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  Inhalt:
 
 
 
Verständnis - Verstehen 
 
Verständllchkeits- Dimensionen
 
Vorbereitung der Vorlesung
 
Durchführung der Vorlesung
 
Arbeiten mit der Tafel 
 
Arbeiten mit dem Overhead-Projektor 
 
Arbeiten mit Umdrucken/Skripten 
 

 

Wissensvermittlung

Verständlichkeit, Vortrag, Medieneinsatz

Normen und Richtlinien begleiten den Arbeitsalltag des Technischen Redakteurs. Doch wenn es um Wissensvermittlung geht, ist es manchmal hilfreich, sich zusätzlicher Informationsquellen zu bedienen. 

Die folgenden Auszüge aus den Merkblättern „Lehren an der Fachhochschule“ (herausgegeben vom Lenkungsausschuß für Hochschuldidaktik an den Fachhochschulen Baden-Württembergs) listen wichtige Punkte für Vorträge (Vorlesungen) und schriftliche Unterlagen auf.

Verständnis - Verstehen 

Verständnisprobleme entstehen bei der Vermittlung von 

  • außergewöhnlich komplexen Zusammenhängen 
  • Begriffen mit hohem Abstraktionsgrad 
  • besonders langen Schlußfolgerungsketten 
  • tiefliegenden Einsichten 
  • Sachverhalten mit viel Interdependenzen 
Bewährte Verstehens-Strategien sind: 
  • Beispiele zum Konkretisieren und Verdeutlichen heranziehen 
  • Informationsdichte durch verständnisfördernde Erklärungen, Strukturierungen, Illustrationen etc. verringern 
  • zunächst heuristisch vereinfachen 
  • Vortragsgeschwindigkeit zurücknehmen 
  • Fragen stellen und Studenten zum Fragen auffordern; ggf. diskutieren 
  • lerntechnische Strategien zur Problembewältigung erläutern 
  • das Gleiche "mit anderen Worten" sagen 
Ordnen sie neues Wissen in vorhandene Wissenstrukturen ein. Machen Sie dabei den Roten Faden Ihrer Methodik transparent! 
...

Verständllchkeits-Dimensionen 

bei Texten (Relevanz in dieser Reihenfolge) 

  • Einfachheit 
  • Gliederung, Ordnung 
  • Prägnanz 
  • Stimulanz 
bei Bildern mit primär gedächtnis-unterstützender oder motivationaler Funktion (Relevanz in dieser Reihenfolge) 
  • Stimulanz 
  • Gute Gestalt 
  • Einfachheit 
  • Text-Bild-Komplementarität 
bei Bildern mit primär informativer oder problemlösender Funktion (Relevanz in dieser Reihenfolge) 
  • Text-Bild-Komplementarität 
  • Einfachheit 
  • Gute Gestalt 
  • Stimulanz
Vorlesung, Medieneinsatz

Vorbereitung der Vorlesung

... Ihr Vorlesungsmanuskript sollte außer den eigentlichen Fachinformationen methodische Hinweise für die Durchführung der Vorlesung enthalten: 

  • Fragen an die Studenten 
  • Gestaltung des Tafelanschriebes 
  • Strukturierungshilfen 
  • Austeilung / Besprechung von Umdrucken 
  • Medienwahl und Medienwechsel 
Inspizieren Sie noch vor Beginn der Vorlesungen die Ihnen zugewiesenen Hörsäle hinsichtlich Größe, Medieneinrichtung, Lichtverhältnisse, Abdunklungsmöglichkeiten etc.

Durchführung der Vorlesung 

Praktizieren Sie die für die Fachhochschule typische "Seminaristische Unterrichtsform": Fragen Sie und lassen Sie die Studenten fragen. 

Sprechen Sie laut und deutlich. Richten Sie das Vortragstempo so ein, daß die Studenten gut mitkommen. 

Behalten Sie stets Blickkontakt mit dem Auditorium! Sorgen Sie für ein gutes Arbeitsklima. 

Ermuntern Sie die Studenten sich in die vorderen Reihen zu setzen. Sie gewinnen damit einen besseren Kontakt. 

Jede Vorlesung sollte die Studierenden zur Selbständigkeit erziehen. Denken Sie an diese Maxime, wenn Sie mit der
Stoffülle Probleme bekommen. Delegieren Sie Lehrstoff (Übungen, Hausaufgaben etc.). 

