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Terminologie – Grundsätze, die Technische Redakteure beachten sollten
 
Übersetzungsfeindliche Satzstrukturen
 
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Wie schreibt man Texte, die sich leicht übersetzen lassen? (Teil 1)

Terminologie – Grundsätze, die Technische Redakteure beachten sollten

Allzuoft ist die Wortverwendung in technischen Dokumenten ein beredtes Beispiel für den leichtfertigen Umgang unserer Gesellschaft mit Sprache an sich. Texte werden oft absichtlich mit bildungssprachlichen Fremdwörtern versehen, die dem Leser signalisieren sollen: Ich (der Schreiber) bin gebildet (und du?). „Imponiergehabe mit Sprache“ nennt man das. In Zeitschriftenartikeln und vielleicht in der Werbung mag das angebracht sein. In den Gebrauchstexten geht es daneben.

In Wirklichkeit ist es ein Zeichen von Intelligenz, wenn man es versteht, eine Sprache zu wählen, die dem Gegenüber gerecht wird. Sich bewußt im Wortschatz einzuschränken, ist keine leichte Übung.

Wir müssen grundlegend verstehen, dass wir zur Kommunikation nur den gemeinsamen Wortschatz von Schreiber und Leser verwenden können.

Die Probleme liegen dabei auf vier Gebieten:

  • inkonsequente Wortverwendung
  • Fremdwörter
  • Firmenjargon
  • übermäßig lange zusammengesetzte Wörter
Wenden wir uns diesen Problemfeldern im Einzelnen zu.

Inkonsequente Wortverwendung

In technischen Texten wollen wir in der Regel keine Vielseitigkeit und Abwechslung bei der Wortwahl. Vielmehr gelten zwei Grundregeln:

  • Nenne ein Ding immer gleich.
    Die Bezeichnung von Bauteilen, Vorgängen usw. sollte im Text nicht variiert werden.
    Schreiben Sie für Bedienpult nicht auch: Bedienfeld, Bedienkonsole, Steuerpult, Steuerfeld, usw.
  • Verwende nie die gleiche Benennung für zwei verschiedene Dinge!
    Solche sog. „Teekesselchen“ (fachsprachlich: „Homonyme“ = gleichlautend, aber mit unterschiedlicher Bedeutung) können Verwirrung stiften und Übersetzungsfehler verursachen.
    Schreiben Sie also nicht „Scheibe“ für die Plexiglasscheibe und die Unterlegscheibe, sonst könnte es einmal einen Satz wie den folgenden geben:
    „Befestigen Sie die Scheibe an der Vorderseite der Maschine mit vier Innensechskantschrauben M6 und Scheiben.“


Wie hält man sich an diese Grundregeln? Meistens lautet die Antwort: „Eine Terminologieliste (oder gar –datenbank) muss her!“ Erfahrungsgemäß ändert sich durch eine Wortliste jedoch gar nichts, weil die Redakteure sie schon nach kurzer Zeit (unter dem ständigen Zeitdruck) nicht mehr verwenden. Terminologiedatenbanken lösen das Problem nur dann, wenn sie zum automatischen Überprüfen der Texte eingesetzt werden können. Doch dazu muss man sehr weit springen:

  • erlaubte und verbotene alternative Benennungen erfassen
  • Benennungen in allen Konjugierungen und Deklinationen erfassen (beim Hauptwort sind das bis zu acht Formen: vier Fälle plus jeweils Einzahl und Mehrzahl)
  • Datenbank akribisch pflegen
Einfacher geht es mit „Hausmitteln“. Erstellen Sie sich von dem Produkt, das Sie beschreiben eine Zeichnung oder einige Bilder. Ziehen Sie Linien in die Zeichnungen und Bilder und schreiben Sie die jeweilige Benennung dazu, die Sie verwenden wollen. Bei umfangreichen Produkten kommt vielleicht ein kleines „Bilderbuch“ zusammen.

Einzelne Zeichnungen können Sie an Ihrem Arbeitsplatz aufhängen, ein Bilderbuch auf dem Tisch liegen lassen. So haben Sie die verwendeten Benennnungen sofort vor Augen.

Diese einfache Lösung beseitigt das Problem und ist gleichzeitig eine wertvolle Informationsquelle für die Übersetzer. Die sollten dann auf jeden Fall die Terminologie auch erfassen, und zwar am besten gleich mit einer professionellen Terminologiedatenbank.

