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Anleitung der Firma Bosch
Das Äußere
Der Inhalt
Anleitung in Text und Bild
Gebrauchsanleitung der Firma Philips
Das Äußere
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Anleitung in Text und Bild
Fazit
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Unter der Lupe

Im Vergleich: zwei Anleitungen für einen Stabmixer

Unter der Lupe hat zum einen eine Gebrauchsanleitung der Firma Bosch für die Modelle MSM 5220 und MSM 5330 gelegen, zum anderen eine Anleitung für die Philips-Modelle HR 1355 bis 1357.

Beginnen wir mit der Anleitung der Firma Bosch:

Das Äußere

In dem recht umfangreichen, rückenstichgehefteten DIN-A5-Heft (72 Seiten), das der Kunde in die Hand bekommt, sind Gebrauchsanleitungen in 18 Sprachen zusammengefasst, ergänzt durch Garantiebedingungen und Kundendienstadressen. Eine gute Druckqualität, ein klares, zweispaltiges Layout, eine leicht leserliche Groteskschrift in akzeptabler Größe sowie Abbildungen ordentlicher Qualität kommen dem Leser entgegen. Für den Einsatz in der Küche dürfte allerdings die Papierqualität nicht ganz so geeignet sein: Wasser und Fett werden sicherlich leicht aufgesogen.

Der Inhalt

Die deutschsprachige Anleitung umfasst drei Seiten, zwei Ausklappseiten mit Abbildungen kommen hinzu. Auf einen kurzen einleitenden Abschnitt (incl. einer Definition der bestimmungsgemäßen Verwendung) folgen diese Kapitel:
Auf einen Blick (eine kommentierte Legende zu den Abbildungen)

  • Sicherheitshinweise
  • Hinweise zur Entsorgung
  • Bedienen
    •  Mixerfuß
    •  Schneebesen
    •  Passiereinsatz für Obst und Gemüse
    •  Universalzerkleinerer
  • Nach der Arbeit/Reinigen
    •  Mixerfuß reinigen
    •  Schneebesen reinigen
    •  Passiereinsatz reinigen
    •  Universalzerkleinerer reinigen
  • Tipps zum Zerkleinern im Universalzerkleinerer
Die Hinweise zur Entsorgung würde man wohl eher am Ende der Anleitung erwarten. Dass sie sich hier am Anfang befinden, dürfte den Leser zwar kaum stören (es handelt sich um nur vier Zeilen). Der Hersteller tut sich selbst aber keinen Gefallen mit dieser Anordnung, denn er stößt den Leser, der doch gerade erst ein neues Gerät gekauft hat, sofort darauf, dass dieses Gerät eine begrenzte Lebensdauer hat und womöglich bald schon wieder zu entsorgen ist. 

Vermisst werden auf den ersten Blick technische Daten (zumindest die Netzspannung) sowie Hinweise zu Funktionsstörungen, die möglicherweise auftreten können, oder zur Reparatur (und sei es nur der Hinweis, dass der Besitzer das Gerät nicht zwecks Reparatur öffnen soll). Letztgenannten Hinweis findet man beim näheren Hinsehen dann aber doch noch im Kapitel „Sicherheitshinweise“.

Anleitung in Text und Bild

Umfang und Qualität lassen darauf schließen, dass die Abbildungen wesentlicher Bestandteil der Anleitung sind. Wie wirken sie mit dem Text zusammen? Unterstützen sie den Leser dabei, die Anleitung zu verstehen? Als Beispiel soll der Umgang mit dem Universalzerkleinerer dienen:

Im Kapitel „Bedienen“ findet der Leser das Unterkapitel „Universalzerkleinerer“. Hier erfährt er, was er mit dem Universalzerkleinerer anfangen kann: „Zum Zerkleinern von Kräutern, Zwiebeln, Obst, Gemüse, Hartkäse und Fleisch“ – ein für den Leser sehr hilfreicher Hinweis. Schließlich hat er ein Gerät gekauft, das aus einem Grundgerät (dem „Stab“) und einer ganzen Reihe von Vorsätzen besteht, die er je nach Verwendungszweck auswechseln muss. 

