben: Der muttersprachliche Übersetzer liest im Ausgangstext eine Fremdsprache. Gerade wenn dieser Text komplex ist, wird das zum Handicap. Mißverständnisse und Übersetzungsfehler können die Folge sein. Hier ist der gut ausgebildete „Fremdsprachler“ mit zusätzlichen Fachkenntnissen im behandelten Sachgebiet im Vorteil; denn er kann den Text bis in die Tiefe verstehen und sich bei der Wiedergabe in der Zielsprache auf das sprachliche Instrumentarium beschränken, das er sicher beherrscht. 

Außerdem sind technische Texte keine literarischen Werke. Es geht nicht um sprachliche Schönheit, sondern eher um Einfachheit und Genauigkeit. Das dafür erforderliche Sprachgefühl kann man auch durch längere Aufenthalte im Land (den Ländern) der Zielsprache erwerben.

Ausbildungen und Berufsbezeichnungen

In Deutschland ausgebildete und geprüfte Übersetzer führen in der Regel eine der folgenden Berufsbezeichnungen:

  • Diplom-Übersetzer,
  • Staatlich geprüfter Übersetzer,
  • Öffentlich bestellter und vereidigter Urkundenübersetzer.
Diese Bezeichnungen sind geschützt und nicht ohne umfassendes Fachwissen zu erlangen. Wer sie trägt, verfügt auf jeden Fall über das für den Beruf erforderliche Grundwissen und hat seine Fähigkeiten in einer Prüfung unter Beweis gestellt. Allerdings geben diese Berufsbezeichnungen allein noch keinen Aufschluss über den Schwerpunkt der Ausbildung. Sie lassen z. B. nicht erkennen, auf welchem Fachgebiet die Person sich spezialisiert hat: Wirtschaft, Recht, Medizin, Naturwissenschaften, Literatur oder Technik? 

Die Ausbildungsgänge sind unterschiedlich. Diplom-Übersetzer haben ein mehrjähriges Hochschul- oder Fachhochschulstudium absolviert. In den Studiengängen dominiert die sprachliche Ausbildung. Besonders Fachhochschulen bilden verstärkt technische Übersetzer aus und vermitteln den künftigen Übersetzern daher Grundkenntnisse in vielen Technikbereichen.

Staatlich geprüfte Übersetzer haben entweder einen Vorbereitungskurs für die Prüfung besucht (ein bis zwei Jahre lang) oder haben sich in ihrer Berufspraxis die erforderlichen Fähigkeiten angeeignet. Eine ganze Reihe der Leute, mit denen ich gemeinsam meine Staatsprüfung ablegte, hatten eine Fremdsprache studiert oder waren Lehrer. 

Wie in allen anderen Berufszweigen sind jedoch Titel und akademischer Grad auch bei Übersetzern nicht das einzige Kriterium. Weit wichtiger sind oft Erfahrungen.

Beherrschung der Sprachen 

Übersetzer haben es immer mit mindestens zwei Sprachen zu tun (Ausgangs- und Zielsprache). Unabdingbare Voraussetzung für ihre Arbeit ist daher die sichere Beherrschung beider Sprachen in Wort und Schrift.

Sprache ist überdies ein lebendiges Medium. Nichts prägt die Fähigkeiten eines Übersetzers mehr als längerer Aufenthalt in den betreffenden Sprachräumen. Fragen Sie einen Bewerber, der nicht Muttersprachler ist, deshalb nach Auslandsaufenthalten. Welche Zeitungen, Zeitschriften aus dem Land der Zielsprache liest er regelmäßig? Was unternimmt er, um seine Sprachbeherrschung zu erhalten und auszubauen?

Wenn der Bewerber keine der oben genannten Berufsbezeichnungen führt, muss man in Erfahrung bringen, ob er die erforderlichen Kenntnisse in den Grammatiken beider Sprachen auf anderem Wege erworben hat. Prüfen Sie seine Arbeit in einem Test.

Technische Vorbildung 

Der Idealfall für die Übersetzung technischer Texte wäre ein Übersetzer, der nicht nur eine abgeschlossene Übersetzerausbildung hat und Muttersprachler ist, sondern obendrein auf dem Fachgebiet eine zusätzliche Ausbildung genossen hat. Für die Sprachkombination Deutsch/Englisch wäre das z. B. ein Maschinenbautechniker mit Übersetzer- Staatsprüfung und britischem Pass, der seit 15 Jahren in Deutschland lebt. Es liegt auf der Hand, dass diese Kombination derart rar ist, dass man sich bei der Personalauswahl von solchen Idealisierungen lösen muss.