Fremdwörter

Unsere Sprache, besonders die Bildungssprache, ist durchsetzt von zahllosen Wörtern aus anderen Sprachen, vor allem aus dem Lateinischen und Griechischen, neuerdings aus dem Englischen. Tendentiell gilt: je höher die Bildung, desto mehr Fremdwörter werden verwendet.

Solange wir innerhalb einer Gruppe von Personen mit gleicher/ähnlicher Ausbildung kommunizieren, wird das selten zum Problem. Zwei Diplom-Ingenieure für Informatik können sich ohne weiteres nicht nur „Bits und Bytes“ um die Ohren hauen, sondern auch über „Konfiguration“, „Applikation“, „Syntax“ und ähnliches Zeugs reden.

Technische Beschreibungen und vor allem Anleitungstexte sind jedoch oft für Personen gedacht, die ein ganz anderes (oft geringeres) Bildungsniveau haben als der Schreiber. Hier verbieten sich möglicherweise sogar einfache Fremdwörter wie „definieren“ und „modifizieren“. Die Antwort auf die Frage, welcher Wortschatz passend ist, kann dabei nur eine sog. „Zielgruppenanalyse“ liefern. Dabei wird ermittelt, welche Personen die Texte/Anleitungen verwenden werden, welche Ausbildung sie haben und welche Konsequenzen daraus für den Text gezogen werden müssen.

Grundsätzlich gilt daher die Empfehlung:

  • Verzichten Sie auf Fremdwörter, wenn es geläufige deutsche Entsprechungen gibt.
Sprachprofis halten die Sprachen außerdem sauber voneinander getrennt und schreiben kein „Deunglisch“ wie z. B.: „Die Konfiguration muss nach der Installation der Software gefiled und die Dateien müssen deletiert werden.“

Firmenjargon

Firmenjargon beinhaltet Benennungen, für die es in der Fachsprache eingeführte Benennungen gibt, die jedoch (manchmal bewusst) nicht benutzt werden. Wenn dies absichtlich geschieht, besteht das Ziel zumeist darin, das Produkt von denen der Mitbewerber abzuheben. Dies kann beim Übersetzen zu erheblichen Schwierigkeiten führen und auch den Leser des Originaltextes verwirren. Dazu ein Beispiel.

In der Werbeabteilung eines Spritzgießmaschinenherstellers wurde für die eingeführte Benennung „Schließeinheit“ der Spritzgießmaschine die Benennung „Formschluss“ erfunden und in Werbebroschüren und Pressetexten verwendet. Beim Übersetzen kam es zu Rückfragen. Die Übersetzer wollten wissen, was denn der „Formschluss“ ist. Sie kannten (wie die Leser der deutschen Originaltexte) nur die „Schließeinheit“.

Solche Differenzen zwischen der Fachsprache und der Praxis im Unternehmen können zu Hunderten in den Texten vorkommen und wirken sich dann äußerst negativ aus.

Wie löst man dieses Problem? Technische Redakteure sollten sich den Luxus eines technischen Wörterbuches und eines Fachwörterbuches für die jeweilige Branche leisten (soweit verfügbar). Achten Sie besonders bei Neuschöpfungen von Benennungen und Begriffserweiterungen darauf, bereits in Wörterbüchern verwendetes Wortmaterial zu verwenden.

Übermäßig lange zusammengesetzte Wörter

Wohl jeder hat schon einmal über die „Donaudampfschiffahrtsgesellschaftskapitänspatentanwärterschaftsfeier“ gelacht. Doch in technischen Texten kommen häufig zu lange Zusammensetzungen vor. Und das ist eher zum heulen. Solche Zusammensetzungen behindern das Verständnis und sind tendentiell schwer zu übersetzen oder verursachen sogar Übersetzungsfehler.

Deshalb sollten Sie zwei Regeln beim Schaffen neuer Zusammensetzungen unbedingt beachten:

  • Ein zusammengesetztes Hauptwort darf (nach Duden) nicht mehr als drei Glieder haben.
  • Halten Sie Zusammensetzungen sprechbar!
    Sprache kommt von sprechen (oder umgekehrt). Wenn Wörter zu Zungenbrechern ausarten oder Atemlosigkeit verursachen, sind sie definitiv zu lang.
Übermäßig lange Zusammensetzungen dürfen nach Duden mit Trennstrichen gegliedert werden, also z. B.