Nachdem der Leser entschieden hat, dass er den Universalzerkleinerer braucht, muss er natürlich wissen, welcher von all den Vorsätzen, die seinem Gerät beiliegen, denn nun derjenige ist, den er gerade benötigt. Hier helfen ihm die Modell-Übersicht (siehe Bild 1) sowie eine weitere Abbildung (siehe Bild 2) zusammen mit den Angaben im Kapitel „Auf einen Blick“ (siehe Bild 3) weiter. Solange der Leser nicht weiß, wie der Universalzerkleinerer aussieht, kann er den Vorsatz in der Modell-Übersicht nicht identifizieren. Im Kapitel „Auf einen Blick“ erfährt er, dass der Universalzerkleinerer nicht allen Modellen beiliegt und dass er in Bild 10 der Anleitung (hier: Bild 2) dargestellt ist.

Bild 1: Welches Zubehör für welches Modell?


 
Bild 2: Erst 1., dann 2., dann 3. Aber wohin mit dem Deckel?

Bild 3: Nicht jeder Kunde hat einen Universalzerkleinerer.

Um den Universalzerkleinerer richtig zu verwenden, hat der Leser drei Informationsquellen, die er parallel nutzen kann bzw. muss: den bereits bekannten Absatz aus dem Kapitel „Auf einen Blick“ (siehe Bild 3), das ebenfalls bereits bekannte Bild 10 der Anleitung (hier: Bild 2) sowie natürlich auch das Kapitel „Universalzerkleinerer“, das folgenden Text bietet (siehe Bild 4):

Bild 4: Den Universalzerkleinerer bedienen – in sieben Schritten

Richtet der Leser sich nur nach dem Kapitel „Auf einen Blick“, so wird er den Universalzerkleinerer nicht richtig aufstellen und auch das Zerkleinerungsmesser nicht einsetzen. Lässt er aber das Kapitel „Auf einen Blick“ außer Acht, so wird er nicht erfahren, wie die Teile a, b und c aus Bild 10 der Anleitung in seinem Text benannt sind bzw. was mit „Aufsatz“ und „Universalzerkleinerer“ in seinem Text gemeint ist. Was im Text mit „Grundgerät“ gemeint ist, muss der Leser sich sowieso schon selbst denken; dieser Begriff wird zwar mehrfach in der Anleitung verwendet, aber an keiner Stelle definiert. Dabei ist durchaus eine Abbildung des (mutmaßlichen) Grundgeräts vorhanden (siehe Bild 5); man hätte sie nur benummern und in die Legende mit aufnehmen müssen.

Bild 5: Incognito: das Grundgerät

Wozu der Deckel c gut ist, wird weder im Bild noch im Kapitel „Universalzerkleinerer“ deutlich: Im Bild ist er zwar vorhanden und wird mittels einer gestrichelten Linie vage einer Position irgendwo zwischen Universalzerkleinerer und Aufsatz zugeordnet, aber welche Funktion soll er dort haben? Auch sagt kein Pfeil aus, dass er dorthin bewegt werden soll, und keine Nummerierung (1., 2., 3.) deutet an, wann das geschehen soll. Im Kapitel „Universalzerkleinerer“ kommt der Deckel gar nicht vor. Erst im Kapitel „Auf einen Blick“ wird der Leser klüger. Dort heißt es: „Deckel zum Aufbewahren verarbeiteter Lebensmittel auf den Universalzerkleinerer setzen“. Also hat der Deckel keine Funktion beim Zerkleinern, sondern mit Hilfe des Deckels wird (nach der Arbeit) aus dem Werkzeug ein Gefäß.

Weder aus Bild 10 der Anleitung noch aus einem der beiden Texte kann der Leser entnehmen, wie das Zerkleinerungsmesser eingesetzt wird. Im Kapitel „Auf einen Blick“, das ja als Legende der Bildseiten fungiert, ist das Zerkleinerungsmesser als Bestandteil des Universalzerkleinerers nicht erwähnt. So entsteht der Eindruck, dass es sich nicht um ein separat entnehmbares Messer handelt, sondern dass es fest in den Universalzerkleinerer integriert ist. Auch in Bild 10 ist das Messer zusammen mit dem Universalzerkleinerer als eine Einheit zu sehen. Vor diesem Hintergrund überrascht es, wenn im Kapitel „Universalzerkleinerer“ die Anweisung gegeben wird: „Zerkleinerungsmesser einsetzen.“ Wo findet man denn das Messer? Ist es etwa nicht von vornherein im Universalzerkleinerer vorhanden? Und: Wie wird es eingesetzt? Woran wird es befestigt? Da Messer üblicherweise scharf sind, vermisst man an dieser Stelle auch einen knappen Warnhinweis bzw. eine Anweisung, wie man das Messer anfassen kann, um sich nicht zu schneiden.