Arbeiten mit der Tafel 

Für die Tafel sollten Sie sich entscheiden, wenn 

  • umfangreiche Informationsmengen zu visualisieren sind und 
  • das Mitschreiben bzw. Mitzeichnen selbst zum Lernprozeß gehört. 
Beispiele: Mathematische Herleitungen. Programmentwicklungen, Konstruktionen. Entwürfe, Pläne u. a. 

Die Tafel ist nicht geeignet zur Darstellung größerer Textmengen oder komplexer Grafiken, deren Entwicklung enorm zeitaufwendig wäre und lernziel-irrelevant ist. Benutzen Sie dafür Umdrucke, Folien, Dias etc. 

Achten sie unbedingt auf Prägnanz: 

  • Telegrammstil statt Aufsatzepik 
  • Strukturiertes Tafelbild 
  • Geschickte Visualisierung abstrakter Sachverhalte 
  • Lernwirksame Bilder als Gedächnishilfen 
Unterbrechen Sie die Tafelarbeit so oft als möglich und nehmen Sie Blickkontakt zu den Studenten auf. 

Schreiben Sie gut leserlich, genügend groß (aber auch nicht zu groß!) und mit einem Tempo, das den Studenten neben dem Mitschreiben auch ein Mitdenken ermöglicht. 

Arbeiten mit dem Overhead-Projektor 

Für den Einsatz des Tageslicht-Projektors (d. h. von Folien) entscheiden Sie sich, wenn bzgl. der Herstellung aufwendige Text-Bild-Grafiken präsentiert werden müssen.

Beispiele: Diagramme, Ablaufpläne, semantische Netze, Organisationsschemata, Strukturformen, Überblicke, Leitsätze, Zusammenfassungen etc. 

Folien sind nicht geeignet für platzaufwendige Entwicklungen (-> Tafel) oder stark detaillierte Grafiken, deren Zeichen wegen der notwendigen Verkleinerung nicht mehr zu erkennen sind (-> Umdrucke).

Beispiele: Rechnerausdrucke, längere Textpassagen, abgelichtete (und nicht vergrößerte) Abbildungen aus Büchern, Konstruktionspläne mit vielen Einzelheiten etc.
Die meisten technischen Zeichnungen eignen sich nicht für die Projektoren. 

Für die Folienbeschriftung gilt bei einem maximalen Abstand von 10 m:

  • Zeichenhöhe mindestens 5 mm
  • Zeichendicke: 0,5 - 1,0 mm.
Kontrollmöglichkeit: Kleben Sie eine fertige Folie an die Fensterscheibe und nehmen Sie 2 bis 3 m Abstand. Oder schauen Sie sich die Folienprojektion aus der hintersten Reihe des Hörsaals an. Können Sie alles gut (!) lesen?

Die meisten Folien sind völlig überladen! Entschlacken Sie! "Weniger ist mehr"! 

In der Regel werden die Folien als Kopien ausgeteilt, also nicht mitgeschrieben. Die Studierende sollten aber dazu angehalten werden, einzelne, ihnen wichtig erscheinende Bemerkungen in die Kopien einzutragen. Teilen Sie die Kopien vorher aus, ggf. alle Kopien gebündelt zu Vorlesungsbeginn. 

Arbeiten mit Umdrucken/Skripten 

Was immer Sie als Umdruck verteilen:
sorgen Sie für seine Verarbeitung! Besprechen Sie den Inhalt in der Vorlesung oder formulieren Sie eine Hausaufgabe als Arbeitsauftrag. 

Lassen Sie etwas freien Platz, damit die Studenten zusätzliche Notizen eintragen können. 

Vollständige Skripten herauszugeben ist nicht unproblematisch: oft wird dann nur noch geblättert, es wird nichts mehr mitgeschrieben und nicht selten bleiben die Studenten der Vorlesung fern. 

Vollständige Skripten sind dann nützlich, wenn sie alle wesentlichen Informationen enthalten, zugleich aber Ihnen noch Raum lassen, das zu bringen, was das Skript nicht kann: dramaturgische Gestaltung, Motivationen, sprachliche Faszination, Interaktionen, spontane Überlegungen, ausführliche Erläuterungen schwieriger Sachverhalte etc. 

Unvollständige Skripten, sog. Lückenskripten, haben den Vorzug, Aktivitäten auszulösen.

Die Lücken müssen didaktisch gut eingeplant werden. Schreiben langer Texte bringt wenig. Sinnvoll ist: Entwerfen einfacher Skizzen, Entwickeln von Lösungen, Berechnen, Sammeln, Programmieren, Brainstor-minas, Heuristiken
etc.

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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004