Spritzgießprozessregelung -> Spritzgiessprozess-Regelung. 

Achten Sie darauf, den Trennstrich an die richtige Stelle zu setzen, sonst kommt es zu Missverständnissen, z. B.

Impulsbreitenmodulation -> Impuls-Breitenmodulation
(= Modulation der Breite mit Hilfe von Impulsen = Unsinn)

Impulsbreitenmodulation ->Impulsbreiten-Modulation
(= Modulation der Impulsbreite = korrekt)

Wenig hilfreich ist die Angewohnheit einiger Zeitgenossen, zwischen allen Bestandteilen des Wortes Trennstriche zu setzen oder die Wortbestandteile einfach getrennt zu schreiben, obwohl sie gemeinsam ein Hauptwort bilden. Das sieht dann so aus:

Impuls-Breiten-Modulation
Impuls Breiten Modulation

Diese Lösung verwirrt vor allem im Satzzusammenhang noch mehr, weil man die Bedeutung nur durch Raten oder Fragen ermitteln kann.

Beim Setzen von Bindestrichen wird auch in Verbindung mit Zahlen oft etwas falsch gemacht. Wenn die Zahl zum Wort gehört, muss sie mit einem Bindestrich an das Wort angebunden werden, z. B.

Zwölfbitanalogdigitalwandler = 12-Bit-A/D-Wandler
nicht: 12 Bit A/D-Wandler

Übersetzungsfeindliche Satzstrukturen

Der Philosoph Immanuel Kant definierte bereits vor über 200 Jahren Qualitätskriterien für die Vermittlung von Informationen:

Wahrheit: Alles, was gesagt wird, sollte wahr sein. Fakten Sollten faktisch sein. Vermutungen sollten als solche gekennzeichnet werden. Keine absichtlichen Abweichungen von der Wahrheit.

Notwendigkeit: Alles, was gesagt wird, sollte relevant sein. Keine überflüssige Information.

Vollständigkeit: Was gesagt wird, sollte alles enthalten, was erforderlich ist, um das Thema zu verstehen. Keine wesentliche Information sollte unterdrückt werden.

Klarheit: Was gesagt wird, sollte so dargelegt werden, dass es so leicht wie möglich verstanden werden kann. Die Fähigkeiten des Empfängers sollten berücksichtigt werden. Nichts sollte unnötig kompliziert sein.

Denken Sie einmal über die Bedienungsanleitungen nach, die Sie in Ihrem Leben bereits gelesen haben. Hallt Kants Qualitätsmerkmal „Klarheit“ da nicht lange nach?

Was macht einen Text unnötig kompliziert? Aus der großen Vielfalt der Möglichkeiten, Übersetzern das Leben schwer zu machen, habe ich die drei wichtigsten ausgewählt:

  • ungeeignetes Passiv
  • unnötige Substantivierung (sog. „Nominalstil“)
  • Aussageanhäufung und Verschachtelung
Ungeeignetes Passiv

Das Passiv, die sog. „Leideform“ eignet sich vorzüglich dazu, einen sachlich distanzierten Text zu schreiben. Es ermöglicht uns, den eigentlichen Akteur in einem Text ungenannt zu lassen. Beispiel:

Die Wartungstür muss geöffnet werden.

Die Tür muss das Öffnen „erleiden“. Wer sie öffnen soll, wird in dem Satz allerdings nicht gesagt. Warum nennt der Schreiber nicht einfach den Akteur?

Vielleicht will er es einfach nicht, oder er weiß nicht, wer der Akteur ist, oder er will nicht von der Hauptsache des Satzes ablenken. Das alles sind berechtigte Gründe für den Einsatz von Passivkonstruktionen. Wir benötigen das Passiv deshalb auch in technischen Texten, besonders in Beschreibungen und Erklärungen.
Allerdings wird das Passiv oft auch für Handlungsanweisungen wie die obige verwendet. Und dafür eignet es sich nicht. Wieso nicht? Das Passiv nicht vermittelt nicht die gewünschte Absicht des Schreibers oder Sprechers.

Nehmen wir an, in Ihrem Büro litten Sie unter stickiger Luft. Würden Sie dann zu Ihrem Kollegen am Fenster sagen: „Wenn das Fenster geöffnet würde, könnte frische Luft hereinkommen“? Wohl kaum; denn das ist einfach nur eine Feststellung. Deren Absicht ist nicht ohne weiteres erkennbar, schon gar nicht aus der grammatischen Konstruktion.