Antworten auf all diese Fragen sind in der Anleitung durchaus vorhanden, nur nicht an dieser Stelle, wo sie aktuell benötigt werden: Im Kapitel „Sicherheitshinweise“ wird vor scharfen Messern gewarnt. Dort heißt es auch, dass man das Zerkleinerungsmesser am Kunststoffgriff anfassen soll. Dieser Hinweis ist im Kapitel „Universalzerkleinerer reinigen“ noch einmal zu finden. Und in einem Bild ist dargestellt, woran das Zerkleinerungsmesser befestigt wird. Allerdings nicht in Bild 10 der Anleitung, sondern in Bild 9. Dort wird nämlich dazu angeleitet, das Messer aus dem Universalzerkleinerer herauszunehmen, damit man den Passierstab zusammen mit dem (messerlosen) Universalzerkleinerer benutzen kann.

Trotz der guten grafischen Qualität der Abbildungen müssen somit Schwächen insofern festgestellt werden, als Text und Abbildung zusammen die Inhalte der Anleitung nicht optimal transportieren. Text und Bild sind nicht konsequent aufeinander bezogen, die Informationen müssen teilweise mühsam aus mehreren Textpassagen und Bildern zusammengesucht werden.

Nun zur Gebrauchsanleitung der Firma Philips:

Das Äußere

Die Gebrauchsanleitung der Firma Philips für ihre Stabmixer Essence HR 1355 bis 1357 kommt als rückstichgeheftetes DIN-A6-Heft, ebenfalls knapp 70 Seiten stark, daher. Auf den ersten Blick wirkt sie etwas unübersichtlich, was wohl zum einen dem Format zuzuschreiben ist (auf den Seiten herrscht drangvolle Enge), zum anderen tragen diverse Balken in Schwarz und in einer zweiten Farbe (ein Rostrotton), invertierte Schrift auf diesen Balken, Linien, winzige Abbildungen und unterschiedliche Schriftschnitte, deren Bedeutung nicht auf Anhieb deutlich wird, zur Unübersichtlichkeit bei. Was die Papierqualität angeht, so dürfte die Anleitung von Philips in der Küche genauso leiden wie die von Bosch. Das verwendete Recyclingpapier ist weder wasser- noch fettresistent.

Der Inhalt

Das Heft enthält Gebrauchsanleitungen in 13 Sprachen. Die Garantiebedingungen sind auf einem separaten Faltblatt beigefügt.
Folgende Kapitel sind in der deutschsprachigen Anleitung (5 Seiten) ausgewiesen:

  • Wichtig 
  • Der Gebrauch des Geräts
    • Der Mixstab
    • (Nur Typen HR1356 und HR1357:) Der Zerkleinerer
    • (Nur Type HR 1357:) Drahtquirl
  • Reinigen
  • Mengen und Zubereitungszeiten
Das Kapitel „Wichtig“ enthält Sicherheitshinweise incl. Angaben zur bestimmungsgemäßen Verwendung. Die Entsorgung des Geräts wird nicht thematisiert, technische Daten oder die Reparatur sind in der Anleitung von Philips genauso wenig ein Thema wie bei Bosch.

Ausklappseiten mit Abbildungen gibt es nicht, stattdessen sind die Abbildungen links neben der Textspalte angeordnet. 

Anleitung in Text und Bild

Genauso wie bei Bosch wirken auch hier Text und Bild zusammen. Aber wie? Auch Philips hat einen Zerkleinerer im Programm – ein Vergleich bietet sich hier an.

Die Information, für welche Modelle der Zerkleinerer zur Verfügung steht, kann der Leser schon aus der Überschrift entnehmen: „Nur Typen HR1356 und HR1357“. Wie der Zerkleinerer aussieht, zeigen die dem Kapitel zugeordneten Abbildungen (siehe Bild 6) zusammen mit der Titelseite der Anleitung (siehe Bild 7).

Bild 6: Alles klar für den, der gute Augen hat

Bild 7: Gruppenbild mit Zerkleinerer (links)

Allerdings muss der Leser schon gute Augen haben. Die Farbe, ein schlechter Kontrast und auch einfach die sehr geringe Größe der Abbildungen führen dazu, dass Details nur schlecht zu erkennen sind.