Übersetzer mit zusätzlicher Ausbildung im technischen Bereich sind allgemein rar. Die meisten Kollegen haben sich im Verlauf ihrer Karriere Wissen auf irgendeinem Teilgebiet der Technik angeeignet und sich entsprechend spezialisiert. Die beste Gelegenheit dazu bietet sich durch langjährige Zusammenarbeit mit immer den gleichen Firmen und die Beschränkung auf eine bestimmte Branche. Je eingehender der Übersetzer die hinter einem Text stehende Technik kennt und versteht, 
desto besser wird seine Übersetzung sein.

Das erfordert immer intensive Einarbeitung in die jeweilige Fachsprache und Kenntnisse in dem Fachgebiet. Jemand, der Beschreibungen elektronischer oder hydraulischer Schaltungen übersetzt, muss nicht unbedingt Elektroniker oder Maschinenbau-Ingenieur sein; aber er benötigt ausbaufähiges Grundwissen auf diesen Gebieten. Dieses Wissen kann durch entsprechende Kurse und interne Schulungen erworben werden. Fragen Sie deshalb unbedingt nach der technischen Vorbildung.

Manchmal avancieren Techniker zu Übersetzern. Vielen erscheint dies als der Idealfall schlechthin. Das kann ein Trugschluss sein, weil dem Techniker die Qualifikation des Übersetzers wahrscheinlich fehlt. Er muss sie durch entsprechende Fortbildung erwerben.

Verantwortungsbewusstsein 

Der Übersetzer ist kein Autor. Er überträgt den Text eines anderen in eine Fremdsprache. Je nach Aufgabenstellung kann das Hauptaugenmerk dabei auf den „Sinn“ des Textes oder auf möglichst „wortgetreue“ oder „buchstäbliche“ Wiedergabe gelegt werden. Auf jeden Fall trägt der Übersetzer die Verantwortung dafür, dass die „Botschaft“ des Autors in der anderen Sprache ankommt.

Diese Erkenntnis äußert sich in verantwortungsbewusster, akribischer Arbeit. Jeder Übersetzer muss sich dabei an folgende Grundregeln halten:

  • Übersetze nichts, was Du nicht verstehst.
  • Frage im Zweifelsfall nach.
  • Suche keine einfachen Auswege.
Übersetzen ist nichts für verschlossene Eigenbrödler, die sich in ihrem „Elfenbeinturm“ verkriechen. Entscheidend ist die Fähigkeit zur Selbstkritik. Nur wer sich Verständnislücken eingesteht, wird sich von seinem Schreibtisch erheben und nachforschen. Aufgeschlossenheit und Auffassungsgabe sind der Schlüssel zum erfolgreichen Einsatz des unentbehrlichen Fachwissens. 

Checkliste Qualifikation der Übersetzer

Fassen wir die wichtigsten Kriterien für die Übersetzerauswahl noch einmal zusammen:

  • Wenn möglich Zielsprache als Muttersprache
  • Ausbildung zum Übersetzer, Dolmetscher:

  • - Diplom-Übersetzer
    - Staatlich geprüfter Übersetzer
    - Öffentlich bestellter und vereidigter Urkundenübersetzer
  • Beherrschung der Sprachen

  • - absolut sicher in Wort und Schrift
    - fortgeschrittenes Verständnis der Grammatiken
    - ständiger Kontakt zum betreffenden Sprachraum
    - Test der Arbeit
  • Technisches Verständnis

  • - Vorbildung auf technischen Gebieten
    - Fortbildungs- und Schulungsmaßnahmen
  • Verantwortungsbewusstsein/Ethos

  • - Aufgeschlossenheit
    - Auffassungsgabe
    - Fähigkeit zur Selbstkritik
  • Folgt er den Grundregeln?

  • - Übersetze nichts, was Du nicht verstehst.
    - Frage im Zweifelsfall nach.
    - Suche keine einfachen Auswege.

 
Matthias Schulz
ProfiServices GmbH
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004