Passender wäre es, durch die gewählte Formulierung auch die Absicht der Äußerung zu übermitteln, z. B.: „Herr Maier, machen Sie doch bitte das Fenster auf!“ Jetzt ist der Zweck klar: Die Äußerung soll den anderen zur Handlung bewegen.

Sie könnten es auch so versuchen:
Befehl: Machen Sie sofort das Fenster auf!
Verlockung: Wenn das Fenster geöffnet wäre, könnte sauerstoffreiche Luft hereinkommen, was uns allen gut täte.
Warnung: Wenn nicht sofort jemand das Fenster öffnet, werden wir alle an Sauerstoffmangel sterben!

Sprache in Gebrauchstexten sollte möglichst effizient sein. Das macht es erforderlich, die richtige Konstruktion zu verwenden, damit die Absicht klar wird. Passiv signalisiert: Bitte zurücklehnen und Information aufnehmen! Imperativ sagt: Tu was!

Deshalb zwei Grundregeln:

  • Verwenden Sie in Handlungsanweisungen niemals das Passiv!
  • Drängen Sie das Passiv in Beschreibungstexten soweit wie möglich zurück!
Passivkonstruktionen sind schwerfälliger und fast immer länger als ihre aktiven Schwestern. Das ist ein weiterer Grund sie einzusparen, wo immer es geht; denn Übersetzen wird in der Regel nach Textmenge bezahlt.

Unnötige Substantivierung (Nominalstil)

Die Seuche der „Hauptwörterei“ beklagten schon viele Stillehrer. Nicht immer zu Recht. Doch in der Dokumentation richtet sich die Kritik vor allem gegen das Substantivieren von Verben. Dazu stehen uns grundsätzlich zwei Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Ableitung: Rechnung von rechnen.
  • Substantivieren des Infinitivs: das Rechnen
Dabei grassiert vor allem die scheußliche Untugend, Substantivierungen mit bedeutungsarmen Streckverben zu paaren, z. B.

Ein Datenaustausch findet zwischen Steuerung und Überwachungseinheit statt.

Das ist sehr unökonomisch und macht die Sprache schwerfällig. Bei genauem Hinsehen erweist sich diese Form der Substantivierung als aufwändiger Unfug. Statt der bedeutungsvollen Substantiv-Verb-Kombination „Daten austauschen“ wird hier der viel abstraktere „Datenaustausch“ verwendet. Damit dieses Hauptwort in den Satz eingebaut werden kann, muss ein neues Verb hinzukommen: stattfinden.

Diese Art der Substantivierung ist somit gekennzeichnet durch:

  • abstrakte Hauptwörter
  • bedeutungsschwache Verben wie stattfinden, dienen, durchführen, ausführen, vornehmen usw.
Das ist typisches „Technikerdeutsch“. Wenn man es auf die Spitze treiben wollte, könnte man sagen: „Techniker nehmen die Fahrung der Ski vor“ statt ganz einfach Ski zu fahren.

Zusätzlich werden Substantivierungen häufig eingesetzt, um Nebensätze einzusparen, z. B.

Durch die Verstellung des Anschlages kann es zur Produktion von Ausschussteilen kommen.

Dieser Satz lautet in gutem Deutsch:

Wenn Sie den Anschlag verstellen, kann Ausschuss die Folge sein.

Technische Texte wimmeln von unnötigen Substantivierungen, die den Text zäh und ungelenk wirken lassen. Darum lautet ein guter Rat, praktisch aller Stillehrer:

  • Verwende keine bedeutungsschwachen Verben!
  • Nutze die Möglichkeit, Nebensätze zu bilden!
    (Es müssen ja nicht gleich Satzgirlanden mit vier Kommata sein.)
Aussageanhäufung und Verschachtelung

Eine der schlimmsten Sprachuntugenden in technischen Texten, ist der Versuch, möglichst viele Aussagen in einen Satz zu pressen, z. B. so:

Nach dem Aufruf des Menüs „Rüsten“ erscheint eine Bildschirmmaske, die sowohl die direkte Eingabe grundsätzlicher Rüstdaten ermöglicht, als auch den Aufruf zweier zusätzlicher Untermenüs zur Eingabe von Rüstdaten für das Lackierwerk und den Trockner zuläßt.