Nicht ganz klar ist, welches der Bilder den Zerkleinerer in seiner Gesamtheit zeigt. Hier hilft das Titelbild der Anleitung weiter, auf dem eine Ansammlung von Zubehörteilen zusammen mit dem Gerät (bei Bosch: „Grundgerät“, bei Philips nicht näher bezeichnet) zu sehen ist – links im Bild der Zerkleinerer, zu dem offenbar auch die abgebildete Haube gehört.

Vergleicht man den Inhalt des Kapitels mit den Anweisungen, die in der Bosch-Anleitung enthalten sind, so könnte man zu dem Schluss kommen, dass der Stabmixer von Philips einfacher zu bedienen ist als der von Bosch. Viele der Anweisungen, die die Bosch-Anleitung gibt, fehlen hier. Kein Wort von einer sauberen Arbeitsfläche, kein Wort von Lebensmitteln, kein Wort vom Netzstecker. Nun mag es sein, dass manche Unterschiede daher rühren, dass es sich um zwei verschiedene Geräte handelt. Aber Lebensmittel einfüllen? Das wird wohl in beiden Fällen nötig sein. Die Frage ist nur: Ist es auch nötig, das zu erwähnen? 

Texteinsparungen in der Philips-Anleitung beruhen offensichtlich unter anderem auch darauf, dass die Abbildungen einen größeren Informationsgehalt haben. Dass das Messer eingesetzt wird, sieht man auf der ersten Abbildung bei Philips. Und: Man sieht – anders als bei Bosch – auch, wie es eingesetzt wird. Zwar wird bei Philips nicht erwähnt, dass man Lebensmittel in den Zerkleinerer einfüllen muss. Aber auf der zweiten Abbildung ist deutlich zu sehen, dass Lebensmittel eingefüllt worden sind. Und den Hinweis, das Gerät mit beiden Händen festzuhalten, gibt die Philips-Anleitung ebenfalls per Abbildung. Schade, dass die Abbildungen so schlecht zu erkennen sind. Schließlich haben sie einiges zu bieten.

Der Text beginnt auch bei Philips mit dem Hinweis, was der Benutzer mit dem Zerkleinerer machen kann (genauso wie in der Bosch-Anleitung). 

Auf diese nützliche Zuordnung des Zerkleinerers zu seinem Aufgabengebiet folgt eine Warnung: „Achten Sie darauf, dass …“ Diese Warnung wird vermutlich nur wenige Leser erreichen. Zunächst einmal ist sie als Warnung nicht zu erkennen, da sie in keiner Weise hervorgehoben wurde. Hinzu kommt, dass sie ohne Weiteres nicht verständlich ist: Das Verbindungsstück soll ordnungsgemäß mit dem Zerkleinerer verbunden sein. Aber was ist überhaupt mit „Verbindungsstück“ gemeint? Aus den Abbildungen geht das nicht hervor. Und was heißt „ordnungsgemäß“? Das Wort bedeutet nichts, wenn nirgendwo beschrieben ist, was „in Ordnung“ ist und was nicht. Unverständlich, wie sie ist, bleibt die Warnung nutzlos.

Warum die folgenden beiden Absätze im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen mit 1 und 2 nummeriert sind, erschließt sich nicht. Die Tipps, die die beiden Absätze enthalten, sind sicherlich nützlich. Ihre Reihenfolge dürfte aber völlig beliebig sein. Derartige Tipps sind übrigens in der Bosch-Anleitung in größerer Anzahl und wesentlich konkreter formuliert im Kapitel „Tipps zum Zerkleinern im Universalzerkleinerer“ enthalten.

Fazit

Offenbar haben beide Anleitungen ihre jeweiligen Stärken und Schwächen. Die Bosch-Anleitung nimmt den Leser durch Übersichtlichkeit und eine gute Leserlichkeit von Text und Bild für sich ein. Die Philips-Anleitung fällt dagegen optisch ab, auch stellt sie hohe Anforderungen an das Sehvermögen des Lesers. Trotz einiger Mängel dürfte es möglich sein, anhand beider Anleitungen das jeweilige Gerät zu bedienen.
 
 
 


Ulrike Grüne
Bochum
 
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© ADOLPH Verlag GmbH - Letztes Update 03.05.2004