Haben Sie mitgezählt? Der Satz enthält nicht weniger als vier Aussagen, die zudem so ineinander verschachtelt sind, dass der Sinn unklar wird. Stellen Sie sich vor, sie müssten das übersetzen!

Wie passiert so etwas? Ganz einfach: Nur wer klar denkt, kann auch klar schreiben. Wir müssen uns in anleitenden Texten angewöhnen, erst fertig zu denken, was wir sagen wollen, und dann eins nach dem anderen zu erklären. Auffällig oft sind in technischen Beschreibungen typische Aussagepaare jeweils in einen Satz gepresst:

  • Ursache und Wirkung (oder umgekehrt)
  • Aktion und Reaktion
  • Tatsache und Begründung
  • Merkmal und Zweck des Merkmals
Als Verständnishilfe für Leser und Übersetzer empfehlen Schreibprofis daher folgendes:
  • Ein Satz eine Aussage!
  • Eine Handlungsanweisung pro Satz!
  • Denkpausen durch Satzenden schaffen!
Das obige Beispiel könnte derart verbessert wie folgt lauten:

Nach dem Aufruf des Menüs „Rüsten“ erscheint eine Bildschirmmaske. In dieser Bildschirmmaske können Sie:

  • grundsätzliche Rüstdaten eingeben,
  • die beiden Untermenüs „Rüstdaten für Lackierwerk“ und „Rüstdaten für Trockner“ aufrufen und dort Daten eingeben.
An dieser Lösung läßt sich noch eine weitere Regeln gut veranschaulichen. Oft kann man aus einem unnötig komplizierten Satz eine Liste machen. Doch dann müssen Sie unbedingt folgendes beachten:
  • Bei Listen muss entweder der Einleitungssatz ein grammatisch vollständiger Satz sein, oder der Einleitungssatz muss mit jedem Punkt der Liste zusammen einen vollständigen Satz bilden.
  • Einer Liste darf kein Satzteil nachgestellt werden.
Zum besseren Verständnis illustriere ich diese Regel an einem weiteren Beispielsatz, der eine sog. „Umklammerung“ enthält:

Die Hubkraft des Kranes hängt von dem maximal zulässigen Seilzug des Hubwerkes, der Anzahl der möglichen Hubseileinscherungen und der Haltekraft der Seilzugbremse ab.

Zwischen Vorsilbe und Stamm des Verbs „abhängen“ sind hier mehrere Aufzählungspunkte eingebettet. Sie werden von dem Verb gleichsam „umklammert“. Statt der Vorsilbe kann auch ein Hilfsverb die Klammer bilden, z. B. im Passiv: „wird... geöffnet“, oder im Perfekt: „hat...geschaltet“.

Die heute häufig verwendete schlechte Lösung besteht darin, die Auflistung einfach typografisch kenntlich zu machen. Vermeintlich schafft das Textverständlichkeit:

Die Hubkraft des Kranes

  • hängt von dem maximal zulässigen Seilzug des Hubwerkes,
  • der Anzahl der möglichen Hubseileinscherungen
  • und der Haltekraft der Seilzugbremse
ab.

Das ist in Wirklichkeit eine „Verschlimmbesserung“. Denn in vielen Sprachen kann man das so nicht machen. Deshalb muss diese Lösung nicht nur anders übersetzt, sondern auch anders formatiert werden. Für ein „Translation-Memory“ sind solche Gebilde unbrauchbar.

Die richtige Lösung besteht darin, einen vollständigen Einleitungssatz zu schreiben und dann die Aufzählung sauber nachzustellen, z. B. so:

Die Hubkraft des Kranes hängt von folgenden Faktoren ab:

  • dem maximal zulässigen Seilzug des Hubwerkes,
  • der Anzahl der möglichen Hubseileinscherungen,
  • der Haltekraft der Seilzugbremse.
Ich habe hier mehrere Wörter zur Verdeutlichung eingefügt (von folgenden Faktoren). Die Umklammerung ist bestehengeblieben, aber viel weniger gespreizt. Einige Schreibschulen empfehlen eher folgende Lösung:

Die Hubkraft des Kranes hängt ab von:

  • dem maximal zulässigen Seilzug des Hubwerkes,
  • der Anzahl der möglichen Hubseileinscherungen,
  • der Haltekraft der Seilzugbremse.
Ist das Deutsch? Urteilen Sie selbst. Ich finde es grauslig.
 
 
Matthias Schulz
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